Kärnten: Proteste um rechtsextremen Feiertag
Der 10. Oktober ist der Landesfeiertag des südlichsten österreichischen Bundeslandes: Kärntens, welches innerhalb Österreichs als rechtsaußen-Enklave bekannt ist. Rund um den ominösen 10. Oktober plant die Kärntner Landesregierung zusammen mit verschiedenen rechtsextremen und deutschnationalen Organisationen einen Festumzug durch die Klagenfurt/Celovec, bei dem wieder einmal gegen die Slowenische Minderheit im Land gehetzt wird.
AntifaschistInnen hingegen organisieren eine Vielzahl von Protestaktionen, welche dem rechtsextremen Kärntner Konsens eine antinationale Perspektive entgegenstellen sollen. Der "Kärntner Heimatherbst" im Überbrlick.
AntifaschistInnen hingegen organisieren eine Vielzahl von Protestaktionen, welche dem rechtsextremen Kärntner Konsens eine antinationale Perspektive entgegenstellen sollen. Der "Kärntner Heimatherbst" im Überbrlick.
Kärnten bzw. Koroška, wie dessen slowenischer Name lautet, ist weithin bekannt für die rechte bzw. rechtsextreme Einstellung eines Großteils seiner BewohnerInnen. Schließlich konnte hier der tödlich verunglückte Jörg Haider seine größten Erfolge feiern und brachte es mehrmals zum Landeshauptmann.
Den nationalen Kitt, also die Feindschaft gegenüber einer Gruppe der "anderen", welche die Illusion eines "deutschen Kärntens" aufrechterhielt, holten sich die selbsternannten "Deutschkärntner" seit jeher von der autochtonen Minderheit der Kärntner SlowenInnen. Letztere werden als "Heimatverräter" gebrandmarkt und müssen bis heute eine jahrzehntelange Geschichte der Zwangseindeutschung, Assimilation und Diskriminierung über sich ergehen lassen. Eben dies wird am 10. Oktober gefeiert.
"Was war da nochmal...?"
Der 10. Oktober in Kärnten/Koroška kann nicht losgelöst von der Geschichte betrachtet werden. Nach dem Zerfall der österreichischen Monarchie war in mehreren Bundesländern die Grenzfrage mehr als strittig. Im hauptsächlich von SlowenInnen bevölkerten Südkärnten marschierten 1918 jugoslawische Truppen ein, um getreu der Parole des "Selbstbestimmungsrechtes der Völker", Jugoslawien anzuschließen. Daraufhin organisierte sich eine Vielzahl deutschnationaler Vereinigungen zum sogenannten "Kärntner Abwehrkampf", welcher der jugoslawischen Armee nicht viel mehr entgegensetzen konnte als ein paar militärisch unbedeutende Scharmützel. Trotzdem kam es zwei Jahre später, also 1920 zur sogenannten "Kärntner Volksabstimmung" bzw. dem Kärntner Plebiszit, an dem sich knapp 60% der slowenischen südkärntner Bevölkerung für den Verbleib bei Österreich entschied. Trotz einer bis dahin einzigartigen, rassistischen antislowenischen Stimmungsmache erfolgte die Entscheidung weniger als "nationalen" als vielmehr aus ökonomischen Gründen. Schließlich war von einer aufstrebenden, jungen demokratie mehr Wohlstand zu erwarten als von einer repressiven Monarchie wie dem damaligen Jugoslawien. Dazu wurden den Kärntner SlowenInnen alle rechte versprochen.
Die deutschnationalen Feierten das Abstimmungsergebnis als "Sieg in deutscher Nacht", ein Zitat des damaligen oberbefehlshabers der "Kärntner Abwehrkämpfers" und späteren Nazi-Funktionärs Hans Steinacher macht die Stoßrichtung der "Kärnten-treuen" recht gut deutlich: "Es war mir stets eine unumstößliche Selbstverständlichkeit, den Abstimmungskampf nicht um den Anschluß an Österreich, sondern um die großdeutsche Zukunft zu führen."
Nachdem Südkärnten also Österreich zugesprochen wurde, kam das slowenische Kulturleben zum erliegen, SprecherInne wurden systematisch aus beruflichen Positionen verdrängt, die slowenische Sprache als "hässlich" stigmatisiert. Seinen Höhepunkt erreichte der großdeutsche Wahn mit der Deportation von 971 kärntner SlowenInnen in NS-Zwangsarbeitslager im Jahre 1942, sowie mit dem Verbot der slowenischen Sprache, das mit der Losung "Kärntner, spricht Deutsch!" einherging.
PartisanInnenkampf
Das deutschkärntner Germanisierungsprojekt bekam während des zweiten Weltkriegs jedoch gewaltige Risse. Hunderte kärntner SlowenInnen schlossen sich nämlich mit den jugoslawischen, antifaschistischen PartisanInnen zusammen und waren somit die einzigen, welchen einen großangelegten militärischen Widerstand auf dem Gebiet des damaligen dritten Reichens leisteten. Trotzdem wurden weiterhin hunderte Kärntner SlowenInnen in KZs verschleppt, deportiert oder landeten in Gestapo-Haft. Nach dem Krieg war es für die meisten SlowenInnen deswegen klar, dass sie sich für den Anschluß des slowenischsprachiigen Teils Südkärntens an Jugoslawien einsetzten.
1945 - bis heute
Fast bruchlos wude die antislowenische Politik Kärntens nach 1945 weitergeführt. Ex-Nazis übernahmen wichtige Posten, der zweisprachige Unterricht wurde zurückgedrängt und deutschnationale, rechtsextreme Organisationen wie der "Kärntner Heimatdienst" und der "Kärntner Abwehrkämpferbund" wurden gleichberechtigte Partner der Landesregierung, wenn es um Minderheitenfragen ging. Aus dieser Haltung heraus resultierte auch das als "Ortstafelsturm" verharmloste Ortstafelpogrom im Jahre 1972, als tausende deutschnationale mit Unterstützung der Polizei zweisprachige Ortsschilder niederrissen und kärntner SlowenInnen gewalttätig angriffen. Bis heute stehen die Ortsschilder größtenteils nicht, obwohl sie den kärntner SlowenInnen laut österreichischer Verfassung garantiert sind...
Dieser Kniefall der österreichischen Politik vor der starken extremen Rechten Kärntens und dem antislowenischen Rassismus wird am Wochenende vom 8.-10. Oktober in Kärnten groß zelebriert. Das Land feiert sich selber, neben einer vielzahl von NS-affinen Veranstaltungen wird zu einem "Festumzug" durch Klagenfurt/Celovec geladen, an dem sich an die 100.000(!) Menschen beteiligen werden. Burschenschaften feiern einen Tag davor ihrem "Volksabstimmungs-Kommers" und runden das Bild eines deutschnationalen, rechtsextremen Landstrichs ab.
Antifaschistische Gruppen organisieren deswegen eine Vielzahl von Demos und anderen Aktionen rund um den 10. Oktober. Ein Burschenschafterkommers, der wohl größte rechtsextreme Aufmarsch der deutschsprachigen Raums... für Antifas mehr als nur ein Grund dprthin zu fahren. Busse aus Salzburg, Wien und Graz stehen sind gecheckt, es bleibt nur noch, dass sich Gruppen und Einzelpersonen dieses Wochenende nach Klagenfurt/Celovec bemühen. Weitere Infos über die Protestaktionen gibt es auf der Homepage
http://no10oktober.blogsport.de
Den nationalen Kitt, also die Feindschaft gegenüber einer Gruppe der "anderen", welche die Illusion eines "deutschen Kärntens" aufrechterhielt, holten sich die selbsternannten "Deutschkärntner" seit jeher von der autochtonen Minderheit der Kärntner SlowenInnen. Letztere werden als "Heimatverräter" gebrandmarkt und müssen bis heute eine jahrzehntelange Geschichte der Zwangseindeutschung, Assimilation und Diskriminierung über sich ergehen lassen. Eben dies wird am 10. Oktober gefeiert.
"Was war da nochmal...?"
Der 10. Oktober in Kärnten/Koroška kann nicht losgelöst von der Geschichte betrachtet werden. Nach dem Zerfall der österreichischen Monarchie war in mehreren Bundesländern die Grenzfrage mehr als strittig. Im hauptsächlich von SlowenInnen bevölkerten Südkärnten marschierten 1918 jugoslawische Truppen ein, um getreu der Parole des "Selbstbestimmungsrechtes der Völker", Jugoslawien anzuschließen. Daraufhin organisierte sich eine Vielzahl deutschnationaler Vereinigungen zum sogenannten "Kärntner Abwehrkampf", welcher der jugoslawischen Armee nicht viel mehr entgegensetzen konnte als ein paar militärisch unbedeutende Scharmützel. Trotzdem kam es zwei Jahre später, also 1920 zur sogenannten "Kärntner Volksabstimmung" bzw. dem Kärntner Plebiszit, an dem sich knapp 60% der slowenischen südkärntner Bevölkerung für den Verbleib bei Österreich entschied. Trotz einer bis dahin einzigartigen, rassistischen antislowenischen Stimmungsmache erfolgte die Entscheidung weniger als "nationalen" als vielmehr aus ökonomischen Gründen. Schließlich war von einer aufstrebenden, jungen demokratie mehr Wohlstand zu erwarten als von einer repressiven Monarchie wie dem damaligen Jugoslawien. Dazu wurden den Kärntner SlowenInnen alle rechte versprochen.
Die deutschnationalen Feierten das Abstimmungsergebnis als "Sieg in deutscher Nacht", ein Zitat des damaligen oberbefehlshabers der "Kärntner Abwehrkämpfers" und späteren Nazi-Funktionärs Hans Steinacher macht die Stoßrichtung der "Kärnten-treuen" recht gut deutlich: "Es war mir stets eine unumstößliche Selbstverständlichkeit, den Abstimmungskampf nicht um den Anschluß an Österreich, sondern um die großdeutsche Zukunft zu führen."
Nachdem Südkärnten also Österreich zugesprochen wurde, kam das slowenische Kulturleben zum erliegen, SprecherInne wurden systematisch aus beruflichen Positionen verdrängt, die slowenische Sprache als "hässlich" stigmatisiert. Seinen Höhepunkt erreichte der großdeutsche Wahn mit der Deportation von 971 kärntner SlowenInnen in NS-Zwangsarbeitslager im Jahre 1942, sowie mit dem Verbot der slowenischen Sprache, das mit der Losung "Kärntner, spricht Deutsch!" einherging.
PartisanInnenkampf
Das deutschkärntner Germanisierungsprojekt bekam während des zweiten Weltkriegs jedoch gewaltige Risse. Hunderte kärntner SlowenInnen schlossen sich nämlich mit den jugoslawischen, antifaschistischen PartisanInnen zusammen und waren somit die einzigen, welchen einen großangelegten militärischen Widerstand auf dem Gebiet des damaligen dritten Reichens leisteten. Trotzdem wurden weiterhin hunderte Kärntner SlowenInnen in KZs verschleppt, deportiert oder landeten in Gestapo-Haft. Nach dem Krieg war es für die meisten SlowenInnen deswegen klar, dass sie sich für den Anschluß des slowenischsprachiigen Teils Südkärntens an Jugoslawien einsetzten.
1945 - bis heute
Fast bruchlos wude die antislowenische Politik Kärntens nach 1945 weitergeführt. Ex-Nazis übernahmen wichtige Posten, der zweisprachige Unterricht wurde zurückgedrängt und deutschnationale, rechtsextreme Organisationen wie der "Kärntner Heimatdienst" und der "Kärntner Abwehrkämpferbund" wurden gleichberechtigte Partner der Landesregierung, wenn es um Minderheitenfragen ging. Aus dieser Haltung heraus resultierte auch das als "Ortstafelsturm" verharmloste Ortstafelpogrom im Jahre 1972, als tausende deutschnationale mit Unterstützung der Polizei zweisprachige Ortsschilder niederrissen und kärntner SlowenInnen gewalttätig angriffen. Bis heute stehen die Ortsschilder größtenteils nicht, obwohl sie den kärntner SlowenInnen laut österreichischer Verfassung garantiert sind...
Dieser Kniefall der österreichischen Politik vor der starken extremen Rechten Kärntens und dem antislowenischen Rassismus wird am Wochenende vom 8.-10. Oktober in Kärnten groß zelebriert. Das Land feiert sich selber, neben einer vielzahl von NS-affinen Veranstaltungen wird zu einem "Festumzug" durch Klagenfurt/Celovec geladen, an dem sich an die 100.000(!) Menschen beteiligen werden. Burschenschaften feiern einen Tag davor ihrem "Volksabstimmungs-Kommers" und runden das Bild eines deutschnationalen, rechtsextremen Landstrichs ab.
Antifaschistische Gruppen organisieren deswegen eine Vielzahl von Demos und anderen Aktionen rund um den 10. Oktober. Ein Burschenschafterkommers, der wohl größte rechtsextreme Aufmarsch der deutschsprachigen Raums... für Antifas mehr als nur ein Grund dprthin zu fahren. Busse aus Salzburg, Wien und Graz stehen sind gecheckt, es bleibt nur noch, dass sich Gruppen und Einzelpersonen dieses Wochenende nach Klagenfurt/Celovec bemühen. Weitere Infos über die Protestaktionen gibt es auf der Homepage
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Noch ein artikel zur ergänzung, at.indya
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Smrt Fašismu! — ...
Smrt fašizmu, svoboda narodu! — Osvobodilna fronta
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