Karlsruhe: Demo gegen Polizeigewalt & Repression

irgendwann 14.03.2010 16:55 Themen: Repression
Am Samstag demonstrierten in Karlsruhe 500 Menschen gegen Polizeigewalt und staatliche Repression in.
Zu der Demonstration hatten neben dem Bündnis gegen Repression und dem AK Polizeigewalt auch verschiedene Fangruppierungen aus der Karlsruher Ultrasszene aufgerufen.
Gegen 15 Uhr versammelten sich immer mehr Menschen am Kronenplatz in der Innenstadt, bis schließlich auch der Zug von etwa 200 Ultras vom Heimspiel des KSC eingetroffen war.

Kämpferisch zog die Demo durch die Karlsruher Innenstadt, wobei vor allem am Marktplatzrevier der die Wut der DemonstrantInnen über die ständigen Schikanen der Polizei lautstarken Ausdruck fand. Bei der darauffolgenden Zwischenkundgebung am Friedrichsplatz thematisierten verschiedene Redebeiträge die Repression während und nach dem Natogipfel in Straßbourg und gegen AntifaschistInnen in Stuttgart. Eine weitere Rednerin thematisierte den gesellschaftlichen Kontext, in dem Polizeigewalt und staatliche Repression alltäglich geschehen.

Im Anschluss führte die Route weiter durch die belebte Innenstadt bis zur Abschlusskundgebung am Stephansplatz. Die Polizei hielt sich während der gesamten Demo merklich zurück. So gab es zum ersten Mal seit langem weder Vorkontrollen noch Seitenspalier. Anscheinend hielt es die Polizeiführung im Zusammenhang mit dem Motto der Demo nicht für opportun, die sonst üblichen Provokationen durchzuführen. Dies äußerte sich auch im Zurückhalten einer gewissen Karlsruher Polizeitruppe, die in der Regel jeden Einsatz erst dann als erfolgreich ansieht, wenn es zur völligen Eskalation kommt. Lediglich im Vorfeld der Versammlung wurde versucht, Geschäftebesitzer in der Stadt zu verunsichern, indem sie aufgefordert wurden, Auslagen und Autos zu entfernen, da die ChaotInnen heute alles kaputtschlagen würden.

Insgesamt kann die Demo durchaus als Erfolg gewertet werden, da es in Karlsruhe erstmals gelang, sowohl Linke als auch Fußballfans gemeinsam auf die Straße zu bringen. Zusammen mit der gut besuchten Veranstaltungsreihe im Vorfeld ist es gelungen, das in der Öffentlichkeit tabuisierte Thema Polizeigewalt und staatliche Repression zumindest lokal auf die Tagesordnung zu bringen. Querschüsse der Polizei wie das Verbot einer Veranstaltung über Polizeigewalt im Fußball im Fanprojekt sorgten dabei eher für erhöhte mediale Aufmerksamkeit als der Kampagne ernsthaft zu schaden.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Könnt ihr

dazu mal 14.03.2010 - 17:58
nen link rumschicken? Das würde mich dann doch interessieren. Seit wann schreibt die Polizei vor, worüber Fans in einem Fan-Projekt sich unterhalten dürfen?

"Querschüsse der Polizei wie das Verbot einer Veranstaltung über Polizeigewalt im Fußball im Fanprojekt sorgten dabei eher für erhöhte mediale Aufmerksamkeit als der Kampagne ernsthaft zu schaden."

Redebeitrag zur Natogipfel-Repression

acab 16.03.2010 - 13:28
Vor fast einem Jahr wurde in Strasbourg das Jubilaeums-Gipfeltreffen zum 60jaehrigen Bestehen des Militaerbuendnisses Nato gefeiert. Natuerlich war dies nicht fuer alle ein Grund zur Freude.
Mit der Absicht der Nato in die Geburtstagssuppe zu spucken, reisten unzaehlige Aktivistinnen und Aktivisten aus der ganzen Welt nach Strasbourg.
Es waren viele, die mit den unterschiedlichsten Mitteln ihren Widerstand zeigten -‭ dies‬ blieb von Seiten des franzoesischen Staates natuerlich nicht unbeantwortet.

Ueber eine Woche befand sich Strasbourg im Ausnahmezustand - den Hoehepunkt dieser Machtdemonstration bildete die Verhinderung der internationalen Grossdemonstration am Samstag, die gefolgt wurde von stundenlangen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
In den Tagen zuvor war in London Ian Tomlinson beim brutalen Vorgehen der Polizei gegen GegnerInnen des dort parallel stattfindenden G20-Gipfels zu Tode gekommen - ein Ereignis welches bei vielen in Strasbourg Gefuehle von Trauer und Wut ausloeste und die Stimmung dieser Tage massgeblich mitbestimmte...

Viele die ihren Unmut gegen die Nato auessern wollten wurden Opfer von Polizeigewalt und Repression. Von Seiten der Polizei kam es zu zahlreichen Uebergriffen - sogenannte "weniger toedliche Waffen" wie Flashballs, Schockgranaten und Traenengas wurden gegen Demonstrantinnen und Demonstranten eingesetzt - unzaehlige Verletzte und traumatisierte Personen waren die logische Folge...

Insgesamt sind ueber 1700 gemeldete Polizeiuebergriffe und mindestens 464 Ingewahrsamnahmen bekannt geworden - das volle Ausmass der Gewalt dieser Tage wird wohl niemals zu ueberschauen sein.

Aufgrund der Ein- und Ausreiseverbote blieben einigen Aktivistinnen und Aktivisten die Grenzen verschlossen.

Manchen Menschen ist es seit diesen Tagen, laut ihren Gerichtsurteilen fuer die naechsten fuenf Jahre nicht mehr moeglich nach Frankreich einzureisen.

Dogus, Tom und Nikita sind von ihrer als Wochenendausflug geplanten Reise immer noch nicht zurueck gekehrt- bis heute sitzen sie unter menschenunwuerdigen Bedingungen in verschiedenen Knaesten in Frankreich. Im Fall von Tom und Nikita ging es sogar 7 1/2 Monate, bis die Beweisaufnahme abgeschlossen war und das Urteil von 4 Jahren, davon 1 auf Bewaehrung, verkuendet wurde.



Mindestens 10 weitere Personen sassen in den Wochen und Monaten direkt nach dem Gipfel ebenfalls im Knast- inzwischen wurden sie teilweise freigesprochen oder erhielten Bewaehrungsstrafen mit entsprechenden Auflagen, einige Prozesse stehen noch aus.

Schon das Reichen eines Feuerzeuges zum Anzuenden eines Feuerwerkskoerpers, das Spruehen eines Anarchie As oder das Tragen einer als Waffe klassifizierten Zeltstange reichten, fuer Verurteilungen zu Bewaehrungs- und Haftstrafen, von bis zu drei Jahren aus.

Ihr koennt den Menschen im Knast den Knastalltag erleichtern in dem ihr z.B. in Briefkontakt mit ihnen tretet...
Informationen dazu und weiteres findet ihr unter www.breakout.blogsport.de

Vor kurzem ist ein Solisampler mit einer bunten Mischung von Musik und einem groesstenteils von den Gefangenen selbst gestalteten Booklet erschienen - Alle Einnahmen aus diesem Projekt fliessen direkt in die Soliarbeit. Erhaeltlich ist der Sampler im Infoladen eures Vertrauens oder auch hier direkt am Lautsprecherwagen.

Fuer viele von uns ist der Nato-Gipfel schon laengst vergessen, andere hingegen werden tagtaeglich durch den Blick aus ihrem Fester, welcher von Gitterstaeben versperrt wird daran erinnert.

Solidarität mit allen,‭ ‬die stellvertretend für die Bewegung schikaniert,‭ ‬angegriffen,‭ ‬veruteilt und verhaftet wurden‭!

‎Fuer eine Welt ohne Knaeste und Strafen - Kapitalismus und Polizeistaat - Fuck off!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige den folgenden Kommentar an

Polizeigewalt — Gipfel der Ironie