Antimilitaristische Straßenumbennung in Kiel

iltis ist kein tier! 01.09.2010 10:40
Antimilitaristische Straßenumbenennung in Kiel-Gaarden

„Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln,

es ist das größte Verbrechen, dass an der Menschheit verübt werden kann.“

(Alfred Adler)

In der Nacht vom 30. auf den 31. August wurde die Iltisstraße in Kiel-Gaarden als symbolisches Zeichen in "Tientsinstraße" umbenannt.
Die „SMS Iltis“ war ein deutsches Kanonenboot, dass maßgeblich am sogenannten chinesischen Boxeraufstand beteiligt war und die Takuforts angegriffen hatte, die zur Verteidigung des Flusses Beihe dienten. Die Eroberung des Forts nach blutigen Kämpfen durch die Kolonialmächte ebnete diesen den Weg zur Besetzung des chinesischen Hafens Tientsin und den Land- und Seeweg nach Peking. Mit unserer Umbenennung möchten wir nicht nur an dieses blutige und unrühmliche Kapitel deutscher Kolonialgeschichte erinnern, sondern auch ein Zeichen gegen die Militarisierung des Kieler Stadtbildes setzen.



Kiel ist Kriegsgebiet.

Neben der hier stationierten Kriegsmarine der Bundeswehr und einigen kriegsverherrlichenden und geschichtlich einseitigen Gedenkorten, allen voran das in Laboe gelegene "Ehrenmal" sind auch zahlreiche Firmen im Stadtgebiet und drumherum ansässig, die Rüstungsgüter produzieren.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Kiel Kriegsschiffe und U-Boote gebaut, ein Faktor, der wesentlich zum Wachstum der Stadt und vor allem zum Wachstum des Viertels Gaarden beitrug.

Reste dieser Tradition lassen sich bis heute in Gaarden finden.

So sind die Elisabeth-, Kaiser-, Jäger-, Stosch-, Augusten-, Greif-, Gazelle-, Blitz-, Medusa- und nicht zuletzt die Iltisstraße allesamt nach Kriegsschiffen der preußischen bzw. kaiserlichen Marine benannt. Deko Loneis, Sprecherin der Gruppe „Iltis ist kein Tier“ erklärt:

„Mit der symbolischen Umbenennung möchten wir nicht nur die Bevölkerung und die Stadt auf diese kaum präsente Vergangenheit aufmerksam machen, sondern auch zeigen, dass wir es unerträglich finden, Straßen nach Kriegsschiffen zu benennen, die Menschen töten sollten und dies auch vielfach taten.“

Die Aktion soll ein Zeichen gegen Militarisierung und Krieg zum Antikriegstag am 1. September sein, Deko Loneis hofft: „Auf das wir massenhaft unsere Wut und Trauer über das weltweite Morden am Mitwoch auf die Straße tragen. Ob Waffenlieferungen an die türkische Armee im Krieg gegen die KurdInnen oder die Aktivitäten deutscher Soldaten in Somalia, Afghanistan oder im Inneren – der Widerstand gegen den tödlichen kapitalistischen Normalzustand wird wachsen.“


Gruppe Iltis ist kein Tier! , 31.8.2010

ANTIMILITARISTISCHE DEMONSTRATION -- 1.September -- 18 Uhr -- Asmus-Bremer Platz (Kiel)
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