Berliner Euromayday – Pause oder Ende?
Vier Jahre wurden in Berlin von einem Bündnis verschiedener linker, sozialer und postautonomer Gruppen am 1. Mai die Mayday-Paraden gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse organisiert. In diesem Jahr wird es in Berlin keine Mayday-Parade geben. Am Mittwochabend wurde in Berlin im Rahmen des Roten Abend der Internationalen KommunistInnen (www.interkomm.tk) über die Gründe und die Perspektive des Mayday debattiert.
Die veranstaltende Gruppe war neben der Gruppe fels (
http://fels.nadir.org/ ) von Anfang an der Organisierung des Berliner Mayday beteiligt.
Für die Gruppe Internationale KommunstInnen begründete ein Genosse ihre Motivation an der Beteiligung an der in der Berliner Linken immer heiß diskutierten Mayday-Parade und stellte die Aktion in einen internationalen Kontext. Der Mayday entstand im Jahr 2001 mit dem Anspruch, die Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse von immer Menschen auf die Straße zu tragen. Damit war auch deutlich geworden, dass sich durch die Veränderung der Arbeitsverhältnisse, die immer mit dem Schlagwort Postfordismus unpräzise beschrieben wurden, viele Lohnabhängige in prekären Jobs von dem erodierenden klassischen Gewerkschaftsmilieu nicht mehr repräsentiert fühlten. Die ProtagonstInnen verlangten dabei aber nicht eine bessere Repräsentation sondern suchen Möglichkeiten und Wege, sich selber auszudrücken. Die Mayday-Bewegung vor allem in Spanien und Italien sei der konkrete Ausdruck davon gewesen.
Das leere Plakat
Ein Genosse von fels brachte diese Ablehnung jeder Repräsentation mit der Metapher des leeren Plakats gut auf dem Punkt. Anders als auf DGB-Demonstrationen oder auch auf der revolutionären 1.Mai Demo in Berlin gab es wenig vorgedruckte Plakate und Schilder. Dafür gab es leere Flächen und Stifte, mit denen die ProtagonistInnen selber kreativ ihre Forderungen und Anliegen aufschreiben konnten und davon auch rege Gebrauch gemacht haben. Überhaupt fand die Gruppe fels den Ablauf der Paraden im großen Ganzen in Ordnung. Es habe Spaß gemacht, und trotzdem seien politische Forderungen vermittelt worden. Dass es dieses Jahr keine Mayday-Parade gibt, lag denn auch nicht an den Paraden sondern an dem, was in der Zwischenzeit, also 364 Tage im Jahr lief oder eben nicht. Der Maydayprozess, also die Organisierung von Menschen in prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnissen das ganze Jahr über, funktionierte schlecht. Es gab immer wieder punktuelle Organisationsversuche, aber eben keinen kontinuierlichen Prozess. Dass wiederum hatte zur Folge, dass jedes Jahr im Frühjahr linke politische Gruppen für die Vorbereitung des Mayday zuständig waren. Mit der diesjährigen Pause soll auch Raum geschaffen werden, um über neue Wege der Organisierung von Prekären nachzudenken.
Fels will in den nächsten Monaten mit dem Instrument der Militanten Untersuchung in soziale Auseinandersetzungen intervenieren. Dazu sollen im Umfeld von Jobcentern Menschen in prekären Lebensverhältnissen über ihren Umgang damit auf individueller aber auch kollektiver Basis befragt werden. Dabei machte der Genosse von fels deutlich, dass es sich bei den Militanten Untersuchungen nicht um eine teilnehmende Befragung handelt. Wie in Italien, wo diese Methode in den 70er Jahren eingesetzt wurde, soll damit soziale Veränderungsprozesse eingeleitet werden. Allerdings haben die GenossInnen noch kein festes Konzept. Die Ergebnisse der Militanten Untersuchung werden darüber entscheiden. So kann es sein, dass es im nächsten Jahr wieder eine Mayday-Parade geben wird. Lassen wir uns überraschen.
Dass es daran Interesse gibt, zeigten Reaktionen aus dem Publikum. Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten betonten, dass sie etwas vermissen, wenn es keinen Mayday gibt, darunter auch Eva Willig vom Notruftelefon gegen Zwangsumzüge bei Hartz IV-BezieherInnen. Sie betonte, dass das Konzept der Selbstrepräsentation ihr sehr zugesagt habe und dass auch aus ihren Bekanntenkreis viele Menschen das ähnlich gesehen haben. Sie habe auch Paradenform nicht abgeschreckt, auch wenn sie keine Technomusik mögen.
Gewerkschaften nicht rechts liegen lassen
An diesem Punkt hatte die Kritik der Internationalen KommunistInnen an der Mayday-Parade angesetzt. Durch die Paradenform sei es schwer gewesen, auch Menschen in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen zu erreichen, die in Fabriken, im Einzelhandel oder anderen sogenannten alten Arbeitsverhältnissen eingebunden waren. Denn, so die Analyse des Genossen, prekäre Arbeitsverhältnisse seien heute auch dort alltäglich. Und auch LeiharbeiterInnen werden oft von den klassischen DGB-Gewerkschaften nicht repräsentiert.
Dabei betonten die Internationalen KommunistInnen, dass sie auch die Gewerkschaftsbasis nicht rechts liegen lassen wollen. Deshalb beteiligen sie sich am klassenkämpferischen Block (www.klassenkampfblock.blogsport.de) auf der DGB-Demo. Ihre Versuche, nach dem Vorbild des Marsches der Ungehorsamen in den 90er Jahren, eine gewerkschaftliche aber nicht vom DGB kontrollierte Demo am 1. Mai zu organisieren, hat nicht genügend Unterstützung bekommen. Daher habe man sich entschieden, für einen starken klassenkämpferischen Block auf der DGB-Demo zu mobilisieren. Dort soll der Schmusekurs der Gewerkschaftsführung kritisiert werden und es sollen die Prozesse der gewerkschaftlichen Selbstorganisation an der Basis unterstützt werden. Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob sich die Lohnabhängigen in DGB-Gewerkschaften organisieren, wie bei Daimler in Berlin-Marienfelde, ob sie sich wie im Kino Babylon-Mitte in der FAU oder ob sie sich gar nicht in Gewerkschaften organisieren.
Auch auf der „Revolutionären Demo“ um 18 Uhr soll es einen Klassenkampfblock geben, der auch dort politisch und organisierend vermitteln soll, dass eine Umwälzung der Gesellschaft ein langer, komplizierter Prozess ist, der eben nicht in einer Kreuzberger Mainacht ausgefochten.
Von umgestürzten Verhältnissen oder Mülltonnen
Ein Genosse von der Jungen GEW Berlin (
http://www.gew-berlin.de/junge-gew.htm ) auf dem Podium hat es so auf den Punkt gebracht. Es dürfen umgestürzte Mülltonnen nicht mit dem Umsturz aller gesellschaftlichen Verhältnisse verwechseln, in denen der Menschen unterdrückt und ausgebeutet wird. Die GEW, die allen Vorurteilen zum Trotz eben nicht mehr eine Gewerkschaft von verbeamteter LehrerInnen ist, sondern auch viele prekär Arbeitende Menschen im sozialen und Wissenschaftsbetrieb organisiert, hat das Thema Prekarisierung also längst in ihre eigene Organisation eingeholt. Die Junge GEW Berlin hat sich im letzten Jahr auch am Euro - Mayday- beteiligt und will sich in diesem Jahr am klassenkämpferischen Block beteiligen.
Als ein vorläufiges Fazit der Diskussionsveranstaltung kann gelten: Der Berliner Mayday macht in diesem Jahr Pause, der Widerstand gegen prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen nicht. Ob es im nächsten Jahr wieder einen Mayday gibt wird auch daran liegen, ob sie sich verbinden und ob sie im Mayday ihr Forum sehen, wo sie sich selber repräsentieren können. Die Debatte ist eröffnet und sollte auch nicht nach dem 1. Mai abebben.
http://fels.nadir.org/ ) von Anfang an der Organisierung des Berliner Mayday beteiligt. Für die Gruppe Internationale KommunstInnen begründete ein Genosse ihre Motivation an der Beteiligung an der in der Berliner Linken immer heiß diskutierten Mayday-Parade und stellte die Aktion in einen internationalen Kontext. Der Mayday entstand im Jahr 2001 mit dem Anspruch, die Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse von immer Menschen auf die Straße zu tragen. Damit war auch deutlich geworden, dass sich durch die Veränderung der Arbeitsverhältnisse, die immer mit dem Schlagwort Postfordismus unpräzise beschrieben wurden, viele Lohnabhängige in prekären Jobs von dem erodierenden klassischen Gewerkschaftsmilieu nicht mehr repräsentiert fühlten. Die ProtagonstInnen verlangten dabei aber nicht eine bessere Repräsentation sondern suchen Möglichkeiten und Wege, sich selber auszudrücken. Die Mayday-Bewegung vor allem in Spanien und Italien sei der konkrete Ausdruck davon gewesen.
Das leere Plakat
Ein Genosse von fels brachte diese Ablehnung jeder Repräsentation mit der Metapher des leeren Plakats gut auf dem Punkt. Anders als auf DGB-Demonstrationen oder auch auf der revolutionären 1.Mai Demo in Berlin gab es wenig vorgedruckte Plakate und Schilder. Dafür gab es leere Flächen und Stifte, mit denen die ProtagonistInnen selber kreativ ihre Forderungen und Anliegen aufschreiben konnten und davon auch rege Gebrauch gemacht haben. Überhaupt fand die Gruppe fels den Ablauf der Paraden im großen Ganzen in Ordnung. Es habe Spaß gemacht, und trotzdem seien politische Forderungen vermittelt worden. Dass es dieses Jahr keine Mayday-Parade gibt, lag denn auch nicht an den Paraden sondern an dem, was in der Zwischenzeit, also 364 Tage im Jahr lief oder eben nicht. Der Maydayprozess, also die Organisierung von Menschen in prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnissen das ganze Jahr über, funktionierte schlecht. Es gab immer wieder punktuelle Organisationsversuche, aber eben keinen kontinuierlichen Prozess. Dass wiederum hatte zur Folge, dass jedes Jahr im Frühjahr linke politische Gruppen für die Vorbereitung des Mayday zuständig waren. Mit der diesjährigen Pause soll auch Raum geschaffen werden, um über neue Wege der Organisierung von Prekären nachzudenken.
Fels will in den nächsten Monaten mit dem Instrument der Militanten Untersuchung in soziale Auseinandersetzungen intervenieren. Dazu sollen im Umfeld von Jobcentern Menschen in prekären Lebensverhältnissen über ihren Umgang damit auf individueller aber auch kollektiver Basis befragt werden. Dabei machte der Genosse von fels deutlich, dass es sich bei den Militanten Untersuchungen nicht um eine teilnehmende Befragung handelt. Wie in Italien, wo diese Methode in den 70er Jahren eingesetzt wurde, soll damit soziale Veränderungsprozesse eingeleitet werden. Allerdings haben die GenossInnen noch kein festes Konzept. Die Ergebnisse der Militanten Untersuchung werden darüber entscheiden. So kann es sein, dass es im nächsten Jahr wieder eine Mayday-Parade geben wird. Lassen wir uns überraschen.
Dass es daran Interesse gibt, zeigten Reaktionen aus dem Publikum. Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten betonten, dass sie etwas vermissen, wenn es keinen Mayday gibt, darunter auch Eva Willig vom Notruftelefon gegen Zwangsumzüge bei Hartz IV-BezieherInnen. Sie betonte, dass das Konzept der Selbstrepräsentation ihr sehr zugesagt habe und dass auch aus ihren Bekanntenkreis viele Menschen das ähnlich gesehen haben. Sie habe auch Paradenform nicht abgeschreckt, auch wenn sie keine Technomusik mögen.
Gewerkschaften nicht rechts liegen lassen
An diesem Punkt hatte die Kritik der Internationalen KommunistInnen an der Mayday-Parade angesetzt. Durch die Paradenform sei es schwer gewesen, auch Menschen in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen zu erreichen, die in Fabriken, im Einzelhandel oder anderen sogenannten alten Arbeitsverhältnissen eingebunden waren. Denn, so die Analyse des Genossen, prekäre Arbeitsverhältnisse seien heute auch dort alltäglich. Und auch LeiharbeiterInnen werden oft von den klassischen DGB-Gewerkschaften nicht repräsentiert.
Dabei betonten die Internationalen KommunistInnen, dass sie auch die Gewerkschaftsbasis nicht rechts liegen lassen wollen. Deshalb beteiligen sie sich am klassenkämpferischen Block (www.klassenkampfblock.blogsport.de) auf der DGB-Demo. Ihre Versuche, nach dem Vorbild des Marsches der Ungehorsamen in den 90er Jahren, eine gewerkschaftliche aber nicht vom DGB kontrollierte Demo am 1. Mai zu organisieren, hat nicht genügend Unterstützung bekommen. Daher habe man sich entschieden, für einen starken klassenkämpferischen Block auf der DGB-Demo zu mobilisieren. Dort soll der Schmusekurs der Gewerkschaftsführung kritisiert werden und es sollen die Prozesse der gewerkschaftlichen Selbstorganisation an der Basis unterstützt werden. Dabei wird kein Unterschied gemacht, ob sich die Lohnabhängigen in DGB-Gewerkschaften organisieren, wie bei Daimler in Berlin-Marienfelde, ob sie sich wie im Kino Babylon-Mitte in der FAU oder ob sie sich gar nicht in Gewerkschaften organisieren.
Auch auf der „Revolutionären Demo“ um 18 Uhr soll es einen Klassenkampfblock geben, der auch dort politisch und organisierend vermitteln soll, dass eine Umwälzung der Gesellschaft ein langer, komplizierter Prozess ist, der eben nicht in einer Kreuzberger Mainacht ausgefochten.
Von umgestürzten Verhältnissen oder Mülltonnen
Ein Genosse von der Jungen GEW Berlin (
http://www.gew-berlin.de/junge-gew.htm ) auf dem Podium hat es so auf den Punkt gebracht. Es dürfen umgestürzte Mülltonnen nicht mit dem Umsturz aller gesellschaftlichen Verhältnisse verwechseln, in denen der Menschen unterdrückt und ausgebeutet wird. Die GEW, die allen Vorurteilen zum Trotz eben nicht mehr eine Gewerkschaft von verbeamteter LehrerInnen ist, sondern auch viele prekär Arbeitende Menschen im sozialen und Wissenschaftsbetrieb organisiert, hat das Thema Prekarisierung also längst in ihre eigene Organisation eingeholt. Die Junge GEW Berlin hat sich im letzten Jahr auch am Euro - Mayday- beteiligt und will sich in diesem Jahr am klassenkämpferischen Block beteiligen. Als ein vorläufiges Fazit der Diskussionsveranstaltung kann gelten: Der Berliner Mayday macht in diesem Jahr Pause, der Widerstand gegen prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen nicht. Ob es im nächsten Jahr wieder einen Mayday gibt wird auch daran liegen, ob sie sich verbinden und ob sie im Mayday ihr Forum sehen, wo sie sich selber repräsentieren können. Die Debatte ist eröffnet und sollte auch nicht nach dem 1. Mai abebben.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Veranstaltungsreihe zum 1. Mai
Veranstaltungsreihe zum 1. Mai in Berlin vom 6.4. - 27.4.2010
trend
onlinezeitung
Der Kapitalismus hat abgewirtschaftet. Um dies zu wissen, bedurfte es der Krise nicht. Doch im Bewußtsein der lohnabhängigen Massen, sowohl bei dem Teil, der seine Arbeitskraft noch verkauft bekommt, als auch bei dem überflüssig gemachten Teil, mangelt es an einer praktischen Alternative zum Lohnsystem. So sitzen die ProletarierInnen gleichsam in einem selbst geschaffenen Gehäuse fest und wagen den Ausbruch nicht. Die radikale Linke nimmt dies zur Kenntnis und reagiert in altbewährter Manier: Nur nicht miteinander über strategische Fragen kommunizieren. Auf keinen Fall zusammen eine sozialemanzipatorische Praxis entfalten, die eine Verbindung zu den Kämpfen der lohnabhängigen Klasse herstellt.
Mit unserer Veranstaltungreihe zum 1. Mai 2010 "Nieder mit dem Lohnsystem" wollen wir einen kleinen Beitrag leisten, das linke Sektierertum zu überwinden. Wir wollen eine solidarische Diskussion zwischen verschiedenen Strömungen in Gang bringen, in der nach wie vor gilt "Erst Klarheit, dann Einheit".
Im Zentrum dieser Bemühungen steht eine Vortrags- und Diskussionveranstaltung mit unserem Autor Robert Schlosser. Er wird versuchen, mit seinen Thesen, die aus seinem Artikel "Realistischer und unrealistischer Utopismus" abgeleitet und weiterentwickelt wurden, einen inhaltlichen Anstoss für eine sozialemazipatorische Praxis zur Aufhebung der kapitalistischen Produktuionsweise zu geben.
Programmflugi zum Runterladen
Die Veranstaltung
Sonntag: 25. April 2010 um 18.00 Uhr im Café Größenwahn, Kinzigstr. 9, 10245 Berlin
Vortrag mit Diskussion und Musik
Nicht für "linke" Luftschlösser sondern für die soziale Emanzipation kämpfen!
Robert Schlosser diskutiert seinen Vortrag mit Aktiven aus Betrieb und Stadtteil.
Klassenkämpferische Lieder werden von DetlevK moderiert und vorgetragen.
In der Diskussion soll es darum gehen, die Klassenauseinandersetzungen in Betrieb und Stadtteil in Bezug zu setzen und eine politische Perspektive aufzuzeigen, die die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise zum Ziel hat. Ferner soll diese Veranstaltung ermöglichen, dass unterschiedliche Strömungen in einen gemeinsamen Diskurs über ihre politische Praxis und ihre Zielvorstellungen treten. Es geht um einen solidarischen Meinungsstreit, der die Spaltungen innerhalb der Linken, wie sie sich wieder in den 1. Mai-Aktivitäten abbilden, versucht zu überwinden. Es sollen Schnittstellen für eine gemeinsame politische Praxis gefunden werden. Dazu soll im 2. Teil die Diskussion auch für das Plenum aufgemacht werden.
Die Veranstaltung mit Robert Schlosser wird begleitet von vier Filmabenden, die in Kooperation mit dem Infoladen LUNTE durchgeführt werden:
Das Filmprogramm
jeweils im Infoladen LUNTE, Weisestr. 53, 12049 Berlin
Dienstag: 6. April 2010 um 20 Uhr
Der aufrechte Gang, Spielfilm von Christian Ziewer, 1976, 115 min
Den Hintergrund der Handlung bildet die wirtschaftlichen Krise. In einem Stahlwerk kommt es zum Streik. Gezeigt werden vier Tage aus dem Leben von Dieter Wittkowski, der nicht nur durch den Streik aus seinem gewohnten Alltag gerissen wird, sondern auch privat unter Druck gerät, weil seine Frau Hanna ihre Beziehung zu ihm verändern will. Aufrecht gehen heißt für Dieter und Hanna ihre Unterordnung unter das Alltägliche in Frage zu stellen. Inputreferat & Diskussion
Dienstag: 13. April 2010 um 20 Uhr
Tarifkampf in der ostdeutschen Metallindustrie 1993, SfB-Produktion 1993, 60 min
Unter dem Druck einer massiven Deindustrialisierung (1989 = 3.2 Mio; 1993 = 0,7 Mio. Industrie-Jobs) kämpfen zehntausende ostdeutscher Metall-KollegInnen um die Angleichung ihrer Löhne auf das Westniveau. Mit der Methode einer Doku-Soap zeigt der Film nicht nur die Kämpfe, sondern auch die privaten Verhältnisse der Kämpfenden. Abgesehen von den damaligen ostdeutschen Besonderheiten werden die nach wie vor hochbrisante Frage des Kämpfens in der Krise, des Streikbruchs und des Verrat der Gewerkschaftsführung angesprochen. Inputreferat & Diskussion
Dienstag: 20. April 2010 um 20 Uhr
Jeder Schritt zählt - GOG Bochum, Channel 4 - Dokumentation, 1998, 30 min
Die GOG Opel Bochum erhielt in den Betriebsratswahlen 2010 von 6.000 Beschäftigten nur 90 Stimmen und verlor ihre letzten beiden Betriebsratsposten. 1975 stellte die GOG 12 von 32 Betriebsräten bei 20.000 Beschäftigten.. In dem vor 12 Jahren gedrehten Film erinnern sich Protagonisten der GOG an rund 30 Jahre klassenkämpferische Betriebsarbeit. Doch bereits 1998 - so kann von heute aus gesagt werden - waren die Bedingungen des Niedergangs der GOG bereits sichtbar. Wäre dieser Niedergang aufzuhalten gewesen?
Inputreferat & Diskussion
Dienstag: 27. April 2010 um 20 Uhr
Aufstand im Kiez - Der Kampf ums Schanzenviertel, NDR-Dokumentation 2010, 30 min
Die NDR-Reportage - ausgestrahlt am 13.1.2010 - zeigt wie sich das Schanzenviertel zum trendigen Stadtteil wandelt. Zu Wort kommen MieterInnen, LadenbesitzerInnen und Leute aus dem autonomen Spektrum. Der Film informiert auch über die Machenschaften der Patrizia Immobilien AG, die 2005 einen alten Wasserturm im Schanzenpark erworben und ihn zu einem Edelhotel umgebaut hat. Inputreferat & Diskussion
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Klassenkampf ist nicht alles!
paar anmerkungen
mal ordentlich auf die kacke hauen
dreck
@egal 18.01
mal drüber nachgedacht, dass die termine/routen so gewählt werden mussten, weil die bullen bei zu großer räumlicher nähe der beiden demos sonst stress gemacht bzw. die routen per auflage verlegt hätten? ich war jeweils auf beiden demos, das ging problemlos in jedem jahr. so war der mayday nicht unbedingt eine "konkurrenzveranstaltung" zur 18 uhrdemo, sondern eine inhaltlich-politisch begründete alternative, und darüber lässt sich sicherlich trefflich streiten.
Aber ohne Klassenkampf ist alles nicht
Klassenkampf ist sicherlich nicht alles, aber ohne Klassenkampf ist alles nichts.
@Anarcho-Syndikalistin
Klassenkampf ist in erster Linie reformistisches Mittel, was aber überhaupt nicht negativ gemeint ist. (Einigermaßen) Erfolgreicher Klassenkampf führt dazu, dass es uns Lohnabhängigen im Hier und Jetzt deutlich besser geht (Mindestlöhne, Kündigungsschutz, ein ordentlicher Sozialstaat etc pp).
Bei vielen Gruppen des 18h-Bündnisses (nicht allen) findet sich immer noch zu viel Klassenkampf, der angesichts einer "revolutionären" Demo auch noch sehr reformistisch geprägt ist (konkrete Forderungen; teilweise an den Staat). Angesichts des traditionellen Publikums der 18h-Demo und den unschönen Vorfällen der letzten Jahre wäre etwas mehr Ideologiekritik tatsächlich revolutionärer.
@and
FELS gibt auf?
berlin ist nicht hh, ist nicht...