Fehlgeburt durch Polizeiterror

Keratea, Attika 18.02.2011 18:35 Themen: Blogwire Repression Soziale Kämpfe Weltweit Ökologie
KERATEA, Griechenland:
Bei einem polizeilichen Überfall mit Gas in ihrer Wohnung verlieren ihre Kinder das Bewußtsein und die Mutter anschliessend ihr Baby.
In Keratea, etwa 40 Kilometer südöstlich von Athen kämpfen die Einwohner_innen seit Anfang Dezember vehement gegen den Bau einer riesigen Mülldeponie, den die Regierung mit allen Mitteln durchsetzen will, weil sie sonst EU-Strafen zahlen muß und von Baufirmen geschmiert wird.
Dabei kommen neben Erstickungsgas und Schockgranaten auch seit dem Ende der Militärdiktatur erstmalig wieder Wasserwerfer zum Einsatz, aber auch Plastikgeschosse und brandgeschützte Robocops (MAT). Hubschrauber mit Wärmekameras jagen nachts Schafherden, weil sie sie für von den Bergen schiessende albanische Partisanen halten - die Bevölkerung hat z.t. arvanitische Wurzeln - Bullen fuchteln mit gezogener Knarre rum und überfallen bei Razzien Wohnungen ohne Befehl.
Die Kämpfe verlagern sich in letzter Zeit zunehmend weg von der oft mit Barrikaden blockierten Schnellstrasse zum wichtigen Hafen von Lavrion und den, die Baustelle umgebenden Feldern und Hügeln - von denen die Einwohner lt. Polizei bereits scharf geschossen haben sollen - mitten rein in die Kleinstadt.
Dabei kommt es immer wieder zu Überfällen durch die Bullen auf die Einwohner_innen, Grundschüler schreiben mittlerweile Aufsätze über den Anteil von Schwarzpulver in Molotovcocktails usw.
Jetzt also eine erneute Eskalation der Schergen der Privatisierung, die eine Mutter und ihre Kinder in ihrer Wohnung überfallen und eingasen:

Teargas and shock causes miscarriage for pregnant woman in Keratea
Friday, February 18, 2011

This might be the first victim of the undeclared war between riot police and the locals: in Keratea, Attica, fierce battles have been going on between locals and the police since early December (!) 2010, on a near-daily basis. Last Tuesday, a young mother of two had a strong shock and became physically sick from the tear-gas the police were using at the time, when they were raiding the little town. This caused her a miscarriage; the woman and her partner have now initiated the process of taking legal action against the police for the miscarriage.
 http://eagainst.com/articles/police-brutality-keratea/


Das passierte vor ein paar Tagen:


Erneuter Zwischenfall wegen geplanter Mülldeponie in Keratea

erschienen am 14.02.2011 um 14:14 Uhr
Griechenland/Athen. In der ostattischen Gemeinde Keratea kam es am Sonntag an der Leoforos Lavriou erneut zu einem schweren Zwischenfall mit der Polizei. Etwa 50 Personen griffen einen Streifenwagen an, stahlen ein Plexiglasschild der Bereitschaftspolizei und setzten den Wagen mit einem Molotowcocktail in Brand. Die Täter flüchteten, nachdem die Beamten Reizgas zum Einsatz brachten. Ebenfalls am Sonntag protestierten Einwohner von Keratea zudem vor dem weltberühmten Poseidon-Tempel auf Kap Sounion, wo sie ein Transparent gegen die geplante Müllverwertungsanlage mit angeschlossener Restmülldeponie entrollten. Bereits in der Vergangenheit war es deshalb immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der der Polizei und Bürgern gekommen.
U.a. wurde dabei auch die Kantine der Polizeiwache von Kakia Thalassa an der Küste mit einem Brandsatz angegriffen. Die Polizei konnte zahlreiche Brandsätze und Gaskartuschen, selbst gebastelte Sprengsätze, einen Benzinkanister und 120 leere Bierflaschen am Rand der zentralen Schnellstraße Leoforos Lavriou sicherstellen. Daraufhin hatten sich Mitte voriger Woche rund 1.000 Menschen versammelt und warfen Steine und Molotowcocktails, während die Polizei massiv Tränengas einsetzte. Es gab vier Verletzte. Auf einem Foto, das später ins Internet gestellt wurde, ist zudem ein Polizist mit gezogener Waffe zu sehen. Die Polizeidirektion Attika leitete eine Untersuchung ein. Der Polizist berief sich auf die Bedrohungssituation durch die aufgebrachte Masse. Ein Mann, der zunächst festgenommen wurde, musste später wieder freigelassen werden. In einer Sitzung beschloss in der vorigen Woche die Stadtverordnetenversammlung der Kommune Lavreotiki, zu der Keratea gehört, den Notstand auszurufen, und forderte die Regierung auf, die Bereitschaftspolizei umgehend aus dem Ort abzuziehen und den Dialog über die geplanten Anlagen ohne Vorbedingung wieder aufzunehmen. Danach zogen die Stadtverordneten gemeinsam mit zahlreichen Bürgern vom Hauptplatz von Keratea zum geplanten Deponiestandort, wo sie die Nacht zubrachten. (GZak)


Folgende Bilder brachten Keratea weltweit in die Agenturen ohne allerdings für Informationsfluß zu sorgen; offensichtlich fragt sich auch niemand und es gibt keine Grammies für "Journalisten"...:
 http://www.dailymail.co.uk/news/article-1355132/Protesters-use-lasers-target-police-Keratea-Greece.html

Hier eine Zusammenfassung des Übersetzerkollektivs von Contra-Info:

Keratea – Lavreotiki: Zweimonatiger Staatsterrorismus

Am 8. Februar eskalierte gegen 16 Uhr der koordinierte Angriff der Junta-Schergen gegen die Menschen von Keratea (Attika, Griechenland). Seit dem 11. Dezember, inzwischen seit 2 Monaten, leisten AnwohnerInnen und solidarische UnterstützerInnen erbitterten Widerstand gegen das Projekt einer Mülldeponie im Gebiet von Lavreotiki. Die Menschen widersetzen sich mit allen Mitteln dem Plan ihr Leben zu zerstören. Sie wehren sich gegen die Plünderung der Natur, verursacht durch die Baufirmen-Hyänen und ihre politischen Stützen der demokratischen Diktatur.

Der Widerstand der lokalen Gesellschaft durch Organisationen, aber auch die weit verbreitete gesellschaftliche Gegengewalt konnten nicht staatlich unbeantwortet bleiben. Seit rund zwei Monaten gibt es fast tägliche Auseinandersetzungen mit der Aufstandsbekämpfungspolizei an den Barrikaden (z.B. Molotow Cocktails, Steinwürfe) und Sabotage auf der Baustelle.

In einer für diese Gegend bisher beispiellosen Einsatz aller repressiven Instrumente, überfielen die Schergen der Sicherheitspolizei die Häuser von widerständigen BewohnerInnen. Das geschah mit der Absicht ihre Tätigkeit kriminalisieren zu können und alle, die sich wehren, einzuschüchtern.
Die Polizisten schlugen und verhafteten viele Personen. Die Mutter eines Verhafteten erlitt dabei einen Herzanfall, was sogar vom Bürgermeister bezeugt wurde. Solidarische Menschen versuchten diese Verhaftung zu verhindern, verlangten seine sofortige Freilassung und umzingelten die lokale Polizeistation. Zu dieser Zeit begann eine im militärischen Stil durchgeführte Operation. Polizeieinheiten bedienten sich rücksichtslos Biologischer Kampfmittel. Dieser umfasste den ständigen Einsatz von Tränen- und Erstickungsgas, Pfefferspray sowie Blendgranaten, mit dem Zweck die örtliche Bevölkerung auszumerzen.

Die betäubten Massenmedien waren wieder einmal vollkommen dem Menschenhass der uniformierten Schweine gleichgeschaltet. Während Schläger in Zivil und die MAT-Bereitschaftspolizei junge und alte Männer, Frauen und Kinder (gemäß vieler lokaler Berichte) prügelten. Die Einsatzkräfte riefen dabei auch ab und zu den Namen von Alexis Grigoropoulos. Ein offensichtliches Protzen mit ihrer mörderischen Selbstzufriedenheit, während auf den Parlamentsbänken die neuen Veränderungen in Sachen Gesundheitspolitik diskutiert werden. Die Massenmedien versprachen volle Aufklärung der Ereignisse in Keratea-Lavreotiki – und erregten ironischerweise „Nostalgie“ für ehemalige Eilmeldungs-Bulletins der Falschinformation. Zur selben Zeit, beschränkte sich die parlamentarische „Linke“ in ihrer Reaktion auf Anfragen auf der Tagesordnung und beklagte sich vage über Polizeigewalt. Währenddessen Menschen jeden Alters und Ideologie ihr Recht auf aktive Selbstverteidigung ausüben, indem sie Töpfe, Orangen, Steine und andere handliche Gegenstände von Balkonen und Straßen gegen die voll bewaffneten BesatzerInnen schleudern.

Die Handlanger der Junta wandelten eine gesamte Region in eine militarisierte Zone, brachen die Blockade des VIO.PA (Industrieparks), besetzten die Hauptstraße von Keratea und begrenzten den Kampf der EinwohnerInnen auf kleine Widerstandsinseln in den Straßen der Innenstadt. (Agios Dimitrios) Bezeichnend für die Ereignisse- welche der Staat, die Bosse und Medienpapageien „ausradieren“ wollen, war die allgemeine Mobilmachung. Kirchenglocken erklangen vom frühen Nachmittag an und riefen die Leute dazu auf auf die Straße zu gehen, während das lokale Radio (sogar für einige Stunden) Live-Berichte gegen das Regime der Junta sendete.

Das Gebiet um Lavreotiki und vor allem die Stadt Keratea wurde, im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes, abgesondert. Das kann durch dutzende wütende Augenzeugenberichte, dutzende verletzte und verwundete Einwohner sowie die überwachten Zufahrten zu der Region belegt werden. Es ist ein Generalangriff auf einen radikalen Kampf, der durch das Regime und seine Sprachrohre vertuscht werden soll. Aber die Wahrheit kommt vor allem durch die verbreiteten Zeugenaussagen ans Licht, die öffentlich die Brutalität des Staates anprangern und betonen, dass wir nur durch Zufall keine Todesopfer heute Nacht beklagen. (bis zum 9. 2.). Mindestens in einem Fall zog ein Zivilpolizist seine Knarre und richtet sie gegen Personen.

Die genaue Anzahl Verletzter, in Gewahrsam Genommener und Verhafteter ist noch nicht bekannt. Einzig gesichert ist, dass der Kampf der BewohnerInnen von Keratea and Lavreotiki unser Kampf ist, ein Kampf aus Verzweiflung und ums reine Überleben. Die Konservativsten, bis hin zu den radikalsten Personen der lokalen Gemeinde erkennen des Staat als terrorisierenden Mechanismus an und rufen auf zur allgemeinen Solidarität in beliebiger Form, in und außerhalb Griechenlands.

Für Mittwoch den 9. Februar hatten Einwohner und UnterstützerInnen zu einer offenen Versammlung in Agios Dimitrios geladen.

Es folgen weitere Aktualisierungen und
ein Bulletin über die zweimonatige Mobilisierung

video:  http://en.contrainfo.espiv.net/2011/02/09/keratea-lavreotiki-two-month-state-terrorism/

Weitere Informationen: de.indymedia // rioter.info / occupiedlondon

Weitere Fotos: www.babylonia.gr
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Ergänzungen

Zusammenstösse nach Hausräumung

Iraklio 18.02.2011 - 18:51
Nach einer Hausräumung im kretischen Iraklion kommt es zu Fernseh- und Unibesetzungsaktionen und wiederholten Zusammenstössen:  http://www.occupiedlondon.org/blog/2011/02/18/498-anarchist-squat-in-heraklion-crete-is-evicted/

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