"Niemand ist vergessen!"
Anspruch der Veranstaltungen, der Gedenkdemonstration am 23. Mai und der Gedenkkundgebung am 25.Mai, zu der überregional in Städten wie Rostock, Greifswald, Cottbus, Magdeburg, Potsdam mobilisiert wurde, ist eine umfassende Beschäftigung mit dem Mord und seinen Ursachen. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf einer kritischen Auseinandersetzung mit der (deutschen) Leistungsgesellschaft, die Arbeit zum höchsten Gut erhebt und somit den Ausschluss von nicht arbeitenden Menschen permanent vorantreibt. Der andauernde Ruf nach mehr Zwang für Erwerbslose, schafft den Rückenwind für die Gewaltexzesse gegen so genannte „Sozialschmarotzer“. Die aktuelle Hartz IV-Debatte, die Behandlung so genannter „Asozialer“ im Nationalsozialismus und die Kritik an der Arbeitsgesellschaft im Allgemeinen sind Schwerpunkt der Veranstaltungen und des Gedenkens. Außerdem soll über die Hintergründe des Mordes sowie die aktuellen rechten Aktivitäten in Buch und Umgebung berichtet werden.
Artikel-Serie: 1. Teil: "Der Mord an Dieter Eich" || 2. Teil: Rechte Gewalt und ein “unpolitischer Messerstoß”? || 3. Teil: „Asozial“ - Über die staatliche Legitimierung zu Morden || 4. Teil: Abwertung und Gewalt gegen „Asoziale“ || 5. Teil: Zwangspsychiatrie - Kontinuitäten und Brüche || 6.Teil: Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit... || 7.Teil: Kein Platz für Schmarotzer || 8. Teil: Umgang der Politik und bürgerlichen Presse
weitere Infos: Feature bei linksunten.indymedia || "Niemand ist vergessen" Seite
Farbe gegen Neonazi-Anwalt (21.05.2010) || Buttersäure verpestet Anwaltsbüros (Berliner Zeitung, 28.06.1994) || ...
Aufrufe, Bürger_innen-Flyer, Texte:
Bündis-Aufruf: "Niemand ist vergessen!“ || Nachbarschaftsflyer || Aufruf der North East Antifascists (NEA): deutsch // schwedisch // niederländisch // tschechisch // polnisch// dänisch
Presse:
Farbe gegen Neonazi-Anwalt (ND-Bewegungsmelder, 26.05.2010) || PM zur Dieter Eich-Gedenk-Demo (24.05.2010) || Presseerklärung zur antifaschistischen Gedenkdemonstration vom 19.05.2010 || Vor zehn Jahren von Rechtsradikalen ermordet: Dieter Eich (Tagesspiegel, 23.05.2010) || In der eigenen Wohnung von Nazis erstochen (ND, 22.05.2010) || Gedenken nach Mord von Rechtsextremen (taz, 21.05.2010) || »Niemand ist vergessen« (jungeWelt, 21.05.2010)
Presse aus dem Jahr 2000: Tagesspiegel, 15.11.2000, Prozess gegen Rechtsextrem // Berliner Morgenpost, 15.11.2000, Saufen, raufen - töten // taz, 15.11.2000, Motivsuche bei rechten Tätern
Media:
Dieter Eich Gedenkdemo in Buch (2010,kanalB.org) ||Mobilisierungsvideo von Leftivsion || Interview mit Damion Davis von Spokenview || Video: Dach-Aktion bei LL-Demo || Gedenken in Buch 2009
Fotos:
23.05.2010 Demonstration (Medienkollektiv) || 23.05.2010 Demonstration || Bilder von den Aktionen im Gedenken an Dieter Eich 2000 – 2009
Radio:
Radiointerview bei Radio Corax (18 MB)
Ältere Aufrufe:
2009 NEA|| 2008 NEA || 2003 AANO || 2002 AANO
www.niemand-ist-vergessen.de || nea.antifa.de || siempre antifascista || ... weitere Links
Am 25.Mai 2000 ermordeten vier jugendliche Neonazis Dieter Eich in seiner Wohnung im Berliner Stadtteil Pankow-Buch. Vor Gericht gaben sie später an, sie hätten den 60-jährigen Sozialhilfeempfänger umgebracht, weil sie einen "Assi klatschen" wollten.
Zehn Jahre nach diesem Mord soll mit einer Gedenkdemonstration und weiteren Veranstaltungen sowohl die Erinnerung an die Tat wach gehalten werden, als auch die gesellschaftlichen Hintergründe aufgezeigt werden, die diese Tat erst ermöglichten.
Die Vorraussetzungen für solch einen Mord schaffen nicht in erster Linie gewaltbereite Neonazis, sondern auch ein tief in der Mehrheitsgesellschaft verwurzelter Arbeitsethos, der die Würde von Menschen größtenteils anhand ihrer Verwertbarkeit für den Kapitalismus misst. Die aktuelle Debatte um Hartz IV zeigt den staatlichen Ausdruck der Entwürdigung Erwerbsloser in diesem System. So empfahl beispielsweise Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin Hartz IV-Empfänger_innen öfter kalt zu duschen. Dies schmälere nicht nur die Staatsausgaben, sondern bringe auch die Körper der vermeintlich "Arbeitsscheuen" in Form. Roland Koch legte nach und forderte den sofortigen Arbeitszwang für Erwerbslose. SPD-Vize Hannelore Kraft hingegen empfahl unter Bezugnahme auf die allgemeine Arb eitsknapppheit, Hartz IV-Bezieher_innen sollten für ein entsprechendes Zubrot im Park Laub harken oder andere Tätigkeiten übernehmen. Was Kraft blumig als „Gemeinwohl-orientierten Arbeitsmarkt“ beschreibt, ist letzten Endes nichts anderes als die Forderung nach der Schaffung eines weiteren Niedriglohnsektors für Erwerbslose. Auf diese Weise wird in der Öffentlichkeit ein alles und jede_n umfassendes Wertesystem gefestigt, das (Lohn)arbeit zum höchsten Gut erhebt und Menschen, die nicht arbeiten können oder wollen von sozialer Teilhabe und dem gesellschaftlichem Reichtum ausschließt. Ohne diesen funktionalen Arbeitsethos wäre die staatliche und gesellschaftliche Ausgrenzung nicht Leistungsfähiger/ -bereiter, die alltägliche Konkurrenz aber auch die daraus resultierende Gewaltbereitschaft gegen sozial Ausgegrenzte nicht denkbar. Im Rahmen dieses mehrheitsgesellschaftlichen Diskurses wird es den Mörder_innen so genannter "Asozialer" ermöglicht und erleichtert, ihr Handeln öffentlich zu legitimieren.
Die Vorstellung, dass mensch um jeden Preis arbeiten müsse, so schlecht die Bedingungen auch sein mögen, hat eine lange Durchsetzungsgeschichte. Über Jahrtausende wurde bereitwillig (oder auch durch Zwang) wechselweise für Gott, Vaterland und zur Erhaltung des nationalen Standorts mühselig schwerste Arbeit verrichtet. Dieses Prinzip ist über eine lange Zeit durch und für Menschen geschaffen und erhalten worden – es zu beseitigen liegt darum in der Hand von jedem_jeder selbst. Es ist die Verantwortung von uns allen, Arbeitszwang, Leistungsdruck und soziale Ausgrenzung zu überwinden. So gilt es also auch mit den eigenen Zwangsvorstellungen zu brechen und dem Staat mit all seinen Schikanen, die er gegen vermeintliche „Sozialschmarotzer“ ausübt, eine klare Absage zu erteilen. Am 23. und 25.Mai wurde daher für eine Gesellschaft auf die Straße gegangen, die d en Anspruch in sich trägt, jegliche Form von Diskriminierung und Unterdrückung Geschichte werden zu lassen.
Der Mord an Dieter Eich steht in einer langen Reihe von Morden und Gewalttaten, die seit dem Mauerfall von Neonazis in Deutschland verübt wurden und reiht sich auch in eine seit Jahren nicht endende Welle rechter Morde in Europa ein. Verschiedene Gruppen wollen daher Dieter Eich gedenken, so wie allen anderen Opfern rechter und sozial-chauvinistischer Gewalt.
Informationen:
Niemand ist Vergessen!
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Aufruf zur bundesweiten Demonstration...
Der Mord
Es ist die Nacht auf Pfingstsonntag, den 11. Juni im Jahr 2000. Zwei 16-jährige Neonazis aus Wolfen verpassen ihren Zug und lernen einen 24-jährigen Neonazi aus Bad Liebenwerda kennen, der ebenfalls seinen Zug verpasst hatte. Gemeinsam beschließen die drei Angetrunkenen grölend durch die Stadt zu ziehen. Dabei schreien sie Parolen wie „hier marschiert der nationale Widerstand“, „Sieg Heil!“ und dergleichen durch die fast menschenleeren Straßen in Dessau (Sachsen-Anhalt).
Wenig später, gegen 1:45 Uhr treffen sie auf ihr Opfer, den gebürtigen Mosambikaner Alberto Adriano. Für die drei Neonazis damals Grund genug diesen zu beschimpfen und zu schlagen. Als Adriano zu Boden geht, treten die Täter – einer von ihnen mit Stahlkappenschuhen – minutenlang, vorwiegend auf seinen Kopf ein. Selbst als sich Adriano nicht mehr regt, lassen sie nur kurz von ihm ab. Sie kehren zu ihrem Opfer zurück, stehlen ihm seine Armbanduhr, treten wieder minutenlang unter rassistischen Beschimpfungen wie „du Negerschwein!“ auf ihn ein und entkleiden den bewusstlosen Mann.
Da Anwohner die Polizei alarmieren, können die drei Neonazis wenig später festgenommen werden. Noch in der gleichen Nacht kommen alle drei in Untersuchungshaft.
Alberto Adriano wird am 14. Juni 2000 aufgrund seiner schweren Kopfverletzungen für hirntot erklärt. Der Fleischer, der mit Unterbrechungen seit 1980 in Deutschland lebte, hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Als die Tat bekannt wird, mobilisieren Antifa und das „Bündnis gegen Rechtsextremismus“ (BgR) zu einem gemeinsamen Trauermarsch. Fünf Tage nach der Tat und zwei Tage nach Bekanntwerden des Todes von Alberto folgen dem Aufruf ca. 5000 Menschen. Im Anschluss bringen weit mehr als 1000 Antifaschist_innen in einer kraftvollen Demonstration ihre Wut zum Ausdruck.
10 Wochen nach dem Mord begann am 22. August 2000 in Halle der Prozess gegen die 3 Mörder Adrianos. Am 30. August 2000 werden alle drei Täter wegen gemeinschaftlichem Mord verurteilt. Die beiden 16-jährigen Frank Miethbauer und Christian Richter erhalten Haftstrafen von 9 Jahren, der 24-jährige Enrico Hilprecht erhält eine lebenslange Freiheitsstrafe. Alle 3 gaben als Motiv für den Mord an Alberto Adriano „Fremdenhass“ an.
10 Jahre später…..
10 Jahre nach dem Mord an Alberto Adriano hat sich nicht viel geändert. Migrant_innen, Antifaschist_innen, Homosexuelle, Obdachlose und Andersdenkende sehen sich immer noch Angriffen durch Neonazis und Rassisten ausgesetzt. In einem gesellschaftlichen Klima bestehend aus Alltagsrassismus, Antisemitismus und Homophobie, staatlich betriebener „Ausländerpolitik“ (die nichts anderes als institutioneller Rassismus ist), zwingt man Migrant_innen dazu, unter katastrophalen Lebensbedingungen in Lagern zu wohnen. So werden sie in die ständige Angst der Abschiebung in ihre vermeintlichen „Herkunftsländer“ versetzt, es werden Arbeitsverbote sowie Residenzpflicht verhängt und damit die sowieso schon mehr als prekäre Lebenssituation noch mehr verschlechtert, statt es ihnen möglich zu machen, ihre Lebensbedingungen selbst bestimmen zu können. Dazu kommen ständige Schikanen durch Ausländerbehörden oder rassistische Polizeikontrollen.
Die mediale Berichterstattung tut ihr Übriges. Durch Meldungen von „Türkenbanden“, „Drogen dealenden Schwarzafrikanern“ oder „Tätern mit osteuropäischem Akzent“ werden die in der deutschen Mehrheitsgesellschaft vorhandenen, rassistischen Vorurteile weiter geschürt und so der Weg für weitere Repressionen gegen Flüchtlinge geebnet.
Dessauer Zustände – Oury Jalloh und andere Polizeiskandale
Am 7. Januar 2005, also viereinhalb Jahre nach dem Mord an Alberto Adriano, wird der 36-jährige Oury Jalloh von der Dessauer Polizei in “Schutzhaft” genommen. Der Asylbewerber aus Sierra Leone wird in einer Gewahrsamszelle an Händen und Füßen „fixiert”. Nachdem in der Zelle ein Brand ausbricht, können anrückende Rettungskräfte nur noch Ourys Tod feststellen.
Nach offizieller Darstellung soll der medikamentös ruhiggestellte und fixierte Jalloh seine feuerfeste Matratze selbst beschädigt und angezündet haben. Das nötige Feuerzeug hätte einer der eingesetzten Beamten, Hans-Ulrich M. (42) bei der vorgeschriebenen Durchsuchung übersehen. Ein anderer Beamter, Andreas Sch. (44), soll mehrfach den Feueralarm ignoriert und die Gegensprechanlage abgeschaltet haben. Als dann doch reagiert wurde, wäre Jalloh nicht mehr zu retten gewesen. Er sei an einem Hitzeschock gestorben.
Bei vielen Menschen herrsch(t)en erhebliche Zweifel an dieser Version. Immerhin gab es im Herbst 2002 schon einmal einen Todesfall im Polizeirevier Dessau. Damals war der betrunkene, 36-jährige Mario B. in einem Park ausgeraubt und schwer zusammengeschlagen worden. Der Mann starb ein paar Stunden später in Polizeigewahrsam an den Folgen eines Schädelbruchs. Sowohl der Arzt Andreas B. als auch der diensthabende Polizeibeamte, die sich für die Gewahrsamszelle statt für eine Einweisung ins Klinikum entschieden hatten, sind auch am „Fall Jalloh“ beteiligt.
Verschiedene Akteure wie die „Initiative Oury Jalloh“ thematisieren den ungeklärten Tod Jallohs immer wieder. Deutsche und internationale Medien greifen dies auf. Trotzdem dauert es mehr als zwei Jahre, bis am 27.03.2007 vor dem Landgericht Dessau der Prozess gegen den damaligen Dienstgruppenleiter Andreas Sch. wegen Körperverletzung mit Todesfolge und einen weiteren Dessauer Polizisten wegen fahrlässiger Tötung (Feuerzeug) eröffnet wird.
Der von Widersprüchen geprägte Prozess wird fast zwei Jahre und 59 Prozesstage dauern. Am 8. Dezember 2008 wird der Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff sagen: “Das Gericht hätte trotz intensiver Bemühungen den Fall nicht aufklären können”. Und weiter: „Das Ganze hat mit Rechtsstaat nichts mehr zu tun.“ Die beiden Angeklagten werden freigesprochen.
Am 7. Januar 2010, dem fünften Todestag von Jalloh entscheidet der Bundesgerichtshof, dass der Fall vor dem Magdeburger Landgericht neu verhandelt werden muss, da bei der Dessauer Polizei mangelnde Aufklärungsbereitschaft vorliege.
In der Zwischenzeit bekommen Jallohs Freunde in Dessau die Dankbarkeit der Polizei zu spüren. So dringen Polizeibeamte mitte Dezember letzten Jahres ohne Durchsuchungsbefehl in das „Telecafé“ von Mouctah Bah in der Dessauer Innenstadt ein. Sie durchsuchen vier Stunden lang alle Anwesenden, darunter ein Kleinkind. Die Betroffenen müssen sich beleidigen lassen und teilweise sogar entkleiden. Drei Tage zuvor hatte Bah die Carl-von-Ossietsky-Medaille bekommen – für sein Engagement zur Aufklärung des Todes von Jalloh.
Wie weit der Korpsgeist bei der Dessauer Polizei geht, zeigte sich auch, als im Mai 2007 drei Staatsschutzbeamte, darunter der Leiter des Kommissariats, in andere Aufgabenbereiche versetzt wurden. Sie hatten sich gegen einen Vorgesetzten gewehrt. Der damalige leitende Polizeidirektor, Hans-Christoph Glombitza, soll auf steigende Fallzahlen im Bereich rechtsmotivierter Kriminalität reagiert haben, indem er ihnen nahelegte, man müsse „nicht alles sehen.“ Dass Glombitza dann noch das Anti-Rechts-Landesprogramm „Hingucken“ als „nur für die Galerie“ betitelte, erscheint bei diesen Zuständen fast als Treppenwitz der Provinzgeschichte.
Nazis verbieten? Antifa statt Verbote!
Immer wieder wird nach rechtsmotivierten Angriffen der Ruf nach härteren Strafen oder Verboten neonazistischer Organisationen, wie bspw. der NPD laut. Doch es ist nicht damit getan, Nazis in Knäste zu sperren oder sie zu verbieten. Knäste, sowie andere Formen von Zwangsanstalten dienen nur der vermeintlichen „Resozialisierung“, Isolation und Verdrängung gesamtgesellschaftlicher Probleme. Eine befreite Gesellschaft braucht keine Knäste.
Inzwischen sind zwei der drei Mörder Adrianos wieder frei und gehen ihrem „normalen“ Alltag nach. Sie haben sich bis heute nicht von ihrer Tat oder der Naziszene distanziert. Der dritte Mörder, Enrico Hilprecht, kann geradezu als Paradebeispiel für das Scheitern des Konzeptes Knast nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ gelten. Er gibt aus der Haft in Brandenburg/Havel das Neonazi-Knastfanzine „JVA-Report“ heraus. Das in Zusammenarbeit mit „Kameraden“ aus mehreren Bundesländern produzierte Heft veröffentlicht regelmäßig „Haftberichte“ anderer inhaftierter Neonazis aus der BRD und anderen Ländern, sowie die jeweils aktuelle „Gefangenenliste“ der „Hilfsgemeinschaft für nationale Gefangene“ (HNG).
Was es braucht, sind also zuallererst nicht staatliche, repressive Maßnahmen, sondern eine schonungslose Analyse der gesellschaftlichen Zustände und einen darauf aufbauenden, offensiven Umgang damit. Denn solange antisemitische, rassistische, xenophobe und sexistische, kurz menschenverachtende Denkmuster tief in der Mitte der Gesellschaft verankert sind, bieten sich immer wieder Anknüpfungspunkte für alte und „neue“ Nazis.
Aus antifaschistischer Sicht ist es daher notwendig, nicht nur Nazis und ihre Sympathisanten zu bekämpfen, sondern auch ihren Nährboden aufzuzeigen und anzugreifen. Wenn heute mit Hilfe des „Extremismus“-Begriffes antifaschistische Sitzblockaden in die selbe Schublade gepackt werden wie rassistische Hetztiraden und wenn die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist_innen“ (VVN – BdA) vom selben „Verfassungsschutz“ beobachtet wird wie Nazis, die den Holocaust leugnen oder gar verherrlichen, zeigt das, wie weit die deutsche Gesellschaft von einem ehrlichen Umgang mit sich selbst entfernt ist.
Angesichts der Verhältnisse ist klarer denn je:
Wir haben keinen Bock darauf, diese Zustände schweigend hinzunehmen.
Wir wollen dem rassistischen Alltag dort entgegen treten, wo er täglich spürbare Realität ist: auf den Straßen, in den Schulen, Ämtern, der Polizei, eben in dieser Gesellschaft.
Deswegen rufen wir zu einer bundesweiten, antifaschistischen Demonstration in Gedenken an Alberto Adriano und alle anderen Opfer rassistischer Gewalt auf.
Lasst uns ein deutliches Zeichen setzen
gegen Rassismus,
gegen jeden „Extremismus“-Begriff,
gegen den rechten Grundkonsens,
gegen Nazistrukturen,
und für ein konsequentes antifaschistisches Handeln in Dessau und anderswo!
Denn Antifaschismus ist nicht kriminell sondern notwendig!
Demonstration am 12.06.10 Treffpunkt: 13:00 Uhr HBF Dessau
Außerdem finden noch andere Veranstaltungen zum 10. Todestag Adrianos statt:
11. Juni 2010 ab 09.00 Uhr
TAGUNG IM STADTPARK
ausführliche Informationen hier… (
Anmeldeformular hier.. (
11. Juni 2010
ab 14.00 Uhr
GEDENKSTUNDE IM STADTPARK
alle Infos hier… (
12. Juni 2010
ab 14.00 Uhr
BENEFIZ-KONZERT IM STADTPARK
ausführliche Informationen hier… (
Infos:
neues Mobivideo zur Dieter Eich Gedenkdemo
Link zum Video:
Nachbarschaftshilfe
Interview mit dem Rapper Damion Davis von Spo
Damion Davis erzählt über seine Jugend in Buch.Von Jugendbanden, Neonazis, Naziclubs, die Zeit der Wende und wie ihn das geprägt hat. Zu dieser Zeit wurde auch Dieter Eich in seiner eigenen Wohnung ermordet.
Link zum Video:
Ergänzungen
Farbe:
Irrenoffensive:
... selbst Solidarität ist lebenswichtig
Dieter Eich war einer von vielen, die in Berlin der Ausgrenzung und der Stigmatisierung zum Opfer gefallen sind. In seinem Überlebenskampf war er einer Maschinerie von Repressalien und Auflagen gegenübergestellt, die ihm keine Sicherung des Lebens verschaffte, sondern die ihm jene Sicherheit auf zynische Art und Weise Stück für Stück nahm.
In Gedenken an Dieter Eich und dem Mord, ausgeübt von einem 18-jährigen Sohn eines BGS-Beamten, fanden die Genossen die passenden Worte für die Schuldigen, dem kapitalistischen System, der menschenverachtenden Politik hier in der BRD. Ebenso wurden alternative Ansätze dargeboten, die diesen katastrophalen Missständen entgegenwirken, eine Zukunft, in der Menschen eben nicht durch das Kapital ausgegrenzt werden und zum Opfer der vielen Mittäter werden können, die ihre Position innerhalb des sozial-ökonomisch politisch-wirtschaftlichen Systems darin wiederfinden, als Sklave seine Aufgaben zu verrichten und sich von seiner persönlichkeitsstiftenden Arbeit entfremden zu lassen.
Die zahlreichen Demonstrierenden hatten nur eines im Sinn, den Mord an Dieter Eich nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit antifaschistischen Bekenntnissen zu der politischen Lage in Deutschland und der Aufklärung über den Hintergrund des Mordes an Dieter Eich wehte der Gedanke ALERTA ANTIFASCISTA über Unsere Köpfe hinweg, hoch in die Betonbauten zu den Anwohnern, hinüber zu den Ordnungskräften und wohl auch ziemlich widerstandslos durch die Köpfe der Zivilbeamten, die sich mehr schlecht als recht versuchten, sich unbeteiligt zu beteiligen.
Die Aktion findet jedes Jahr statt, und darauf wird man sich auch für die Zukunft verlassen können, dass es immer Menschen geben wird, die diese Bewegung weiter unterstützen.
Das Rechtswörterbuch definiert Mordlust als „... die Freude an der Vernichtung eines Menschenlebens.“ Mordlust herrscht dann vor, wenn die Tötung aus Neugierde, einen Menschen töten zu sehen, aus Freude am Töten, Angeberei, Mutwillen oder Zeitvertreib heraus geschieht.(eigene Recherche ... Rechtspsychologie
Der Mord verjährt nicht, meist werden die Täter als schuldunfähig oder nur beschränkt schuldfähig verurteilt und in die forensische Psychiatrie überführt.
In einem Kommentar der Berliner Morgenpost heißt es, Mordlust und Sendungsbewusstsein seien Kennzeichen des radikalen Islamismus und weist auf die al-Qaida hin.
Daß Mordlust allerdings auch in einem sozusagen zivilisierten Rechtsstaat wie der BRD kein Tabu zu sein scheint, das belegt nicht nur der Mord an Dieter Eich am 25.05.2000. Mit Rücksicht auf das soziale Menschenbild betrachte ich die Täter als manipuliert, vor allem durch rechtsradikales faschistisches Gedankengut:
1. Mordlust mit sadistischen Fantasien News-ID: 754234 www.shortnews.de 06.03.09
Der Staatsanwalt nannte es Mordlust mit sadistischen Fantasien, der Richter sprach vom Übelsten an Menschenverachtung und Brutalität, als im April 2008 zwei rechtsradikale Schläger einen Hiphopper nahe Frankenberg zusammenschlugen, den bereits schwer verletzten zum Nackttanzen zwangen und ihm auf seinen Hinterkopf traten, während er in einen Bordstein beißen musste.
2. Mordlust als Motiv , Berliner Zeitung , 20. Januar 2009
Zwei Rechtsradikale haben in Templin einen Obdachlosen getötet. Die Staatsanwaltschaft wirft den Tätern gemeinschaftlichen Mord aus niederen Beweggründen vor. Sven P. wird zudem das Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen vorgehalten.
Ihre Verachtung gegenüber einem alkoholkranken, arbeitslosen Sozialhilfeempfänger hinderte die beiden Täter nicht, mit ihrem Opfer gemeinsam zu trinken. Sven P. hat zudem aus Mordlust getötet, sagt Staatsanwalt Kai Clement. Der 19-Jährige habe sehen wollen, wie ein Mensch stirbt. Wegen Befehlsverweigerung, misshandeln sie den Mann stundenlang auf brutale und menschenverachtende Weise.
Der parteilose Bürgermeister von Templin, Ulrich Schoeneich, hatte nach der Tat erklärt, es gebe in Templin keine Neonazi-Szene. Dabei hatten ihm Polizei und Bürgerinitiativen bescheinigt, die Stadt habe sich zu einer Hochburg der Rechtsradikalen entwickelt. Die Gruppe gewaltbereiter Rechter und Mitläufer umfasse etwa 50 Personen, so die Polizei.
Der Mord an Bernd K. erinnert an das grausame Verbrechen von Potzlow, das nicht weit von Templin entfernt liegt. Im Juli 2002 hatten drei Rechtsextremisten den 16-jährigen Marinus Schöberl gefoltert, getötet und in einer Jauchegrube verscharrt. Einer der Täter kommt aus Templin.
Wie kann man diese Taten vergesellschaften, wie kann man die soziale Ausgrenzung als ein Ergebnis staatlicher Repressionen für gut befinden, wenn man doch alltäglich miterleben muss, dass Menschen hingerichtet, gefoltert und zudem ihrer eigenen Identität beraubt werden. Noch dazu nimmt man ihnen dadurch das Recht zur Selbstbestimmung, indem man ihnen den sozialen Lebensraum zerstört, ihnen dadurch die Sicherheit wegnimmt, wodurch rechtsradikale Morde wie bei Dieter Eich erst möglich werden. Das soll keineswegs heißen, dass diese Faschoschweine aus ihrer Verantwortung herausgenommen werden können, im Gegenteil:
Es zeigt, wie leicht sich rechtsradikales Gedankengut in dieser unseren Gesellschaft in die Praxis lässt !
Weiterer Mord an Obdachlosem
28.05.2010, spiegel-online
(Kamp-Lintfort) Jugendlicher soll Obdachlosen aus Langeweile getötet haben
Rückblick der AJB
Wie die spätere Aufklärung dieses Mordes bewies, ließen sich die Täter allein von ihrem Hass auf den „Assi“ leiten, den sie zunächst eigentlich ‚nur‘ „abklatschen“ wollten. Aus Angst vor den rechtlichen Folgen entschieden sie sich, den einzigen Tatzeugen – das Opfer Dieter Eich – zu beseitigen. Sie brachten ihn deshalb kaltblütig um.
Eine pikante Sache an der Geschichte ist, dass es allen voran den damals aktiven AntifaschistInnen und JournalistInnen zu verdanken ist, dass dieser Mord nicht nur als das Resultat einer dumpfen Übergriffigkeit von alkoholgetränkten Angehörigen der ‚Unterschicht‘ abgehandelt wurde. Nur zu gern hätten die Repräsentanten des deutschen Bürgertums die viel weiter reichenden und in gesellschaftlichen Bedingungen wurzelnden Beweggründe für den Mord an einem Sozialhilfeempfänger unter den Teppich gekehrt. Immerhin neigen solche ‚Vorfälle‘ für gewöhnlich dazu, das Ansehen und die Attraktivität einer Stadt – erst recht im ‚geläuterten‘ Deutschland – in den schmutzigen Abgrund der deutschen Wirklichkeit hinabzuziehen. Eine opferfeindliche Praxis ist das, die wir nur zu gut aus unseren eigenen Gefilden kennen, wo die Staatsanwaltschaft im Fall des Mordes an Josef Anton Gera tatsächlich der Meinung war, das offen eingestandene Motiv der Homophobie sei lediglich eine „Schutzbehauptung“ der Täter gewesen.
Neben dieser erkennen wir auch andere Parallelen im Umgang mit den Morden an Eich und Gera (nicht zu vergessen: Thomas Schulz, ermordet: 2005), die in unserem Beitrag zur Broschüre der NEA dargelegt ist.
Die Geschichte des Mordes an Dieter Eich führt uns vor Augen, wie wenig aufgearbeitet die Geschichte des Bochumers Josef Anton Gera eigentlich ist. Wir können bis Weilen immer noch nicht genügend beschreiben, wer er war. Gab es Menschen in seinem Umfeld, die um ihn trauerten? Wie kam es dazu, dass er am Abend, als er fast tot geprügelt wurde, zuvor noch mit seinen Peinigern trank und feierte? Warum wurde er im Krankenhaus augenscheinlich nicht entsprechend seines gesundheitlichen Zustandes behandelt? All dies ist eigentlich nötig um Gera ein würdiges Gedenken am 16.10.2010 in Bochum angedeihen zu lassen.
Die Demonstration am Sonntag, die am 10. Todestag (!) mit etwa 300 TeilnehmerInnen verhältnismäßig viele Menschen in einen nicht gerade zentral gelegenen Stadtteil zog, führte uns in den vielen gehaltenen Redebeiträgen sehr nah vor Augen, „wie das damals war“. Es gab am Rande der Demo kleinere Provokationen von Nazis, auf die die Demonstration aber nur in soweit einging, als dass sie den AnwohnerInnen in Reden erläuterte, was von (solchen) Deutschen zu halten ist.
Schon im Vorfeld und bei der Mobilisierung zur Demo fiel uns auf, wie ernsthaft und tiefgehend die Analyse der gesellschaftlichen und historischen Bedingungen betrieben wurde, in deren Kontext der Mord an Eich zu verorten ist. Schmal ist der Grad zwischen einem ehrlichen und würdevollen antifaschistischen Gedenken, bei dem die tieferliegenden Gründe nicht hintenüber fallen, und andererseits einer bloßen Instrumentalisierung des Opfers zum Zwecke der Agitation. Im ersteren Sinne ist die Demonstration aus unserer Sicht sehr gelungen.
In diesem Sinne bedanken wir uns bei den OrganisatorInnen des Bündnisses Niemand ist Vergessen! für diesen Beitrag.
Mögen Dieter Eich, Josef Anton Gera, Thomas Schulz und all die anderen Opfer faschistischer und rassistischer Gewalt uns immer in Erinnerung bleiben.
Behinderter von Nazis zu Brei getreten
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Keiner denk dran — Keiner sieht es
hehe — huu