(Neo)naziaufmarsch in Dessau

Antifa Westhavelland 14.03.2010 17:34 Themen: Antifa
150 Sympathisanten_innen „Freier Kräfte“ marschierten durch die Stadt / Mehrere Blockadeversuche auf der Strecke polizeilich aufgelöst
Nachdem das (neo)nazistische Milieu anlässlich des 65. Jahrestages der alliierten Bombardierung von Städten im Herrschaftsgebiet des nationalsozialistischen „Deutschen Reiches“, während des zweiten Weltkrieg, in diesem Jahr u.a. bereits in Magdeburg (16. Januar), Dresden (13. Februar), Cottbus (15. Februar), Chemnitz (5. März) und Stendal (12. März) aufmarschiert waren, mobilisierten so genannte „Freie Kräfte“ nun für den 13. März ins anhaltinische Dessau. Diesem Aufruf folgten am gestrigen Samstag schließlich ungefähr 150 (Neo)nazis aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg.

Mit einiger Verspätung, von einem größeren Polizeiaufgebot und der Musik des Antisemiten Richard Wagner begleitet, marschierte der Aufzug vom Hauptbahnhof beginnend, durch die Antoinettenstraße, Wolfgangstraße, Hans Heinen Straße, Zerbster Straße, Poststraße, Kavallierstraße, Franzstraße etc. bis zur Bahnhaltestelle Dessau Süd.

In der Zerbster Straße formierte sich der Aufmarsch zudem zu einer Zwischenkundgebung, bei der zwei Redner zu den Veranstaltungsteilnehmer_innen sprachen.

Als erstes ergriff dabei ein Funktionär des „Bundes der Vertriebenen“ das Wort und berichtigte seinen „Kameraden und Kameradinnen, Volksgenossen und Volksgenossinnen“ in einseitiger Weise über das „Leid“, dass die alliierten Bomber im zweiten Weltkrieg angeblich über die Stadt Dessau gebracht haben sowie über das „schwere“ Schicksal der so genannten „Vertriebenen“ in den letzten Kriegstagen.

Am zweiten Weltkrieg bzw. am „zweiten große Völkerringen“ anknüpfend sprach danach der niedersächsische (Neo)nazi Dieter Riefling zu den angetretenen (Neo)nazis. Er sah sich als Wahrheitsverkünder berufen und erklärte allen Ernstes, dass nicht „Deutschland“ diesen Krieg begonnen habe, sondern die so genannte „Hochfinanz“ (antisemitisches Bild für die unterstellte „jüdische Weltverschwörung“) mit ihren angeblichen Marionetten „Churchill, Roosevelt und Stalin“.

Einen Bezug zu den Verbrechen der Nationalsozialist_innen in Dessau oder anderswo war bei beiden Vertretern allerdings nicht herauszuhören. Im Gegenteil der Begriff „Holocaust“, der allgemein als Sinnbild für die systematische Vernichtung jüdischen Lebens durch das nationalsozialistische Regime anerkannt wird, wurde insbesondere durch den Redner Riefling dahingehend umgedeutet, dass er ausschließlich für die Opfer der Bombardierung von Städten im damaligen Naziherrschaftsbereich zutreffend sei.

In unmittelbarer Nähe demonstrierten ungefähr 300 Menschen lautstark gegen diese (neo)nazistische Geschichtsverdrehung. Allerdings fanden nur ungefähr 30 Bürger_innen den Mut an diesem Punkt die Strecke zu blockieren und die (Neo)nazis von hier aus nicht mehr weitermarschieren zu lassen. Die Polizei räumte die hiesige Blockade recht schnell und unsanft.

Eine erste Blockade war bereits an der Kreuzung Antoinettenstraße Ecke Wolfgangstraße und Bitterfelder Straße gescheitert. Hier hatten sich ungefähr 150 Antifaschist_innen versammelt, um den Aufmarsch bereits am Startpunkt zu verhindern. Auch hier setzte sich, nach ungefähr einer halben Stunde, letztendlich die Polizei durch und machte den (Neo)nazis den Weg frei.

Rückblickend positiv zu betrachten ist jedoch, dass gestern überhaupt Menschen den Mut fassten, sich dem (neo)nazistischen Aufmarsch in den Weg zu stellen, nach dem dieser im letzten Jahr ohne derartige Versuche, recht planmäßig verlief.

In Anbetracht der Tatsache, dass gemäß Auskunft des Dessauer Oberbürgermeisters im MDR-Fernsehen, (neo)nazistische Aufmärsche dort bis 2015 angemeldet sind, wären die Bürger_innen von Dessau gut beraten ihr Problembewusstsein zu schärfen, die Gegenaktionen von gestern als Chance zu nutzen und in den nächsten Jahren noch zu verstärken, um eine Etablierung von (Neo)naziaktivitäten ähnlich wie in Magdeburg oder Dresden frühzeitig zu unterbinden.


Fotos: hier

Antifa Westhavelland, 2010.03.14

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(Neo)nazis blamieren sich in Stendal

Aufmarsch „Freier Kräfte“ in der altmärkischen Kreisstadt durch antifaschistische Aktivitäten extrem eingeschränkt



Für den heutigen Freitag hatten so genannte „Freie Kräfte“ aus Sachsen – Anhalt im altmärkischen Stendal einen Aufmarsch anlässlich der Bombardierung der Stadt im Frühjahr 1945 angemeldet.

Ähnlich wie in anderen Städten, versucht das lokale Milieu offenbar auch hier, durch Kreierung eines „nationalen“ Opfermythos Geschichtsrevisionismus zu betreiben und gleichzeitig sich selbst als alternative, aufstrebende Bewegung gegen den „herrschenden Zeitgeist“ hervorzuheben.

Anders als vergleichbare Veranstaltungen, beispielsweise in Magdeburg oder Dresden, zeichnet sich das hiesige (neo)nazistische Milieu, das heute gerade einmal 80 Sympathisant_innen anlockte, aber eher durch Lethargie und Dilettantismus aus.

Mit ungefähr zwei Stunden Verspätung setzte sich der müde Haufen erst in Bewegung, marschierte dann via Bahnhofstraße, Frommhagenstraße, Nicolaistraße und Blumenthalstraße „einmal um den Block“ und führte dazwischen eine sehr knappe Zwischenkundgebung durch. Hierbei stotterte und lallte der Anmelder der Versammlung recht lustlos ein paar Sätze ins Megafon, in denen er kurz und knapp an die alliierten Bombenangriffe in Magdeburg, Dresden, Chemnitz und eben Stendal erinnerte.

Emotionaler wurde es im (Neo)naziaufzug nur, als Antifaschist_innen ihnen immer wieder lauthals ihre Unmut entgegenbrachten.

Bereits am Bahnhof, in Front zum (Neo)naziaufmarsch fanden sich mehrere autonome Antifaschist_innen hinter einem Banner mit der Aufschrift „Klassenkampf statt Vaterland“ zusammen und hielten den (neo)nazistischen Parolen vom „Nationalen Sozialismus“ und der „roten Pest“ ein kräftiges „Alerta Antifascista“ entgegen.

Keine 200m weiter ging es dann richtig zur Sache als ungefähr 40 Personen den (Neo)naziaufzug mit Leuchtraketen und Schottersteinen vom Bahnhof aus angriffen und die (Neo)nazis von der Polizei eilens in die Frommhagenstraße derigiert wurden.

Dort ging es allerdings auch nicht mehr weiter, da Antifaschist_innen den Platz Ecke Nicolaistraße blockierten, so dass den (Neo)nazis nur der schmachvolle Weg zurück Bahnhof über die Nicolaistraße blieb. Gerade einmal 0,90 der geplanten 7,00 km hatten die Teilnehmer_innen des (Neo)naziaufmarsches dabei zurückgelegt.

weitere Fotos hier:  http://westhavelland.wordpress.com/2010/03/12/neonazis-blamieren-sich-in-stendal/
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Ergänzungen

Fotos

Mein name 14.03.2010 - 18:10
Der Link zu den Fotos scheint irgendwie falsch zu sein. Die weiteren Fotos befinden sich nämlich hier:  http://westhavelland.wordpress.com/2010/03/14/neonaziaufmarsch-in-dessau-2/

Nazi Lauti !!!

PhiL 14.03.2010 - 21:28
Nazi Lauti mit Butcher's jan (Tatto und Piercing)werbung aus Hettstadt drauf!
Und unter den Nummerschild nen Oi Aufkleber !!! ^^

 http://westhavelland.files.wordpress.com/2010/03/2010-03-13-de-004.jpg

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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ohje — antinationalistin

@antinationalistin — dabeigewesener

halluuuuu — fragestellerIn?!

Unterstützung ... — ... is mehr als gefragt!

none — interbrigadas

@du — mein Name

@ Artikelverfasser und — @ Ergänzer

äääääää — antinationalistin

bezüglich der nationalfahnen — Muss halt sein

Wagner — Lohengrin

Erneute Polizeipanne in Dessau — 25 jähriger wird in den Hals geschossen

kleine Korrektur — atownafa