Bildungsstreik Nürnberg am 9./10. Juni 2010

Bildungsstreikbündnis Nürnberg/Erlangen 12.06.2010 18:29 Themen: Bildung Soziale Kämpfe
Heißer Sommer reloaded: Versprechen allein reichen uns nicht!

Unter diesem Motto fand in Nürnberg am Mittwoch und am Donnerstag der bundesweite Bildungsstreik statt. Nachdem Ende letzten Jahres der Bildungsstreik in aller Munde war und sich die Hochschulbesetzungen wie ein Flächenbrand über die EU hinaus ausbreitete, sollte auch dieser Termin genutzt werden, um den politischen Druck aufrecht zu halten.
Am Mittwoch, den 9. Juni versammelten sich um 11.30 Uhr an die 500 Menschen am Hallplatz. Polizeiwannen säumten den Kundgebungsplatz. Doch trotz der massiven Schikane der Staatsmacht, wuchs die Streikdemonstration im Laufe der Route bis auf etwas 1000 Streikende an. Parallel zu Nürnberg, hatte auch die Demo in Erlangen ihren Auftakt. Hier nahmen über 500 junge Menschen an den Bildungsprotesten teil, die anschließend das Erlanger Schloss über vier Stunden in Beschlag hielten.
In Nürnberg kam es zu keinen Besetzungen, aber eine Soli-Bekundung von drei Aktivisten, die vom Dach des AstA Gebäudes der Georg Simon Ohm Hochschule ein Transparent mit der Aufschrift „Bis die Scheiße aufhört“ ausrollten. Um der Aktion zusätzlich einen kämpferischen Ausdruck zu verleihen, brannten die Aktivisten Bengalos ab. Das nahm die Polizei unmittelbar zum Anlass das Gebäude zu stürmen und die Aktivisten festzunehmen. TeilnehmerInnen der Demonstration, welche die Festnahmen nicht einfach hinnehmen wollten und den Polizisten in das Gebäude folgten, sollten teils unter Einsatz massiver Gewalt davon abgehalten werden, sich mit den Festgenommenen solidarisch zu zeigen. Ein Mitglied des AstA wurde im Rahmen des skandalösen Einsatzes sogar ein Platzverweis für sein eigenes Büro erteilt. Nachdem sich die Polizei vom Gebäude zurück gezogen hatte, zog die Demo weiter in Richtung Hallplatz. Doch auch auf diesem Weg unterließ es die Staatsmacht nicht, weiterhin einzelne TeilnehmerInnen zu provozieren. Spontan entschloss sich die Demo den Endpunkt auf den Jakobsplatz vor der Polizeiwache zu verlegen, um den Druck auf die Polizei zu erhöhen und um die Freilassung der Gefangenen zu beschleunigen. Um 15.30 Uhr wurde dann auch der letzte Inhaftierte von den Wartenden in Empfang genommen. In jedem Falle wird den dreien ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht aufgrund der Entzündung bengalischer Feuer zur Last gelegt. Die Anzeige wegen Hausfriedensbruch müsste die Hochschule stellen, damit es überhaupt zu einem Verfahren käme.

Im Anschluss begann das Camp des Bildungsstreikbündnisses mit verschiedenen Workshops, Musik und Diskussionen. Am Donnerstag den 10. Juni wurde das Camp fortgesetzt. Es gab weitere Workshops z.B. zum Thema „alternative Demokratiestrukturen in Besetzungen“, in dem die Struktur der Besetzungen des letzten Jahres an der Ohm-Hochschule und der Uni-Erlangen reflektiert wurden. Um 18.00 Uhr startete eine weitere Demo, mit der versucht wurde Eltern und Azubis mit in die Bildungsproteste einzubinden, da den meisten Lohnabhängigen die Teilnahme am Bildungsstreik durch massive Repressalien verwehrt bleibt. An der Demonstration, die vom Gewerbemuseumsplatz durch die Innenstadt zum Weißen Turm zog, beteiligten sich rund 150 TeilnehmerInnen. Mit den zweitägigen Aktionen wurde getreu dem Motto „Versprechen allein reichen uns nicht!“ gezeigt, dass die Unzufriedenheit mit dem bestehenden Bildungssystem nach wie vor besteht und die Proteste noch lange nicht am Ende sind.
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Ergänzungen

Demo Besetzung in Erlangen

Luks-Erlangen 13.06.2010 - 14:50
ERLANGEN – 500 Studierende, Schüler und Schülerinnen beteiligen sich am Bildungsstreik – 200 Menschen besetzten das Schloss für mehrere Stunden

Am 09. Juni 2010 beteiligten sich im Zuge des bundesweiten Bildungsstreiks 80 000 Menschen, davon über 500 an der Demonstration in Erlangen. Hierbei beteiligten sich deutlich mehr SchülerInnen als beim letzten Bildungsstreik im November. Die Route führte an zwei Schulen vorbei, bei denen die SchülerInnen zur Teilnahme eingeladen wurden und viele dieser folgten. Als die Demo den Schlossplatz erreichte, wurde das Schloss spontan von 200 DemonstrantInnen besetzt.
Bereits im November besetzten Hunderte Studierende das Audimax der Uni Erlangen. Die Besetzung am 09. Juni stellt einen weitere Schritt im Zuge des Bildungsstreiks 2010 dar. Während der Schlossbesetzung wurden Forderungen nach einer weiteren Radikalisierung der Bewegung laut. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass die Betroffenen bereit sind, weiter zu gehen und den politischen Druck erhöhen wollen und können.
Dass dies gelungen ist, verdeutlichen die Reaktionen der Unileitung. Bereits nach einer Stunde kam Rektor Grüske ins Schloss. Schon bald wurde deutlich, dass er sich für uns wieder einmal als Verhandlungspartner disqualifiziert hat. Weder ging er auf die Forderungen ein, noch versuchte er sich ernsthaft mit dem Anliegen der Demonstrierenden auseinander zusetzen. Vielmehr zeigte er mit seinen Redebeiträgen, dass er unseren Interessen absolut konträr gegenübersteht. Es fehlt ihm schlicht der politische Wille, für ein Bildungssystem nach den Interessen der Betroffenen einzutreten.
Tamara Schulz von LUKS hierzu : „Es ein weiteres Mal deutlich geworden, dass wir nicht auf institutionelle Einrichtungen vertrauen können, sondern für unsere Interessen selbst eintreten müssen und nur mit politischem Druck von unten etwas verändern können.“ Die Forderungen beinhalten u.a. eine Demokratisierung des Bildungssystems, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems sowie G8, Abschaffung der Studiengebühren, ein Bildungssystem ohne Bundeswehr und Wirtschaftsinteressen, ebenso wie selbstbestimmtes Lernen und die grundsätzliche Forderung nach kostenloser Bildung für Alle.
Während der Besetzung kam es zu Handgreiflichkeiten von Seiten der Polizei.
Nach einigen Stunden beschloss das Plenum das Ende der Besetzung. Für alle steht jedoch fest, dass es weiter geht und dass die Betroffenen sich selbst für ein freies und gerechtes Bildungssystem organisieren und weiter kämpfen werden!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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