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Ideologietheorie Seminar Teil 1

redc.blogsport.de 17.03.2010 13:37 Themen: Bildung
Ideologietheorie

Zusammenfassung: „Deutsche Ideologie“ u. „Sein und Bewusstsein“ (Karl Marx)

Im folgenden fasse ich zwei Texte aus dem Reader „Ideologietheorie“ zusammen und versuche euch diese nahezulegen.

Deutsche Ideologie
Der erste Satz lautet wie folgt: „Die Tatsache ist also die: bestimmte Individuen, die auf bestimmte Weise produktiv tätig sind, gehen diese bestimmten gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ein.“ Jetzt wird dieser Satz ein wenig von mir gekürzt; Individuen die produktiv tätig sind gehen gesellschaftliche u. Politische Verhältnisse ein; (Ergänzung: Diese sind unmittelbar mit den Produktionsverhältnissen verbunden) es ließt sich also folgendermaßen: „Individuen wachsen in bestimmten Verhältnissen auf, oder gehen diese ein und jene bestimmen ihr gesellschaftliches und politisches Sein.“
Solche Individuen reproduzieren nicht nur sich selbst, sondern auch die gesellschaftliche Gliederung und den Staat. Sie reproduzieren wie sie sind/leben/produzieren , das reproduzieren sie und nicht das was sie selbst von sich denken, denn auch solches ist stets nur eine Abstraktion ihrer Verhältnisse, sei sie auch noch so abstrakt. Diese These erklärt er im nächsten Abschnitt, indem er schreibt: „Die Produktion der Ideen, … ist … verflochten in die materielle Tätigkeit …, Sprache des wirklichen Lebens.“ Zwei weitere Sätze von Marx beschreiben dasselbige. „Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen...“, Marx fügt hinzu, „Das Bewusstsein kann nie etwas Andres sein als das bewusste Sein, … .“ Daraufhin kritisiert er die Philosophie, hier speziell die der Deutschen. Er schreibt das die Philosophie von Oben nach Unten denke, wie er es nennt vom Himmel zur Erde hin. Dabei würde sie den Geist, die Ideologien, das was er den *'Überbau nennt losgelöst von den echten, tatsächlichen Verhältnissen sehen. „Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein.“ „Die Moral Religion, Metaphysik und sonstige Ideologie … behalten hiermit nicht länger den Schein der Selbständigkeit. Sie haben keine Geschichte, sie haben keine Entwicklung, … .“

Im übernächsten Abschnitt geht er auf die Sprache ein, die seiner Meinung nach direkter Ausdruck des Bewusstseins ist und durch das Bedürfnis der Kontaktaufnahme (er nennt dies: Im Verhältnis zu anderen Menschen stehen) mit anderen Menschen entsteht. Natürlich geht er hier nicht auf das rein theoretische Bild des „Moglis“ ein und er schreibt auch nicht über einen Einsiedler, der vermutlich mit sich selbst oder einer von ihm aus produzierten Abstraktion seiner selbst reden würde. „Das Bewusstsein ist also von vornherein schon ein gesellschaftliches Produkt … .“ Mit Gesellschaft meint Marx auch immer, dass jemand/Menschen in bestimmten Produktionsverhältnissen, also gesellschaftlichen Verhältnissen lebt/leben. Wie schon vorher beschrieben ist laut Marx das Bewusstsein der Menge/jedes Einzelnen stets nur ein (manchmal vertracktes) Abbild der bestehenden Verhältnisse. Im folgenden schreibt er über die Teilung der Arbeit in das Geistige und das Materielle, er prangert zugleich die kurzsichtige Sicht der Philosophen an, die den Geist losgelöst vom materiellen Sein sehen. „Von diesem Augenblicke an kann sich das Bewusstsein wirklich einbilden, etwas Andres als das Bewusstsein der bestehenden Verhältnisse zu sein, … .“ Er wiederholt sich hier des mehrfachen, aber dieser bestimmte Abschnitt über die Teilung der Arbeit ist speziell wichtig um nachher das erweiterte Staatsbild zu verstehen, indem es sich nicht nur um repressiven Staatsapparat, sondern auch den ideologischen Staatsapparat handelt. Doch dazu später mehr.

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende Geistige Macht.“


Die herrschende Klasse verfügt über die Mittel der Produktion (Produktionsmittel), also über die Mittel die Produktionsverhältnisse zu bestimmen und auch über die Mittel der geistigen Produktion; 1. durch die Produktionsverhältnisse und 2. durch den *²Ideologischen Staatsapparat.

Marx geht davon aus, dass jede herrschende Klasse bestimmte Begriffe und Gedanken prägt und auch verbreitet um sich selbst, also ihre Herrschaft zu legitimieren. Dazu nutzt sie die Sprache, kurz die Medien (u.a. Kirchen, Schulen usw.). Daher ist es beinahe zwingend notwendig für einen Staat die Kontrolle über Institutionen wie z.B. die der Schule zu haben. Denn dort können ohne größere Schwierigkeiten die herrschenden Verhältnisse reproduziert werden. Beinahe zwingend notwendig deshalb, weil ein Staat unter Umständen auch durch größeren Einsatz von Gewalt die Kontrolle behalten kann, nur ist der Zustand wesentlich stabiler, wenn die Insassen des Gefängnisses Staats freiwillig mitspielen. Und genau das wird durch die Reproduktion einer Ideologie geschafft, die den Menschen vermittelt, dass die bestehenden Verhältnisse ein „Naturzustand“ seien. Er beschuldigt die herrschende Klasse im nächsten Abschnitt zwar einerseits, da er ihr vorwirft aktiv die Reproduktion der jeweilig aktuellen Herrschaftsverhältnisse zu betreiben, andererseits ist sein Vorwurf nicht ganz so herb, da er auch sie, die herrschende Klasse, nicht von dem von ihm aufgestellten Fakt herausnimmt, dass auch sie nur das Produkt ihrer Verhältnisse sein und somit auch genau die Gedanken die aus diesen folgen zu verbreiteten und zu reproduzieren. Daraufhin konkretisiert er die Teilung der Arbeit in der herrschenden Klassen. Während der produktive Teil den Hauptanteil an der Reproduktion der herrschenden Gedanken trägt, so trägt die sogenannte geistige Produktivkraft einen kleineren Teil dazu bei. Mit geistiger Produktivkraft ist der ideologische Staatsapparat gemeint. Wie gesagt, dazu später mehr, aber hier reicht für erste, dass damit Medien, Schulen, Kirchen usw. gemeint sind (Später bei Althusser und Gramsci). Marx schließt nicht einmal aus, dass beide Parteien uneinig untereinander sein könnten, doch im Falle der Bedrohung der herrschenden Klasse würden sich Unstimmigkeiten auflösen (Verweis auf: Peter Kropotkin; Der Anarchismus; Seite 27-28: „Auf der anderen Seite... Sie verbanden sich und unterstützten sich, um die Massen beherrschen, im Gehorsam halten und regieren zu können – und um sich für sich arbeiten zu lassen.“). Abschließend zu den letzten paar Abschnitten dieses Textes: Die herrschende Klasse muss um sich selbst zu schützen ein Gedankengut in dem Menschen erzeugen, welches ihnen Glauben macht, das was sei, sei ein Naturzustand. Also jede herrschende Klasse muss sich selbst legitimieren und somit auch immer auf ein bestimmtes Arsenal von Repression zurückgreifen.

„Jede neue Klasse nämlich, die sich an die Stelle einer von ihr herrschenden setzt, ist genötigt, schon um ihren Zweck durchzuführen, ihr Interesse als das gemeinschaftliche Interesse aller Mitglieder der Gesellschaft darzustellen...“


*' Überbau
Damit ist das ganze um den eigentlichen Staatsapparat gemeint das sich wie eine Schutzschicht um ihn zieht. Die falschen Gedankengüter die die Menschen inne haben, die Denkstrukturen nach denen sie handeln und das was diese hervorruft. Also die Produktionsverhältnisse und die verschiedenen nicht unbedingt vom Staat gelenkten Institutionen die das Bewusstsein der herrschenden Verhältnisse reproduzieren.

*²Ideologischer Staatsapparat
Damit ist der Überbau gemeint, allerdings ist das der Ausdruck den Althusser benutzt.

Genaueres wird bei der Zusammenfassung des Hegemonie Textes und dem von Althusser noch folgen. Doch nun vorerst zu „Sein und Bewusstsein“


Sein und Bewusstsein
Der uns im Reader vorliegende Text ist sehr kurz und überschneidet sich auch mit dem bisher zusammengefassten/geschriebenen.

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, ...“.

Menschen gehen Produktionsverhältnisse ein, diese bestimmen ihr gesellschaftliches Sein. Für jene Verhältnisse in denen sie aufwachsen, bzw. welche sie eingehen müssen können sie in der Regel nichts. Sie sind einfach durch die Rahmenbedingungen gegeben.

„Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“

(Kommt mir auch bekannt vor :P)

Nun nennt er spezifisch zu Veränderungen und Epochen, dass man diese nicht an den ideologischen Vorzeigebildern messen kann, sonder nur an dem realen Tatsachen, Verhältnissen, dem Sein.

„Sowenig man das , was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewusstsein beurteilen, sondern muss vielmehr dies Bewusstsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären.“
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