„Mandi-Comic“ gegen Nationalismus

Mandi 16.06.2010 19:24 Themen: Antifa Antirassismus
Die antifaschistische gruppe 5 aus Marburg hat anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2010 einen Comic mit dem Titel „Mandi“ herausgebracht. Der Comic setzt sich kritisch mit Nationalismus und so genanntem Partypatriotismus auseinander. Gestaltung und Titel sind in Anlehnung an die „Andi“-Comics des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen gewählt worden.
Der Verfassungsschutz NRW hat im letzten Jahr die so genannten „Comics für Demokratie und gegen Extremismus“ (unter dem Titel „Andi“) herausgebracht. In bekannter extremismustheoretischer Manier werden dort Linke, Rechte und Islamisten als vergleichbare Feinde der Demokratie dargestellt.
Die Konstruktion einer legitimen demokratischen Mitte führt zu der Annahme, extrem rechtes Gedankengut sei ein Problem am Rande der Gesellschaft. Die jedoch in der Mehrheitsgesellschaft weit verbreiteten rechten Einstellungen werden damit aus dem Diskurs ausgeschlossen.
Darüber hinaus wird durch diesen Ansatz progressiv linkes Engagement diskreditiert und grundsätzlich als gewalttätig und damit illegitim dargestellt.

Die Comics sind nur ein Zeichen dafür, dass diese Doktrin sich bundesweit auszubreiten versucht und auch durch „Bildungsarbeit“ des Verfassungsschutzes an Schulen gelangen soll. Dieser gefährlichen Entwicklung soll mit den Mandi-Comics auf kreative Weise etwas entgegensetzt werden.

Die „Mandi-Comics“ sollen die Problematik dieses Ansatzes aufzeigen und dazu beitragen, dass der Verfassungsschutz nicht die Deutungshoheit über die Legitimität politischen Engagements erhält. Das Heft besteht aus einem selbst gezeichneten Comic im gleichen Stil wie die Andi-Comics und aus einem ausführlichen inhaltlichen Teil. Aus aktuellem Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni 2010 soll sich unser Comic thematisch außerdem kritisch mit Nationalismus und Partypatriotismus auseinandersetzen. Gerade am Beispiel der „Deutschlandfeierei“ lassen sich rassistische und national-chauvinistische Einstellungen in der Mehrheitsbevölkerung deutlich aufzeigen. Im Comic wird darstellt, wie fließend der Übergang von Anfeuerung einer Fußballmannschaft hin zu rassistischen und sexistischen Einstellungen und sogar Übergriffen sein kann.
Auch unabhängig von der Fußball-Weltmeisterschaft wurde eine Kritik an Nationalismus und völkischem Denken herausgearbeitet. Hauptziel ist die verbreitete Unterscheidung von „bösem“ Nationalismus und „gutem“ Patriotismus zu widerlegen und beides als höchst problematisch und alles andere als demokratisch zu entlarven.
Zunächst wird auf die Begriffe Nationalismus und Patriotismus eingegangen. Vor allem geht es darum, dass der Party-Patriotismus vielleicht doch nicht so unpolitisch und weit entfernt von Nationalismus ist, wie er allzu oft dargestellt wird. Im zweiten Teil wird aufgezeigt, was das alles eigentlich mit Fußball zu tun hat. Warum gerade hier häufig Fahnen und Gesänge mit Bezug zur deutschen Nation auftauchen und diese als besonders unpolitisch verkauft werden. Etwas spezieller geht es im dritten Teil dann um die Frage der Verbindung und Interaktion von Nation, Fußball und Geschlecht. Und natürlich dürfen am Ende auch ein paar konkrete praktische Tipps für den Umgang mit Nation und Nationalismus nicht fehlen.
Die Broschüre richtet sich dabei vorrangig an Schüler_innen. Schüler_innenvertretungen, Jugendclubs oder Einzelpersonen, die die Broschüre verteilen oder auslegen wollen, können sich über das Kontaktformular melden.
Zu dem Heft gibt es einen Blog ( http://mandi.blogsport.de), auf dem alle Texte nachzulesen sind und es weitere Links und Hintergrundinfos gibt. Die Broschüre kann online gelesen, heruntergeladen oder direkt bestellt werden.
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Ergänzungen

Noch mehr Spass mit "Andi"

Bildungsstreik Bochum 16.06.2010 - 20:42
Ach- und Krachgeschichten aus fabelhaften Welt der Steffie Streik - heute: Post vom Innenministerium.

Als Steffie Streik vor einigen Tagen ihren Briefkasten leert, traut sie ihren verschlafenen Augen kaum: Post vom Innenministerium. "Was wollen die denn schon wieder?" murmelt sie, während sie Kaffee aufsetzt.

Nun, eigentlich ist Steffie ja kein Comic-Fan aber die Andi-Reihe war einfach gut. So gut, dass sie und ihre Freund_innen gleich ein paar hundert davon bestellt und verteilt hatten. "Das Beste seit 'Fix und Foxie', die Leute kringeln sich vor lachen", so Steffie. "Im besetzten Audimax gingen die Comics weg wie warme Semmel, wir mussten mehrmals nachbestellen", schwärmt Steffie's Freundin Autonomia.

Auch an den Schulen war Andi sehr beliebt: "Durch geziehlte Verteilaktionen wurde Andi über Nacht zum Pausenhit an den Bochumer Schulen. Bei anpolitisierten Schüler_innen weckten die Comcis das Interesse am Einstieg in die linksradikale Szene, die seither großen Zulauf erfahren hat", so Autonomia.

"Das Andi ein Erfolg werden würde war von Anfang an klar. Die Zeichnungen sind gut, die Sprüche peppig und die politische Aussage originell verpackt. Dabei sind die Analysen stehts zutreffend und wissenschaftlich fundiert: 'Anarchismus, Sozialismus, Alkoholismus' (Andi 3, S. 31) zeigt, das der Verfassungsschutz in NRW wirklich Einblick in die linken Szene hat. "Besser könnten wir's auch nicht auf den Punkt bringen. Wir überlegen uns bereits, diese VS-Parole als Motto für unsere nächste Semestereinstiegsparty zu nehmen", so Steffie.

Weniger ironische Auseinandersetzungen mit "Andi" und "Extremismus" gibt's hier:

Erste Auflage vergriffen

Büsra 25.06.2010 - 00:01
Die erste Auflage ist laut Internetseite ( http://mandi.blogsport.de) schon vergriffen. Dort heißt es, dass bald aber nachgedruckt werden soll und dafür gerne Spenden entgegengenommen werden.

Wer noch kein Exemplar erhalten hat, bekommt das sicher bei den örtlichen Infoläden oder linken Gruppen. Ansonsten gibts den Comic aber auch kostenlos im Onlinestore von Disgusted Youth unter  http://www.disyouth.net

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Textanalyse

betaVersion 16.06.2010 - 20:19
"...wurde zu den unterschiedlichsten Anlässen wie auch bei der Reichspogromnacht 1938, dem Einmarsch deutscher Wehrmachtstruppen in andere Länder und der Errichtung des Konzen-trationslagers Dachau gesungen. Das Deutschlandlied ist somit untrennbar mit der Geschichte Nazideutschlands verbunden."

Wer soll denn darauf reinfallen? Der Dorftrottel mit Punkerattitude?^^

jau,

... 16.06.2010 - 20:57
geil ist auch da hier: durch die geschickte satzkonstruktion, wird das deutsche volk in seiner gesamtheit mal eben für den holocaust in sippenhaft genommen obwohl sich die zustimmung grammatisch nur auf den faschismus bezieht. dem flüchtigen leser wird aber geschickt suggeriert, die zustimmung würde sich auf den holocaust beziehen.

Neue Rechte on comment

Zuschauer 16.06.2010 - 21:48
Die sich bebildenden neuen Rechten treiben in den Kommentarspalten ihre Umtriebe.

So wie auch hier "geil ist auch da hier: durch die geschickte satzkonstruktion, wird das deutsche volk in seiner gesamtheit mal eben für den holocaust in sippenhaft genommen obwohl sich die zustimmung grammatisch nur auf den faschismus bezieht. dem flüchtigen leser wird aber geschickt suggeriert, die zustimmung würde sich auf den holocaust beziehen."

Eine geschickte Satzkonstruktion bennent man, sonst ist die Bezichtigung der geschickten Satzkonstruktion ziemlich ungeschickt: Ein Problem zu haben unterschiedliche aufeinanderfolgende Nomen, in unterschiedlichen Sätzen, pychisch zu verkraften, ist noch kein Hinweiß auf "geschickte satzkonstruktion". Du bist unfähig Zeit wahrzunehmen und dabei latent paranoid darum bemüht deine Meinung hinter einer suggerierten Kritik zum Durchscheinen zu bringen. Unfähig zeit wahrzunehmen, wo sich plötzlich zwei Sätze nacheinander auf deiner Netzhaut abbilden. Du schneidest aus dem Satz, dessen Syntax dein Hirn zum brennen bringt, das Faschismus raus und klebst Holocaust rein. Also so dämlich ist schwerlich ein Grundschulkind, es sein denn es wird dazu instruiert. Bei dir scheint die Instruktion von deinem Gewissen auszugehen.

Das einzige was deine "Sprachkritik" aufzeigt ist deine Meinung: Dein Ziel ist jene, die dem deutschen-faschismus folgten, vom Holocaust zu lösen, als wären das zwei Momente, die nicht in Beziehung zu einander stehen (spricht man könnte für den deutschen faschismus sein, aber den holocaust ablehnen - man konnte für den holocaust sein und den deutschen faschismus ablehnen). Hitler magst du nämlich auch nicht und höchst wahrscheinlich bist du dem holocaust nicht besonders positiv gestimmt bzw. er stört dich, wenn er dir deine Identifikation mit deiner Fußballmannschaft oder der Schildkrötenrennbahn von Bauer Heinrich (sprich der Geschichte deines Lieblingskindes bzw. Liebelingspapas - bella germania) eine herbe braune Note in die nase stößt. Staufenberg ist zur konservativen Restauration Deutschlands schon eher dein Kollege; der war wenigstens kein Hitlerist. Du bist sprachlich ohne weiteres einem Milieu zuzuordnen.

Also, setzen sechs und mal wo anders etwas der deutschen Sprache sich aneignen, wo man sie auch sprechen kannstatt dort, wo man voller Inbrunst und Leidenschaft sich Altermedia, die Junge Freiheit oder Eigentümlich Frei sich rein zieht und Hepp, seine Bande und vielleicht sogar heimlich die DDR verehrt.



brrr

jim 17.06.2010 - 01:57
Dieser Comic ist nur Eins: Peinlich peinlich peinlich.

ich finds witzig

... 17.06.2010 - 09:46
danke dafür. Geiler Trash

Lasst euch

(muss ausgefüllt werden) 17.06.2010 - 10:21
von den ganzen Spinnern hier nicht unterkriegen. Euer Heft ist richtig gut! Und der Comic kommt bei Schüler_innen richtig gut an!

In Marburg geht was!

antifa 17.06.2010 - 10:24
Die Provinz lebt und am Samstag, den 19.6. den Burschentag der Neuen Deutschen Burschenschaft rocken!
Demo 13h ab Hauptbahnhof

Anmerkung zur Zigarette

acab 17.06.2010 - 13:17
Das Lustigste daran ist Mandis Kippe, die sie auf wirklich JEDEM Bild in der Fresse hat. ;-)
Ansonsten finde ich die Idee zwar nicht schlecht, aber die Umsetzung wirkt am Ende doch sehr moralisierend, was einen ähnlichen Effekt wie das Orginal "Andi" hat, d.h. möglicherweise trotz opportunem Inhalt nicht die entsprechende Wirkung auf Schüler_innen erzielt. Zugegebenermaßen ist es auch schwer, den Kontext in Form eines Comics zu vermitteln, ohne dabei von einer gewissen Gutmenschlichkeit Gebrauch machen zu müssen. Gerade wenn es darum geht, das Thema jüngeren Menschen näher zu bringen, die mit trockener Theorie nichts anfangen können/wollen.

Trotzdem danke für die Arbeit, die ihr euch gemacht habt & weiterhin gutes Gelingen.

also ich fands gut

jupp 19.06.2010 - 10:37
wie schon gesagt, ich fand's gut, sogar sehr gut. an der sprache ist tasaeclich ein wenig zu feilen, wieso heisst das denn bei euch auch "frauennationalmannschaft", maximal ist das dch ein team, nicht wahr. dem versteckten andi ne schwarzweissrote fahne in die hand zu druecken ist auch nicht nett, aber verzeihbar.
... und das war sicher nicht giessen asozial die dort gespielt haben, wo waren den die iros?
dennoch weiter so, ach ja ein wort an die angepissten nationalisten, die sich hier umtun, schreibt euer weinerliches zeugs doch auf altermedia.