Bildungsstreik Hamburg: Wir sind alle Lenzen!

Monty 08.06.2010 00:33 Themen: Bildung Soziale Kämpfe
Mit einer Vollversammlung und einem Flashmob startete gestern der Bildungsstreik 2010 an der Uni Hamburg. Für Irritation sorgt das Verhalten des AStAs.
Zur Vollversammlung anlässlich des Bundesweiten Bildungsstreiks 2010 an der Uni Hamburg versammelten sich heute rund 150 Studierende im Anna-Siemsen-Hörsaal. Das klingt nach einer geringen Zahl, angesichts einer nur kurzen Mobilisierungsphase und einer hochoffiziellen Nicht-Absegnung seitens des AStAs, der eigentlich für die Einberufung solcher Versammlungen zuständig wäre, ist das Ergebnis doch mehr als befriedigend. Kritisiert wurden seitens der Teilnehmer die nur äußerst zaghaften Korrekturen am Bachelor/Master-System, der zur "Schavan-Show" missratene Bolognagipfel vor drei Wochen, das weitergehende Eintreiben von Studiengebühren in Hamburg sowie das zunehmend nur noch an ökonomischen Interessen ausgerichtete Bildungsangebot an den Universitäten.

Im Anschluss versammelten sich noch einige Studierende zum Flashmob vorm Hauptgebäude, um den umstrittenen Uni-Präsidenten Dieter Lenzen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Lenzen), der letztes Jahr unter höchst dubiosen Umständen in dieses Amt gehievt wurde, zu huldigen.  http://www.youtube.com/watch?v=ME8Em5GvCt4

Als schon fast schizophren muss dabei das Verhalten des AStAs der Uni Hamburg gewertet werden. In den letzten Jahren hatte der AStA der Uni Hamburg alle hochschulpolitischen Protestaktionen seitens Studierender abgelehnt, bzw. hat diese nicht selten diffamiert ("pöbelnde Studenten", "angereiste Chaoten aus Berlin"). So überraschte es auch weder, dass die AStA-Koalition (Jusos, Liberale und diverse Fachschafts- und Tarnlisten) auf der letzten Sitzung des Studierendenparlaments ein Sich-Befassen mit dem Bildungsstreik ablehnte, noch das heute ein Flugblatt kursierte in dem sich deutlich von "jedweder Form des Protestes, der Studierende in irgendeiner Weise gegen ihren Willen von Studieren abhält" distanziert wird.

Gleichzeitig kursiert allerdings ein Flugblatt, in welchem der AStA zu einer Beteiligung an den Protesten aufruft. Für so etwas halten sie eine "Diskussion am Grill", die am Aktionstag 9. Juni stattfinden soll. Dort soll man dann seine Meinung auf ein Kärtchen schreiben können, welche dann in den Mensen veröffentlicht werden.

Der echte Bildungsstreik ruft für morgen zu einer satirischen Kundgebung zur Hamburger Schulreform auf. Treffpunkt ist 17.00 Uhr auf dem Rathausmarkt.
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Ergänzungen

Nicht morgen - heute!

Monty 08.06.2010 - 00:48
Jedes Kind ist anders!

Eine Bauernschule, eine Bürgerschule, eine Gelehrtenschule – so sah und sieht unser Bildungsideal aus. Denn: Was früher richtig war, kann doch heute nicht falsch sein!
Im dreigliedrigen Schulsystem sehen wir Bildungsvielfalt in ausgezeichnetem Maße. Schließlich wissen wir: Begabung wird vererbt! Und vom Erben verstehen wir etwas. Außerdem möchten wir nicht, dass unsere Kinder mit Proletarierkindern in Kontakt kommen. Die sind oft sehr rüpelhaft.

Unter den Älteren von uns können sich viele noch gut erinnern: Unter der napoleonischen Schreckensherrschaft gab es schon einmal ein Gebilde, das unter dem Namen „Ecole Primaire“ eine Grundschule für alle darstellte. 1920 waren es dann die Novemberverbrecher, die unserem heiligen Vaterlande eine solche Schule aufzwangen. 1948 waren es wiederum Fremdländer, nämlich die sog. alliierten Besatzungsmächte, welche zuvor unser Land raffgierig und völlig grundlos unterworfen hatten, die dem deutschen Volk eine noch längere Einheitsschule aufzwängen wollten. Später waren es dann irgendwelche langhaarigen Affen, die was von „Gesamtschule“ redeten. Wir haben uns stets erfolgreich dagegen gewehrt, und wir werden es immer wieder tun!

Ole, ein gefallener Engel

Ausgerechnet Ole von Beust, von der CDU, der einst noch mit höchst seriösen Politikern (Ronald B. Schill) koalierte, hat sich nun von den Agenten Moskaus, den sog. Grünen, unter ihre ökoterroristischen Fittiche nehmen lassen. Diese Extremisten, die man unserer Ansicht nach noch nicht einmal in die Nähe des Rathauses lassen dürfte, dürfen nun über das Schicksal unserer Kinder entscheiden! Dass die CDU in der Frage der Bildung jetzt auch noch mit den Postkommunisten und Stalinisten der Linkspartei ins Bett steigt, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Jetzt ist es Zeit sich zu wehren! Unser Schulsystem verteidigen heißt auch unsere Ehre verteidigen! Nur in den Bundesrepubliken Deutschland und Österreich ist doch überhaupt noch standesgemäße Bildung möglich, wie zahlreiche internationale Studien beweisen. Schimpf und Schande allen anderen Nationen, die sich längst von den Gleichmachern haben unterbuttern lassen! Hier sind wir ganz Lutheraner, denn für uns gilt: Jeder soll in seinem von Gott gegebenen Stand bleiben. (vgl. 1. Korinther 7,20)

Wir sind Yuppies, was seid ihr?!

Wir lassen nicht zu, dass mit unserem Geld den unteren Kasten der Zugang zu höheren Schulen erleichtert werden soll. Schließlich sind wir die Leistungsträger dieses Landes und unsere Kinder sollen das merken. Mit „Zweitem Bildungsweg“ und „Integrierten Gesamtschulen“ hat man unsere Geduld schon genug strapaziert. Jetzt ist ein akademisches Proletariat heran gewachsen, das sich kaum noch kontrollieren lässt. Wir werden dies nicht länger hinnehmen!

Die Primarschule ist ein Menetekel auf dem Weg zur Gleichschaltung und der Entziehung unserer bürgerlichen Rechte. Am Ende droht der Super-GAU (Gemeinschaftsschule) und der damit verbundene Untergang des Abendlandes. Wehret den Anfängen! Am Ende wird sich Deutschland noch in eine sozialistische Volksrepublik, wie die USA oder das Vereinte Königreich verwandeln.

Die Primarschule ist mit allen zur Verfügung stehenden Waffen zu verhindern!

Kommt zu unserer Kundgebung am Dienstag, 8. Juni!
17.00 Uhr – Rathausmarkt
Um adrette Kleidung wird gebeten.
Der Bildungsadel – Herkunft muss sich wieder lohnen!

09. Juni: Über 40 Städte

Infomaniac 08.06.2010 - 10:41
Morgen sind in über 40 Städten Demonstrationen oder Aktionen geplant. Die unvollständige Liste findest Du hier:

 http://www.bildungsstreik.net/demonstrationen-und-aktionen-am-9-juni-2010/

Geh hin und nehme Deine Freunde ALLE mit - und mache aber auch deutlich warum es keine isolierte Bildungsdebatte geben darf. Der Kapitalismus bleibt der Fehler: Note Mangelhaft.

Gibt es eine richtige Schule im Falschen?

uTA 08.06.2010 - 18:35

Gemeinsamer Aufruf zur Schulreform „Gibt es eine richtige Schule im Falschen?“
Von: Gewerkschaftliche Hochschulgruppe (GsHg), Avanti /undogmatische Linke, Junge GEW, ver.di Studierende, Linke SDS, Regenbogen/Alternative Linke und GEW-StudisGibt es eine richtige Schule im Falschen?

auf:  http://gewstudis.blogsport.de/2010/05/30/gibt-es-eine-richtige-schule-im-falschen/

„Sind aber Schulen der falsche Ort, um eine Fertigkeit zu erlernen,
sind sie es erst recht, um Bildung zu vermitteln.
Die Schule erfüllt beide Aufgaben deshalb schlecht,
weil sie häufig nicht zwischen ihnen unterscheidet.“
(Ivan Illich)

VERTRITTDICHSELBST - BILDUNGSSTREIK 2010

Die Linke.SDS Uni Hamburg 10.06.2010 - 09:19
Ein AStA, der Spaß macht!

Der frisch gebackene AStA hat eine geniale Idee, um sich am Bildungsstreik 2010 zu beteiligen: Statt seine Zeit damit zu verschwenden, eigene politische Positionen oder Handlungsideen auf der Bildungsstreik-Vollversammlung miteinzubringen, startet er ein kleines Foto-Shooting studentischer Interessen. Hübsch. Zusammen mit dem politisch wirklich aussichtsreichen Grillfest am Bildungsstreik-Aktionstag (Mi., 9. Juni) heisst das Ganze dann: „Dialogorientierte Protestaktion“. Diese Idee zeigt nicht nur, dass die grundlegenden Basis-Forderungen des Bildungsstreiks dem Asta nicht gefallen, er beweist damit auch, dass er anscheinend keine alternativen eigenen Forderungen besitzt. Die jeweiligen Lieblingsinteressen, festgehalten auf bunten Kärtchen, werden dann im Asta-Trakt (oder Dieter Lenzens Büro?) als moralische Leitlinien eingerahmt und aufgehangen sowie evtl auf den Info-Screens in den Mensen abgespielt (anstatt auf die Abschaffung dieser Werbe-Abspiel-Stationen zu drängen).

Glückwunsch! Ihr seid auf dem besten Weg herauszufinden, was die Studierenden wirklich, wirklich bewegt! Bloß wir dachten, das hätten Hunderttausende Studierende bereits mehrfach im vergangenen Sommer auf den Straßen Europas kundgetan!
Was glaubt Ihr, wie bindend oder nachhaltig erfolgreich es sein kann, wenn bspw 20 Portraits von Menschen in Eurem Flur hängen. Wäre es nicht erfolgsversprechender gewesen, wenn diese Leute ihre Forderungen in einer VV eingebracht hätten und man diese kollektiv diskutiert und am Ende dann abgestimmt hätte. Aber die Asta-Koalition wollte sich nicht dazu durchringen unseren Antrag auf eine VV zu unterstützen und brach mit großer Mehrheit die letzte Stupa-Sitzung ab, bevor dieses Thema behandelt werden konnte. Sowieso herrscht im Asta eine Phobie vor Vollversammlungen. Die dürfe man ja nur einberufen, wenn es wirklich, also ernsthaft, wichtig ist. Ein, zwei bundesweite Bildungsstreiks, die Reformen im Ba/Ma-System und die Zukunft desselben, der Uni-Umzug oder die undemokratische Wahl des Präsidenten Dieter Lenzen. Alles nicht wichtig genug, um überhaupt mal mit den KommilitonInnen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Resolutionen oder Forderungen zu formulieren und abzustimmen.

Bemerkenswert daran: In einem "Asta-News"-Flugblatt stellt sich die Hamburger Interessenvertretung der Studierenden in die Tradtion der Proteste des letzten Jahres. Das ist anmaßend, denn die derzeitige Asta-Koalition, die sich was die Listen angeht nicht wesentlich von der letzen unterscheidet, hat sich 2009 stets kritisch oder distanzierend zu den Bildungsprotesten geäußert. Hinzu kommt, dass sich der Asta schon im Vorweg von allen Leuten, die mal etwas kontroverses Sagen oder Tun könnten, distanziert. Es könnte ja sein, dass sich dabei KommilitonInnen gestört fühlen (und das darf natürlich nicht sein, schließlich bezahlen wir alle für unser Studium und können dafür auch ablenkungsfreie Dienstleistung verlangen).

Bloß keinen Streit anfangen, lieber kleiner AStA! Sonst wird's noch politisch und dann mögen Euch vielleicht manche Erwachsene nicht mehr (Uni-Präsidium, Presse, schwarz-grüner Senat etc.).

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