[B] Zum "Fahnenkrieg" in Neukölln

xyz 06.07.2010 18:31
Deutschland-Autofähnchen so weit das Auge reicht, unzählige Balkone verunstaltet durch stoffgewordene schwarz-rot-goldene Sympathiebekundungen für die „Jungs in Südafrika“, bis hin zum Kühlregal des nächsten Supermarktes, in dem die Deutschland-Butter unverdrossen um die patriotischen Käufer_innen wirbt, reicht dieses „neue Selbstbewusstsein“. Ein Diskussionsbeitrag zum "Fahnenkrieg" in Neukölln.
Von „Fahnenkriegen“ und Integrationszwängen - Rassistischer Normalzustand im Sommerloch

Spätestens seit dem „Sommermärchen“ 2006 nie richtig weg, erlebt der „unverkrampfte Patriotismus“ aka deutscher Nationalismus zur aktuellen Fußball-WM der Männer eine nächste Phase der Hochkonjunktur. Deutschland-Autofähnchen so weit das Auge reicht, unzählige Balkone verunstaltet durch stoffgewordene schwarz-rot-goldene Sympathiebekundungen für die „Jungs in Südafrika“, bis hin zum Kühlregal des nächsten Supermarktes, in dem die Deutschland-Butter unverdrossen um die patriotischen Käufer_innen wirbt, reicht dieses „neue Selbstbewusstsein“. Die üblichen Nebenwirkungen dieses nationalen Taumels lassen dann auch nicht lange auf sich warten. Waren es bei der Männer-EM 2008 noch Dönerimbisse in Dresden die die geballte Gewalt eines Mobs aus ganz normalen deutschen Fußballfans, angereichert mit rechten Hooligans und organsierten Neonazis, zu spüren bekamen, häufen sich auch in diesem Sommer wieder die Übergriffe auf all diejenigen, die nicht in das Bild des „guten Deutschen“ passen. So war beispielsweise von einem rassistischen Übergriff in Gesundbrunnen im Vorfeld des Spiels Deutschland-Ghana oder eine Pfeffersprayattacke auf einen Afrikaner in der U-Bahn zwischen Friedrichshain und Lichtenberg zu lesen. Auch Menschen die nicht ins Modell der heteronormativen Geschlechtermatrix passen oder passen wollen, werden verstärkt Ziele von Gewalt, so kam es auf der Landsberger Allee aus einer Personengruppe heraus zu einem transfeindlichen Übergriff und am Vorabend des Achtelfinales England-Deutschland im Volkspark Friedrichshain innerhalb von nur zehn Minuten zu einer Serie von homophoben Angriffen. Auch hier agierten die Täter_innen aus einer Gruppe heraus. Mögen diese Entwicklungen der_die kritischen Betrachter_in kaum verwundern, ist der Zusammenhang zwischen Fußball-Nationalismus und rechter Gewalt doch bereits wissenschaftlich nachgewiesen worden und ist im Zwangskollektiv der Nation durch die Definition über beständige Ausschlüsse des „Anderen“ , Gewalt gegen alle die „nicht dazugehören“ immer schon vorprogrammiert. Trotzdem ist die Nichtthematisierung in der Öffentlichkeit augenfällig. Die bürgerlichen Medien haben sich stattdessen auf ein anderes Thema eingeschossen. In Neukölln soll ein „Fahnenkrieg“ toben. Alle waren sie schon da, „Tagesspiegel“, “Berliner Morgenpost“, Spiegel Online und das ARD-Nachtmagazin, um das 500 € teuren und 22x 5 m großen Deutschland-Banner an dem Haus an der Kreuzung Sonnenalle/Pannierstraße abzulichten. Sie interviewen Ibrahim Bassal, Inhaber des Elektronik-Shops im Erdgeschoss des Hauses, er hat gemeinsam mit seinem Cousin dem Tempelhofer CDU-Politiker Badr Mohammed die Fahne angeschafft und aufhängen lassen. Doch die schwarz-rot-goldene Harmonie in der Sonnenalle wird, so klagen die Medien, immer wieder von Unbekannten gestört. So sollen Vermummte bereits zwei Mal das überdimensionierte Banner nachts von der Fassade entfernt haben. Inzwischen hängt die dritte Fahne, die nur noch an den deutschen Spieltagen bis auf Bodenreichweite herabgelassen wird und Ibrahim Bassal hält tapfer Nachtwache, um erneute antinationale Aktionen zu verhindern. Als Miesmacher haben die Journalist_innen von der Divise „schwarz-rot-hass“ angetriebene „Linksautonome“ ausgemacht, die in Neukölln einen regelrechten Feldzug gegen Deutschland-Fahnen gestartet hätten. Doch die Dreistigkeit sich nicht am Abfeiern der der deutschen Nation in ihrem regressiven Normalzustand zu beteiligen und gar offensiv gegen dieses vorzugehen, ist dabei nicht der alleinige Grund der Empörung. Dass ausgerechnet die Fahnen von vielen in Nordneukölln lebenden Migrant_innen davon betroffen sind, gibt Anlass „den Autonomen“ vorzuwerfen sie würden das Ziel verfolgen, dass „Migranten Migranten bleiben“ und eine Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft zu verhindern.

Von der „Parallelgesellschaft“ zum Normalisierungsinstrument des deutschen Nationalismus

Ein gänzlich ungewohntes Bild von Neukölln wird in diesen Berichten gezeichnet. Ein Ort von dem in der Presse sonst nur in Zusammenhang mit „Parallelgesellschaften“, „integrationsunwilligen Migrant_innen“ und „kriminellen Großfamilien“ die Rede ist, scheint Musterbeispiel für gelungene Integration geworden zu sein und das alles nur durch simple schwarz-rot-goldene Stofffetzen. In einem Bezirk in dem der Bezirksbürgermeister in schöner Regelmäßigkeit gegen Migrant_innen hetzt und diese wahlweise „mitteleuropäisch zivilisieren“ oder gleich abschieben möchte, sind die Migrant_innen nun plötzlich im Idyll der deutschen Mehrheitsgesellschaft angekommen. In einem Bezirk in dem im Auftrag des Bezirksamt eine Task Force eingerichtet wird, speziell um sich des „Problem“ der Sinti & Roma in bestimmten Kiezen zu entledigen und die „Ordnung“ wieder her zu stellen, werden von Migrant_innen aufgehängte Deutschland-Fahnen zum Inbegriff der Friedfertigkeit und Unverfänglichkeit des neuen deutsche Nationalismus. Nationalismus als Eintrittskarte und Mitmachangebot für ansonsten durch institutionalisierten und alltäglichen Rassismus marginalisierte Menschen. Die Mitwirkung von Migrant_innen am „Partypatriotismus“ bietet eine ideale Vorlage deutschen Nationalismus den Status der Normalität zu verleihen und das Bild des multikulturellen, weltoffenen und friedlichen Deutschlands zu pflegen. Eine Nation die „selbst“ Migrant_innen bei ihrer Inszenierung von Gemeinschaft mitmachen lässt und zu Recht wieder stolz auf sich sein kann. Dort liegt dann auch der größte Hund begraben. Die oben aufgezählten Übergriffe sind abscheulich und verachtenswert, aber dennoch sind sie nicht repräsentativ für den deutschen Nationalismus anno 2010. Vielmehr gebärdet dieser sich als harmloser, weltoffener und hipper Freizeitspaß, vor dem sich niemensch zu fürchten hat. Vom Punk über der_die „alternative“ Student_in bis zur_zum Hochschulprofessor_in, jede_r macht bereitwillig mit. Mag sich mensch sonst doch „eher als links“ verorten und der im Kasernenhofton daher kommende konservative Nationalismus „vor dem Hintergrund `unser Geschichte´“ als nicht zeitgemäß in die rechte Schmuddelecke verbannt werden, ein Kranz aus schwarz-rot-goldenen Plastikblumen um den Hals muss dann schon sein. Es geht ja schließlich nur um Fußball. Der Bogen zur Staatsräson der „Berliner Republik“ muss dann gar nicht erst geschlagen werden, fügt sich die Position doch hervorragend ein. Ausgestattet mit einer „besonderen Verantwortung“ aus der inzwischen so beispielhaft aufgearbeitet deutschen Geschichte, ist es eben nur „normal“, dass sich Deutschland das holt, was ihm als „Global Player“ zusteht – wenn nötig mit allen Mitteln- ob auf dem Fußballplatz oder in Afghanistan. Kamen die Auslandseinsätze der Bundeswehr bisher als „humanitäre Interventionen“ daher und waren Bundeswehrsoldat_innen lediglich „Entwicklungshelfer_innen in Uniform“, verliert auch diese Fassade zusehends ihre Notwendigkeit, wie die jüngsten Interview-Äußerungen von Ex-Bundespräsident Köhler im Deutschlandradio illustrieren.

Integration – Nein, Danke !

Ein Schlagwort das in der Debatte immer wieder auftaucht und leider viel zu häufig unkritisch reproduziert wird, ist das der Integration. Hinter dem Wort Integration steht dabei ein rassistisches wie ausgesprochen wirkmächtiges Konzept. Es ist kein Konzept, dass gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Migrant_innen zum Ziel hat, sondern vielmehr die Anpassung der Migrant_innen an den gesellschaftlichen Idealtypus der deutschen Mehrheitsgesellschaft propagiert und somit auf die Errichtung einer homogenen und scheinbar wiederspruchlosen Gesellschaft, geeint in einer „deutschen Leitkultur“, ausgerichtet ist. Institutionalisierte Unterdrückungs-und Ausgrenzungsmechanismen etwa in Form von Sondergesetzen gegenüber in Deutschland lebenden Migrant_innen und ihre Stigmatisierung und Diskriminierung durch den im Alltag allgegenwärtigen gesellschaftlichen Rassismus wird dabei selbstverständlich ausgeblendet, geschweige denn im Diskurs der Mehrheitsgesellschaft mit reflektiert. Migrant_innen als etwas dauerhaft „Fremdes“ wahrgenommen und in ihrer Existenz als Bedrohung von Werten, Normen und Kultur der Mehrheitsgesellschaft konstruiert, sollen so möglichst schnell und reibungslos in die Mehrheitsgesellschaft eingliedert werden und ihren Teil zum Erfolg des nationalen Kollektivs der Deutschen auf dem Weltmarkt beitragen. Integrationszwang als Zwang zum Mitwerkeln für die Nation ist Ausdruck der autoritären Gemeinschaftsvorstellung der Nation. Alles was dem nationalen Erfolg im Weg steht muss neutralisiert und am besten gleich aus Selbigen geräumt werden. So richtet sich der Zwang zur „Integration“ in die Gesellschaft nicht nur gegen Migrant_innen, sondern ist auch ein Disziplinierungsinstrument gegen alle diejenigen die gesellschaftlichen (Herrschafts-)verhältnissen und Normvorstellungen nicht entsprechen oder sich auch nur nicht vorbehaltlos unterordnen wollen und etwa die Vorstellung ein selbstbestimmtes Leben jenseits der Logik von Staat, Nation, Kapital noch nicht aufgegeben haben.

Wider dem nationalen Taumel – egal wer da taumelt

Die Nation ist ein Zwangskollektiv, in dem gesellschaftlichen Widersprüche, wie das permanente Konkurrenzverhältnis der Individuen zueinander, verschleiert und individuelles Glück hinter dem vermeintlich übergeordneten Interesse des nationalen Kollektivs zurückstehen muss. Die Ideologie der Nation steht mit ihrem Bestehen somit notwendigerweise zwischen der Erkenntnis der Verhältnisse als Voraussetzung ihrer Kritik und späteren Überwindung und den Insass_innen des Kollektivs. Sie stellt also ein zwingend zu überwindendes Hindernis im Kampf für eine freie Gesellschaft dar. Jeglicher positiver Bezug auf die (deutsche) Nation auch durch das öffentliche Zuschaustellen von nationalen Symbolen, ist eine Manifestation einer ständig reaktionären, antiuniversellen und anti-aufklärerischen Ideologie, sie muss daher stets Ziel einer linksradikalen Intervention werden.

Gegen Zwangskollektive und nationale Beschränktheit – Deutschland abschalten.
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Ergänzungen

CDU-Schlandfahne Sonnenallee

afa nkln 06.07.2010 - 20:30
Die 22m lange Flagge wird übrigens vom Onkel des Spätibesitzers bezahlt (mittlerweile das dritte Mal = 1500€), der Mitglied der berliner CDU ist. Könnte man mal recherchieren und dann thematisieren.

Öh...

anti 06.07.2010 - 23:15
Mal dumm nachgefragt... ist der Text wirklich von der ANA? Und wenn ja, galten die nicht mal als antideutsch?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 10 Kommentare

Bierfahne

Reiner Fahnenträger 06.07.2010 - 19:10
Hier gibte das passende Pic zum Fahnengeflatter. Etwas Humor darf ja rein.
 http://ostendfaxpost.blogspot.com/2010/06/wm_29.html

ganz toll leute

DEUTSCHER 06.07.2010 - 19:38
Tja....wir lieben halt deutschland...und wenn es hier so scheiße ist geht weg....morgen wird wieder gefeiert ob ihr es wollt oder nicht :P

"Migrant" ist rassistisch

otto rehakles 06.07.2010 - 19:45
es bleibt weiterhin unbegreifbar, leute, die hier geboren sind, migranten zu nennen. es macht nur insofern sinn, daß sie von fahne zu fahne wandern und 2006/08 das deutschfarbige klopapier neben dem des türkischen hitlers atatürk erst so richtig eingeführt haben.
nur, weil die türkische diktatur nicht bei diesen asozial teuren spielen mit asozialen bonzenschweinen als "athleten" dabei ist, schwenken die vaterlutscher jetzt deutsches klopapier, einfach, um sich anzubiedern und ihren dreck zu verkaufen und daß sie wahrscheinlich dann doch auch bald die besseren nazis sein werden, beweisen sie mit ihren antigriechischen angriffen in kreuzberg und anderswo. erwartet wurde das nach der antigriechischen hetze eigentlich eher von deutschen nazis, aber die haben ja glücklicherweise andere fahnen.
pack bleibt pack und wer fahnen braucht, ist pack.

Integration = böse?

RedZack 06.07.2010 - 20:19
In diesem Artikel wird ein sehr düsteres, einseitig-negatives Bild vom Gedanken der "Integration" gezeichnet. Der/die AutorIn des Beitrages hat doch ganz offensichtlich selbst Vorstellungen von einem wünschenswerten gesellschaftlichen Konsens, dem sich JEDER Mensch gleichermaßen verpflichtet fühlen sollte. Und sei es auch nur, dass niemand schwarz-rot-gelbe Lappen aus dem Fenster raus hängt. Was aber wäre diese Forderung anderes als die Forderung nach "Integration" in eine bestimmte Art von Gesellschaftsmodell?

Ich denke, keine Gesellschaftsform kommt völlig ohne die Forderung nach Integration in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Minimalkonsens aus...

Einiges gut, einiges falsch

The Brain 06.07.2010 - 20:40
Die oben geschilderten Übergriffe passieren nicht wegen der Wm. Die passieren auch ohne. Man kann nicht alles auf ein Sportereignis schieben.

UNd alles deutsche zu verteufeln bringt auch nichts - In der Revolution von 1848 wurde auch die Schwarz-rot-Goldene Flagge geschwungen - aber das war ja keine kommunistisch-anarchistisch-sozialistische Pseudorevolution. Achja, die Weimarer Republik hatte die ja auch- und die Nazis? Hatten diese nicht, weil sie die schwarz-rot-goldene verabscheuten.

Warum wird eigentlich bei diesem "Flaggenstreit" - ach ne ist ja schon "krieg" - eigentlich nur auf der deutschen Flagge rumgehakt? Nicht auf Südafrika, Holland, Argentinien, Griechenland usw. Höre nur das Gejammere über die schwarz-rot-goldenen Fahnen.

Kritik sollte aus dem Kopf kommen, nicht aus dem Bauch :D

@afa nklln

The Brain 06.07.2010 - 21:15
Auweia! Ein libanesischer Migrant, der Mitglied einer Christilichen Partei ist und kein Kommunist, Sozi oder Linke. DAS DARF NICHT SEIN!

Leichter als die Nation anzugreifen

Pocahon-tas` 06.07.2010 - 23:07
ist es doch ,die Nation zu verändern und was am in der Nationalflagge repräsentierten Mannschaftsgeist beim Fußball noch schlecht sein soll,wo doch der internationale Fußball tatsächlich national und zwischennational gegeneinander ,in gegeneinander spielenden Teams organisiert ist und doch eher zählt ,wen eine Nation kaufen kann als das Herkunftsland der die vorherige Nationalität,ist es irgendwie fast eien linksradikale Konditionierung ,die Leute auf eien Fahne abhaßen läßt ,die nicht emhr so richtig verständlich ist ,weil das jeder ,der sich fürs Spiel intereßiert ,auch begriffen hat .Unbeteiligte und Nichtfans stecken halt zurück während der Spieltage und das Soziale ist absorbiert vom Geschehen auf dem Bildschirm ,so alleien zu ein tut weh ,aber Sie könnten ja wa süber die deutschen Liberalen im Neunzehnten Jahrhundert lesen oder sich mit Afrika beschäftigen oder ins Kino gehen anstatt Tageszeitung zu lesen oder Fahnen abzunehmen ,nur weil sie nichts über Neukölln zu erzählen haben ,da ist wahrscheinlich alles sonst wie immer ,normal,reiten sie so auf dieser Fahnensache rum.Man könnte noch national hits ,national tits drehen und bräuchte halt zusätzlich eine Indianerin .Six tits ,der Rest wäre irgendwie so wie single sports,Marathon oder Rhönrad oder eher noch Schispringen .Six tits sind halt schon drei gleiche TrägerInnen ,und das ist eien Grundlage für eien Nation oder drei,je nachdem ,ob sie uns nach fraben sortieren oder nach Passport.Tschüßi ,mich ödet eure Internetprosa ebenso an wie die Blätter .

Inhaltlicher Denkanstoß

Muhalla 07.07.2010 - 07:48
Die Tatsachenanalyse ist schon ganz korrekt jedoch zugleich zutiefst angebiedert an den alltäglichen Rassismus. Richtig ist das, und da gebe ich RedZack recht Integration nichts böses ist sondern notwenidg. Es fragt sich nur welche Form von Integration. Gerade die Linken verlangen in ihren Szenekneipen ein hohes Maß an Integration, ja gerade zu Assimilation. Übernahme der Sprachkultur und ein allgemeines Fetisch-Revolutions-Dogma in Kleidung, Verhalten und Benimm das man auch als Linke Leitkultur umschreiben könnte. Weniger rabiat aber auf inhaltlich gleicher Linie geht der deutsche Staat vor der ebenfalls Assimilation betreibt und diese als Integration verkauft.

Aber zurück zum eigentlichen Problem. Fahnenmeere ausgerechnet in Neukölln. Das ist wohl weder besonders neu noch unnachvollziebar und es ist auch nicht der böse wille der grauen Wölfe der plötzlich einen ganzen Stadteil überrollt. Es ist doch so das in Neukölln seid mehr als 2 Jahren eine regide repressive Linie gefahren wird. Schon oft wurde über die rassistischen Ausfälle des Bezirksbürgermeisters Buschkowsky und seines Ziehvaters Sarazin geschrieben. Stadtumstrukturierung wird im gleichen Atemzug mit der Vertreibung von Mitmenschen unter einem bestimmten Einkommenzgrenze benannt. Menschen werden katalogosiert und dazu ist jedes Mittel recht, vor allem das der Spaltung.

Tatsache aber bleibt das der enorme Druck der auf einem Teil der Bevölkerung lastet (ständige Kontrollen durch Jobcenter, Jugendamt und Polizei) in Form von Repression (Wohnungsbegehungen, Entnahme von Kindern aus ihren Familien, Zwangsinternat für Schulschwänzer usw.) gepaart mit dem Vorwurf: Die MigrantenInnen würden sich nicht anpassen! dazu führt das sie versuchen den Druck durch Anpassung zu mildern.

Das ihnen das nicht gelingen wird ist jetzt schon klar. Eine Deutschlandfahne erhöht weder das Einkommen noch beschichtigt es den sozial degenerierten Sachbearbeiter im Jobcenter. Das Problem liegt in den ökonomischen Bedingungen an sich. Und wenn die Linke anstelle von Cocktailtresens mal was sozial revolutionäres hinbekommen würde dann würden viele der "Überflüssigen" NeuköllknerInnen auch eine echte Alternative zum Versteckspiel mit der Deutschen Fahnen finden. Aber vielleicht wollen die Linken das garnicht. Zumeist bleiben sie lieber unter sich und frönen ihrer kulturellen Leitkultur in die sich Otto und Harat genauso wenig "Integrieren" können wie in den deutschen Staat...weil es nämlich garnicht erwünscht ist.

"Integration, bitte, bitte!"

asd 07.07.2010 - 08:24
Fahnenklauende Neuköllner Autonome haben einfach Sehnsucht nach der D-Mark. Deswegen können sie sich ja auch mit ihren Lieblingsobjekten Schnaps kaufen gehen.

gold abschneiden und kommunikativ mitwedeln

z 07.07.2010 - 08:27
ich finde euren beitrag grundsätzlich richtig, habe aber zweifel, ob nicht genauer hingeguckt werden muss:
zur untergründigen vor-geschichte der aufstände in den französischen banlieus dürften die erfolge des "migrantisch" geprägten französischen nationalteams insofern "beigetragen" haben, als dass dieses an der bildung eines selbst-bewusstseins beteiligt gewesen sein dürfte; fussball als chiffre der möglichkeit, gleichberechtigte partizipation zu erreichen, ohne sich dem "intergrations"diktat der mehrheitsgesellschaft zu unterwerfen. eine möglichkeit für vielleicht 5 von millionen; ein spektakel für den rest, dessen affirmation an den lebensbedingungen der millionen nichts ändert und für diejenigen, die darauf bezug nehmen, in enttäuschung enden muss und insofern potentiell leicht weit über die affirmation hinauswachsen kann.
mensch sollte darüber nachdenken, ob seitens der vielen migrantischen kids hier gegenwärtig nicht ein anderer nationalismus durch trikots oder fahnen gezeigt wird: einer, der dem offiziellen völkisch-verfassungspatriotischen nationalismus der brd entgegensteht, weil er den aussichtslosen partizpationswunsch derjenigen artikuliert, die als bildungsferne überflüssige "ausländer" hier auf unabsehbare zeit weiter selbst von den "brot und spiele"-perspektiven ausgegrenzt bleiben werden, die im prinzip sagen: wir gehören auch hier hin, wir dürfen eure scheiss-fahne tragen und uns über die erfolge der migrantisch geprägten fussballnationalmannschaft mindestens ebenso freuen wie die dumpfdeutsche regression.
selbstverständlich sehe ich auch, dass migrantische nationalisten gerade scharzrotgold rumrennen, vieleicht taktisch motiviert, um bei kommenden anlässen umso mehr mit der türkischen, libanesischen, palästinensichen etc.pp. fahne rumzuwedeln. selbstverständlich sehe ich auch, dass das fahnenschwenken des "migrantischen" daimlerfahrers auf die inszenierung seiner überintegration hinausläuft.
aber das gegenwärtige fahnen- oder trikot-tragen enthält derzeit einen ganz minoritären anteil eines in deutschland bisher nicht existent gewesenen politischen nationenbegriffs (a la: alle die hier leben dürfen die fahne mal halten), mit dem sie deutschland insoweit zum ersten mal auf den stand der französischen revolution brächten, wenn sie denn durchsetzungsfähig wären. etwas laberei von wulff (im anschluss an die wahl: "keine parallellgesellschaften", danach: "bunte republik", kotzwürgübel aus diesem mund)ist angesichts der grotesken diskrepanz zwischen artikuliertem teilhabeanspruch und bestehender ausgrenzung erkennbar bedeutungslos, auch deshalb, weil der mehrheitsnationalismus jederzeit die neigung zum gewalttätigen übergriff in sich trägt, den die nazis (die sich deshalb überwiegend grade ausgegrenzt fühlen vom fahnengeschwenke) und ihre regressive deutsch-white-trash mitte, denen die "nicht-deutsche" mannschaft ein greuel ist, sich als pogrom wünschen.
wer also gegenwärtig in den "migrantischen" kiezen, die ja häufig auch szene-kieze sind, wahllos fahnen klaut und dogmatisch auf antinationalismus macht, erhebt auch den zeigefinger eines integrationsdiktates, was mindestens unklug ist und häufig individuell verlogen, weil die zeigefingererheber ja auch in ihren "linken" kneipen spass an den spielen haben und ihren mit-linken con-spiratoren (con-spirare: gemeinsam atmen)eben dort die trikots und fahnen NICHT abnehmen. das ist, darauf laufen meine zweifel hinaus: ballacksche old-school des unvermittelten, "un-diplomatischen". dabei sollte es doch auch möglich sein, zu erklären, dass die forderung nach partizipation (gar aufhebung etcpp) der fahne und des trikots einfach nicht bedarf.