Hannover: Demo für David W.

Antira-Initiative Hannover 12.03.2010 16:20 Themen: Antifa Antirassismus Weltweit

Am gestrigen Nachmittag demonstrierten in Hannovers Innenstadt ca. 110 Personen um auf den Tod des 17-jährigen Flüchtlings David w. aufmerksam zu machen, der sich laut Aussagrn der Justizbehörden am Sonntag Nachmittag an einem Bettlaken erhängte...
Am gestrigen Donnerstag Nachmittag demonstrierten in Hannover rund 110 Personen , um auf den Tod des 17-jährigen georgischen Flüchtling David W. und die rassistische, menschenverachtende Abschiebepolitik Deutschlands aufmerksam zu machen. David hatte sich laut Aussage der Justizbehörden, am vergangenen Sonntag an seinem Bettlaken erhängt, womöglich aus Angst vor seiner ihn zu erwartenden Abschiebung nach Polen, wo er bereits einen Antrag auf Asyl gestellt hatte. (mehr Infos siehe:  http://de.indymedia.org/2010/03/275377.shtml )
Am Auftaktort angekommen, schikanierte die Polizei die Demonstrationsleitung, indem sie dem Fahrer des gemieteten Lautsprecherwagens, wegen einer fehlenden Umweltplakette ein Bußgeld auferlegte.
Nach einer Auftaktkundgebung am Steintor, bei der u.a. ein Redebeitrag zum Anlass der Versammlung verlesen wurde, zog die Demonstration lautstark quer durch die Innenstadt. Dabei spielte der Lautsprecherwagen in kurzen Abständen einen 1 1/2 minütigen Jingle bezüglich der Umstände des Todes von David ab. Zudem wurden zahlreiche Flugblätter verteilt, um interessierte Bürger_innen auf David's Tod und unsere Forderungen aufmerksam zu machen.
Vom Kröpcke aus ging es bis vor die Ausländerbehörde wo ein Redebeitrag zum Abschiebeknast am Flughafen Hannover/Langenhagen gehalten wurde, in dem sich am 8. Dezember 2000 der tamilische Flüchtling Arumugasamy Subramaniam an seinen Schnürsenkeln erhängte (mehr Infos dazu siehe:  http://no-racism.net/article/1923/ ).
Anschließend ging es über den Opernplatz wieder zurück Richtung Kröpcke in die gut besuchte Innenstadt. Am Bahnhof, dem Ort der Abschlusskundgebung angekommen, verlaßen zwei Vertreterinnen des Walpurgisnacht-Demo-Bündnisses einen Text zu der aktuellen Situation von Migrant_Innen und Flüchtlingen in Deutschland und Europa, bevor die Versammlung nach planmäßigem Verlauf für beendet erklärt werden konnte.

Sprengt die Mauern, vernichtet die Akten -
Weg mit den Knästen und Abschiebetrakten!
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Ergänzungen

Einer der Redebeiträge

... 12.03.2010 - 16:46
Am vergangenen Sonntag hat sich in Hamburg der 17jährige David in Abschiebehaft das Leben
genommen. David, der aus Georgien nach Deutschland geflüchtet ist, saß seit Februar in Hamburg in Abschiebehaft, nachdem sein Asylgesuch abgelehnt wurde. Unter den unmenschlichen
Haftbedingungen in Abschiebehaft und seine drohende Abschiebung vor Augen, verweigerte der
17jährige tagelang zu essen. Als er deswegen in das Gefängniskrankenhaus überführt wird, erhängtsich David am Sonntag, den 7.März mit einem Bettlaken.
David ist ein weiteres Opfer des deutschen Staates und seiner rassistischen Flüchtlingspolitik, die Menschen zu "Illegalen" deklassiert und sie aufgrund ihrer Herkunft und ökonomischen nicht-Verwertbarkeit Sondergesetzen unterwirft, sie verfolgt ,in Lager und Knäste sperrt und in eine oft tödliche Ungewissheit abschiebt.
David ist ein weiteres Opfer der widerlichen Behördenpraxis, die UnbegleiteteMinderjährige in Abschiebeknäste sperrt, statt sie in die Obhut der Jugendbehörden zu geben, wie es ihnen selbst gesetzlich zusteht. Einer Behördenpraxis, die sie ohne Dolmetscher_in isoliert, sie gleich zurückschiebt, oder sie mit einem fiktiven Geburtsdatum einfach für erwachsen erklärt. David ist ein weiteres Opfer des rassistischen Normalzustands in der BRD, der Menschen in "deutsche" und "nicht-deutsche", in "nützlich" und "unbrauchbar", in "legal" und "illegal" einordnet und sie in tödlicher Konsequenz entlang dieser menschenverachtenden Kategorien behandelt. Der Normalzustand einer Nation, die dank ihrer gewalttätigen Herrschaft auf dem Weltmarkt unglaubliche Reichtümer auf sich konzentrieren kann und sich im selben Atemzug mit einem gigantischen Grenzregime mit Militär und Polizei vor den Menschen Abschottet, die vor dem Elend des Kapitalismus, vor Krieg und Verfolgung fliehen.
Seit 1993 sind mindestens 10000 Menschen allein auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Wir fordern die ersatzlose Abschaffung der Abschiebehaft und einen sicheren Aufenthaltsstatus für alle Menschen, die in Deutschland leben. Wir fordern die Abschaffung aller Sondergesetze für nicht-deutsche, wie der Residenzpflicht für Flüchtlinge und des
AsylbewerberInnenleistungsgesetzes. Wir fordern die Freilassung aller Menschen in den
Abschiebelagern und -Knästen aus der Geiselhaft eines autoritären, rassistischen Staates!
David ist 17 Jahre alt, als er in den Selbstmord getrieben wurde.

Es gibt keinen Freitod hinter Gittern!
Abschiebung war, ist und bleibt Mord!
Wandelt Wut und Trauer in Widerstand!
Gegen den Rassistischen Normalzustand, Gegen Staat und Kapitalismus!
Für die globale Bewegungsfreiheit!

Feuer & Flamme

den Abschiebebehörden 12.03.2010 - 18:08
Der Artikel ist so ganz gut. Zu erwähnen wäre noch, dass zwei Nazis(?) kurz nach Beginn der Demo in einer Seitenstraße standen, sich aber ziemlich schnell verpisst haben. Dass der Demozug wegen den beiden stehengeblieben ist wurde von den Bullen als Vorwand genommen, um zu fotografieren.

Außerdem sind Fotos auf denen die Gesichter nur mit "Verquirlen" unkenntlich gemacht werden, soweit ich weiß nicht so cool, weil es wohl Möglichkeiten gibt die wiederherzustellen. Einfach nen schwarzen Fleck drübersetzen und schon hat's sich.




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Mod:

So wie die Bilder hier verwischt worden sind, ist das kein Problem. Da per Hand verwischt worden ist. Es gibt aber auch Filter wo der Bildausschnitt nachvollziehbar (automatisch) verfremdet wird.

Bild: Vor der Behörde

S. Knoblauch 12.03.2010 - 19:25
Das Foto zeigt die Demonstration vor der Ausländerbehörde.

Meine Steuergelder

SchalkerJunge 13.03.2010 - 01:35
Genau, er wurde gezwungen nichts zu essen. Gutmenschen ahoi!

hall

o 13.03.2010 - 12:48
David war 25 Jahre alt, und gab den Beamten lediglich an, 17 zu sein, da Minderjaehrige eben nicht so leicht abgeschoben werden koennen. Bei Zweifel der Beamten an der Altersangabe eines Asylsuchenden koennen diese die betreffende Person entweder zu einem "Verfahren" zur Altersbestimmung in ein Krankenhaus(irgendwas mit roentgen) oder, falls der Asylsuchende dies verweigert, sogar nach "Augenschein" das Alter des Asylsuchenden "festlegen".

NO BORDER NO NATION STOP DEPRTATION

Hamburg: Demonstration nach Tod in Abschiebeh

ASF 13.03.2010 - 14:26
Nach dem Suizid eines 17jährigen Flüchtlings in Hamburg demonstrierten am Dienstag abend mehr als 600 Menschen gegen die Abschiebepraxis bundesdeutscher Behörden. Der Protestzug zog vom Bahnhof Sternschanze zur Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis. Dort hatte sich David M. am Sonntag aus Angst vor seiner bevorstehenden Ausweisung nach Polen in einer Zelle des Gefängniskrankenhauses das Leben genommen (jW berichtete).

»Abschiebung ist Mord« stand auf dem Leittransparent der kraftvollen Demonstration, der sich viele Menschen spontan anschlossen. »Wir sind hier, um unsere Trauer und unsere Wut über den Tod von David zu zeigen«, rief eine Sprecherin vom Lautsprecherwagen den umstehenden Passanten zu. Die Demonstranten forderten die sofortige Abschaffung der Abschiebehaft als willkürlich verhängter staatlicher Zwangsmaßnahme und ein Bleiberecht für alle Flüchtlinge und Migranten. Vor allem unbegleitete Minderjährige gehörten nicht in ein Gefängnis, sondern in die Obhut der Jugendämter. Die Hamburger Ausländerbehörde unter Führung ihres Leiters Ralph Bornhöft (SPD) und von Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) stehe mit ihrer »Rückführungspolitik« für einen besonders restriktiven Kurs.

»Wir wollen die genauen Umstände des tragischen Todes von David M. und die unmenschliche Praxis, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Abschiebehaft zu nehmen, aufklären«, erklärte der migrationspolitische Sprecher der Hamburger Linksfraktion Mehmet Yildiz. »Wir fordern umgehend die Beendigung der unmenschlichen Abschiebehaftpraxis. Es ist eine Schande, daß diese Praxis auch unter Schwarz-Grün fortgesetzt wird.« Die Linksfraktion in der Bürgerschaft habe eine kleine Anfrage gestellt, um die Hintergründe des Suizids zu beleuchten.

Innenminister Ahlhaus kündigte am Dienstag an, künftig auf die Beantragung von Abschiebehaft für minderjährige Flüchtlinge zu verzichten. Ende 2008 war Ahlhaus von der Initiative »Jugendliche ohne Grenzen« der Titel »Abschiebeminister des Jahres« verliehen worden. »Europaweite Sammelabschiebungen von Flüchtlingen und die schlimmste Ausländerbehörde Deutschlands sind sein Verdienst«, hieß es seinerzeit zur Begründung.

 http://www.jungewelt.de/2010/03-11/045.php

 http://asf.kostenloses-forum.be/asf-post-3145.html#3145
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