[J] Umbenennung der Stauffenbergstraße

autor_in 19.07.2010 11:47 Themen: Antifa Militarismus
In Jena (Thüringen) wurde heute die Stauffenbergstraße umbenannt. Mit der Aktion soll unmittelbar vor dem 20. Juli die Kritik an der verherrlichenden Deutung der Ereignisse um den 20. Juli 1944 in die (Jenaer) Öffentlichkeit getragen werden.
Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seine Mitverschwörer passen gut ins Bild eines geläuterten Deutschlands. Die Tatsache, dass es Anhänger des Nationalsozialismus und Antisemiten waren, stört dabei nicht, im Gegenteil. Die Anerkennung von Schuld gehört zum Konzept.
Gleichzeitig dienen die zu Widerstandskämpfern stilisierten Protagonist_innen des 20. Juli als Vorbilder für „soldatisches“ oder „ehrenvolles“ Verhalten und für die Bereitschaft, für „Volk und Vaterland“ das eigene Leben zu opfern. Darauf sollen vor allem Bundeswehrsoldat_innen eingeschworen werden.

Am 20. Juli werden dann wieder ein paar Deutschlandfahnen mehr wehen: anlässlich des Gedenkens an den 20. Juli 1944 werden an Gebäuden der „Bundesbehörden“, aber auch zahlreichen andere öffentlichen Gebäude, Deutschlandfahnen gehisst. Das alljährliche Gedenken war für einige Menschen in Jena Anlass, den Mythos um den sogenannten „deutschen militärischen Widerstand“ und seine politische Funktion zu thematisieren.

Deshalb wurden im Jenaer Stadtteil Lobeda-West einige neue Straßennamen vergeben. Die Stauffenbergstraße wurde in „H.-Grynszpan-Straße“, „Ria-Deeg-Straße“, „Johanna-Kirchner-Straße“ und „Gabčík-Kubiš-Straße“ umbenannt.
Herschel Grynszpan, Ria Deeg, Johanna Kirchner, Jozef Gabčík und Jan Kubiš sollen dabei nicht zu Held_innen gemacht werden. Wenn es aber darum geht, mit Straßennamen daran zu erinnern, was zwischen 1933 und 1945 geschah, dann gäbe es Millionen von Namen, die geeigneter wären, als der Name Stauffenberg. Dies sind vier davon.

Zum deutschen Erinnerungsdiskurs zu Stauffenberg und den 20. Juli 1944:
 http://nevergoinghome.blogsport.de
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Ergänzungen

Nicht ganz richtig...

Suhler 19.07.2010 - 15:04
gut das der Mytos Stauffenberg hier angesprochen und entlarvt wird. Mehrfach wurde hier jedoch gesagt das Stauffenberg Faschist war was nicht ganz richtig ist. Er und sein Verschwörerkreis galten als glühende Anhänger der Monarchie in Deutschland, teilweise waren sie auch mit den Hohenzollern verwandt (Hardenberg...) was ihren Preussen Militaristenquark Romantik noch untermauert. Auf jeden Fall sollte man den keine Träne nachweinen. Ist sowieso zu Kotzen das der kommunistische Widerstand in den offiziellen Geschichtsschreibungen anscheinend kaum noch erwähnung findet....kein Wunder das die Leute um Stauffenberg und Weisse Rose (die man dennoch nicht in einem Atemzug nennen darf) ständig gehypt werden...Antikommunismus und Revisionismus rules....

Respekt zollen

ich 19.07.2010 - 18:35
Bei aller Kritik an Sstauffenbergs politischer Einstellung und seiner vorherigen Teilnahme an Hitlers Mordmaschine, sollte es trotzdem nicht zuviel verlangt sein, ihm für seinem persönlichen Mut Respekt zu zollen. immerhin hat der Grossteil der deutschen Bevölkerung sowohl bei der Ermordung der europäischen Juden als auch beim verbrecherischen Angriffskrieg begeistert mitgemacht oder apathisch zugeguckt. Eigentlich ist jeder Widerstand in Deutchland marginal geblieben oder relativ schnell gebrochen worden wie der kommunistische.

Wer keine Ahnung hat...

Mai von Quirnhaus 19.07.2010 - 19:02
Oh, hier haben sich aber wider viele Experten zum Thema Widerstand versammelt.
Gerade St. hatte mehr Kontakte zur sozialdemokratischen Opposition, als es so manchen lieb sein kann.
Aber man kann es sich auch einfach machen und St. einfach zum Nazi abstempeln, das erspart einem das Nachdenken.

luxusproblem

egal 20.07.2010 - 08:24
da habt ihr ja wirklich ein luxusproblem im osten. im westen dürfte in vielen städten der anteil jener mit straßennamen geehrten bürger_innen am höchsten liegen, die irgendwann in ihrem leben mitglied in der NSDAP waren - also im vergleich zu anderen parteien. will sagen: dass und wenn erinnerungspolitik systematisch den kommunistischen widerstand ausblendet, muss nicht dir reaktion sein, den nationalkonservativen zu denunzieren. denn auch die "kommunistischen" widerstandskämpfer_innen hatten nicht unbedingt immer weltbilder, denen eine emanzipative linke heute nacheifern würde.

Lokalzeitung

prettyprint 20.07.2010 - 23:13
In der Lokalausgabe der Lokalzeitung OTZ findet sich folgender Artikel zum Thema:

Straßennamen in Lobeda aus Protest überklebt - Debatte über Rolle von Stauffenberg

Jena (OTZ/lp). Unbekannte haben am Montag die Straßenschilder der Stauffenbergstraße in Lobeda-West überklebt.

Der bisherige Name, der an den Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 erinnert, wurde durch H.-Grynszpan-Straße, Ria-Deeg-Straße, Johanna-Kirchner-Straße und Gabcik-Kubis-Straße ersetzt. Auf der Internetplattform Indymedia.de bekennen sich linke Gruppen zu der Aktion.

Sie wollen eine öffentliche Debatte um die Deutung der Ereignisse um den 20. Juli 1944 anstoßen, hieß es.

Kritisiert wird, dass Stauffenberg und weitere Mitverschwörer trotz antidemokratischer und antisemitischer Einstellungen zu Helden stilisiert würden. Für eine Ehrung mit einem Straßennamen für die Zeit zwischen 1933 und 1945 gebe es aber Millionen Namen von Opfern, hieß es.

Claus Graf Schenk von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 auf Hitler ein Attentat verübt, an dem viele weitere Wehrmachtsoffiziere beteiligt waren. Hitler hatte den Anschlag fast unverletzt überlebt. Stauffenberg und andere wurden hingerichtet.


 http://www.wiso-net.de/webcgi?START=A60&DOKV_DB=OTZ&DOKV_NO=20100720+OAJE120+LIGR&DOKV_HS=0&PP=1

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