[J] Keine Ruhe um die Stauffenbergstraße

autor_in 27.07.2010 17:08 Themen: Antifa Militarismus
Am Montag, 26.7.2010, fanden die Anwohner_innen in und um die Stauffenbergstraße in Jena Lobeda-West Postkarten der Stadt Jena, auf denen zu einer Meinungsumfrage aufgerufen wurde. Der antifaschistisch engagierte Oberbürgermeister Schröter, bezog sich dabei auf die Aktion zur Namensumbenennung der Stauffenbergstraße. (19. Juli 2010  http://de.indymedia.org/2010/07/286360.shtml )
Die Aktivist_innen kritisierten mit ihrer Umbenennungsaktion den öffentlichen Umgang mit dem „Nationalheld Stauffenberg“, der als Figur des Widerstandes gefeiert wird. Stauffenberg war jedoch bis zuletzt Antisemit und Anhänger der Vorstellung eines Großdeutschen Reiches. Als der Wehrmachtsoffizier die Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg befürchtete, plante er das Attentat auf Hitler nicht etwa um die Shoah zu stoppen oder weil er ein Gegner des Nationalsozialismus war, sondern zur „Rettung Deutschlands“. Stauffenberg dient einer Geschichtsschreibung eines geläuterten Einheitsdeutschlands, was auch durch die Umbenennung der Otto-Grotewohl-Straße in Jena deutlich wird: Diese wurde erst nach der Wende umbenannt – nämlich in „Stauffenbergstraße“.

Als Alternativnamen schlugen die Umbenenner_innen der Stauffenbergstraße folgende Widerstandskämpfer_innen vor: Herschel Grynszpan, Johanna Kirchner, Jan Kubis, Josef Gabcik und Ria Deeg. Kurze Informationstexte zu den Personen finden sich auf der Postkarte der Stadt (siehe unten).

Die Stadt Jena reagiert eine Woche später auf die Aktion, deren „Mittel nicht gutgeheißen werden“, die Aussage wird jedoch nachvollzogen: „Soll eine Straße in unserer Stadt wirklich den Namen eines Menschen tragen, der selbst lange Anhänger des Nationalsozialismus, Antisemit und bis zu seinem Tod erklärter Feind der Demokratie war?“ (siehe Foto der Karte unten). Als Anwohner_innen bei städtischen Behörden anriefen um sich nach der Bürger_innenumfrage zu erkundigen, bestritt die Stadt plötzlich ihre Überlegungen zur Umbenennung der Stauffenbergstraße. Besonders ahnungslos stellte sich der Sicherheitsdezernent Jauch in einem Video von JenaTV „da fehlt mir jede Phantasie“. (  http://www.youtube.com/watch?v=XbRHb9UDuRM&feature=player_embedded )
Auch die Ostthüringer Zeitung spricht von einer Fälschung der Postkarten (  http://jena.otz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Post-vom-Jenaer-OB-ist-nur-eine-Faelschung-2045969417 ). Handelt es sich bei dieser Postkartenverteilung nun doch um Kommunikationsguerilla? Die Aufklärung dieser Frage ist irrelevant angesichts der angestoßenen Debatte um Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur.


Blog und Broschüre zum Runterladen:  http://nevergoinghome.blogsport.de/stauffenberg/
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Ergänzungen

@ Autor

Kommentator 28.07.2010 - 02:06
Blablabla - Dass Stauffenberg lange Zeit Nazi war und Aushängeschild des guten deutschen Gewissens ist, ist hinlänglich bekannt und gehört zweifelsohne weiterhin ins öffentliche Bewusstsein, ebenso eben aber auch seine weitere Entwicklung. Wäre schonmal interessant, wie sich linkes oder antifaschistisches Bewusstsein entwickelt hätte, wäre das Attentat gelungen... Ich denke schon, dass die Erinnerung an die eine oder andere genannte Person nicht im Widerspruch zu einer Stauffenbergstraße stehen muss. Deine Alternativen und die Vorgehensweise ist freilich zweifelhaft - am positivsten vielleicht noch eine damit angestoßene Debatte... Wie wäre es z.B. mit einer Elsnerstraße oder mit einem überzeugten (nichtstalinistischen) Jensener Antifaschisten, den hat es ja wohl gegeben???

Auch in der linke Szene

sollte mensch 28.07.2010 - 08:25
ein bisschen auf die VErwendung von Begriffen achten, Auch wenn in einigen linken Kreisen sowieso der Begriff des Nazis mittlerweile auf beinahe jeden zu passen scheint - von der Fleichesserin bis zum Fahrer großer teurer Autos - denke ich, dass gerade in der Auseinandersetzung mit den unmittelbaren historischen Ereignissen in NS-Deutschalnd allen geholfen wäre, wenn auchBegriffe und Argumentationen geachtet würde.
ZU Stuafenberg: Also der Mann war ohne Zweifel ein deutschnationaler Monarchist, er lehnte also konsequent die Werte der Demokratie und des liberalen Rechtsstaates ab. Aber ein Nazi war er wohl eher nicht, dies ergibt sich schon aus seinem Bekenntnis zur Monarchie, der Nationalsozialismus stellt sich moderne Ideologie klar gegen Ideen wie die Monarchie. Staufenberg war vor allem einfach antimodern.
Eine andere Sache ist Staufenbergs Umgang mit der Shoah. Es war sicherlich nicht Staufenbergs Ziel diesen Massenmord zu verhindern, er wollte, wie es auch richtig im TExt steht, vor allem Deutschalnd vor der totalen Niederlage im 2WK bewahren.
Ohne Zweifel sind also kritische Diskurse bezüglich des Widerstandes der Gruppe um Staufenberg angebracht und legitim. Aber so wie dieser hier geführt wird, ist er einfach nicht besonders ernst zu nehmen.

Stauffenberg

Stauffenberg 28.07.2010 - 13:11
Also, Anhänger der Monarchie sind in der politischen Logik ihrer Zeit Menschen, welche kein Problem damit haben Eoropäischstämmige Weisse Männer als legitime Herrscher der Welt zu sehen. So einer war also, wie ich nun erfahren muss, der Stauffenberg.
Oder ist es nicht eher so, wie ich in der Autobiographie der Gräfin von Dönitz lesen muss, welche über lange Zeit Herausgeberin der "Zeit" war und eine persönliche Bekannte Helmut Schmidts( der ja auch Nazigeneral war, allerdings durch die Schauprozesse gegen die Leute vom 20 Juli laut Selbstauskunft nachdenklich wurde). Die beschreibt nämlich eine häufig verfälschte Tatsache- die Leute vom 20 Juli waren ein Bündnis, zu dem sowohl enttäuschte Nazis, als auch Demokraten und Kommunisten gehörten. Ein Zweckbündnis also.
Alles total interessant. Weiter so, hier werden hochinteressante Infos zusammengetragen!

Dass stauffenberg

Toni 29.07.2010 - 18:33
und seine Mitverschwörer die Schließung der Lager sehr weit oben auf ihrer Liste hatten, scheint der Schreiberling des Srtikels nicht zu wissen, nehme ich zu seinem Gunsten an.
Ansonsten müsste ich ihn als Lügner bezeichen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Na klar! — Besserwisser

@besserwisser — 9malklug

Dem Morden ein Ende bereiten — Geschichtskundiger

@Stauffenberg — Horst