Dresden: Das war es dann wohl Stanley

addn.me 25.01.2011 00:31 Themen: Antifa Medien
Nicht einmal zwei Wochen nachdem Stanley Nähse in einem Prozess nach Jugendstrafrecht für seine Taten aus 2005 bis 2008 zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde scheint die selbige auch schon abgelaufen. In seiner Wohnung auf der Hauptmannstraße in Dresden-Kaditz wurde er am Morgen des 24. Januar 2011 wegen des Verdachts des versuchten zehnfachen Mordes und gefährlicher Brandstiftung verhaftet.
Wenn sich die Tatvorwürfe nachweisen lassen, dann dürfte Stanley Nähse die besten Jahre seines Lebens in einer Justizvollzugsanstalt verbringen. Das es soweit gekommen ist dürfte niemanden überraschen. Bereits im Herbst 2005 war er in der rechten Hooligangruppe mit der Selbstbezeichnung „Assi Pöbel Dynamo“ aktiv. Die Gruppe war für dutzende Straftaten, darunter schwerer Landesfriedensbruch, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen verantwortlich. Laut einer Zeugenaussage vor dem Dresdner Amtsgericht soll Nähse im Alter von 15 Jahren bereits als einer der Rädelsführer der Gruppe agiert haben und gefordert haben die Bewohner_innen eines alternativen Hausprojektes in Dresden-Pieschen anzuzünden. In den letzten Jahren war er dann als rechter Graffiti-Künstler unterwegs und verzierte seine Umgebung mit dem Schriftzug „Hatecore“ oder „H8C“ sowie Keltenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen. Immer wieder, so berichten Zeugen, soll er auch auf Angriffe gegen das alternative Wohn-und Kulturprojekt RM 16 in Dresden beteiligt gewesen sein, dass er in all den Jahren scheinbar nie aus den Augen verlieren wollte. Im Januar 2008 griff er Polizisten an, nachdem sie ihn auf dem Bahnhof Neustadt darauf hingewiesen hatten, dass das Urinieren auf den Bahnsteig verboten sei. Seit Ende 2009 versuchte er die Autonomen Nationalisten Dresden – AN 44 – zu organisieren. Die Gruppe druckte sich zahlreiche Aufkleber und unternahm den Versuch eine Internetseite zu gestalten. Einer der Aufkleber trug den Schriftzug „Robert-Matzke-Straße angreifen“ und zeigte die Hausfassade des Wohn-und Kulturprojektes. Wenige Monate später, im August 2010 flog dann ein Molotov-Cocktail in ein Zimmer, in welchem zu diesem Zeitpunkt ein junger Mann schlief. Es ist nur dem Zufall zu verdanken dass dabei keine Menschen zu Schaden kamen, da der Brandsatz nicht richtig zündete. Dem Anschlag war ein ähnlicher Brandanschlag auf ein Hausprojekt in einem anderen Stadtteil voraus gegangen. Wenige Tage später brannte es auf dem jüdischen Friedhof in Dresden.

In der ersten Januarwoche 2011 wurde Stanley Nähse zu zwei Jahren Bewährung wegen schweren Landesfriedenbruchs verurteilt. Die Strafe die ihn jetzt erwartet dürfte ungleich höher sein. Seine Neonazi-Karriere kann er zukünftig hinter Gittern fortsetzen.

Ein Beitrag von Michael Bergmann
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Ergänzungen

DNN

muss ausgefüllt werden 25.01.2011 - 03:03
"21-Jähriger wegen Brandanschlags auf Pieschener Wohnprojekt festgenommen

Dresden. Fünf Monate nach einem Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Dresden ist am Montag ein 21-Jähriger festgenommen worden. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung erlassen, teilten Landeskriminalamt Sachsen und Staatsanwaltschaft Dresden mit. Die Ermittler gehen von einem politischen Hintergrund für die Tat aus. Der Mann sei wegen Landfriedensbruchs vorbestraft. „Wir rechnen ihn der rechten Szene zu“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase. Der 21-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann soll am 24. August 2010 einen Molotow-Cocktail in das Haus im Stadtteil Pieschen geworfen haben. In dem Gebäude eines „linken antirassistischen Wohnprojekts“ befanden sich nach Angaben der Behörden sieben Erwachsene und drei Kinder. Die Bewohner blieben unverletzt, da die Flammen schnell gelöscht werden konnten. Das Haus war zuvor immer wieder Ziel von Neonazi-Angriffen.

Der Tatverdächtige soll noch am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden, heißt es in der Mitteilung weiter."

DNN-Online, 24.01.2011, 16:16 Uhr

Quelle:  http://www.dnn-online.de/dresden/polizeiticker/21-jaehriger-wegen-brandanschlags-auf-pieschener-wohnprojekt-festgenommen/r-polizeiticker-a-19545.html

Und alle so: Bye bye

gotcha 25.01.2011 - 12:11
Noch ein "Nachruf" auf Stanley beim AK Antifa Dresden:

Tatverdächtiger festgenommen

kira 25.01.2011 - 14:31
Fast fünf Monate nach einer Reihe von Brandanschlägen hat die Polizei heute nach Angaben des LKA Sachsen vier Wohnungen in Dresden durchsucht und einen 21jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Der wegen Landfriedensbruch vorbestrafte Stanley Nähse steht im Verdacht in der Nacht zum 24. August vergangenen Jahres einen Brandsatz in ein alternatives Wohnprojekt in Pieschen geworfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft dem Tatverdächtigen versuchten Mord in zehn Fällen sowie versuchte schwere Brandstiftung vor.

Wenige Tage nach den Anschlägen demonstrierten in Pieschen und Trachau mehr als 500 Menschen gegen die Brandanschläge auf die bewohnten Häuser und solidarisierten sich mit den Betroffenen. Kurze Zeit später brannte es erneut. Unbekannte hatten in den Morgenstunden des 29. Augusts versucht, das Begräbnishaus im Neuen Jüdischen Friedhofs in Johannstadt in Brand zu setzen. Erst danach hatte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) die Taten verurteilt und die demokratischen Kräfte in der Stadt dazu aufgerufen, eine friedliche und wirkungsvolle Antwort zu finden.

Nicht zu früh freuen

DD 25.01.2011 - 20:47
Es ist vollkommen unerheblich, ob das angegriffene Wohnhaus links oder emanzipatorisch oder was auch immer ist. Brandanschläge sind voll krank, der diesen zugrunde kiegende Hass ist auch voll krank.

Nun zum Wesentlichen: Ich würde mich mal nicht zu früh freuen, denn ein Verdacht ist noch längst keine Verurteilung. Die Tat geschah erstens vor der Bewährung, zweitens ist noch nicht erwiesen, ob es Nähse überhaupt war. Drittens dürfte es wohl noch eine geraume Zeit dauern, bis dieser Fall verhandelt wird und da ja "nichts passiert" ist, wird das Stafmaß wohl auch nicht so hoch ausfallen (wie nötig). Außerdem laufen in Dresden Hunderte Nähses rum, also kein Grund zum Feiern. Eher Selbstschutz organisieren und beim nächsten Mal den Täter an Ort und Stelle dingfest machen und an die Psychiatrie überstellen.

Demos in Wuppertal und Dresden

muss ausgefüllt werden 26.01.2011 - 16:10

Der Vater von Stanlye

hool 26.01.2011 - 16:42
Das ist der Vater vom Stanlye Uwe N.
Dyn. Dresden vs Roter Stern Belgrad, Sachsenspiegel, 20.3.06
 http://www.youtube.com/watch?v=TF2fFQDgAUY

Nationaler Widerstand ist zwecklos!

afadd 28.01.2011 - 15:30
Das Jahr begann für Stanley Nähse wahrlich nicht besonders gut. Gleichzeitig startete seine kriminelle Karriere so richtig durch. Nachdem ein Prozess wegen schweren Landfriedensbruch zu seinen Ungunsten und mit einem Jahr Freiheitsstrafe (zur Bewährung ausgesetzt) endete, sorgte er nun erneut für Schlagzeilen. Ziemlich genau 5 Monaten nach dem Brandanschlag auf das selbstverwaltete Wohnprojekt Robert-Matzke-Str. 16 (RM16) mit einem Molotow-Cocktail, präsentierte das LKA-Sachsen am 25.01.2011 einen dringend Tatverdächtigen. Das allein wäre schon eine überraschende und erfreuliche Meldung gewesen, doch bei dem vermeintlichen Täter soll es sich um niemand anderen als um "Stanley N.", vielen besser bekannt als Stanley Nähse, handeln.



Es war ein langer Weg für Stan, durch die dunklen Straßen von Dresden, durch die kalten Nächte von Mickten, Pieschen, Trachau und Cotta. Immer bereit für die politische Tat, bereit für die "nationale Revolution". Nun endet der Weg vorerst an einer Zellentür, immerhin die Nächte dürften nicht so kalt wie die in Pieschen sein. Nachdem er die Freizeit seiner pubertären Jahre jungstypisch im TSV Rotation Dresden verbrachte, ebbte das Engagement für den Sport auf dem Rasen schnell ab. Statt dessen keimte Interesse an der Ertüchtigung auf dem „Acker“. Seit etwa 2004 gehörte er dem Säufer- und Schlägerbund „Assi Pöbel“ an. Diese Gruppe, ein Zusammenschluss alkoholmissbräuchiger Fußballrowdies war schon damals an Angriffen u.a. auf die RM16 beteiligt. U.a. für eine dieser Taten 2005 wurde Nähse kürzlich verurteilt. Nach der behördlichen Zerschlagung des "Assi Pöbel" war die Karriere als "Hooligan-Nachwuchs-Führer" gescheitert. Seine Affinität zur rechten Dresdner Fussballszene hat Nähse aber behalten. Im Sozial Network meinvz nutzt er ein Foto der mutmaßlich kriminellen Vereinigung "Hooligans Elbflorenz" als Erkennungszeichen.



Etwa seit 2007 konnte man von Stans klägliche Versuche wahrnehmen, sich als „nationaler Wandmaler“ einen Namen zu machen. In relativ kurzer Zeit waren anfänglich im Dresdner Stadtteil Cotta (wo Nähse bei seinem Vater wohnte) später in Pieschen, Trachau und Mickten, seine zahlreichen dilettantischen Tags „H8C“ oder „hatecore“ zu finden. Später kamen dann auch weitere politische Parolen hinzu. Als in der Naziszene das Phänomen der „autonomen nationalisten“ populärer wurde, fand sich Stan darin in Habitus und Themensetzung schnell wieder.

Von nun an schienen Aufkleber seinen Weg zu pflastern, die im Sommer 2009 auch in der Neustadt auftauchten. Eine Liaison mit Kathi Müller, die zu dieser Zeit auf der Görlitzer Str. wohnte, schien ihn öfter in das Viertel zu verschlagen. Nach einem ernst gemeinten Hinweis in Zukunft besser einen großen, denn einen kleinen Bogen um die Wohnstädte seiner Freundin zu machen, wurde Stan danach nur noch kurz und scheu wie ein junges Reh in der Neustadt gesichtet. Wenige Zeit später verzog dann Kathi Müller nach Mickten. Nahm zunächst die Dichte der Aufkleber in der Neustadt ab, so verdichtete sie sich gleichzeitig in Mickten und den angrenzenden Stadtteilen. Ganz besonders oft besucht wurde wieder einmal die RM 16.


Im Sommer 2010 verging dann fast kein Tag, an dem nicht irgendwelche Aufkleber oder Sprühereien auftauchten. In einem Naziforum bot sich Stan, der dort unter dem wenig einfallsreichen Pseudonym „hatecore_dd“ schreibt, als Kontakt- und Bestelladresse für die nationalen Klebchen an. Innerhalb der Neonaziszene blieb sein Treiben nicht unumstritten. Im Mai 2010 halluzinierte er in einem Neonaziforum:

„Zudem hat sich in Dresden ein Nationales Viertel Herauskristalisiert , wo fast täglich Nationale Arbeit betrieben wird, und wo eine große Anzahl der AktivistINNEN wohnt.Dresden-Trachau wird also zum zweiten Dortmund_Dorsfeld:-) Täglich gibt es Auseinandersetzungen mit Antifaschisten an den Grenzen zu anderen Stadtteilen im Dresdner Norden und Westen.“

Dafür wurde er prompt vom Dresdner Neonazikader Maik Müller abgekanzelt:

„Was Du hier schilderst ist,..., eine absolute Fehleinschätzung Dresdner Verhältnisse.“

Ebenfalls in seiner Regie und unter Mitwirkung von Phillip Göhler (Nazifotograf aus Dresden) entstanden dann die Aufkleber, die es zu einer eher traurigen Berühmtheit brachten und die BetrachterInnen zum Angriff auf die RM16 auffordern. Da es sich bei Stan um einen Einzelltäter handelt und die Aufkleberpreise bei Naziversänden eh jenseits von Gut und Böse sind, war es eher eine Materialschlacht, die gewonnen werden musste. Nach einer Weile des Kratzens, Klebens und Sprühens ging die Anzahl und Häufigkeit der Nazisticker zurück. Möglicherweise waren aber auch private Probleme der Grund für die Abnahmen des ganz besonders ausgeprägten Aktionismus von Stan. Anfang August tauchte am Wohnhaus von Kathi Müller der gesprühte Schriftzug „Kathi Müller, Hure der BRD“ auf. Ob ein gekränkter Stan, zu viele Antifa-Aufkleber oder die bloße Existenz der RM16 nun der Anlass zu der wahrscheinlich bisher größten Dummheit in seinem Leben waren, werden wir sicher erst im Laufe des Strafprozesses gegen ihn erfahren.


Auch wenn von Stan vorerst U-Haft-bedingt nichts mehr zu sehen sein wird, so gehen wir dennoch davon aus, dass er auch weiterhin eine Rolle in der Dresdner Neonaziszene spielen wird. Obgleich die derzeitigen Ermittlungen eindrucksvoll und zu recht wegen gleich 10fachen versuchten Mordes u.a. geführt werden, heisst das noch lange nicht, dass diese Anklage auch Bestand haben wird und ein wie auch immer geartetes „gerechtes“ Urteil gesprochen und umgesetzt wird.

Erst am 26. Januar 2011 zeigte das Amtsgericht Dresden erneut wie unendlich langsam und geduldig die Justiz für Neonazitäter arbeitet. Hierzu fand die Sächsische Zeitung deutliche Worte, Unter der Überschrift: „Rassist tanzt der Justiz auf der Nase herum“ schreibt sie über Alexander Fiek, einem anderen Dresdner Rassisten:



Donnerstag, 27. Januar 2011
(Sächsische Zeitung)

Rassist tanzt der Justiz auf der Nase herum
Von Alexander Schneider
Er prügelt, zündelt, betrügt und beleidigt seit Jahren. Intensivtäter Alexander F. kam gestern wieder mit Bewährung davon.
Wie lange will sich die Justiz noch von Alexander F. auf der Nase herumtanzen lassen? Diese Frage drängt sich nach der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht Dresden auf. Sechs Jugendstrafen – Diebstahl, Betrug, Beleidigung – finden sich im Vorstrafenregister des 23-jährigen Rassisten, die schwerste jedoch fehlt: Im August 2008 hat er den Gemüseladen eines Vietnamesen in Striesen abgefackelt und so einer ganzen Familie die Existenzgrundlage genommen. Anlass für die Brandstiftung war ein Streit am Vortag: Da hatte der betrunkene Täter die 16-jährige Tochter des Händlers beleidigt („Ausländer sind keine Menschen“) und ihren Freund zusammengeschlagen.

Für die Tat, die er gestanden hatte, wurde er im März 2009 vom Jugendschöffengericht zu zwei Jahren verurteilt – zur Bewährung. Ein mildes Urteil. Doch es ist bis heute nicht rechtskräftig. Staatsanwalt und Verteidiger gingen in Berufung. Seit dem ist am Landgericht Dresden nichts mehr passiert.

Neue Tat nach drei Monaten

Anders bei Alexander F.: Er soll bereits im Juni 2009, drei Monate später, einen Russlanddeutschen verprügelt haben – einfach so. Gestern stand F. erneut vor dem Amtsgericht, erstmals für eine Tat, die er als Erwachsener begangen haben soll. Laut Anklage hatte er von dem 47-Jährigen 18 Euro dafür gefordert, dass er Kindern an einem Spielplatz beim Tischtennisspielen zugesehen hatte. F. beleidigte den Mann derb und schlug mehrfach auf ihn ein – der Mann erlitt Blessuren und eine Rippenprellung.

Alexander F. bestritt die Tat. Verteidiger Olaf Klemke kritisierte die polizeilichen Ermittlungen und die Aussage des Geschädigten. Richter Hajo Falk war überzeugt, dass der Geschädigte die Wahrheit gesagt hatte. Er verurteilte Alexander F. wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr, die er zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss F. 1.500 Euro an den Geschädigten zahlen. Auch dieser Fall wird wohl vor dem Landgericht landen. Staatsanwalt Andreas Riedemann hatte 15 Monate Haft gefordert – ohne Bewährung.

Ein Verfahren wegen Besitzes von Cannabis--Pflanzen – F. war im Juli 2010 von seiner Mutter angezeigt worden, nachdem er sie geschlagen haben soll – stellte das Gericht ein. Zuletzt war F. im Oktober 2010 wegen vierfachen Betruges (im Jahr 2007!) verurteilt worden – zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten, ebenfalls zur Bewährung.
 http://venceremos.sytes.net/gad/texte/co/nationaler-widerstand-ist-zwecklos.html

Abfackeln mit Ankündigung

jorg 22.08.2011 - 16:25
Von Michael Bergmann

Stephan Schrage ist sich sicher: Eine ganze Reihe von Beweisen lässt nach Ansicht des Anwalts der Nebenklage »keinerlei Zweifel« daran, dass der junge Dresdener Nazi Stanley N. verurteilt wird. Schrage vertritt im Prozess am Dresdener Landgericht die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohn- und Kulturprojektes RM 16.
In den Morgenstunden des 24. August vergangenen Jahres soll sich Stanley N. mit einem vorbereiteten Brandsatz zu dem Haus in der Robert-Matzke-Straße geschlichen und den Molotowcocktail gezielt in ein Fenster im zweiten Stock des Wohnprojekts geworfen haben (Jungle World 35/10). Der Bewohner des getroffenen Zimmers wurde vom Einschlag des Wurfgeschosses geweckt und löschte den Brandsatz geistesgegenwärtig. Im Nebenzimmer schlief zu diesem Zeitpunkt ein zweijähriges Kind. Ein Feuer brach nur deshalb nicht aus, weil die Flasche nicht wie geplant zerbrach. Insgesamt hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags zehn Personen in dem Haus auf. Ihren Tod nahm Stanley N. anscheinend billigend in Kauf.

Die Dresdener Ermittler kamen Stanley N. mit Hilfe der vielfach kritisierten Funkzellenauswertung auf die Spur. Offenbar ist diese Ermittlungsmethode bei der sächsischen Polizei sehr beliebt. Stanley N. soll zur Tatzeit mit seinem Handy in der Nähe des Tatorts telefoniert haben. Die anschließenden Ermittlungen sollen nach Aussage von Schrage etliche weitere Beweise gegen den An­geklagten zu Tage gefördert haben. Er soll den Angriff auf das Haus und seine Bewohnerinnen und Bewohner seit längerer Zeit geplant haben.

Die Sonderkommission Rechtsextremismus des Landeskriminalamts und die Staatsanwaltschaft Dresden gehen übereinstimmend von einem politischen Motiv aus. Der 21jährige Stanley N., der zur Tatzeit eine Ausbildung im Gartenbau absolvierte, ist seit seiner frühen Jugend ein Nazi und bewegt sich schon lange in dem entsprechenden Milieu. Im Alter von 16 Jahren soll er erstmals an Angriffen auf das Wohnprojekt RM 16 beteiligt gewesen sein. In einem Gerichtsprozess gegen Angehörige der rechtsextremen Hooligan-Gruppe »Assi Pöbel« (Jungle World 50/2005) berichtete ein Zeuge, Stanley N. habe bei einem der Angriffe im Jahr 2005 gefordert, das linke Haus »abzufackeln«.

In den vergangenen Jahren betätigte sich der Dresdener als »autonomer Nationalist« und Nachwuchshooligan des städtischen Fußballvereins Dynamo. Nach Informationen des »Antifa Recherche Teams Dresden« ist N. »eine treibende Kraft innerhalb der Dresdener Szene«. Demnach war er Wortführer einer Gruppe mit der Selbstbezeichnung »Autonome Nationalisten Dresden«. Im Frühjahr 2010 trat sie mit Aufklebern in Erscheinung, auf denen die Fassade der RM 16 und die Aufschrift »Robert-Matzke-Straße angreifen!« zu sehen waren. Nach Angaben des »Antifa Recherche Teams« konnte man die Aufkleber im Nazi-Forum »Widerstand« gegen Rückporto direkt bei Stanley N. bestellen, der dort unter seinem Nickname »hatecore crew DD« auftrat. Allerdings kamen die »Autonomen Nationalisten Dresden« nach Einschätzung des Rechercheteams nie darüber hinaus, ihr Revier mit Aufklebern und Sprühereien zu markieren und politische Gegner einzuschüchtern. Dass mit N. ausgerechnet der Anführer der Gruppe höchstwahrscheinlich eigenhändig einen Anschlag verübt hat, zeugt zudem nicht von taktischer und strategischer Weitsicht. Und mit den etablierten Dresdener Kameradschaften um die Führungspersonen Maik Müller und Ronny Thomas soll es immer wieder Meinungsverschiedenheiten gegeben haben.

Stanley N. hatte sich jedoch offensichtlich einen gewissen Ruf in der Szene erarbeitet. Als er im Januar 2011 unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen schweren Landesfriedensbruchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde, standen Dutzende junger Nazis vor dem Gerichtssaal, um ihre Unterstützung zu bekunden. N. hatte nach einem Fußballspiel im Jahr 2008 Polizisten angegriffen, die ihn aufgefordert hatten, nicht auf den Bahnsteig zu urinieren. Das Urteil für die Tat fiel verhältnismäßig mild aus, weil N. dem Gericht glaubhaft machen konnte, dass er sich vom gewalttätigen Hooligan-Milieu gelöst habe und die Tat bereue. Wenige Tage nach dem Ende des Prozesses wurde er wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes verhaftet, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Anders als die Staatsanwaltschaft sieht Nebenklageanwalt Schrage Stanley N. aber nicht als Einzeltäter. »Die Anhaltspunkte für eine gemeinsame Vorgehensweise einer organisierten Gruppe haben sich in den Ermittlungen zwar nicht erhärtet. Das heißt allerdings nicht, dass es diese Anhaltspunkte nicht gibt.« Ob die Hinweise auf weitere Täter für weitere Anklagen ausreichen, werde die Hauptverhandlung zeigen. Sie soll am Donnerstag kommender Woche beginnen.

Für das Urteil wird die Entscheidung darüber wichtig sein, ob N. nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden kann. Zum Tatzeitpunkt war er 20 Jahre alt. Das Gericht hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um festzustellen, ob der Angeklagte Entwicklungsdefizite aufweist und nach Jugendstrafrecht zu behandeln ist. Seine Vertei­diger dürften den Versuch unternehmen, seine Familienverhältnisse strafmildernd geltend zu machen. Der junge Mann ist ein sogenanntes Scheidungskind. Sein Vater Uwe N., ein bekannter ehemaliger Hooligan von Dynamo Dresden, äußerte sich in einem Interview mit dem Fernsehsender MDR kürzlich zu seinen eigenen Gewalt­abenteuern, bei denen er nach eigenen Angaben »groß von der Bühne gegangen« sei.

Gewalttätig scheint es in der Familie von Stanley N. zuzugehen: Erst vor wenigen Tagen durfte er für eine Aussage in einem Prozess gegen seine Verlobte Kathi M. seine Gefängniszelle für einige Stunden verlassen. Sie soll ihn im Juli 2010 mit einem Küchenmesser angegriffen und verletzt haben. N. schwieg zu der Sache, ebenso wie er sich zu der Anklage gegen ihn selbst bisher nicht geäußert hat.

Quelle: Jungle World (Ausgabe 33/2011)

Prozessauftakt gegen Stanley Nähse

toni 28.08.2011 - 14:43
Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt “RM16″ in Dresden Pieschen, muss sich der 21-jährige Nazi Stanley Nähse vor dem Landgericht verantworten. Nähse soll in der Nacht zum 24. August 2010 einen Molotow-Cocktail in ein offenes Fenster in der zweiten Etage des Hauses geworfen haben. Dabei landete der Brandsatz glücklicherweise auf einem Podest, sodass es nicht zu einer Ausbreitung des Feuers kam. Der Brand konnte schnell gelöscht und somit schlimmeres verhindert werden. Die Staatsanwaltschaft wirft Nähse daher versuchten Mord in zehn Fällen in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung vor. Seit dem 24. Januar sitzt Stanley Nähse deshalb in Untersuchungshaft.

Nach Verlesung der Anklageschrift wurde der Prozess für nicht öffentlich erklärt. Das Gericht verspricht sich davon einen schnelleren Ablauf des Verfahrens. Laut DNN (Printausgabe) schweigt der Angeklagte und sagt nicht zur Tat aus. Zur Unterstützung Nähses waren im Vorfeld der Verhandlung ein dutzend Nazis am Landgericht anwesend und versuchten, den Angeklagten bei der Einfahrt ins Landgericht zu begrüßen, was von den Beamten unterbunden werden konnte. Darunter neben dem Vater und der Verlobten Kathi Müller auch stadtbekannte Nazis wie Marco Eißler und Hans Böhm.

Der Brandanschlag Ende August war der zweite innerhalb einer Woche in Dresden. Wenige Tage zuvor wurde das linke Wohnprojekt “Praxis” in Dresden Löbtau von bisher Unbekannten in Brand gesteckt. Dabei brandte ein Zimmer komplett aus. Glücklicherweise schlief zu diesem Zeitpunkt niemand in diesem Zimmer, sodass niemand verletzt wurde. Aufgrund der Serie von Naziangriffen in Dresden demonstrierten am Abend des 26. August knapp 500 Menschen durch Dresden Pieschen, um sich mit den Betroffenen zu solidarisieren.

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