Tostedt/„Die Scheiße hört einfach nicht aus…“

Soligruppe für Tostedter Genoss_Innen 04.07.2010 14:20 Themen: Antifa Repression
Bereits vor einigen Tagen haben Genoss_Innen einen Artikel auf Indy veröffentlicht ( http://de.indymedia.org/2010/07/285273.shtml), dieser Artikel beschreibt die Repression gegen Aktivist_Innen in Tostedt und Region. Gestern hat die örtliche Polizei eine Presseerklärung veröffentlich in der sie die Anwendung des neuen "Aggressionserlass" bei "politisch motivierten" Straftäter_Innen ankündigt. Demnach kann die Bullerei allen angezeigten Genoss_Innen den Führerschein entziehen.
Am 24.4. griffen Neonazis vermut das Wohnhaus eines Antifaschisten an, drangen ihn das Haus ein und schlugen auf die anwesenden Person ein. Einer der Täter sitzt seit dem 11.5 in U-Haft. ( http://recherche-nord.com/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=465&Itemid=232) Am Pfingstwochenende kam es in Wistedt (bei Tostedt) zu einem Angriff von Neonazis auf ein Wohnhaus in Wistedt ( http://de.indymedia.org/2010/05/282124.shtml). An folgenden Tag gab es eine Spontandemonstration in Tostedt von ca. 60 Genoss_Innen um ihre Solidarität mit dem Aktivist_Innen die wenige Stunden zuvor angegriffen worden sind zuzeigen, am Rande der Demo versammelten sich ca. 20 Neonazis. Die regionalen Medien schrieben was die Bullen ihnen sagten und die Zivilgesellschaft zeigte sich schockiert das Antifaschist_Innen nach Tostedt gereist waren um Solidarität zuzeigen („Solche Szenen will hier keiner mehr sehen.“). Mittlerweile hat die örtliche Polizei unter der Leitung des Polizeipräsidenten Uwe Lehne eine Sonderkommission gegründet die alle „politisch motivierten Straftaten“ in Tostedt und Region verfolgen will. Erst nach öffentlichem Druck von Medien, eine Rüge des niedersächsischen Landtages und Druck des LKA Niedersachsen, war die Polizeiführung bereit überhaupt von einem politischem Konflikt in der Region zusprechen, bis dahin wurde ein politischer Background bei neonazistischen „Straftaten“ geleugnet. Die Schuld des Konflikts sieht die Polizei und der Inlandsgeheimdienst natürlich bei den Antifaschist_Innen die sich in Tostedt engagieren.

Nach dem Interesse der Öffentlichkeit und den regelmäßigen Berichten der überregionalen Medien, ebnet der Druck auf die Neonaziszene und die Zivilgesellschaft wieder ab. Der traurige Alltag geht wieder ein, Einschüchterungen und "kleinere" Auseinandersetzungen sind wieder normal. Die Neonazis drohen Jugendlichen mit „Schwarzen Listen“ und Konsequenzen wenn sie sich weiter gegen die Szene stark machen.

Während die Scheiße in Tostedt nicht aufhört, feiert die bürgerliche Gesellschaft sich selbst, zwei „couragierte“ Jugendliche haben letztens eine Auszeichnung der Ver.di bekommen. Die beiden hatten einen offenen Brief mit 400 Unterstützer_Innen gegen den Neonaziladen in Tostedt „Streetwear-Tostedt“ geschrieben, die Neonazis haben dafür die Scheiben eines der Jugendlichen eingeworfen. Woraufhin die Samtgemeinde eine „Resolution für Demokratie gegen Extremismus und Gewalt“ verabschiedete. Doch von einer Resolution, ein paar öffentlichen Appellen und ein paar Veranstaltungen verschwindet ein gesamtgesellschaftliches Problem nicht. Obwohl die Akzeptanz der Neonazis in der Gesellschaft und auf öffentlichen Veranstaltungen in der Region mehrfach thematisiert worden ist, spricht das „Zivilcourage-Bündnis“ immer noch von einem Randproblem.

Die Genoss_Innen vor Ort brauchen unsere Solidarität. Solidarität kann sich auf unterschiedlichste Weise äußern, durch Öffentlichkeiswirksame Aktionen, durch Unterstützung bei dem Kampf gegen Repression oder einfach durch das Interesse an den persönlichen Schicksalen. Sensibilisiert euch für die Scheiße die dort passiert und unterstützt die Genoss_Innen in dem Kampf gegen Staat, Zivilgesellschaft und Neonazis.

Kein Friede den Dorfgemeinschaften - Nazis bei den Wurzeln packen
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Ergänzungen

führerscheinentzug

emilio 04.07.2010 - 18:33

Chronik anfangen

wurst 05.07.2010 - 17:26
Also wir hatten Ende der 90er ein ähnliches Problem in Berlin. Die Nazis waren sehr aktiv und niemand wollte es sehen. Wir haben dann damit angefangen Chroniken zu erstellen, in denen wir die Angriffe von Nazis dokumentiert haben. Hier mal ein Beispiel:  http://freeweb.dnet.it/treptow/chrono00.htm. Es hat nicht lang gedauert, vielleicht 1 bis 2 Jahre, bis die Lokalpolitik oder Medien, unsere dokumentierten Angriffe für ihre Arbeit benutzt haben. Rechte Gewalt konnte dann nicht mehr geleugnet werden. Heute kann man wahrscheinlich auch einen Blog machen, wo man Angriffe und andere Aktionen der Nazis dokumentiert. Eine Demo bringt nicht so viel, wie manche meinen.

@ wurst

blog 05.07.2010 - 21:12
sowas wie einen Blog der eine zeitlag die übergriffe aufgelistet hat gibt es schon  http://krautdetection.blogsport.de/... nur es interessiert keinen, weil viele sache nicht angezeigt worden sind (und das aus gutem Grund, Bullen sind keine Freund_Innen und erst recht keine Helfer_Innen)

Macht das ganze Dorf platt!

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