1 Jahr nach der Besetzung von Neonazis

ZippZapp 29.08.2010 17:08 Themen: Antifa Antirassismus
Anlässlich der Jährung berichtet dieser Artikel über die Besetzung des Hotels „Landhaus Gerhus“ in Gerdehaus bei Faßberg (Kreis Celle) durch Neonazis, die im letzten Sommer nach ca. zweieinhalb Wochen geräumt wurde.
Anlässlich der Jährung berichtet dieser Artikel über die Besetzung des Hotels „Landhaus Gerhus“ in Gerdehaus bei Faßberg (Kreis Celle) durch Neonazis, die im letzten Sommer nach ca. zweieinhalb Wochen geräumt wurde.

Am 17. Juli 2009 besetzte eine Gruppe von ca. 15 Neonazis, im Auftrag des mittlerweile verstorbenen Rechtsanwaltes Jürgen Rieger, das leerstehende Hotel „Landhaus Gerhus“ in Fassberg. Zutritt verschafften sich die Neonazis, indem sie das Schloss der Haupteingangstür aufbohrten. Rieger wollte das Hotel von dem hoch verschuldeten Besitzer aufkaufen, um ein „nationales Schulungszentrum“ im Kreis Celle zu errichten.

Die Kaufversuche scheiterten zunächst und Rieger legte einen Pachtvertrag vor. Die Rechtskräftigkeit dieses Vertrags war über einen längeren Zeitraum unklar, wodurch sich die Besetzer knapp drei Wochen in dem Hotel aufhalten konnten. Wie sich schließlich herausstellte war der Pachtvertrag jedoch vordatiert und somit nicht rechtskräftig. Das bedeutet, dass die Besetzung ohne jegliche rechtliche Legitimation stattfand.

Die besetzenden Neonazis sind der „Kameradschaft 73 Celle“, der Schneverdinger Kameradschaft „Snevernjungs“ und der „Kameradschaft Lüneburg/Uelzen - Sturm 16“ zuzuordnen.

Sie machten unmissverständlich durch schwarz-weiß-roten Fahnen und Transparente der Celler Kameradschaft deutlich wer das Gebäude besetzt hält und stellten durch Schilder wie „Zutritt für Unbefugte verboten“ und regelmäßige Patrouillemärsche mit Kampfhunden über das Gelände ihre Gewaltbereitschaft zur Schau.

Dieses Verhalten blieb nicht ohne Wirkung, viele der Anwohner fühlten sich eingeschüchtert, insbesondere eine Familie migrantischen Hintergrunds die in der direkten Nachbarschaft der Neonazis wohnte. Auch die Bewohner_innen einer nahe gelegenen Asylbewerberunterkunft fühlten sich bedroht. Und so regte sich schnell ein entschlossener Widerstand gegen die Besetzung. Tägliche Mahnwachen direkt gegenüber des „Landhaus Gerhus“, die von Tag zu Tag größer wurden und bis zu 300 Personen umschlossen, wurden von den Anwohner_innen organisiert.

Diese berichteten mittlerweile davon nachts Schüsse auf dem Gelände wahrgenommen zu haben, sodass die Neonazis am 4. August um 05:30 Uhr einen Besuch der Spezialeinsatzkräfte der Polizei erstattet bekamen, welche sich gewaltsam Zutritt zu den Räumlichkeiten verschafften und sie nach Waffen durchsuchten. Nach Angaben der Polizeiinspektion Celle wurden hierbei ein Schlagstock, Pfefferspray und mehrere Waffennachbildungen sichergestellt. Zum Zeitpunkt dieser Durchsuchung hielten sich angeblich 12 Personen in dem Gebäude auf, unter ihnen Dennis Bührig, Führungsfunktionär der „Kameradschaft 73 Celle“. Die übrigen Personen stammten aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein, vier von ihnen waren im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Die Minderjährigen wurden zunächst in die Obhut des Jugendamtes Celle übergeben.

Am selben Tag kam dann um 15:15 Uhr die Aufforderung zur Räumung durch den Insolvenzverwalter und die Polizei. Dieser folgten die Neonazis und verließen das Hotel.

Im Anschluss wurden Privatwohnungen von Neonazis in Rotenburg/Wümme und Hannover durchsucht. Beschlagnahmt wurden dabei drei Schreckschusspistolen, ein Klappmesser und ein Schlagring. Die Besitzer dieser Gegenstände hatten sich zum Zeitpunkt der Schüsse auf dem Gelände des „Landhaus Gerhus“ aufgehalten und hätten es kurze Zeit später mit dem Auto verlassen.

Rechtsanwalt Jürgen Rieger versuchte weiterhin das Hotel zu erwerben, verstarb jedoch kurze Zeit vor der Zwangsversteigerung, die am 16.12.2009 vom Amtsgericht Celle vollzogen wurde.
Die Errichtung eines „nationalen Schulungszentrums“ in Fassberg konnte somit nicht stattfinden. Doch im Landkreis Celle finden immer wieder Veranstaltungen der Extremen Rechten statt. Zumeist auf dem abgelegen Hof des Landwirts und NPD-Mitglieds Joachim Nahtz in Eschede. Hier feiern die Neonazis jährlich die Winter- und Sommersonnwendfeier, das Erntefest und Konzerte und halten diverse Schulungsveranstaltungen ab. Der Hof ist mittlerweile zu dem bedeutendsten Nazitreffpunkt in Norddeutschland geworden.

! Schluss mit den Naziveranstaltungen in Celle und überall !
! Nazistrukturen zerschlagen !
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