Streckenaktionstag Celle

atomnix 23.10.2010 13:23 Themen: Atom
Um 11.55 Uhr begann vor dem Celler Bahnhof die Kundgebung zum Streckenaktionstag. Und es war sicher nicht allein dem Sonnenschein zu verdanken, dass rund 120 Teilnehmer_innen gekommen waren, um deutlich zu machen: "Atomkraft abschalten - und zwar subito!" "Castor stoppen - Wir sind am Zug!"
Die Erwartungen des Celler Forums gegen Atomenergie als Veranstalter waren mit der für eine Kleinstadt erfreulichen Anzahl und der guten Stimmung aufgegangen; auch wenn vielleicht ehrlicherweise die beiden Zivilpolizisten abgezogen werden müssen, die sich unter die Teilnehmer_innen gemischt hatten.

Für den Verstalter sprach Tina Schröder (ihre Rede siehe unten); als Vertreter der Celler DGB-Vorstands erklärte sich Paul Stern solidarisch mit den Zielen der Anti-AKW-Bewegung: Die Zumutung der Laufzeitverlängerung sein genauso zu bekämpfen wie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

Für einige Belustigung sorgte zwischendrin das Zitat des ehemaligen Celler Bundestagsabgeordneten Dr. Hans Hubrig aus dem Jahr 1979, was sicherlich exemplarisch zu lesen ist auch für die Weitsicht der heutigen Atomlobbyisten der Politik: „Selbst die Ausnutzung der regenerativen Energiequellen verursachen klimatische Veränderungen. Bei der Inbetriebnahme von Windmühlen trocknet das umliegende Erdreich durch Sog aus, Wasser ist bereits völlig als Energiespender in unserem Land ausgenutzt und die Sonnenscheindauer zur Gewinnung von Solarenergie hat in unseren Breitengraden nicht die notwendige Intensität. Zudem können die regenerativen Energiequellen lediglich 2,5 Prozent unseres Energiebedarfs auffangen und benötigen zur Energiegewinnung Strom.“ (Cellesche Zeitung, 05.06.1979)

Im Anschluss an die Kundgebung begab sich ein gutes Drittel der Teilnehmer_innen noch auf einen "Streckenspaziergang".

Hier noch die Rede von Tina Schröder:

"Ab dem 5. November soll der 12. Castortransport mit hoch radioaktivem Abfall aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Frankreich in das Zwischenlager im wendländischen Gorleben gebracht werden. Vermutlich wird auch in diesem Jahr der Castor- Zug durch Celle und den Celler Landkreis rollen, beladen mit gut 132 Tonnen hoch radioaktivem Atommüll und einer Geschwindigkeit bis zu 100 h/km. Auch wenn die CDU-FDP Bundesregierung den Salzstock Gorleben als Endlager ausbauen will ist klar: es gibt weltweit keine Lösung für die sichere Aufbewahrung des Atommülls, sicher ist nur, dass der Salzstock Gorleben absolut ungeeignet ist.

Die Atomindustrie macht durch verlängerte AKW- Laufzeiten Milliarden Profite: pro Tag und Kraftwerk eine Million Euro! Die Folgekosten und auch das Risiko eines Atomunfalls tragen jedoch wir. Und durch weitere dreißig Jahre Atomenergie werden wir einen Atommüllberg haben, der doppelt so hoch ist, wie der heute bereits. Allein in Deutschland entsteht pro Jahr 400 Tonnen hochradioaktiver Abfall. Dass dieser Müll unmöglich eine Million Jahre sicher gelagert werden kann, sehen wir heute, am bereits nach 40 Jahren einstürzenden Schacht Asse bei Wolfenbüttel.

Wir fordern immer wieder den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Warum?
Für den Betrieb von Atomanlagen wird Uran benötigt. In den Uranabbaugebieten werden die Arbeiter radioaktiv verseucht, und immer neue Abraumhalden aufgetürmt, von denen der Wind radioaktiven Staub über das Land bläst. Menschen, die in der Nähe von Atomanlagen leben oder arbeiten, haben ein deutlich höheres Krebsrisiko. Auch an den so genanten Wiederaufbereitungsanlagen wird täglich radioaktives Material freigesetzt, so viel, dass z.B. Tauben aus Sellafield offiziell als Atommüll gelten. Tag für Tag wird mehr Atommüll produziert, für den es kein Endlager gibt und Tag für Tag besteht das Risiko, dass wieder eine der Atomanlagen in die Luft fliegt. Als Restrisiko bagatellisiert wird dabei in Kauf genommen, dass ganze Regionen verseucht werden.
Der Normalbetrieb ist also bereits ein Störfall und die radioaktive Verseuchung ein stetiger Prozess, der auch ohne Gau Ökosysteme und das Leben vieler Menschen zerstört.

Ich habe vor kurzem einen Artikel von einer Hamburger Anti-Atom-Initiative gelesen. Einen Absatz davon möchte ich zitieren, weil er genau das aussagt, was sicher viele empfinden, die gegen diesen Atomstaat kämpfen:
„Es ist ja nicht einfach der Betrieb der Atomanlagen, der uns widerständig sein lässt. Es ist der Traum von einer Gesellschaft, die nicht einfach nur ohne AKWs auskommt, sondern in der AKWs – und das Denken, das sie trägt, grundsätzlich nicht machbar sind!“

Zuletzt möchte ich Euch noch einladen, Euch an den diesjährigen Castor- Protesten zu beteiligen. Nur gemeinsam haben wir die Chance, der Atomindustrie endlich den Garaus zu machen, zeigen wir ihnen, wie stark wir sind!"
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Ergänzungen

Auf ins Wendland

castor2010 23.10.2010 - 15:25
Hier sind alle Mobi-Clips bei Youtube in einer Playlist:
 http://www.youtube.com/user/nixda2010

...ausserdem gibts noch Castor-Mobi-Videos im wendland-net:
 http://wendland-net.de/thema/castor2010

...Schotter-Mobi von atomiX:
 http://kanalb.org/clip.php?clipId=2578
 http://kanalb.org/clip.php?clipId=2576
 http://kanalb.org/clip.php?clipId=2158

...und was von Cine Rebelde:
 http://www.cinerebelde.org/ant­­­iatomkraft-c-25.html

Ein Mobi-Jingle für Demos und Radio und so gibts bei castorsop!:
 http://castorstop.blogsport.de­­/2010/09/28/mobi-jingle-onlin­e­/

& hier gibts fast alle Castor-Filme seit 1997...
-sehr interessant für Menschen, die das erste Mal gegen Castor-Transporte aktiv werden, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie vielfältig der Widerstand gegen Atomkraft ist, aber auch als Erinnerung für alle, die in den letzten Jahren dabei waren...
 http://nix-da.6x.to/

Auf die Brücken-fertig-los!

Hans 23.10.2010 - 16:48
Auf die Brücken-fertig-los! Dezentrale Aktionen gegen Castortransport nach Gorleben

Am 5./6. November wird ein nächster Castortransport nach Gorleben erwartet. Schwarz/gelb will den Salzstock im Wendland zum Endlager machen - als Rechtfertigung für Laufzeitverlängerung. Schluss mit dem dreckigen Atomgeschäft! fordern Atomkraftgegner. Kommt der
Castor, wollen hunderte auf den Brücken über der Transportstrecke protestieren. Bundesweit wollen sich Atomkraftgegner an der Aktion
beteiligen, denn die Aktion ist denkbar einfach:

Naht der Castortransport, begeben sich die Aktionsgruppen auf eine Brücke über der Schiene und machen auf sich aufmerksam. Fahnen,
Transparente, Atomtonnen, Fackeln, Laternen - einfach alles, was unseren Protest sichtbar macht.

Die Aktion richtet sich besonders an die, denen das Wendland zu weit weg ist, die keine Zeit für einen Kurzurlaub in Lüchow-Dannenberg haben oder den Protest gegen den Atommüllzug vor der eignen Haustür zeigen möchten. Auf der Kundgebung am 06.11. in Dannenberg
wird ein Aufruf an diejenigen verteilt, die nach der Demo wieder nach hause fahren.

Mitmachen? Wenn ihr eine Aktion bei euch plant, dann schreibt eine kurze Mail an  castor@contratom.de. Wir nehmen euch in die Karte mit auf.