Militärischer Pomp in Rostock

Die Zapfenstreicher_Innen 23.10.2010 17:07 Themen: Militarismus Repression
Am Abend des 21. Oktobers fand der von der Bundeswehr angekündigte „Große Zapfenstreich“ in Rostock auf dem Neuen Markt statt. Erwartet wurden eintausend Bürger, die sich das geradezu martialische Spektakel anschauen sollten. Das „Bündnis gegen den Zapfenstreich“ mobilisierte zu drei Gegenveranstaltungen.
Nicht einmal ein Viertel der erhofften Schaulustigen wollten sich bei kaltem Wetter und Regen den Fackelmarsch der Bundeswehr mit Gewehr im Anschlag anschauen. Die Anzahl der Gegendemonstranten war dagegen sehr viel höher, als von Vielen erwartet.
Schon in den Nachmittagstunden wurden Teile der Rostocker Innenstadt abgesperrt, um die Aufbauarbeiten für die Bühnen der geladenen Gäste zu gewährleisten. Ab 18 Uhr wurde der Straßenbahnverkehr lahm gelegt. Ein massiver Polizeieinsatz von über 200 Beamten begleitete den gesamten Abend die militärische Machtdarstellung. Schon vor Beginn des eigentlichen Zapfenstreiches war der Protest der etwa 150 Antimilitarist_Innen zu hören. Mit Trillerpfeifen, Ratschen und Trompeten machten Bürger aus Rostock und ganz Mecklenburg-Vorpommern deutlich, was sie von der Bundeswehr halten.
Obwohl in den Auflagen für die Gegendemonstrationen nur ein Verbot von elektronischen Schallgeräten vorgesehen war, wurden von Polizeibeamten mehrere Tröten und Trillerpfeifen beschlagnahmt und von verschiedenen Personen die Personalien aufgenommen. Aber nicht nur die Polizei verbog das überall hoch gelobte demokratische Demonstrationsrecht, auch Feldjäger agierten außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches. Der Höhepunkt staatlicher Repression bot dann die Abdrängung sämtlicher Demonstrant_Innen in die umliegenden Straßen während des Abspielens des Deutschlandliedes. Kurze Zeit nachdem der Aufmarsch der Fackelträger auf dem Neuen Markt vorbei war und der Zapfenstreich beendet wurde, zog sich die Polizei, die mittler Weile schon ganz genervt von dem Getröte und dem Getriller war, wieder zurück.
Ein Dankeschön der Bundeswehr an die Hansestadt sollte es werden. Am Ende stand der Armee, die sich mit ihrem Zeremoniell einmal mehr in die Tradition der imperialistischen Kaiserlichen Armee und der faschistischen Wehrmacht gestellt hatte, die blanke Ablehnung vieler Rostocker Bürger und schlechtes Wetter, gegenüber. Fazit für die Hobbyhelden aus den Kasernen: das nächste Mal gleich zu Hause bleiben.

Keinen Fußbreit den Kriegshetzern!

Bundeswehr raus aus den Köpfen!
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