(Bln) Mediaspree: Carlofts neben Twintowers?

Orel Aquila 14.05.2010 18:30 Themen: Freiräume Soziale Kämpfe
In zwei vorherigen Beiträgen zur Entwicklung der Spreeufer ging es bereits um den Treptower Bereich zwischen Lohmühleninsel und Elsenbrücke. Die Berliner Morgenpost hatte gemeldet, dort sei ein zweites Carlofts-Bauvorhaben zwischen den Bürohochhäusern Allianz Treptowers und Twintowers geplant. Es war aber nicht ganz klar, um welches Grundstück es sich dabei handelt. Recherchen haben hier einige neue Infos ergeben, die wir euch nicht vorenthalten möchten.
Vorangehend hat es zwei Indy-Artikel gegen, an die wir hier anschließen möchten:
"MediaSpree" - der Protest geht weiter vom 12.4.2010 mit dem Absatz "Unbebautes Grundstück Adler Real Estate"
"CarLofts" am Spreeufer/ Fotos MediaSpree vom 24.4.2010

Die Informationen der beiden Artikel sind aber noch nicht miteinander verknüpft und auch nicht mit neuen Recherchen unterfüttert worden.

Gefunden: Die alten Pläne und neueren Verkaufsabsichten der Adler AG

Die Adler Real Estate AG scheint gleich zwei Grundstücke nebeneinander zu haben, beide an der Fanny-Zobel-Straße zwischen Treptowers und Twintowers. Es gibt auch noch eine Projektbeschreibung mit architektonischem Entwurf, die aber einige Jahre alt sein dürfte.

Daraus geht mit einigem Zusammenreimen hervor, dass es sich bei dem zu bebauenden Grundstück aller Wahrscheinlichkeit nach um das langgestreckte Grundstück am Ufer dreht, während der fast quadratische Block abseits des Ufers als Grünfläche angedacht war. (Die Abbildungen dazu sind auch unten noch angehängt.)

In den Geschäftsberichten der Adler AG zeigt sich, dass sie seit vielen Jahren nur noch den Verkauf des Grundstücks anvisieren, aber zur Wertsteigerung noch einen besonders günstigen Bebauungsplan beim Bezirksamt Treptow-Köpenick heraus leiern wollen. Möglich wäre dabei natürlich noch, dass die Immobilienheinze den Plan für die Grünfläche zu kippen versuchen und darüber die mögliche Bebauungsdichte noch erhöhen wollen (höhere Ausnutzbarkeit = höherer Grundstückswert).

Das Planwerk Innenstadt von 2008 (s.u.) zeigt jedenfalls noch hinter den 18 Stockwerke hohen Türmen am Ufer eine Grünfläche an, und diesen Planungsstand haben sie sich dabei nicht selbst ausgedacht, sondern ihn wahrscheinlich von den noch in Aufstellung befindlichen Bezirksplänen übernommen. Anfang der 90er Jahre war hier noch kene Grünfläche vorgsehen, wie der städtebauliche Entwurf von Gerhard Spangenberg zeigt.

Luxus-Wohnen, weil Büros nicht mehr ziehen

Im Berlin der Nach-Wende-Zeit waren Hochhausplanungen immer für Büros vorgesehen. Fraglich ist aber, ob in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch jemand so große Bürogebäude an der Spree realisieren wird. Es ist bekannt, dass es sowohl im Allianz Treptower auch in den Twintowers in den letzten Jahren viel Leerstand gegeben hat. Und Hochhäuser sind nun mal vom Bauaufwand teurer als halbwegs normale Gebäude (Anteil der inneren Erschließungsflächen ist höher, also weniger vermietbare Fläche bei höheren Baukosten). Aber weil Büros nicht mehr genügend ziehen, will man es jetzt offenbar mit Luxuswohnen und Hotellerie versuchen.

Der eine Satz im Morgenpost-Artikel lässt aufhorchen: "Das Gebäude soll in der Nachbarschaft der Twin Towers errichtet werden und nur wenig höher als diese Bauten werden." Das klingt verdammt nach dem Ufergrundstück und einer Höhe von 18 Stockwerken oder mehr. Unklar bleibt, ob es die gesamte Breite des Grundstücks betreffen würde oder nur die Hälfte davon.

Hochhaus-Carloft: 1A Feindbild

Es klingt etwas grotesk: Während die Hochhausplanungen auf der einen Seite viel abschreckender wirken als normale Berliner Bauhöhen und darüber eher Widerstand provozieren, sind sie im "Mediaspree"-Gebiet andererseits für gewöhnlich die beste Voraussetzung dafür, dass sich auf absehbare Zeit niemand fürs Investieren und Bauen interessiert: Zu teuer, zu aufwendig, zu viel Risiko. Lieber abwarten.

Sollten tatsächlich Carlofts in einem Hochhaus geplant werden, wäre dies jedoch ein Glücksgriff für den Widerstand: Ein abschreckenderes Projekt wäre ja kaum noch vorstellbar, die geballte Wut der Leute wäre dem Bauvorhaben gewiss.

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Ergänzungen

Termine....

MediaSpree besetzen 16.05.2010 - 21:41
Hier ein Überblick über die nächsten Termine im Rahmen der Kampagne "MediaSpree entern!". Das alles sind öffentliche Termine, die auch ins Netz gestellt werden können und sollen.

Montag, 19.05. 17h NewYorck/ Bethanien
Offenes Treffen der Arbeitsgruppe "Aktionen im Vorfeld des Aktionstages"

Freitag, 21.5. um 19h NewYorck/ Bethanien
Nächstes allgemeines Kampagnentreffen MS entern

Samstag, 22.5. um 14h ab Boxi (F'hain)
Fahrrad-Kiezdemo rüber nach Kreuzberg mit Flyer verteilen für MS entern

Samstag, 22.5. um 17h Wrangel Ecke Cuvrystraße (K'berg)
Ideensammlung "Was will ich am Spreeufer?" mit Straßenmalkreide

(Achtung: beide Samstags-Termine (22.5.) waren ursprünglich für Sonntag
geplant und wurden wegen des Karneval der Kulturen auf Samstag verschoben)

Montag, 24.4., 20h NewYorck/ Bethanien
Info-Veranstaltung, VoKü, Bingo

Dienstag, 25.5. 19h Kptn (Simon-Dach 32)
Infoveranstaltung

Freitag, 28.5. um 19h NewYorck/ Bethanien
Allgemeines Kampagnentreffen MS entern

Samstag, 29.5., Görli (Uhrzeit im Stressi oder auf unserer Homepage)
"Aktionstraining"

Dienstag, 01.6., 19.30h, SO36
Grosse abschliessende Info- und Diskussionsveranstaltung

Samstag, 5.6. ab ca. 13.30h
MediaSpree entern!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 3 Kommentare

Aus den Geschäftsberichten der Adler AG

Orel Aquila 14.05.2010 - 19:17
Aus dem Konzern-Finanzbericht für 2006 (PDF):
Berlin, Fanny-Zobel-Straße: Das knapp 4.000m2 große Grundstück unmittelbar an der Spree ist für Gewerbe-, Hotel- oder Wohnbebauung ausgewiesen. Das Umfeld entwickelte sich auch 2006 weiter so positiv, so dass die ADLER AG im Konzern eine wirtschaftliche Nutzung bzw. Projektentwicklung intensiv geprüft hat. Dabei hat sich ergeben, dass eine deutliche Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten und auch der Wirtschaftlichkeit dann gegeben ist, wenn sich die Grundeigentümer im unmittelbaren Umfeld auf ein Konzept zur Entwicklung des gesamten Quartiers verständigen könnten. Der ADLER Konzern ist mit einem in Berlin ansässigen Projektentwickler ein Joint Venture zur Entwicklung und Realisierung solch einer Quartierslösung eingegangen."
Aus dem Konzern-Finanzbericht für 2007 (PDF):
Berlin, Fanny-Zobel-Straße: Im Berichtsjahr konnte erreicht werden, dass das noch in der vorzeitigen Planreife befindliche Baurecht für das Gesamtareal im Rahmen eines B-Planverfahrens neu aufgestellt wird. Die inzwischen mit einem lokalen Partner entwickelte architektonische Konzeption würde dann in den neuen B-Plan mit einfließen. Die baurechtliche Umsetzung würde eine deutlich erhöhte bauliche Ausnutzung für das Grundstück und damit eine erhebliche Wertsteigerung des Grundstücks bedeuten. Gleichzeitig ist für das gesamte Umfeld auf beiden Seiten der Spree ein Aufschwung und starkes Investoreninteresse zu spüren. Dieses insgesamt als Mediaspree bezeichnete Areal ist inzwischen nahezu vollständig beplant, viele neue Projekte wurden realisiert oder befinden sich im Bau."
Aus dem Konzern-Finanzbericht für 2008 (PDF):
Berlin, Fanny-Zobel-Straße: Das bei den „Molecule Men“ gelegene Grundstück ist inzwischen eines der wenigen noch unbebauten Areale mit direktem Spreezugang – eine besondere Lage, die den Wert der Immobilie stabilisiert. Das Bebauungsplanverfahren für das Grundstück ist durch den allgemeinen politischen Aufruhr um das Mediaspree-Bürgerbegehren im Berichtsjahr etwas verzögert worden. Inzwischen konnten aber die behördeninternen Abstimmungen für den neuen B-Plan nahezu abgeschlossen werden, sodass 2009 mit Inkrafttreten des B-Planes gerechnet werden kann. Die bisher recht aussichtsreich geführten Verkaufsverhandlungen sind durch die Finanzkrise etwas ins Stocken geraten. Wir gehen aber davon aus, dass die gute Lage einerseits und das sich konkretisierende Baurecht andererseits einen Verkauf in 2009 möglich machen."
Aus dem Konzern-Finanzbericht für 2009 (PDF):
Berlin, Fanny-Zobel-Straße: Das bei den „Molecule Men“ gelegene Grundstück ist inzwischen eines der wenigen noch unbebauten Areale mit direktem Spreezugang – eine besondere Lage, die den Wert der Immobilie stabilisiert. Das Bebauungsplanverfahren für das Grundstück war durch einen allgemeinen politischen Aufruhr um ein Bürgerbegehren im Jahr 2008 etwas verzögert worden. Als Voraussetzung für die aus der Abwägung der Einwände aus der Trägerbeteiligung erforderlich gewordenen Änderungen wurde im September 2009 ein Änderungsbeschluss gefasst. Die Abwägung ist bis auf kleine Details abgeschlossen. Behördenintern wurde zunächst noch davon ausgegangen, dass dieser Verfahrensschritt in 2009 abgeschlossen werden kann, was dann letztendlich jedoch noch nicht erfolgt ist. Die Behörde bereitet gegenwärtig einen städtebaulichen Vertrag für unser Grundstück vor, der die Errichtung des Spielplatzes und die Überund Unterbaubarkeit des Straßengrundstücks zwischen unseren Flurstücken regeln soll. Es wird mit der Verabschiedung des Bebauungsplanes im ersten Halbjahr 2010 gerechnet. Parallel streben wir einen Verkauf des Grundstücks an und verhandeln mit potenziellen Investoren."

Man muss diese Berichte allerdings grundsätzlich so lesen, dass sie den Aktionären die Lage rosig zu reden versuchen. Zudem war die Adler Real Estate 2007 ganz empfindlich ins Schlingern geraten. Ihr Aktienkurs war von über 4 Euro auf unter 1 Euro eingebrochen und lungert zur Zeit nur noch mit 0,61 Euro im Keller herum. Die Finanzberichte versuchen den Aktionären eine gute Situation vorzugaukeln, damit nicht noch mehr von ihnen abspringen. So sind auch die immer wieder genannten Wertsteigerungs- und Verkaufserwartungen zu lesen. So wäre nicht mal auszuschließen, dass die Immo-Fritzen der Adler AG selbst eine Meldung lancieren könnten, um dem miesen Geschäftsklima etwas Auftrieb zu geben.

Und was bringt es dir?

Gegenfrage 15.05.2010 - 12:46
Mir ist es latte fitz egal wenn irgendwo Carlofts gebaut werden, sei es drum.

Ich sehe hier ehrlich gesagt kein Problem ausser irgendeiner Paranoia.

Was solls?

reiner 16.05.2010 - 11:17
mir sind an dieser Stelle die Carlofts lieber als wenn noch mehr vor unserer Haustür (So36) entstehen würden. Zwischen all den Neu- und Bürobauten stören sie nicht. Und ein Feindbild stellen sie wohl nur für die dar, die leider nur über einen rechteingeschränkten Horizont verfügen.