Wie der Krieg in die Köpfe kommt

antimilli 02.10.2010 20:30 Themen: 3. Golfkrieg Globalisierung Militarismus Soziale Kämpfe Weltweit
Im Kontext der „Berlin on Sale“ Tage fand am 2.Oktober eine Antimilitaristische Fahrrad Rally „Wie der Krieg in die Köpfe kommt“ statt.
Als erste Station wurden die Neuköllner Arkaden angesteuert. Auf dem Weg dahin, um die Post und die Commerzbank in der Karl-Marx-Allee herum wurden DHL Plakate und Antikriegsplakate gekleistert.
3 1/2 Minuten hielten die Neukölner Arkaden den Atem an: Vor dem großen Posteingang lagen Personen blutverschmiert auf den Boden, umgeben von einem blutroten Schleier (symbolisch für: Überall wo die Bundeswehr auftaucht, hinterlässt sie eine Blutspur.) Auf den Rolltreppen flogen
hunderte von Flyern in das Foyer und wurden an Interessierte verteilt. MG Salven, Hubschrauber Motoren dröhnten durch die Arkaden. Einkaufende liefen zusammen und blieben nachdenklich stehen. Eine Stimme war deutlich hörbar: „ Deutschland führt Krieg, die deutsche Post AG/ DHL ist Teil der Kriegsführung, DHL transportiert Kriegsgerät, Munition, Soldaten in die Kriegsgebiete, profitiert von Massakern und Bombardierungen. Mehr Kriegseinsätze heißt mehr Kriegslogistik...Ausbeutung und Verhöhnung von „Überflüssigen“ hier geht Hand in Hand mit der Ausweitung der Kriegseinsätze dort.“
Ein Gefühl entstand, dass die Betroffenheit der Leute vielleicht damit zu tun haben könnte, dass viele Menschen die in Neukölln leben, Erfahrungen mit Krieg haben, sei es als Kriegsflüchtlinge oder durch Familienangehörige?

Danach machten wir uns auf den Weg zur „YOU“, Europas grösste Jugendmesse unter Beteiligung der Bundeswehr im Tempelhofer Ex Flughafengebäude. Das „Die In“ wurde nach kurzer Zeit durch den Eingriff der Bullen abgebrochen. Zur Verteilung von hundertern von Flyern, Plakatierung von Antikriegsplakaten und Diskussionen mit Jugendlichen kam es trotz dessen.

Wehren wir uns gemeinsam!


Flyer-Inhalt:

Wie der Krieg in die Köpfe kommt
S p a s s – f r ö h l i c h – u n d i m E r n s t f a l l : t o t



Enttabuisierung des Militärischen: Mit einer Charme-Offensive durch die Hintertür gehen Jugendoffiziere in die Klassenzimmer von Schulen in Berlin und anderswo. Auch in den Jobcentern und auf Jugendmessen lauern die Anwerbeschakale der Bundeswehr. In wenigen Minuten machen sie aus der Bundeswehr eine richtig sympathische Truppe, einen Hort humanitärer Helfer. Soldaten werden im Handumdrehen zu Pazifisten in Uniform, alles Idealisten, beseelt von ihrer Friedensmission in einer Welt voller Krisen, unterwegs in Sachen Information und Aufklärung zum Thema Sicherheit und Verteidigung. Propagandaexperten für das Großunternehmen Bundeswehr.
Locker, witzig und nicht viel älter als die Altersgruppen, auf die sie losgehen.

Abenteuerspielplatz: Längst ist die Bundeswehr eine Armee, die Angriffskriege führt. Sowohl am Hindukusch als auch in anderen Ecken der Welt geht es um den gewalttätigen Zugang zu Ressourcen und Rohstoffen, die noch nicht der Verfügungsgewalt deutscher Konzerne unterstehen. Gezielte Tötung, Bombardierung von Menschenmassen und Massaker gehören eben dazu. Dafür braucht man Rekruten. Mit System werden Jugendliche geködert und äußerst kreativ in die sich ausdehnenden Kriege hineingelogen. Mit Adventure Games, Girl's Day, dem Strategiespiel Politik&Sicherheit, der „Wunderwaffe“ und Sportwettkämpfen wird gebaggert, getrickst und getäuscht, werden Spiel- und Experimentierfreude, Technikbegeisterung und Unwissenheit, Erfahrungs- und Perspektivlosigkeit von Heranwachsenden und Minderjährigen skrupellos manipuliert und mißbraucht. Aus dem Abenteuerspielplatz der Bundeswehr an der Heimatfront wird dann blutiger Ernst in der Einsatzrealität. Vor allem für die einheimischen Menschen im fernen Ausland, denn 90% der Opfer der heutigen Kriege gehören zur zivilen Bevölkerung.

Mordsmässige Berufsperspektiven: Wer sich für die Bundeswehr entscheidet, erfährt vom ersten Tag an: Kasernierung, ein komplett von der Führung durchorganisierter Tagesablauf, das Prinzip Befehl und Gehorsam, Unterordnung unter eine hierarchische Ordnung, Entzug bürgerlicher Rechte, Unterdrückung der eigenen Vernunft, des eigenen Gewissens und der eigenen Entscheidungsfreiheit, Drill und Aneignung männlich definierter kriegstauglicher Eigenschaften. Soldat_in zu sein heißt, militärische Vorgesetzte entscheiden, wann Du in den Kriegseinsatz gehst, um unter Befehl andere Menschen zu töten oder getötet zu werden.Von wegen Karriere mit Zukunft! Alle Jobs bei der Bundeswehr haben mit Kriegsführung zu tun, ob Büroangestellte, Sanitäter_in, Fernmeldetechniker_in oder Bomberpilot_in. Du bist dabei, um zu töten.

Heimatfront: Der Krieg, den Deutschland führt, verhindert Frieden. Deutsche Militärs, Konzerne und Wissenschaftler kooperieren mit den reaktionärsten Kräften in den besetzten Ländern. Ein ganzes Netz von Institutionen ist an zig Orten an der Heimatfront aufgespannt, um die Kriege weltweit zu unterstützen. Wir erleben eine Neuauflage von Kolonialismus. Aber trotz aller propagandistischen Anstrengungen wollen mehr als 70% der deutschen Bevölkerung den Sinn und die Notwendigkeit des Afghanistankrieges einfach nicht begreifen, sind schlicht uneinsichtig und lehnen den Militäreinsatz rundheraus ab.
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Ergänzungen

wohl eher aus den köpfen

tagmata 03.10.2010 - 17:05
der grundtenor der aktuellen medienstrategie is doch: wer "bundeswehr" denkt, soll doch bitte nicht gleich "krieg" denken.

wenn ihr ein bißchen erfahrung hättet mit der militaristischen propaganda anderswo, würdet ihr nicht diesem trugschluß erliegen.

behold:

rußland:  http://www.youtube.com/watch?v=tHmiqmfNLhE

ukraine:  http://www.youtube.com/watch?v=q4MGsKAMeJ

ösis (1:1 von ukraine kopiert, aber EPIC FAIL. ösis ey. "schbridstuur" sag ich nur.):  http://www.youtube.com/watch?v=KJV6ziVZYDk

während hier in deutshcland jegliche erwähnung des umstandes, daß man da zum töten von menschne ausgebildet wird verschwiegen wird.

"krieg" war gestern, im deutsch der berliner republik heißt das "karriere":

 http://www.youtube.com/watch?v=AGFYF96WOtw

 http://www.youtube.com/watch?v=511HUkbjfdc

sehr "schön": das fette rotkreuz auf dem ärmel des fallschirmjägers und die militärpolizei... ach, *ist doch nur polizei*!  http://www.youtube.com/watch?v=Kd2MrhDlXgQ

auch bezeichnend, daß jegliches abfeuern von waffen und überhaupt jeder closeup von waffen (as opposed to "waffensystemen", aber die machen ja weniger leute tot als daß sie "zwei mal 37000 ps" haben) unterbleibt. bei der bundeswehr ist es dem soldaten offenbar auch *nicht* gestattet, das einsatzbereite flak-mg seines schützenpanzers beim absetzen liebevoll zu streicheln wie sein gemächt kurz vorm abspritzen.


und in anbetracht solcher tatsachen die strategie zu fahren, die ihr fahrt, ist vermutlich ein fehler. gegen diese verniedlichungsnummer kommt ihr so nicht an. der zielgruppe wird hier eine gelegenheit gegeben, über die blutige realität, die schikanen und die erniedrigung hinwegzusehen; theoretische erwägungen interessieren da keinen.

konfrontiert die leute lieber mit der realität: bildern von einer sandbank am kunduzfluß. oder bilder von einem herzhaften gebirgsjäger-(rückwärts)frühstück. oder mit grün und blau gehazeden rekruten die nach hochdruckbetankung auf der stube in ihrer kotze im spind liegen. oder bilder vom abtransport unserer zum krüppel gebombten kriegshelden vom hindukush, oder wie sie daraufhin auf ner schmalen rente in asihausen ihrem ptsd frönen.

irgendwas nachvollziehbares, konkretes halt. aber dieses abstrahierte, das zieht gegen die mauer aus lügen genannt kuschel-karriere-bundeswehr einfach nicht besonders gut.

Weitere Station der Rallye

einige Radl-fahrers 04.10.2010 - 08:59
Die Rallye führte an dem in der Lichtenrader Str. stehenden ausgebrannten DHL-Transporter vorbei, der vor zwei Wochen dort angezündet worden war:
 https://directactionde.ucrony.net/node/796

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Wie der Krieg in die Kopfe kommt?

gefallen 1941 02.10.2010 - 21:47
ein Ausschnitt

"Mit siebzehn Jahren war der Oberstabsarzt als jüngster Kriegsfreiwilliger in ein Regiment eingetreten und kam dann in den Westen. Die Soldaten liebten ihn, das Kind in der Uniform. Sie wollten ihm manche Lasten und Mühen ersparen, aber der Junge verbat sich das, er wollte seine Stelle allein ganz ausfüllen. Die Männer wußten, daß das Bürschchen, wenn es sich bewährte und wenn es heil blieb, eines Tages ihr Vorgesetzter sein werde, und darum achteten sie sein heißes Bemühen, unauffällig in ihren Reihen zu stehen. Sie, die schon alle die Feuertaufe und auch viele andere Schlachten hinter sich hatten und nun, nach einer Pause des Verschnaufens, wieder in eine endlose Folge von tödlichen Tagen gingen, nahmen sich vor, den Jungen gut in das Kriegshandwerk einzuführen. Wenn er eines Tages die Borten und die Litzen tragen würde, dann sollte •• er Führer aus ihren Reihen sein. Sie freuten sich der selbstgestellten Aufgabe, aus einem Knaben einen Frontoffizier zu machen. Daß es gutes, bestes Holz war, aus dem sie und der Krieg einen Mann schnitzen wollten, das sahen sie auf den ersten Blick."

Ein Nazi wurde aus dem Oberstabsarzt >>Winnetou<< jedoch nicht.

Nie wieder Krieg
Nie wieder Faschismus
Nie wieder Deutschland