Anti-Nazi-Demo in Radeberg

Quasi 29.08.2010 00:09 Themen: Antifa
Anti-Nazi-Demonstration in einer sächsischen "großen Kreisstadt"
Samstag,13 Uhr, Bhf. Radeberg (bei Dresden). Normalerweise ist hier zu dieser Zeit alles ruhig, höchstens ein paar gelangweilte Nazi-Prolls, die hier herumlungern, weil sie nix mit sich anzufangen wissen. An diesem 28.August war das schon anders. Spätestens als die Regionalbahn etwa 60 bis 70 Antifaschisten ausspuckte, kam Leben "in die Bude". Selbstverständlich ließ es sich die sächsische Polizei wieder einmal nicht nehmen, diese Leute durch Vorkontrollen zu nerven. Diese wurden durch die Antifas natürlich erstmal abgelehnt. Leider konnte auch der Anmelder keine Einigung mit der "Behörde" erreichen. Um aber an der Demonstration überhaupt teilnehmen zu können und um sich nicht gleich dem Stress mit der Polizei auszusetzen, ließ man sich halt auf "Waffen und andere gefährliche Gegenstände" durchsuchen. Angeblich(!) hatten die Beamten vorher bei anderen Antifas schon Stichwaffen gefunden, zumindest versuchte man damit, wie üblich, die Kontrollen zu rechtfertigen. Damit endeten dann aber auch die Probleme mit der Polizei, zumindest soweit ich das gesehen habe.
Kurz vor 13 Uhr fanden sich dann auch viele Einheimische, v.a. viele bürgerliche, auch viele ältere Demonstranten ein, offensichtlich ohne irgendwelche Berührungsängste zu den meist schwarz gekleideten Antifas. Das ist in Sachsen durchaus nicht überall so. Durch die, vorsichtig ausgedrückt, kleinkarierte Politik der hiesigen CDU/FDP-Landesregierung, (z.B. Lars Rohwer,MdL) und auch durch viele konservative Kommunalpolitiker ist die Spaltung der Nazi-Gegner in "gute Bürgerliche" und "böse linke Chaoten" leider traurige Realität. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Teilnahme des Radeberger Bürgermeisters Gerhard Lemm, doppelt hoch zu bewerten.
Nach einer kurzen kämpferischen Auftaktkundgebung wurde dann der Lauti und damit der Demonstrationszug Richtung Marktplatz in Bewegung gesetzt. Bis dahin waren kaum Nasen zu sehen, dafür aber jede Menge rechtes Werbematerial, welches dann auch umgehend seiner eigentlichen Bestimmung, dem Müll, zugeführt wurde. Die Polizei schien sich für die Säuberungsaktivitäten einiger Antifas nicht sonderlich zu interessieren, man ließ sie einfach gewähren. Auf dem Marktplatz fand eine kurze Zwischenkundgebung statt, bevor sich kurz danach die ersten verbalen Kontakte mit den einheimischen Rechten ergaben. Ein ganz besonders komisches Exemplar war wohl der Meinung, laut aus seinem Fenster seinem Ärger Luft machen zu müssen. Dabei schaukelte dieser seine Erregung selber immer höher, so das man eigentlich schon Angst haben musste, daß dieser sich mit einem lauten Knall stückchenweise auf die Straße begeben würde. Auch waren kurz darauf die (weg-)läuferischen Qualitäten einiger Nasen zu bewundern, welche wohl von der Größe der berittenen Polizisten derart überrascht waren, daß sie ihr Vorhaben, den "nationalen Widerstand" zu proben, glatt vergaßen. Nach einer kurzen weiteren Zwischenkundgebung ging es dann dem Ziel, dem Radeberger Bahnhof entgegen. Hier dankte der Bürgermeister den Demonstranten, auch ausdrücklich den Antifas, für das Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung des Demonstrationszuges.
Fazit: Auch in einer sächsischen Kreisstadt ist es mit etwas gutem Willen und gegenseitiger Akzeptanz der verschiedenen antifaschistischen Gruppen durchaus möglich, eine wirkungsvolle Anti-Nazi-Demo mit mehreren hundert Teilnehmern auf die Beine zu stellen. Man muß nur das Nazi-Problem erkennen (wollen), so wie das auch der Radeberger Bürgermeister offen benennt. Das sollte in diesem Bundesland endlich Normalität werden !
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Ergänzungen

für mich

eine 29.08.2010 - 11:30
enttäuschende VA, Ansagen vom Lauti waren unterste Schublade, stimmung keinesfalls kämpferisch... aber trotz, dass mensch merkte, dass in RDB das erste mal sowas stattfindet und die hiesige Antifa noch sehr jung ist, finde ich es toll, dass in der Provinz was passiert... gerne wieder, mit ein bisschen mehr koordination und mehr mobilisierung, dann wird das schon :)

Radio-Interview

coloRadio Dresden 29.08.2010 - 21:23
Interview zur Antifademo in Radeberg am 28.8.:
http://coloradio.org/site/download/Antifademo_Radeberg_am_10-08-28.mp3
(6:40 min)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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@radeberger — kein radeberger