"Operation Payback" und kein Ende in Sicht...

Die_Insel 10.12.2010 16:17 Themen: Medien Netactivism Repression Weltweit
Während es im Zusammenhang mit der "Operation Payback" in den Niederlanden die erste Verhaftung gegeben hat, gehen die Angriffe auf diverse Webseiten unverändert weiter. Neben den Paypal-Servern und www.moneybookers.com sind nun auch die Seiten der niederländischen Polizei und des niederländischen Justizministerium Ziel der Angriffe der anonymen NetzaktivistInnen.
Während die Paypal-Server den Angriffen anscheinend Stand halten können, verschwinden nun andere Webseiten aus dem Internet: www.moneybookers.com, www.politie.nl und www.justitie.nl sehen sich seit gestern Nacht diversen Angriffen ausgesetzt und stellten zeitweise ihre Onlinedienste ein. Während Moneybookers.com durch Spenden- und Kontensperrung für Wikileaks auf sich aufmerksam machte, setzten sich die niederländische Justiz und Polizei anderweitig negativ bei den NetzaktivistInnen in Szene: Ein 16-jähriger Hacker wurde festgenommen, da er sich angeblich an den DDoS-Attacken gegen Mastercard und Visa aktiv beteiligt haben solle. Er wird zur Zeit von der niederländischen Justiz festgehalten und soll, laut Aussage der Medien, bereits gestanden haben. Kurze Zeit nach der Bekanntgabe der Verhaftung sahen sich die Webseiten und Systeme der staatlichen Institutionen massiven Beschuss aus den "Ionen-Kanonen" der NetzaktivistInnen ausgesetzt und stellten daraufhin ihre Dienste ein. Zur Zeit sind die Webseiten wieder verfügbar, doch sehen sich weiterem vereinzelten Beschuss ausgesetzt.

Neben diesen Attacken richten die AktivistInnen ihre Datenkanonen derzeit auf die Webseite des Finanzdienstleisters Moneybookers.com, welcher ebenso wie Paypal, Visa, Postfinance und Mastercard die Spendenkonten Wikileaks auf Eis gelegt hat. Zurzeit ist auch deren Website massiv unter Beschuss, hält allerdings den Angriffen ebenfalls stand.

Nach den gemeinsamen Attacken gegen Mastercard und Visa scheinen sich die AktivistInnen nun nicht mehr auf ein gemeinsames Ziel einigen zu können. Dieses ist auf die ständig wechselnden Kommunikationskanäle zur Angriffskoordination und auf die Abschaltung des Hiveminds, einem zentralen Rechner, der den "Ionen-Kanonen" ein gemeinsames Ziel vorgibt, zurückzuführen. Diese Umstände, herbeigeführt durch die Repression von Geheimdiensten, Regierungen, Konzernen und Cyberpolice, führen derzeit zu heftigen Diskussionen auf den Kommunikationskanälen der AktivistInnen über neue gemeinsame Ziele, möglichen Solidaritätsaktionen für den niederländischen Hacker, das gewaltige Presseecho und die Beschaffung eines neuen Hiveminds. Es hat den Anschein als würden die Angriffe bald in eine neue Runde gehen, sollten die AktivistInnen es schaffen eine neue Stategie festzulegen und einen neuen Hivemind zu booten - und diese könnten, sollten sie gut koordiniert sein, stärker als bisher ausfallen.

Im IRC-Chat irc.anonops-irc.com befinden sich zeitweise über 10.000 Menschen und nach Angaben der AktivistInnen wurde das LOIC-Tool, welches die gewählte Waffe der Angriffe darstellt, in den letzten Tagen über 31.000mal runtergeladen und ist inzwischen auf verschiedensten Seiten gespiegelt. Auch scheint sich wieder ein Organisationstweet unter  http://twitter.com/anonopsnet herauskristallisiert zu haben.

"Operation Payback" scheint noch nicht vorbei und spannend zu bleiben...


Weiterführende Artikel:
 http://de.indymedia.org/2010/12/295961.shtml - Kleines Tutorial

 http://de.indymedia.org/2010/12/295956.shtml
 http://de.indymedia.org/2010/12/295934.shtml

Weitere und bisherige Artikel zur "Operation Payback" zukünftig auf dasinsel.wordpress.com
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

"Internetkrieg" Zeichen der Zeit

anmerkungen 10.12.2010 - 18:56
Das was wir derzeit hier erleben ist hoch spannend und sau gefährlich. Eine globale staatliche Repression greift gemeinsam mit einzelnen Privatfirmen einen investigativen Journalismus an und das nicht etwa in sogenannten autoritären Regimen sondern sogennanten Demokratien.

Mensch kann von den Veröffentlichungen halten was mensch will, ob die Anschuldigungen gegen "den Kopf" dieses Journalismus wegen sexueller Gewalt eine Grundlage haben oder nicht, auch das ist im Zusammenhang dessen relativ gleich. Sollten die Vorwürfe in dieser Hinsicht konstruiert sein, wirft das nur noch einen schlechteres Licht auf das, was gegen WikiLeaks derzeit passiert. Egal ob das Geheimnisse sind, die die Sicherheitsbehörden, Wirtschaftsunternehmen oder die herrschende Politik nicht veröffentlicht haben will oder nicht, ein Straftatbestand nach derzeitgem Rechtsverständnis in den sogenannten Demokratien ist das alles nur für diejenigen, die die Geheimnisse an den Journalismus weitergetragen haben. Wobei ja auch das seltsam ist, wie sehr verschieden die Dinge immer gemessen werden. Ging es um die Veröffentlichung von internen Papieren der Stasi oder SED - Parteiführung oder Berichte aus den Knästen der DDR etc. vor 1989 oder die Aufdeckung von Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen, da waren auch die InformantInnen der Presse HeldInnen bei der offiziellen Politik des Westen. Aber den Vergleich darf mensch ja nicht ziehen...so zumindest die breite Meinung in der heutigen Politlandschaft.

Der Widerstand im Internet, gegen die Repression und den massiven Angriff auf Informationsfreiheit sowie deren VertreterInnen ist so etwas, wie die massive Blockade von Betrieben, vom Castortransport etc. Die Menschen wehren sich mit den Mitteln, die sie zur Verfügung haben und die scheinbar nicht so leicht verfolgbar sind, doch halt die virtuelle Welt ist mit der Realen verbunden, sie ist Teil der Realen und so geschieht es, dass nun also auch Menschen verhaftet werden. Es entsteht eine Stimmung gegen Menschen, die demokratische Grundwerte im Internet verteitigen, das hat Auswirkungen im sonstigen Leben.

Die sog. Demokratien bewegen sich mit der Politik der letzten 10 bis 15 Jahre immer schneller in richtung Eines neuartigen autoritären Überwachungsstaates, in dem wirtschaftliche Interessen und Machtinteressen in der Politik letztlich über demokratische Grundwerte gesetzt werden. Es geht immer darum, ob etwas dem erwähnten nützt oder nicht. Demokratie verkommt zu nix anderem als der Begriff Sozialismus im Warschauer Pakt zu Floskel, zum Totschlagargument gegenüber vermeindlichen Feinden, im Inneren selbst ist er entleert und wir fortdauernd mit Füßen getreten.

Der erste wirklich heftige Internetkampf, den wir bisher erleben "durften" - ist einer um WikiLeaks und die Journalistische Freiheit, es ist ein Angriff auf die Pressefreiheit und sie ist so massiv, dass die MacherInnen dieses "Enthüllungsjournalismus" nicht nur kriminalisiert, sondern gleich zu Terroristen gemacht werden. Das ist dasselbe, was Menschen erleben können, wenn sie in Diktaturen beginnen die Wahrheit zu veröffentlichen und damit eine Gefahr für die Herrschenden darstellen.Insofern gehört dieses Thema unbedingt auch auf die Straße mit all dem anderen Mist. Überall in Europa werden die Sozialausgaben gekürzt, der Kapitalismus nutzt seine Finazkrise, um noch mehr einfluss auf unser Leben zu gewinnen und Menschen zu unterdrücken. Die Menschen wehren sich überall (in der BRD leider wie immer kaum) so massiv wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Bilder aus Griechenland, Spanien, Irland, Großbritanien, Frankreich etc. sind alles Folgen der Finanzkrise und der Politik, die uns die Kosten aufbördet. Auch hier wird mit Repression, mit Ignoranz usw. reagiert. Das sind Tendenzen, die seit Jahren zu beobachten sind, die in ein paar Jahren so sau gefährlich werden können, dass wir es bald gar nicht mehr schaffen, dem etwas entgegenzusetzen. Es wird Zeit - jetzt, wann sonst?!!!

http://openleaks.org/

ant 10.12.2010 - 20:23

WikiLeaks Dokumentation

Supporter 10.12.2010 - 21:11
Wer Interesse hat, kann sich hier eine sehr interessante Doku über WikiLeaks und die Menschen hinter diesem Projekt ansehen:

Teil 1:
 http://www.youtube.com/watch?v=NhTfOL9_HBE

Teil 2:
 http://www.youtube.com/watch?v=SRF3gYxz1XQ

Teil 3:
 http://www.youtube.com/watch?v=q6TRb40Km6A

Teil 4:
 http://www.youtube.com/watch?v=8imkYy_hJ4E

SUPPORT WIKILEAKS !!!!!!!

Open Leaks Zwei TAZ Kommentare.

Heinzi 10.12.2010 - 21:50
10.12.2010 15:10 Uhr:
von OskarMaria:

Ein wirklicher Neuanfang müsste auch ohne Daniel Schmitt aka Daniel Domscheid-Berg stattfinden. Der Mann hat viel zu lange kritiklos bei Wikileaks mitgemacht! Seine Ehe mit einer Regierungs-Lobbyistin hat auch ein Geschmäckle und außerdem will er das Konzept der exklusiven Veröffentlichungen mit ausgewählten Medienunternehmen beibehalten.

Letzteres stellte den eigentlichen Sündenfall von Wikileaks dar, ist ein eher ein Geschäftsmodell und hat mit Informationsfreiheit, sozialer und journalistischer Ethik wenig zu tun.

OskarMaria



09.12.2010 20:49 Uhr:
von Tim R.:

Das Problem an dieser Plattform wird es sein, dass sie einen ungenügenden Schutz für Whistleblower bietet. Ich kann jetzt schon sagen, dass jeder Geheimdienst auf dieser Welt in der neuen Plattform mitarbeiten wird. Die Macht-Strukturen in Wikileaks sind zwar hinterfragbar, aber bieten eben auch Schutz für Informanten und vor falschen Informationen.
_________________________________________________________________________________________

Anmerkung:

Da sehe ich auch Probleme bei Open Leaks, Open Leaks will sich für Informanten als Kalkulierbare, und evtl. Manipulierbare "Kommerzielle Institution" etablieren, während Assange und Wikileaks offenbar Global Investigativ und Unkalkulierbar arbeitet, zwischen diesen beiden Institutionen wird es mit sehr Großer Wahrscheinlichkeit keine Konkurenz geben, auch wenn sie evtl. von irgendwem angestrebt sein sollte, Open Leaks wird seine Kommerziell Schlecht Verwertbaren Informationen unter die Breite Masse streuen, während Assange und seine Wikileaks weiterhin Alle seine Informationen als Archiv unter die Masse streuen, beide Institutionen werden ihre Eigene Wistleblower Sympatisanten Scene entwickeln.

Ps. Deutschland das einen der Obersten Plätze in der Internationalen Korruptions Statistik belegt kann, beides nicht schaden, und darin werden sich die Wistleblower Sympatisanten Scenen auch höchstwahrscheinlich unterscheiden, Open Leaks wird sich höchstwahrscheinlich mehr Vertraut Regional den Global entwickeln.

Neues Ziel um 4 Uhr morgens

FreeInformation! 11.12.2010 - 03:53
Laut  http://dasinsel.wordpress.com soll um 4 Uhr morgens in den IRC-Channels das neue Ziel ausgegeben werden. Diese findet man unter  http://anonops.eu , inzwischen auch im Browser funktionabel

Sie greifen dyn-intl.com an

Egal 11.12.2010 - 04:43
Obwohl kein offizielles Ziel verkündet, stehen derzeit die Seiten des Militärdienstleisters dyn-intl.com unter Beschuss. Dieser meldet "server too busy"

ANONYMUS

AIA 11.12.2010 - 09:49
Bild

"Privatsphäre gibt es nicht für Staaten"

Theodoria 11.12.2010 - 13:09
"Privatsphäre gibt es nicht für Staaten"

 http://www.n-tv.de/politik/Privatsphaere-gibt-es-nicht-fuer-Staaten-article2116136.html

Eigentlich Selbstverständlich den Staat oder einen Staat gab (gibt)es unter Bismarck zu Nazizeiten unter Stalin und so weiter ... in Birma, Nordkorea; also Misstrauenn gegen über dem Staat ist mehr als Berechtigt.

@aktuelle Tweets

Egal 11.12.2010 - 17:24
Probiers mal mit  http://anonops.blogspot.com/

Dort findeste ein auch irgendwo den aktuellen Tweet. Zudem ist das Blog des Artikelautors recht hilfreich, da mal mehr oder weniger aktuelle Links genannt werden. Leider wechseln ständig die offiziellen Adressen, da die Repression nich pennt.

SNAFU

schwabe 11.12.2010 - 17:45

Moin

Die ganze Sache ist noch vielschichtiger:
Assange könnte durchaus als Doppelagent Teil des Systems sein:

www.oliverjanich.de/?p=204

klingt alles plausibe
Ganz schön komplex das alles!

Schönen Advent

LOIC sendet IP-Adressen der Angreifer mit

Augen auf im Internet! 11.12.2010 - 21:50

Untersuchung der Gruppe "Design and Analysis of Communication Systems Group (DACS), University of Twente, Enschede, The Netherlands"

Does LOIC provide anonyminity?

In a lab-test conducted at the University of Twente, LOIC has been used to flood a fictitious target machine. The target has been equipped to analyze the traffic it was receiving by the LOIC tool. It became clear, already with the first analysis, that the tool does not take any precautions to obfuscate the origin of the attack. This means that the IP address of the attacker is included in the packets sent to the victim. The simplicity of the attack came to a surprise, since techniques are already known to obfuscate attack traffic. An example is IP spoofing, that substitute the original IP of the attacker with a fake one.
Basically, for the average user of the LOIC tool, it is like he was asked to send a menace letter with a return address.
...
For a number of days the websites of MasterCard, Visa, PayPal and others are attacked by a group of WikiLeaks supporters (hacktivist). Although the group calls itself "Anonymous", researchers at the DACS group of the University of Twente (UT), the Netherlands, discovered that these hacktivists are easy traceable, and therefore anything but anonymous. The LOIC (Low Orbit Ion Cannon) software, which is used by the hacktivists, was analyzed by UT researchers, who concluded that the attacks generated by this tool are relatively simple and unveil the identity of the attacker. If hacktivists use this tool directly from their own machines, instead of via anonymization networks such as Tor, the Internet address of the attacker is included in every Internet message being transmitted. In the tools no sophisticated techniques are used, such as IP-spoofing, in which the source address of others is used, or reflected attacks, in which attacks go via third party systems. The current attack technique can therefore be compared to overwhelming someone with letters, but putting your address at the back of the envelop. In addition, hacktivists may not be aware that international data retention laws require that commercial Internet providers store data regarding Internet usage for at least 6 months. This means that hacktivists can still be traced easily after the attacks are over.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 10 Kommentare an

DDOS Kräftemessen mit NL Politi u Justitie? — Wann sind die Generarlstaatsanwälte drann???

Solidarität... — Vorschlag

kabelsalat — anarcho

@anarcho — Auchanarcho

gf — rt

Anmerkungen — Roland Ionas Bialke

Wie geht das? — Autnomie

target — loic

tweeten — salat