Schweinfurt: Wir feiern eure Niederlage
Ein Bericht zum blockierten Aufmarsch des „Freien Netz Süd“ am 9.10. im nordbayerischen Schweinfurt.
Schweinfurt, der Ort dürfte einigen noch was sagen. Richtig, am 1. Mai war da doch irgendwas…800 Nazis gaben sich damals beim Aufmarsch „Kapitalismus heißt Krieg“ die Ehre, beschützt von unzähligen Polizeieinheiten und umringt von mehreren tausend Gegendemonstrant_innen konnten sie damals noch relativ problemlos marschieren. Nun kamen die Kameraden vom „Freien Netz Süd“ erneut auf die Idee, in dieser übrigens nicht gerade schönen Stadt einen Aufmarsch zu veranstalten. Diesmal stand das Ganze unter dem Motto „Besatzer raus“, und richtete sich gegen die „Besatzung“ Deutschlands durch die US-Armee, die in Schweinfurt eine größere Kaserne unterhält. Der Aufruf glänzte mit für das FNS gewohnt lächerlichen Inhalten (so wurde z.B. der Wasserverbrauch eines deutschen Normalbürgers mit dem eines US-Soldaten verglichen) und natürlich durfte der Hinweis auf Israel (oder „US-Rael“) auch nicht fehlen.
Die Demonstration wurde erst am Donnerstag angemeldet, weshalb nicht viel Zeit blieb, um zu mobilisieren. Dennoch fanden über 100 linksradikale und ca. 200 bürgerliche Antifaschist_innen den Weg nach Schweinfurt, um den Nazis den Tag zu versauen, was im Gegensatz zum 1.Mai diesmal auch gelingen sollte. Dass linksradikale Inhalte auch hier mal wieder im antifaschistischen Konsens untergingen, soll hier nicht weiter ausgeführt werden, es bleibt bei der Schilderung der Ereignisse in Schweinfurt, und zu hoffen, dass der Diskurs um die zweifelhafte Bündnispolitik der radikalen Linken weitergeführt und praktische Folgen bei zukünftigen Naziaufmärschen haben wird.
Zurück zum Geschehen. Wie auch am 1.Mai wollten die Nazis auch am Samstag auf dem Parkplatz am Schuttberg starten, einer Art Hügel in einem Park, wo Trümmer der Bombardierung Schweinfurts im zweiten Weltkrieg aufgeschichtet sind, also die Folgen dessen, was nötig war, um Deutschland in die Knie zu zwingen. Dort sollte der Aufmarsch nach dem Passieren der US-Kaserne auch wieder enden. Um 14 Uhr, dem geplanten Auftaktzeitpunkt der Nazidemo, hatten sich jedoch gerade einmal 11 (in Worten: ELF) Neonazis am Schuttberg eingefunden. Soviel zur deutschen Pünktlichkeit. Beschützt von hunderten Bereitschaftspolizisten/USK und umzingelt von ebenfalls hunderten Gegendemonstrant_innen fühlte das Häufchen Nazis sich offensichtlich ganz und gar nicht wohl. Ein Start der Demo kam nicht nur wegen der noch geringen Anzahl anwesender Nazis nicht in Frage, sondern auch deshalb nicht, da die erste Kreuzung auf der Route direkt neben dem Schuttberg von mehreren hundert Menschen blockiert wurde. Erfreulich war hier zu beobachten, dass ein Transparent mit der Aufschrift „10 Deutsche sind dümmer als 5 – Deutschland, ein Skandal“ vor den „Schweinfurt ist bunt – für Demokratie und Toleranz“-Transparenten der Bürger_innen herausstach und diese karikierte.
Bei dieser ruhigen Lage sollte es jedoch nicht lange bleiben, waren doch schon Gerüchte im Umlauf, dass um die 100 Nazis am Hauptbahnhof stünden. Eine kleine Gruppe Genoss_innen die sich im Park aufhielt stieß mit einer Gruppe von ca. 10 anrückenden ANs zusammen, als diese zu der Nazi-Auftaktkundgebung gelangen wollten. Obwohl die Nazis mit ihren Fahnenstangen nach den Antifaschist_innen schlugen, wurde glücklicherweise niemand verletzt, und der Park nach diesem Zwischenfall vom USK geräumt. Einem Stunden später festgenommenen Genossen wird wohl vorgeworfen, sich gewaltsam gegen die ANs zur Wehr gesetzt zu haben, von welchen – das überrascht jetzt weniger – übrigens niemand vom USK der versuchten Körperverletzung bezichtigt wurde. Spätestens jetzt wurde klar, dass dies wohl kein ruhiger Tag für die Nazis werden würde wie sonst für bayerische Verhältnisse üblich.
Schon längst war für Bullen und Nazis deutlich, dass der Aufmarsch nicht die angemeldete Route würde nehmen können. So gaben sich die Nazis nach Verhandlungen mit der Einsatzleitung damit zufrieden, in einem Wanderkessel zum Hauptbahnhof eskortiert zu werden. Doch schon kurz nachdem der nun auf ca. 120 Neonazis – hauptsächlich auffallend junge „Autonome Nationalisten“ - angewachsene Demozug mit Palästina- und Iran-Fahnen (siehe Bilder unten) losgelaufen war, stockte er erneut, da die Berufsschläger vom USK erst einmal den Weg freiprügeln mussten. 2 Tage reichen der Polizei anscheinend nicht, um eine angemessene Taktik auszutüfteln, sie waren jedenfalls hoffnungslos überfordert mit der Situation. Kein Wunder also, dass durch ein paar schnelle Bewegungen seitens der Antifaschist_innen und ein paar Sitzblockaden der Weg Richtung Hauptbahnhof schon nach einigen Minuten erneut versperrt war. Lächerliche „Kommunikationsteams“ der unterfränkischen Polizei in gelben Westen rückten aus, um die gut 150 Menschen, die es sich auf der Kreuzung in Richtung Bahnhof bequem gemacht hatten, doch zum Gehen zu überreden. Letztlich war es aber die entgegenkommende Übermacht mehrerer Hundert Polizisten samt Nazidemo, die die Blockierer_innen zwang, auf eine Straßenseite zurückzuweichen. So ergab sich das groteske Bild, dass Nazis und Gegendemonstrant_innen kaum 2 Meter entfernt nebeneinander liefen. Die desorientierten, völlig planlosen Bullen trugen ihren Teil dazu bei, dass die Nazidemo derart bedrängt werden konnte, dass ihnen beinahe ein Transparent entrissen wurde. Nach ein paar hundert Metern in dieser Konstellation stoppte die Nazidemo plötzlich ab, die Antifaschist_innen formierten sich lautstark und mit vielen israelischen Fahnen und zwei Transparenten, unmittelbar daneben. Nachdem unter „Krieg, Krieg, Krieg gegen Deutschland!“-Rufen mehrere Eier und Steine in die Nazidemo geflogen waren, rasteten einige der ANs komplett aus und versuchten durch die Polizeikette zu den Gegendemonstrant_innen zu gelangen, was aber natürlich gründlich misslang. Während unter den Antifaschist_innen einige (7) Personen festgenommen wurden, beendete die Polizei die Versammlung, und eskortierte die Nazis in Gruppen von ca. 20 Personen zum Bahnhof Mitte bzw. zum Hauptbahnhof. Einen angenehmen Tag dürfte wohl niemand von ihnen gehabt haben…
Hier noch einige spontan geschossene Fotos der Nazidemo:
Die Demonstration wurde erst am Donnerstag angemeldet, weshalb nicht viel Zeit blieb, um zu mobilisieren. Dennoch fanden über 100 linksradikale und ca. 200 bürgerliche Antifaschist_innen den Weg nach Schweinfurt, um den Nazis den Tag zu versauen, was im Gegensatz zum 1.Mai diesmal auch gelingen sollte. Dass linksradikale Inhalte auch hier mal wieder im antifaschistischen Konsens untergingen, soll hier nicht weiter ausgeführt werden, es bleibt bei der Schilderung der Ereignisse in Schweinfurt, und zu hoffen, dass der Diskurs um die zweifelhafte Bündnispolitik der radikalen Linken weitergeführt und praktische Folgen bei zukünftigen Naziaufmärschen haben wird.
Zurück zum Geschehen. Wie auch am 1.Mai wollten die Nazis auch am Samstag auf dem Parkplatz am Schuttberg starten, einer Art Hügel in einem Park, wo Trümmer der Bombardierung Schweinfurts im zweiten Weltkrieg aufgeschichtet sind, also die Folgen dessen, was nötig war, um Deutschland in die Knie zu zwingen. Dort sollte der Aufmarsch nach dem Passieren der US-Kaserne auch wieder enden. Um 14 Uhr, dem geplanten Auftaktzeitpunkt der Nazidemo, hatten sich jedoch gerade einmal 11 (in Worten: ELF) Neonazis am Schuttberg eingefunden. Soviel zur deutschen Pünktlichkeit. Beschützt von hunderten Bereitschaftspolizisten/USK und umzingelt von ebenfalls hunderten Gegendemonstrant_innen fühlte das Häufchen Nazis sich offensichtlich ganz und gar nicht wohl. Ein Start der Demo kam nicht nur wegen der noch geringen Anzahl anwesender Nazis nicht in Frage, sondern auch deshalb nicht, da die erste Kreuzung auf der Route direkt neben dem Schuttberg von mehreren hundert Menschen blockiert wurde. Erfreulich war hier zu beobachten, dass ein Transparent mit der Aufschrift „10 Deutsche sind dümmer als 5 – Deutschland, ein Skandal“ vor den „Schweinfurt ist bunt – für Demokratie und Toleranz“-Transparenten der Bürger_innen herausstach und diese karikierte.
Bei dieser ruhigen Lage sollte es jedoch nicht lange bleiben, waren doch schon Gerüchte im Umlauf, dass um die 100 Nazis am Hauptbahnhof stünden. Eine kleine Gruppe Genoss_innen die sich im Park aufhielt stieß mit einer Gruppe von ca. 10 anrückenden ANs zusammen, als diese zu der Nazi-Auftaktkundgebung gelangen wollten. Obwohl die Nazis mit ihren Fahnenstangen nach den Antifaschist_innen schlugen, wurde glücklicherweise niemand verletzt, und der Park nach diesem Zwischenfall vom USK geräumt. Einem Stunden später festgenommenen Genossen wird wohl vorgeworfen, sich gewaltsam gegen die ANs zur Wehr gesetzt zu haben, von welchen – das überrascht jetzt weniger – übrigens niemand vom USK der versuchten Körperverletzung bezichtigt wurde. Spätestens jetzt wurde klar, dass dies wohl kein ruhiger Tag für die Nazis werden würde wie sonst für bayerische Verhältnisse üblich.
Schon längst war für Bullen und Nazis deutlich, dass der Aufmarsch nicht die angemeldete Route würde nehmen können. So gaben sich die Nazis nach Verhandlungen mit der Einsatzleitung damit zufrieden, in einem Wanderkessel zum Hauptbahnhof eskortiert zu werden. Doch schon kurz nachdem der nun auf ca. 120 Neonazis – hauptsächlich auffallend junge „Autonome Nationalisten“ - angewachsene Demozug mit Palästina- und Iran-Fahnen (siehe Bilder unten) losgelaufen war, stockte er erneut, da die Berufsschläger vom USK erst einmal den Weg freiprügeln mussten. 2 Tage reichen der Polizei anscheinend nicht, um eine angemessene Taktik auszutüfteln, sie waren jedenfalls hoffnungslos überfordert mit der Situation. Kein Wunder also, dass durch ein paar schnelle Bewegungen seitens der Antifaschist_innen und ein paar Sitzblockaden der Weg Richtung Hauptbahnhof schon nach einigen Minuten erneut versperrt war. Lächerliche „Kommunikationsteams“ der unterfränkischen Polizei in gelben Westen rückten aus, um die gut 150 Menschen, die es sich auf der Kreuzung in Richtung Bahnhof bequem gemacht hatten, doch zum Gehen zu überreden. Letztlich war es aber die entgegenkommende Übermacht mehrerer Hundert Polizisten samt Nazidemo, die die Blockierer_innen zwang, auf eine Straßenseite zurückzuweichen. So ergab sich das groteske Bild, dass Nazis und Gegendemonstrant_innen kaum 2 Meter entfernt nebeneinander liefen. Die desorientierten, völlig planlosen Bullen trugen ihren Teil dazu bei, dass die Nazidemo derart bedrängt werden konnte, dass ihnen beinahe ein Transparent entrissen wurde. Nach ein paar hundert Metern in dieser Konstellation stoppte die Nazidemo plötzlich ab, die Antifaschist_innen formierten sich lautstark und mit vielen israelischen Fahnen und zwei Transparenten, unmittelbar daneben. Nachdem unter „Krieg, Krieg, Krieg gegen Deutschland!“-Rufen mehrere Eier und Steine in die Nazidemo geflogen waren, rasteten einige der ANs komplett aus und versuchten durch die Polizeikette zu den Gegendemonstrant_innen zu gelangen, was aber natürlich gründlich misslang. Während unter den Antifaschist_innen einige (7) Personen festgenommen wurden, beendete die Polizei die Versammlung, und eskortierte die Nazis in Gruppen von ca. 20 Personen zum Bahnhof Mitte bzw. zum Hauptbahnhof. Einen angenehmen Tag dürfte wohl niemand von ihnen gehabt haben…
Hier noch einige spontan geschossene Fotos der Nazidemo:
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Ergänzungen
An die Festgenommen:
Zur Erinnerung: Ihr seid nicht verpflichtet, zu polizeilichen Vorladungen (ob als Beschuldigte_r oder als Bezeugende_r spielt dabei keine Rolle!) zu erscheinen, und solltet dieses Recht auch wahrnehmen.
Kontaktieren könnt ihr uns unter:
wuerzburg [at] rote-hilfe.de
blubb
ein video
anderer artikel
bild vom transpi gibt es
noch ein video:
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Israel und USA — Rotfront
Pseudo-Blockade — Anwesender
Lautsprecherwagen — STVO
bravo! — blackredflag
@ Anwesender — .
Supi — Bratwurstjohn
unlustige — (A)
bla — weder antid noch antiimp
@ weder antid noch antiimp — katatong