Veranstaltungsbericht "Great Crisis Riseup"

Antifa 10.10.2010 01:42
Am Freitag lud die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) und die Schüler_inneninitiative "Bildungsblockaden einreißen" in den Friedrichshainer Stadteiladen "Zielona Gora" zu einer Veranstaltung zum sogenannten "heissen Herbst" der Krisenproteste
Vertreter_Innen der Gewerkschaftslinken, der Schüler_innenbewegung und des Krisenbündnis stellten verschiedene Protestaktionen vor.

Mobilisierungsvideo der ARAB zum heissen Herbst:
 http://www.youtube.com/watch?v=oPPyJg0hpQM
ca 40 Menschen hatten sich gegen 21 Uhr eingefunden um der Veranstaltung beizuwohnen. Zu Beginn wurden diverse Videoclips von Protestaktionen am 29.September in Barcelona, Dublin, Warschau, Berlin und Brüssel gezeigt. Danach gab der Moderator der ARAB einen kurzen Überblick über den Stand der Krisenproteste. Er zeichnete ein eher ernüchterndes Bild der Situtation. Der europaweite Aktionstag wurde in Deutschland überwiegend dadurch wahrgenommen das deutsche Urlauber nicht mehr nach Mallorca fliegen konnten. Während in anderen Ländern, vor allem in Griechenland und Spanien - aberauch in Frankreich, heftige (Abwehr)kämpfe tobte, sei der angekündigte heisser Herbst in der BRD zur Zeit eher ein laues Lüftchen.

Sowohl der Demo am 29.September als auch den Hersbtaktionstagen "Berlin On Sale", in dessen Rahmen die Veranstaltung stattfand, ist es nicht gelungen Menschen über das übliche linke Spektrum hinaus zu Mobilisieren und mit Aktionen Aktzente zu setzen. Obwohl das was viele Linke schon zu Beginn der Krise vorausgesagt hatten nun Realität wird, das die Rettungspakete und Schirme für Banken und Konzerne letzendlich zur massiven sozialen Angriffen auf die Lebensbedingungen der Lohnabhänigen führen, bleibt es weithin ruhig. Trotz Empörung über die HartzIV Erhöhung um lächerliche 5 Euro in der Bevölerung und in den Betrieben zeigt sich auf der Strasse kein Protest. Eine bundesweit geplante Börsenblockade am 18.Oktober in Frankfurt am Main wurde wegen mangelnde Erfolgsaussichten sogar abgesagt. Auch die Gewerkschaften hielten sich in Deutschland damit zurück grössere Protestaktionen zu organisieren. Zwar fanden in letzter Zeit mehrere grosse Proteste statt, die Anti-Atom-Demo in Berlin, die Demo gegen Überwachung und die Proteste gegen Stuttgart 21, die jedoch nur Peripher etwas mit der kapitalistischen Krise und ihren Folgen zu tun hätten. Bevor es um die Gründe dafür gehen sollte, warum es zu keinen nennenswerten Protesten kommt, waren mehrere Referenten geladen um die nächsten "Events" des "Heissen Herbstes" vorzustellen.

Tobi, Verdi-Mitglied und bei der Gruppe Arbeitermacht organisiert sollte den Aktionstag der Gewerschaften am 13.November vorstellen. Georg von Schüler_innenbündnis "Bildungsblockaden einreißen" den "International Students Action Day" am 17.November, die "Global Wave of Education" und den Berliner Schulstreik am 26.November gegen die Verabschiedung des Sparpaketes. Claudia von der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) stellte die Bundestagsbelagerung am 26.November gegen die Verabschiedung des Sparpaketes vor.

Tobi begann damit ein Rückblick auf das Verhalten der deutschen Gewerkschaften in den letzten 2 Jahren der Krise zu werfen. Sie hätten sich extrem defensiv verhalten, auf Lohnforderungen freiwillig verzichtet und den Kapitalisten in deren "schweren Zeiten" Geschenke gemacht. Protestiert wurde ledeglich verbal um die Basis bei Stange zu halten, jedoch wurde keinen Kämpfe geführt. Er erklärte das die Gewerkschaften langsam auf Druck der Basis anfangen zum Thema zu mobilisieren, jedoch nur äussert halbherzig. Der 13.November sei keinesfalls ein Aktionstag der Gewerkschaften oder des DGB, sondern ledeglich der IG-Metall die in 5 westdeutschen Städten Grossdemonstration angekündigt hat. Jedoch hat die jahrelange Praxis der Sozialpartnerschaft dazu geführt das die Strukturen der Gewerkschaften nur noch bedingt in der Lage sind zu mobilisieren. So rechnet die IG-Metall für die Demos am 13.November nicht mehr mit zehntausenden Menschen in jeder statt, sondern korigierte ihre Erwartungen nach unten. Ausserdem sei es eine fatales Signal das in Ostdeutschland und Berlin keine Aktionen stattfinden, sondern überwiegend auf die industrielle Kernregion im Südwesten beschränkt bleibt. Die Aufgabe der antikapitalistischen Kräfte und der radikalen Linken sei es dort Angebote zum Widerstand zu machen, wo sich die Gewerkschaften zurückziehen.

Georg vom Schüler_innenbündnis warf einen kurzen Rückblick auf die Bildungsstreikbewegung, die als erste Protestbewegung nach Ausbruch der Krise gilt und im Juni 2009 mit über 270 000 Teilnehmer_innen ihren Höhepunkt fand. Im Moment sei bundesweit jedoch nicht viel los. Zwar sei bei einer bundesweiten Bildungsstreikkonferenz anfang August in Berlin beschlossen zusammen mit den Anti-Krisen-Bündnissen bundesweit Aktionen durchzuführen. Jedoch blieb es weitgehend bei den Beschluss. In Berlin beteiligte sich "Bildungsblockaden einreissen" mit einem Jugendblock an der Demo am 29.September und mobilisierte dafür an Schulen. Für die nächste Zeit werde jedoch mit etwas mehr Aktionen gerechnet. Am 17.November gibt es einen weltweiten Aktionstag für freie Bildung, der vom "International Students Movement" koordiniert wird. Dieser steht im Rahmen einer sogenannten "Global Wave of Education" die vom 10 - 20.November Proteste für freie Bildung in vielen verschieden Kontinenten der Erde in einen gemeinsamen Kontext stellen soll. In Berlin planen Schüler_Inenn und Studierende einen "Rave der Bildungsleichen" in Berlin-Mitte. Am 26.November, dem Tag an dem im Bundestag das Sparpaket verabschiedet wird, soll es in Berlin einen Schulstreik aus Protest gegen die Politik der Schwarz-Gelben Regierung geben. Auch in Bonn soll es Anfang November einen Schulstreik geben.

Claudia von der ALB informierte zu Beginn ihres Referates über den konkreten Inhalt des Sparpaketes´und die sozialen Folgen für Lohnabhänige. Dann stellte sie das Konzept der "Bundestagsbegagerung" vor. Es gehe darum einen Schritt von den üblichen Latschdemos weiter zu machen und an dem Ort des geschehens massenhaft zivilen Ungehorsam zu leisten. Es ginge darum mit tausenden Leuten die Bannmeile zu "verletzen" und vor dem Bundestag der Regierung kollektive die "Rote Karte" für ihre Kürzungspolitik zu zeigen. Sie freute sich sehr über die ankündigungen der Schüler_innen mit einem Streik den Protest zu unterstützen. Auch wenn bisher noch nicht so viel los sei beim heissen Herbst so sei das auch ein Grund dafür zu sorgen das die Aktion am 26.November von breiten Kreisen getragen wird und ein - zumindest Mobilisierungstechnischer- Erfolg wird.

Zum Schluss ging der Moderator der ARAB noch auf die Gründe dafür ein warum es seiner Meinung nach (noch) so ruhig bleibt in der Republik. Neben dem schon von Arbeitermacht angeführten Grund das Funktionäre von Gewerkschaften und Sozialdemokratischen Parteien Protest nur insofern Dulden können wie es ihrer Repräsentation dient und deshalb kein Interesse an einer dynamischen Protestbewegung von unten haben wies er vor allem auf die grosse Wirkungsmacht der bürgerlichen Ideologie und Moral auf grosse Teile der Arbeiterklasse hin, die immer noch ungebrochen sei - auch wen sie an einigen Stelle Risse aufzuzeigen scheint. Vor allem den Nationalismus hob er heraus der in Zeiten der Krise das gesellschaftliche Schmiermittel sei. So sei es kein Zufall das grade jetzt Sarrazin mit seinen Thesen für so viel öffentliche Zustimmung sorgt. Aber er wiess auch daraufhin das Lena-Meyer-Landruth und Mesut Ozil nur die andere "freundlichere" Variante dieses Nationalismus sind, dessen Ziel es immer ist Klassenkämpfe zu verhindern und die Lohnabhänigen dazu zu bringen sich mit ihren "Standort" zu identifizieren. Dagegen sei kein Kraut gewachsen, sondern es bedarf einer kontinuierlichen politischen Arbeit der Aufklärung, Agitation und Aktion und einen organisatorisch gefestigte radikale Linke mit einem langen Atem.

Georg fügte ginzu das die Kämpfe zum Beispiel in Stuttgart zeigen das die bürgerliche Ideologie nicht immer greift und fordere die Linken dazu auf die "Wut auf der Strasse zu organisieren"

Infos:
 http://berlinonsale.blogsport.de/
 http://www.kapitalismuskrise.org/
 http://www.schulstreik-berlin.de
 http://www.emancipating-education-for-all.org/
 http://antifa.de
 http://arab.antifa.de

Mobi-Video für den "heissen Herbst":
 http://www.youtube.com/watch?v=oPPyJg0hpQM

Termine:
12.10.2010 | Mediaspree versenken! Demo
16.10.2010 | Bundesweite Montagsdemo
13.11.2010 | Aktionstag der IG-Metall
17.11.2010 | International Students Action Day
26.11.2010 | 11:00 Uhr | Bundestagsblockade
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Ergänzungen

Great Crisis Riseup

arab 10.10.2010 - 13:39
Great Crisis Riseup - Heisser Herbst gegen den sozialen Krieg des Kapitals

Jetzt neu: Ein erscheckendes Szenario, eine abgedrehte Story, noch nie dagewesene Spezialeffekte sowie neue Moves und Aktionsformen. Great Crisis Riseup: Coming to you – Herbst 2010!

Die Story:

Gefangen in einem Wirtschaftssystem das sie ausbeutet und zu willentlichen Werkzeugen der Profitmaximierung degradiert, darbt die Menscheit zu Beginn des zweiten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert dahin. Elend, Armut und Mangel sind weit verbreitet, obwohl riesige Industriekonzerne genug Güter produzieren um alle Menschen auf der Welt zu versorgen. Wäre da nicht das brutale Grundprinzip des Wirtschaftssystem, in dem nicht für den Verbrauch und die Bedürfnisse der Menschen produziert wird, sondern für die grösstmöglichen Profite einzelner. Denn die Orte der Warenproduktion, die Maschinen und auch die Arbeiter_innen gehören in der Welt von „Great Crisis Riseup“ nicht der Allgemeinheit sondern dienen den Interessen einzelner Unternehmer_innen und Investor_innen. Schon seit Jahrhunderten währt diese Ordnung und sorgt überall auf der Welt für Armut, Elend und Gewalt. Bisherige Versuche aus dieser mörderischen Logik auszubrechen wurden in Blut und Konsum erstickt. Die Menschen werden ruhig gehalten mit Almosen, Computerspielen und der Hoffnung eines Tages genug Geld verdient zu haben, um aus der Ödnis der eigenen Existenz ausbrechen zu können. In der Matrix der Lohnarbeit gefangen, arbeiten die einen an ihrem eigenen Untergang, während der andere Teil der Menschheit schon lange von der Verwertungsmaschine als „überflüssig“ ausgespuckt und sich selbst überlassen wurden. Ganze Kontinente werden gezielt unterentwickelt gehalten und dienen Konzernen lediglich als billige Rohstofflieferanten. Aber auch in den Metropolen wächst die Armut und Unzufriedenheit. Immer mehr Ghettos entstehen und die Konturen eines Polizeistaates treten zunehmend deutlicher hervor. Angeheizt wird die Situation durch eine weltweite Wirtschaftskrise, die nach der Finanzwelt auch die Realwirtschaft getroffen hat. Ganze Staaten müssen Konkurs anmelden, andere retten die Wirtschaft indem sie ihr gigantische Geldbeträge schenken, Geld das die Staaten jetzt bei den Menschen wieder eintreiben wollen. Doch bei denen gärt es eh schon. Die soziale Spannung wächst. Eine explosive Mischung. Wie es weitergehen wird liegt nun auch in DEINER Hand!


Die Spieler – Wähle deine Seite:

Auf der einen Seite das Kapital, der bürgerliche Staat, seine Justiz, Armee und Polizei, bürgerliche Medien und Parteien, Faschist_innen, Rassist_innen und eine tief in den Köpfen verankerte Denkweise. Auf der anderen Seite die Klasse der Lohnabhängigen und ihre Organisationen, soziale Bewegungen, linke Parteien, Teile der Gewerkschaften, Schüler_innen und Studierendenbündnisse, Antifa-Gruppen, Erwerbslosen-Initiativen, Migrant_innen-Verbände, linksradikale Spinner und Chaot_innen, der schwarze Block, die Proletarier_innen aller Länder und unterdrückte Völker, die Lust, die Wut und hoffentlich du und dein_e Nachbar_in!

Die Aktionsformen:

Streiks in Schule, Betrieb und Fabrik, Besetzungen, Blockaden, Demonstrationen, Medienguerilla, Direkte Aktionen….es liegt an dir!
GET READY – GREAT CRISIS RISEUP – HERBST 2010!

Dates:


01.10 – 10.10. | Berlin on Sale | Herbstaktionstage
16.10.2010 | bundesweite Montagsdemo
13.11.2010 | Aktionstag der Gewerkschaften
26.11.2010 | 11:00 Uhr | Bundestagsblockade
Ab 18 Jahren: Achtung Polizeigewalt! Ermittlungausschus 030 69 222 22

Crisis Action auch in Wiesbaden

krise.blogsport.de 11.10.2010 - 22:42
Crisis trouble-action mit dem sozialrevolutionären & antinationalen Krisenbündnis und der GTA Gamer-Ini Wiesbaden.


Demo gegen den hessischen Unternehmertag: 26.10.10, 19 Uhr

www.krise.blogsport.de

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Kommt doch mal klar

Faulenzer 10.10.2010 - 02:36
Am 12.10. gibt es keine "Mediaspree Versenken" Demo, die war heute, aber von "Mediaspree Entern" - es wurde aber auch hier nicht vernünftig mobilisiert. Warum kann nicht eine Gruppe auch jeweils die Plakate der anderen Gruppe mitnehmen. Diese ganzen kleinen Sachen bringen nichts. Garnichts.

Die Bundesweite Montagsdemo könnte was werden, da auch Sachwaben nach Berlin kommen, die lokale Anti-AKW-Bewegung, viele die noch nie auf Demos waren und die Arbeitsloseninitiativen etwas stärker geworden sind.

Start ist um 11:30 am U-Bahnhof Hermannplatz und am S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Dafür hätte man mal ein VERNÜNFTIGES Mobivideo zu einem eigenen Block machen können.

Ansonsten macht mal ein Realitätscheck und nehmt das Scheiß Gamervideo raus. Wie soll euch bei dem Schwachsinn jemand ernst nehmen. Etwas mehr Ernsthaftigkeit währe wohl angemssen und keine sektiererische Scheiße.

Seht euch mal das Mobivideo zur "Niemand ist vergessen" Kampagne an, da kann man sich vom Stil her orientieren.

gegen bullshit

kommentator 10.10.2010 - 13:15
was ist denn an dem video unvernünftig? warum sollte man sich an anderen videos "orientieren"? der clip passt doch super zur kampagne...

nur nörgeln und selber nix machen...lang lebe der indy-troll

hammer!

riotkid 10.10.2010 - 13:35
geiles video, vielen dank

Arme Lena, armer Mesut

ich 10.10.2010 - 20:20
Ich wage mal stark zu bezweifeln, das jetzt Lena Meyer-Landrut oder Mesut Özil ernsthaft etwas, dafür getan haben zu verhindern, das sich in Deutschland die Klassenkämpfe entfalten.

boah! ist das schlecht!

inge 10.10.2010 - 20:42
hier noch von verkürzung zu sprechen wäre ein hohn gegenüber allen niveaulimbotänzer_innen die irgendwann mal den unfug unternommen haben kapitalismusanalyse zu machen.

arab bitte lest mal ein buch!!!