Anmerkung der Moderationsgruppe: Trotz der Bitte, de.indymedia.org zum Veröffentlichen von eigenen Berichten und selbst recherchierten Reportagen zu nutzen, wurde hier ein Kommentar, ein Diskussionsbeitrag oder eine Stellungnahme einer Gruppe reinkopiert.
Es ist nicht das Ziel von Indymedia, ein umfassendes Infoportal incl. Forum für die Verlautbarungen politischer Gruppen anzubieten. Indymedia will ein Plattform für engagierte MedienmacherInnen und ihren eigenen Inhalte bieten. Indymedia will nicht als virtueller Flugblattständer für die Verbreitung, Kritik und Diskussion konkurrierender teilweise dogmatischer Ideologien herhalten. Das Veröffentlichen von Gruppenstellungnahmen und Flugblatttext gehört nicht zu den Zielen des Projektes. Mehr Informationen darüber, warum sich Indymedia nicht zum Diskutieren von politischen Texten eignet, findest Du hier.    Bitte nutze stattdessen die verlinkten Online-Diskussionsforen.

VARG: Eine zwielichtige "Lichtgestalt"?

Anne-Marie Strohmaier 11.03.2010 06:46
Philipp "Freki" Seiler: Eine zwielichtige "Lichtgestalt"?

Das PartySan Open Air (PSOA), bekannt für seine harte Haltung gegen "rechte Tendenzen" im Metal, hat sehr lange für eine Stellungnahme, zum geplanten Auftritt von Philipp "Freki" S. und VARG auf dem diesjährigen PSOA, gebraucht.
Seit vorgestern erklärt man folgendes:
"Wir baten euch vor einigen Wochen um ein wenig Geduld, damit wir uns in der Angelegenheit VARG ein umfassendes Bild machen können. Das ist, wie schon mehrfach erwähnt, nicht so einfach gewesen, wie zunächst gedacht. Besonders, da in dieser Angelegenheit viel Engagement von den beiden politischen Extremen in die Kampagne gelegt wurde, so dass wir regelrecht mit Mails zu diesem Thema zugespamt wurden. Nun, da wir viele Gespräche mit VARG, Philipp, Pressevertretern und einer Menge Metal Fans geführt haben, haben wir uns entschieden, VARG auf dem Party.San Billing zu belassen. Da bei der Diskussion in allen Foren viele Emotionen im Spiel waren, wollen wir euch diese Entscheidung in ein paar kurzen Worten erklären.

Das Party.San Open Air ist für eine klare politische Haltung gegen die Unterwanderung der Metal Szene durch rechte Spinner bekannt. Als die ersten Mails bei uns eintrafen, die VARG und Philipp einen rechten Background unterstellten, war klar, dass wir die Band bei uns nicht auftreten lassen, wenn sich diese Anschuldigungen bewahrheiten sollten.

Um das herauszufinden, haben wir uns nicht nur auf die zahlreichen Statements von Philipp verlassen. Wir haben uns weiter in das Thema eingelesen und recherchiert. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Informationen, die die Kampagne angeheizt haben, von der rechten Seite kamen. Private Fotos aus der Zeit als Philipp noch mit der rechten Szene zumindest kokettierte, oder sogar seine Schularbeiten konnten nicht so einfach ins Netz gelangen. Sie wurden gezielt eingesetzt, um Philipp zu diskreditieren – auf zum Teil gefakten, rechten Internetpräsenzen. Die extrem Linke und einige, privat von Philipp „Enttäuschte“, ließen sich vor den Karren spannen und schürten die Kampagne weiter. Philipp musste sich - zu Recht - bei seinen Fans, Label, Veranstaltern und der Presse erklären. Daraus ergibt sich, dass Philipp wirklich eine rechtseitig blinde Vergangenheit hat und sich von dieser nun distanziert und er klar gegen die rechte Szene Stellung bezieht.

Was bleibt also unterm Strich, was unsere Entscheidung beeinflusst.

* VARG, eine Band, die kommerziellen Erfolg haben will und weder in Texten noch durch äußere Bekundungen in die rechte Ecke gehört

* der Sänger von VARG, Philipp, der in der Vergangenheit mit der rechten Szene in Berührung gekommen war und sich nun mit aller Kraft davon distanziert und die rechte Szene öffentlich bekämpft.

* eine wütende rechte Szene, die damit eine ihrer gewünschten Lichtgestalten verloren hat

* eine, bei der Rechten abschreibende, extreme Linke die sich beim mopsen erwischen ließ und offenbar keinem rechten Aussteiger eine Chance geben will – und somit negiert, dass der Mensch lernfähig ist

Wir sehen den Menschen als lernfähig an und erkennen den positiven Lern-Ansatz bei Philipp an, so dass wir ihm nicht die Tür vor der Nase zuschlagen werden. Warum sich einer aus dem Dunstkreis der Rechten befreit, ob aus moralischen oder kommerziellen Gründen, ist uns dabei egal. Wichtig ist, dass es so ist und wir den Eindruck haben, dass dieser Vorgang nicht umkehrbar ist. Davon sind wir im Fall Philipp überzeugt.

Wenn wir als Metaller, den Mitläufern und/oder Aussteigern aus der rechten Szene nicht die Möglichkeit geben würden, sich in der Mitte der Gesellschaft neu zu etablieren, müssen wir davon ausgehen, dass keiner mehr seinen ideologisch, verklärten Lebenswandel überdenkt und sich neu positioniert. Somit sehen wir im Verbleib von VARG auf dem Party.San Billing unsere eigene moralische Pflicht.

Das Party.San Team"

Diese Erklärung muss genau analysiert werden, weil sie sozusagen die Quintessenz der Doppelmoral beim Umgang der "Metalbrüder" mit S. darstellt.

Die wesentlichen Kriterien für die Entscheidung, dass VARG weiterhin auf dem PSOA auftreten dürfen, sollen sein:

"VARG, eine Band, die kommerziellen Erfolg haben will und weder in Texten noch durch äußere Bekundungen in die rechte Ecke gehört"

- Die Texte von VARG sind zwar nicht rassistisch oder anderweitig nationalsozialistisch. Aber die pathetische Germanentümelei, welche sozusagen das Kernthema dieser Band darstellt, erinnert allzu oft an völkische Blut & Boden-Fantastereien aus "rechtsextremen Kreisen". Ein T-Shirt, welches auf einer ersten Tour von VARG verkauft wurde, zeigt das Bandlogo mit einem Hakenkreuz. Irgendwie gehört ein Hakenkreuz hierzulande doch "in die rechte Ecke", oder täuscht dieser Eindruck? Germanen + Hakenkreuz = Nazi. Diese Formel wird auch von den Veranstaltern des PSOA auf andere Bands angewendet. Aber nicht im Fall von VARG. Eine Band wie SKYFORGER aus Lettland, die bereits durch ihre Herkunft nicht automatisch als "Nazis" gelten sollten, musste sogar ihr altes Logo ändern, weil es immer wieder zu Problemen in Deutschland gekommen ist - obwohl die Band beteuerte, dass das Hakenkreuz im Logo nichts anderes als ein antikes, heidnisches Symbol darstellt...

"der Sänger von VARG, Philipp, der in der Vergangenheit mit der rechten Szene in Berührung gekommen war und sich nun mit aller Kraft davon distanziert und die rechte Szene öffentlich bekämpft"

- Philipp S. ist nicht mit der "rechten Szene in Berührung gekommen", sondern er hat die Nähe dieser Szene regelrecht gesucht. Man erinnere sich: Im Jahr 2006 warnt er, in seiner Facharbeit (hier abrufbar:  http://www.thepaganfront.com/upload/Sozialkunde_Geschichte_Facharbeit_Pagan_Metal.pdf), vor der Unterwanderung des Pagan Metal von "rechtsaußen". Ein Jahr später besucht er ein ABSURD-Konzert, und er lädt Hendrik M. - bekannt als "Satansmörder" - als Ehrengast auf sein Wolfszeit-Festival ein. S. spielt vor "rechten" Publikum, und er veranstaltet Konzerte mit "rechten Bands". Noch vor einem Jahr arbeitet er mit Hendrik M. auf einem TAAKE-Konzert zusammen. Bei alledem handelt es sich um Tatsachen, die noch nicht einmal von S. selbst geleugnet werden. Und jetzt distanziert er sich davon "mit aller Kraft"? Nein, er ist zur Distanzierung gezwungen, weil er sich nicht länger mit Lügen über seine Vergangenheit (siehe erste Stellungnahme zum Foto mit ABSURD-Hemd) herausreden kann und weil er unbedingt Karriere mit VARG machen will. Wie sieht denn sein "Kampf gegen rechts" aus? Er brüllt "Nazis fuck off" von der Bühne. Wie ernst ist es ihm damit? Ihm wurde von mehreren Seiten attestiert, dass er gar kein "politischer Mensch" ist. Seine Parolen "gegen rechts" erfolgen auf Aufforderung, und auf Abruf. Sie haben keine Substanz. Als er mit "Nazi-Metallern" per Du war, da hätte er die "rechte Szene" doch an vorderster Front "bekämpfen" können - aber nichts ist passiert.

"eine wütende rechte Szene, die damit eine ihrer gewünschten Lichtgestalten verloren hat"

- Inwiefern sich die "rechte Szene" überhaupt mit der causa VARG befasst, sei noch zu beweisen. Nirgendwo, ausser in einigen Black Metal-Internetportalen, gibt es irgendeinen Kommentar zu dem Thema. Von Philipp S. als "gewünschter Lichtgestalt" der "rechten Szene" zu sprechen, das grenzt geradezu an Ironie. Die "Nazis" wollten Philipp S. anwerben und VARG vereinnahmen? Bei aller gebotener Distanz, aber man wird doch auch den "Nazis" mehr Geschmack und Verstand bei der Auswahl ihrer Führungsfiguren zutrauen dürfen. Die Faktenlage in der causa VARG belegt zudem, dass S. auf die "rechte Szene" zugegangen ist und sich dort angebiedert hat.

"eine, bei der Rechten abschreibende, extreme Linke die sich beim mopsen erwischen ließ und offenbar keinem rechten Aussteiger eine Chance geben will – und somit negiert, dass der Mensch lernfähig ist"

- Eben war Philipp S. noch jemand, der doch nur mit der "rechten Szene in Berührung gekommen war", nun ist er auf einmal ein "rechter Aussteiger". Aussteiger, das impliziert doch den Einstieg in diese "rechte Szene". Genau den will S. aber nie vollzogen haben, glaubt man seinen Äußerungen und den wohlwollenden Kommentaren der "Metalbrüder". Stefan Hattinger von Rock the Nation bezeichnet S. als jemanden, der sich irgendwo angelehnt und dabei "etwas braune Farbe" abbekommen hat. Eine geradezu verharmlosende Umschreibung jener Machenschaften am "rechten Rand" des Black und Pagan Metal, die Philipp S. nachgewiesen werden können. Und inwiefern ist S. nun "lernfähig"?

Man denke einfach an 2006, und seine Facharbeit zum Thema Politik & Pagan Metal, zurück. Hat S. denn nicht schon damals, BEVOR er sich mit den "Nazi-Metallern" eingelassen hat, alles über die Gefahren und den Mißbrauch von "rechtsaußen" gewusst?!

DAMALS schreibt er: "Die Pagan Metal Szene muss dem politischen Rechtsradikalismus als lohnendes Rekrutierungsfeld für neue Mitglieder erscheinen, weil eine grundsätzliche Übereinstimmung besteht: eine Ablehnung der bestehenden Gesellschaft und ihrer Kultur."
DANACH sucht er den Anschluß an eben jene Exponenten des "politischen Rechtsradikalismus", welche in der Pagan Metal-Szene neue Anhänger ihrer Ideologie rekrutieren wollen.
JETZT distanziert er sich von alledem und schreit "Nazis fuck off!".

Was hat er denn JETZT gelernt was er nicht schon DAMALS gewusst hat?!

Wieso redet man von einer "zweiten Chance", die Philipp S. verdient haben soll? Zwar ist es ein weit hergeholter Vergleich, aber er kann durchaus als Denkanstoß dienen: Ein Künstler, der noch in der Weimarer Republik einen Aufsatz verfasst in dem er vor den Nationalsozialisten warnt, der aber nach 1933 ein Mitglied der NSDAP wird um seine Karriere voranzutreiben - ihm hätte man nach 1945 nicht attestiert, ein geläuterter "Aussteiger" zu sein, der Fehler gemacht und aus ihnen gelernt hat. Eine "zweite Chance" wäre ihm vewehrt geblieben.

Die Stellungnahme des Party San Open Air ist doch einigermaßen verblüffend, weil man Philipp S. geradezu in Schutz nimmt und so gut wie keine Kritik an ihm übt. Andere Bands wurden, wegen - im Vergleich zu den Umtrieben des Philipp S. - geradezu lachhaften "Vergehen", vom PSOA verjagt. Aber bei VARG entdeckt man auf einmal eine "moralische Pflicht", die den Verbleib der Band auf dem Festival geradezu zwingend notwendig macht. Vor den Fakten, welche die Schlußfolgerungen des PSOA ad absurdum führen, verschließt man die Augen. Ob die Veranstalter demnach von der Lichtgestalt Philipp S. oder doch einfach nur vom fabelhaften Reichtum seines Labels geblendet wurden, darüber lässt sich trefflich spekulieren.
Public Domain Dedication Dieses Werk ist gemeinfrei im Sinne der Public Domain
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

@ Brain

Mieze 12.03.2010 - 00:17
"Warum sollte auf einer Naziseite eine Facharbeit im upload stehen, welche doch über die rechte Unterwanderung des Pagan Metals berichtet?"

Weil 1. Seiler diese Facharbeit herumgeschickt hat um zu zeigen dass er unmöglich ein Nazi sein kann, weil er sich ja schon 2006 gegen NSBM etc. ausgesprochen haben will 2. diese Facharbeit von Leuten wie Mieze/PSOA an jeden, der ihn bzgl. Varg-Auftritt angeschrieben hat, weitergeleitet wurde und 3. die Nazis von der Paganfront sich bestimmt einen Ast über diese Facharbeit lachen. Darin steht, Absurd sei einer der wichtigsten Pagan Metal-Bands aus Deutschland. Wenn das schon so einer wie Seiler behauptet, dann wird es wohl stimmen. Gelle?

@Mietze

The Brain 12.03.2010 - 11:21
"Darin steht, Absurd sei einer der wichtigsten Pagan Metal-Bands aus Deutschland"

Weiß ja nicht, was du gelesen hast...
Zitate:
"Man kann die Band Absurd als einen der Hauptpfeiler benennen, auf die die Beziehung zwischen Rechtsradikalen und dem Pagan Metal seit Anbeginn baut."
"...und ihm einen Märtyrerstatus in der gesamten rechten Szene verschaffte."
"Gegenwärtig sind die schwedische Band Amon Amarth sowie Ensiferum und Moonsorrow aus Finnland die wichtigsten Vertreter; diese Gruppen sind die Helden der Szene, ihre Konzerte finden oft vor mehreren tausend Fans statt."
"wie ihn die bekanntesten deutschen Vertreter der Szene Menhir und XIV Dark Centuries spielen"
"Mit den Musikgruppen aus Thüringen, der Pagan Hochburg Deutschlands können nur
wenige Bands mithalten, Equilibrium und Riger sind die Ausnahme und zählen als die größten Deutschen Heiden Metal Bands der Szene"

Ich lese da jedenfalls keine Verehrung von Absurd. Aber vielleicht habe ich ja auch was überlesen ;)

Warum wurde eigentlich mein Kommentar zensiert?

Hetzjagd ...

Fischi 18.03.2010 - 15:12
Was soll Freki denn noch alles tun, um sich von den Nazis zu distanzieren? Für mich sind die Statements auf der Varg-Homepage klar genug. Die machen Musik und keine Politik.
Das ganze zeigt einmal mehr, dass die Antifa heute nurnoch zu Verleumdungen und Hexenjagden fähig ist, vergleichbares gabs ja schonmal mit Moonsorrow, die einfach ganz haltlos als Nazis bezeichnet wurden.
Die Antifa sollte sich lieber um die echten Nazis (Absurd etc) kümmern anstatt so einen Müll zu verfassen oder (laut Aussage der Band) ihre Homepage zu spiegeln und dort im Namen der Band Nazi-Kommentare abzugeben.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 11 Kommentare an

@autor — egal

Qvarg — macht stark

langsam nervts.... — hanspeter

es nervt langsam — easy

Nichts begriffen — Aufpasser

Offentlichkeitsarbeit — Kontroverso

Lustig — The Brain

@TheBrain — AfA

@ Brain — Mieze

@Fischi — ich

@Fischi — John