[B] Demonstration gegen Nhow-Luxushotel

piratin 26.11.2010 03:58 Themen: Soziale Kämpfe
Am Samstag, den 27. November (15 Uhr Boxhagener Platz) wird eine Demonstration gegen das nhow-Luxushotel stattfinden. Schon am Montag besuchten Aktivist_innen das nhow-Hotel und brachten erste Umzugskartons mit. Das neue Hotel ist Zeichen für die laufende Stadtumstrukturierung in Berlin. Während Luxushotels, Carlofts und Bürogebäude gebaut werden, steigen die Mieten immer stärker. Entschlossener Widerstand gegen diese Entwicklung erscheint angebracht.

Das Hotel

Eines der 304 Zimmer im neuen „Lifestyle“-Hotel kostet zwischen 170 und 2500 Euro. Das Hotel ist eines von zwei Luxushotels der nh-Gruppeund trägt deswegen auch den exclusiven Titel „nhow“ statt einem schnodrigen nh. Die nh-Gruppe betreibt 398 Hotels mit 60.605 Zimmern. Folgendes erheiterndes Zitat entstammt der Pressemitteilung des Hotels zu seiner Eröffnung (mit interessanten Überlegungen zu Bedürnissen und Märkten...):
„NH Hoteles ist sich seiner Verantwortung als Tourismusunternehmen gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt bewusst und bietet Hotelleistungen an, die derzeitige und zukünftige Bedürfnisse ihrer internen und externen Stakeholder (Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre, Zulieferer, Umwelt etc.), den Märkten, in denen NH präsent ist, und den zukünftigen Generationen mit einem Maximum an Aufmerksamkeit für effiziente und nachhaltige Lösungen antizipieren. Die NH-Gruppe ist an der Madrider Börse notiert.“
Wer weitere verschwurbelte Marketingsscherze lesen will: hier
Das nhow-Hotel ist es kein klassisches „Fünf-Sterne-Edelhotel“, sondern versucht sich als "kreativ" und "modern" zu präsentieren. Es steht also in einem Kontext des Versuchs die spezifische Musik- und Clubszene Berlins verwertbar zu machen. Während sich das nhow-Hotel über die lebendige Partyszene Berlins freut, wird allerdings munter ein Club nach dem anderen an der Spree verdrängt und geschlossen.

Ohje, Mediaspree

Das Hotel steht im Mediaspree-Gebiet in Friedrichshain. Obwohl 2008 87 Prozent der Abstimmenden in Friedrichshain-Kreuzberg gegen Mediaspree stimmten, wurde eifrig weitergebaut. Die Eisfabrik wird gerade abgerissen, die Bar 25 wurde verdrängt, die Köpi ist in Gefahr und die Maria wurde verkauft. Während das nhow-Hotel nun eröffnet wurde, sind einige weitere Hotels in Planung.Dies ist ein weiteres Zeichen der Ignoranz der herrschenden Politik gegenüber den Bedürfnissen der Anwohner_innen und ihrer demokratischen Entscheidung. Während diese unter den rasant steigenden Mieten leiden, können sich die Investoren freuen.

Besuch des nhow-Bunkers

Am Montag beschlossen Aktivist_innen das Hotel von innen zu beguchtachten. Montag Mittag, den 22. November hatte das nhow-Hotel bereits zum Presseempfang geladen, doch war dort fast keine Presse aufgetaucht. Abends gab es dann einen Überraschungsbesuch, nein: sogar einen Überraschungseinzug ins Hotel. Nach und nach hatten ziemlich schick gekleidete Aktivist_innen die Hotellobby betreten, musterten die Getränkekarte sowie das ungewöhnlich designte Interieur und stellten fest, dass das Hotel bis auf wenige Angestellte vollkommen ausgestorben war.
Einige Minuten später tauchten dann Freund_innen mit Umzugskartons auf, die mit Parolen beschrieben waren: "Günstiger Wohnraum statt Luxushotels" / "Spreeufer für alle" / "Mediaspree versenken!" / "Zimmer frei? - Wir ziehen ein."
Kurz darauf tauchte auch der Hoteldirektor, Alexander Dürr, auf und begrüßte den bunten Haufen als Gäste. Auf Nachfrage gab es sogar einen Begrüßungsdrink. Der Protest des Aktionsbündnisses "mediaspree entern!" war Dürr bereits bekannt, er wusste von der Demo am Samstag und dass man vorhabe, in das weitgehend leer stehende Hotel einzuziehen.
Ein Blick in die Karte des hauseigenen Restaurants "fabric": Wein gibt es von 6,80 € pro 0,2-Glas an aufwärts, ein Schokokuchen ist für 19,50 € zu haben, für Champagner kann bis zu 520 € pro Flasche ausgegeben werden. Man gibt sich also Mühe, sich im Luxuspreissegment zu platzieren.
Während die Räumlichkeiten, soweit zugänglich, in Kleingruppen inspiziert wurden (eine Hausführung wollte Dürr nicht noch geben, dafür solle man tagsüber wiederkommen), offenbarte der Hoteldirektor jedoch, was er unter Gastfreundschaft versteht, und rief die Berliner Polizei herbei. Die machte einiges Aufheben darum, eine gemäß Versammlungsgesetz verantwortliche Person feststellen zu wollen - angesichts eines Besuchs in privaten Räumen ein zwar ziemlich lächerliches und rechtsfernes Anliegen, doch ließen die blaugrünen Herren sich nicht von ihrem Willkür-Vorhaben abbringen. Die üblichen Scherereien also mit Leuten, denen irgendwer ein staatliches Gewaltmonopol zugesprochen hat, und die sich jetzt damit austoben...
So wurden zuletzt die Umzugskartons als Gepäckstücke eingecheckt, um sie zur Demo am Samstag wieder abzuholen.

Demonstration

Am kommenden Samstag soll dann eine ganze Demonstration unter dem Motto "Zimmer frei! - Wir ziehen ein." durch den Boxhagener und Rudolfkiez zum nhow-Hotel ziehen. Das Aktionsbündnis "mediaspree entern!", das zur Demo aufruft, will damit gegen den Umbau der Spreeufer zu exklusiven Luxusräumen und gegen die mietpreistreibenden Auswirkungen der Aufwertung protestieren.
Denn das nhow-Hotel ist selbstredend nur Sympton einer Verteilung der Wohnungen und Grundstücke über einen Markt. Es werden also nicht die Dinge gebaut oder erhalten, die der Bedürfnisbefriedigung der Menschen dienen, sondern die Dinge, die Profit abwerfen. Die kapitalistische Stadt verwehrt vielen Menschen bezahlbaren Wohnraum und ein angenehmes Leben, obwohl genug Zimmer, Häuser und Ressourcen da sind. „Mediaspree entern“ stellt sich mal ganz dumm und verlangt die banale Selbstverständlichkeit „Zimmer frei ? Wir ziehen ein.“.
Im Bestehenden profitieren einige durchaus von den gesellschaftlichen Bedingungen und können den Spreeblick in ihrer Suite genießen, andere allerdings müssen ihnen ihr Bett machen oder darauf aufpassen, dass sie nicht von linken Chaoten angegriffen werden. Die Menschen mit geringen Einkommen werden dann auch noch mit steigenden Mieten konfrontiert, die für viele Auszug oder Einschränkung bei Essens- oder Freizeitausgaben bedeuten.
Das Problem ist also nicht dieses einzelne pinke Hotel, sondern die Prinzipien, die es bestimmten Menschen verwehren dort auch mal ne Nacht zu schlafen.
Aber weil Prinzipien so unglaublich abstrakt sind...

Demonstration gegen das nhow-Hotel: 27.11., 15 Uhr, Boxhagener Platz

Aufruf || Route || PM vom 15.11. || PM vom 22.11.

mediaspreeentern.blogsport.de
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Ergänzungen

weitere fotos von der Einzug Aktion

- 26.11.2010 - 09:17

Was man noch wissen sollte...

Informer 26.11.2010 - 10:02
Bei der Demo am Samstag wird für eine Dokumentation gefilmt werden.
Aus einer email des Aktionsbündnisses:

"Zum Abschluss vor dem nhow-Hotel (Stralauer Allee 3) erwarten wir das kenianische Musikkollektiv „Ukoo Flani“. Deren Berlin-Besuch hat die Dreharbeiten zum Anti-Gentrifizierungsfilm „The space of desire“ zum Anlass. Die Demo wird ein Höhepunkt der Berlin-Episode sein.

Es wäre schön, wenn wir trotz eisiger Temperaturen sehr viele wären, die ein kurzes und knackiges Zeichen gegen Mediaspree setzen. Kommt alle!"

Das sollte man bei der Mobi nicht verschweigen, denn vielleicht will der/die/das Eine oder Andere nicht unbedingt in einer Dokumentation auftauchen.

Video der Demo 27.11.

Nichtarbeit 30.11.2010 - 16:56

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 4 Kommentare

@dann...

benutzter kopp 26.11.2010 - 11:50
Hey du Honk, schonmal was von Wohnaufwertung gehört... Leute bauen teure Sachen in deine Nachbarschaft und schon is deine Wohnung angeblich mehr wert und deine Miete steigt...
also Kopp zu!

Hotel kein Faktor?

autonom 26.11.2010 - 12:01
Natürlich wird richtig demonstriert, steigende Mieten entstehen nicht irgendwie sondern durch Aufwertung des Objekts bzw. der Umgebung.

Benutz du erstmal deinen Kopf und denk ernsthaft über Fortpflanzung nach... willst du wirklich noch mehr Bild-Leser?

Auf zu neuen Ufern!

moderatoren !!!

a 26.11.2010 - 13:48
ey moderatoren,
das ist ein bericht über eine aktion und darin wird auch eine demonstration angekündigt.
Warum kommt es nicht aus dem Open posting raus ?
Wenn ihr so selektiv die Artikel auswählt, hat wohl keiner mehr Bock was zu schreiben. Und ihr könnt gerne recherchieren, ob irgendwas woanders rauskopiert wurde.
Also das ist echt ne Frechheit, das relativ gut gestaltete Artikel rausgeschmissen werden.
Und jetzt erklärt mal bitte, warum dann dieser Artikel aus dem Open Posting rausgekommen ist:  http://de.indymedia.org/2010/11/295191.shtml
Ist wohl auch ne Ankündigung.
nerv

@a

b 26.11.2010 - 14:56
manche wollen einfach nicht lernen und posten hier weiter. soll aber noch andere IMCs geben...