[B]: Falsche Militanz auf Spontandemo.

teilnehmende beobachte 28.04.2011 00:30 Themen: Antifa
Wegen der Brandanschläge von Nazis auf zwei alternative Wohnprojekte in Greifswald fand heute abend ab 21:30 eine Sponti in Berlin-Neukölln statt.
60 bis 80 Leute zogen lautstark und entschlossen vom S-Bahnhof Neukölln zur U-Bahn Station Karl Marx-Straße. Es gab Bengalos und ein Fronttranspi, es kam auch zu einigen militanten Aktionen, Steine und Flaschen wurden geworfen, Böller und laute Böller knallten. Wir halten manches davon für absolut unangemessen.
Autonome sind, auch wenn es die bürgerliche Presse gerne so hätte, keine kopflosen Chaoten, die einfach nur alles kaputtmachen wollen, sondern Menschen, die sich mit den befriedeten Verhältnissen nicht zufrieden geben und sich bei ihrem legitimen Handeln nicht an die Gesetze der Herrschenden halten.
Das bedeutet aber nicht, dass es nun immer und überall angemessen ist, laute Böller in die Luft zu schmeißen und Banken zu zerlegen. Und hier war definitiv der falsche Ort für den massiven Einsatz dieser Aktionsform.
Als Teilnehmende möchten wir uns ganz unsolidarisch vom Einsatz des Mittels distanzieren, auch auf einer öffentlichen Plattform wie Indymedia.
Die deutsche Bank und Schlecker sind zwar an sich keine falschen Adressen, wenn sich aber in unmittelbarer Nähe zu den Objekten Passant_innen, auch Kinder, befinden wird aus Militanz als Mittel ein verantwortungslos angewendeter identitärer Selbstzweck.
Militanz muss vermittelbar und angemessen bleiben und mögliche Folgen für andere Menschen müssen mitbedacht werden, auch nach einem Naziangriff, auch auf einer Sponti in Neukölln.
Zu einer Militanzdebatte gehört auch das Eingeständnis, dass das Mittel manchmal falsch gewählt wurde.

Wir wissen, dass Geheimdienst und Presse die Bewegung gerne anhand der "Gewaltfrage" spalten, dass Körting in jedem Indymedia-Kommentar eine Distanzierung entdeckt. Aber wir finden es auch angemessen, missglückte militante Aktionen nicht einfach totzuschweigen oder bis zur nächsten AVV zu warten, sondern sie zu kritisieren, ohne in eine unreflektierte Kritik militanter Aktionen zu verfallen. Denn deswegen sind wir hier so leidenschaftlich, weil wir Militanz in den derzeitigen und kommenden Kämpfen und Bewegungen für wichtig und richtig halten.
Wir hoffen, dass für Naziangriffe demnächst eine angemessenere Antwort als das Zerlegen von Neukölln gefunden wird.
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Ergänzungen

Steine und Böller als Artikulationsmittel

Diskordisches Chaoskommando-Sektion Ost 28.04.2011 - 01:53
Offizielle Mitteilung des Diskordischen Chaoskommandos-Sektion Ost


Wir, das Diskordische Chaoskommando-Sektion Ost, schließen uns der Meinung und dem im obigem Text vertetenem Standpunkt vorbehaltlos an.
Es gab verschiedene positive Resonanzen auf die Demonstration, von solidarischen Rufen bis hin zu hupenden Fahrzeugen.

Unverständlich war der Einsatz von Böllern gegen ein asiatisches Restaurant, ob unbeabsichtigt oder nicht, ein Mitarbeiter des genannten Rstaurants musste von der Tür weg springen.
Eine Demonstration die die Bevölkerung auf Naziangriffe aufmerksam machen will, sollte es vermeiden dieselbige Bevölkerung durch unüberlegte Handlungen Gefahren auszusetzen.

Sinnlose Zerstörungswut sollte kein Ausdruck "alternativer Strukturen" sein.
In unseren Augen ist sie das auch nicht.
Unreflektierte Handlungen von Menschen tragen nicht zu einer postitiven Veränderung der Situation bei und sind insofern kontraproduktiv.
Steine und Böller sind keine Artikulationsmittel gegenüber der Bevölkerung.
Sie können Ausdruck der Wut oder der Trauer sein, sollten aber mit Bedacht verwendet werden.

Es ist nicht immer von Vorteil alles Aggressiv anzugehen, generell fallen die Versuche die Mitmenschen zu informieren eher gering aus, "alternative Propaganda" scheint sich darauf auszurichten das eigene Klientel entweder anzuheizen oder noch weiter gegen "alles andere" zu verschwören.
Der "Durchschnittsmensch" muss und sollte nicht als Feind gesehen werden.
Es ist viel mehr notwendig die durch Medien aufbaute Skepsis gegenüber alternativen Lebens durch Information und Annäherung abzubauen.

Keinesfalls ist so eine Diskussion hier unangebracht denn Indymedia hat in der Bevölkerung noch einen gewissen Bekanntheitsgrad.
Die Möglichkeit Dinge klar zu stellen beziehungsweise die Kenntnisnahme ist eher gegeben als auf irgendwelchen "Untergrunddiskussionsforen" oder gar irgendwelcher Diskussionsrunden über "alternative Politik" da diese entweder wenig oder gar keine Wirkung beziehungsweise Ergebnisse nach außen tragen.



Verwirrte Grüße an das IKuWo in Greifswald und beste Wünsche für die morgige Kundgebung.

Diskordisches Chaoskommando-Sektion Ost






Fünf ist Rechtsaußen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 17 Kommentare an

Falscher Ort — DerTrollVomDienst

Scheiss Kölner, verpisst euch in die — verbotene Stadt, ab nach DÜSSELDOOF

schwachsinn — blakeks

keine träne der deutschen bank — mili tanzt auf dem eis

Außenwirkung — Icke

rechtfertigung — teilnehmende beobachter

Aktionskritik — scoobydoo

jaja — blieb zuhause

Stop QQing! — Ranaleieren gegen Deutschland

Neuköllner — egal

dann — geht

... — ...

sehe ich genauso — Artikel

@Los jetzt hier — The Brain

Die Welt geht unter! — mussnich