Chile- Zur Situation der Gefangenen

companera 09.03.2010 01:39 Themen: Militarismus Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Chile- Zur Situation der Gefangenen, der Militarisierung und der Ausgangssperren

Dieser Artikel gibt, ergaenzend zu den schon berichteten Geschehnissen, einen Ueberblick ueber die Situation der Gefangen waehrend und nach dem Beben am vergangenen Samstag und die staatliche Repression angesichts der Pluenderungen, die Militarisierung und Ausgangssperren in den am staerksten betroffenen Zonen.
Stand- 06.Maerz 2010


Gefaengnisse

Durch das Erdbeben wurden einige Gefaengnisse beschaedigt. 100 Beamte zur Aufstandsbekaempfung reisten unmittelbar nach dem Beben von Santiago in die betroffenen Regionen im Sueden Chiles, um die Gefangenen in andere Gefaengnisse zu ueberfuehren, waehrend sich die Gefaengniswaerter auch damit beschaeftigten, Supermaerkte und Produktionstaetten in den am staerksten betroffenen Zonen zu verteidigen.

Die zustaendigen Behoerden inspizierten die beschaedigten Gefaengnisse und stellen fest, dass die Knaeste in Molina, Constitucion, Parral, Chanco, San Javier, Chillan und Buin (letzterer in der Region der Hauptstadt) wegen Beschaedigungen oder vollstaendiger Zerstoerung geschlossen werden muessen. Bis jetzt ist noch nicht bekannt welche abgerissen und welche repariert werden sollen.


Fluchten

Neben der Angst und Beklemmung in diesem begrenzten Raum eingesperrt zu sein, mischte sich auch der Wunsch diese Strukturen fallen zu sehen. In einigen Faellen kam es Wort woertlich dazu, in anderen wurde durch absichtliche Brandlegungen und Meuterei nachgeholfen. In den suedlichen und zentralen Regionen Chiles wird die Anzahl der gefluechteten Gefangenen auf insgesamt 426 geschaetzt.

In diesem Zusammenhang starben ingesamt 12 Gefangene. Vier von ihnen starben im Gefaengnissgebaeude durch das Einfallen einer Wand und der Feigheit der Waerter, die sie waehrend des Bebens in ihren Zellen gefangen hielten. Ein Gefangener starb durch einen Brand. Sieben Gefangene wurden von Waertern erschossen, die die Flucht verhindern oder sie wieder "einfangen" wollten (was auch etliche Verletzte forderte).

"Ich moechte die Arbeit der Beamten des Strafvollzugs hervorheben, die ihre Dienstwaffen benutzten, um eine Flucht groesseren Ausmasses zu verhindern. Wir wissen, dass in der Region sieben Interne durch eine Kugel starben, durch die Aktion der Waechter." - Justizminister, Carlos Maldonado-

Die Flucht etlicher Gefangener aus dem Gefaengniss "El manzano I" konnte nicht bestaetigt werden, obwohl derzeit immer noch keine vollstandigen Informationen ueber die Umstaende aller Gefaengnisse der Region bekannt sind.

Die Repressionsorgane griffen 152 Gefangene wieder auf, 274 sind derzeit noch auf der Flucht. Zu einer der wohl spektakulaersten Fluchten kam es in Chillan, wo 290 Gefangenen, durch eine eingestuerzte Mauer und nach Auseinandersetzungen mit den Waertern und der Polizei, die Flucht gelang.

Zu den wieder eingesperrten Gefangenen zaehlt u.a. Patricio Olmedo Vergara, dem es gelang von Chillan nach Santiago zu fluechten und der bei einer Identitaetskontrolle aufgegriffen wurde.


Umverlegungen

In ausgedehnten Einsaetzen (mit von der Partie waren PDI, Carabineros, Soldaten, Waerter) wurden verschiedene Umverlegungen von Gefangenen aufgrund der zerstoerten Gebaeude durchgefuehrt.

Von den Knaesten in Los Angeles, Coronel und der Region Bio Bio wurden etwa 100 Gefangene in den Knast "Alto bonito" nach Puerto Montt gebracht.

In der am staerksten betroffenen Region wurden 1.200 Gefangene aus Concepcion, Coronel, Los Angeles und Chillan in den bald eingeweihten neuen Knast "El manzano II", in der Region Concepcion, verlegt.


Von den Compañeros

Am 03.Maerz bekannte sich die Mapuche Organisation "Coordinadora Arauco Malleco" (C.A.M.) durch ein Kommunique zu verschiedenen Brandstiftungen gegen den chilenischen Staat und forderten damit Informationen ueber die Situation der politischen Gefangenen, festgehalten in El Manzano I, Lebu, Los Angeles, Angol, Collipulli, Victoria, Temuco, Valdivia und Chol Chol.

Aus Santiago wurde die Information ueberbracht, dass es allen gefangenen Compañeros den Umstaenden entspechend gut geht und dass in den meisten Faellen nur der Schreck, die Verwirrung vorherrschte, sowie einige Versuche von Meuterei und die Sehnsucht diese Graeber aus Zement einstuerzen zu sehen.
Zu ihnen zaehlen:
- im C.A.S : Axel Osorio, Esteban Huiniguir y Marcelo Dotte,
- im M.A.S: Marcelo Villarroel, Freddy Fuentevilla,
- in Santiago 1: Matias Castro,Pablo Carvajal y Cristian Cancino,
- in C.P.F: Flora Pavez,
- im Ex–penitenciaria: Sergio Vasquez y Alvaro Olivares.


Pluenderungen und Ausgangssperren

Gleichzeitig fuellen sich die Zellen mit neuen Gefangenen, aufgrund der Umstaende nach dem Beben. Ausgangssperren, die weitere Pluenderungen verhindern sollen; die Praesenz des Militaers, der Carabineros und kuerzlich organisierter Buergerwehren in den Strassen der betroffenen Zonen; sensationslustige Reporter, deren Filmmaterial die Suche nach den Pluenderern erleichtern soll...

In der Gemeinde Quilicura in Santiago werden am 05. Maerz Haeuser durchsucht und ihre Bewohner festgenommen- Luis und Bernardo Pulgar Catrileo, Arturo Nuñez, Bastian Contreras und Jannet Fernandez. In ihren Haeusern wurde das gefaehrliche Arsenal sichergestellt: Zucker, Mehl, Tee, Reis, Nudeln. Alle wurden angeklagt, an den Pluenderungen von "Ofimarket" und dem Supermarkt "Santa Isabel" beteiligt gewesen zu sein.

In Talcahuano wurden Miguel Aranguiz, Juan Moya, Francisco Neptali, Jose Pino, Francisco Reyes und Patricio Reyes wegen ihrer angeblichen Beteiligung an den Pluenderungen von Supermaerkten und Tankstellen festgenommen und ihre Haeuser durchsucht.

Die "Notstandssituation" autorisierte die Besetzung verschiedener Staedte in den betroffenen Regionen durch das Militaer. Damit verbunden war die Einfuehrung einer Ausgangssperre, um die Pluenderungen zu beenden. Anfangs war sie von 21 Uhr bis 7 Uhr des naechsten Tages angesetzt, letztendlich endete sie mit dem Einsperren von 18 Uhr bis 12 Uhr des naechsten Tages, damit darf mensch sich nur 6 Stunden auf den Strassen aufhalten. Diese Regelungen gelten bis heute und zentrieren sich in der Region Maule und Bio Bio mit einigen Unterschieden in den verschiedenen Zonen.

Waehrend die Soldaten Personen festnehmen, die die Ausgangssperre nicht einhalten, wandern die Reporter mit einer Ausnahmebescheinigung zu jeder Stunde durch die Strassen. Jede Nacht endet mit der Festnahme etlicher Personen, waehrend Panzer in den Strassen patrullieren. Inmitten diesem Zusammenhang sirbt ein Jugendlicher in Chiguayante, Concepcion, durch einen Schuss. Weder die Presse, noch die zustaendigen Behoerden schaffen es, eine glaubhafte Version der Geschehnisse zu geben: Sie sprechen von der Verteidigung einiger Nachbarn aufgrund eines angeblichen Pluenderungsversuchs, vom Militaer, von einem Streit zwischen zwei rivalisierenden Banden. Letztendlich weiss niemand und interessiert es auch niemanden, was wirklich passiert mit den angeblichen Pluenderern, welche die Ausgangssperre nicht einhalten.


Situation in Concepcion

Einige Bewohner der Stadt Concepcion uebermitteln durch ein Kommunique weitere Informationen.
Im Stadtteil Aguita de la Perez, wie auch in Anderen, kam es aufgrund fehlender Hilfe und den leeren Kuehlschraenken zum Monatsende zu Pluenderungen durch groessere Teile der Bevoelkerung, wie z.B. in den Supermaerkten der Kette "Santa Isabel", die weder Haushaltsgeraete noch Luxuswaren fuehrt, d.h. es wurde nur das lebensnotwendige entwendet- Wasser, Milch und Nahrung. Das in den Massenmedien tausendmal wiederholte Bild einer Person, die einen Plasma-Fernseher entwendet, ist im Vergleich zu den Nahrungsenteignungen eher eine Ausnahme, wird aber von den Medien generalisierend auf alle Pluenderungsaktionen uebertragen und kriminalisiert diese.
Die zustaendigen Behoerden bestrafen in diesem Zusammenhang (neben etlichen Festnahmen und Anklagen) alle Stadtviertel, die an Pluenderungen beteiligt waren, indem sie ihnen erst als allerletzte die benoetigte Unterstuetzung zukommen laesst, sowie die Bereitstellung von Wasser und Strom. Dies wurde oeffentlich durch die Buergermeisterin in den Medien der Presse bekannt gegeben.
Es wird auch berichtet, dass Beamte der PDI (zivile Kriminalpolizei) in den Stadtvierteln das Geruecht schueren, es wuerden sich Horden pluendernder Verbrecher naehern, um so weiter Angst und Paranoia unter den Bewohnern zu schueren. Dies hat zur Folge, dass sich Buergerwehren geformt haben, die mit Stoecken und Schusswaffen die ganze Nacht ihren Sektor ueberwachen- eine relativ gefaehrliche Angelegenheit angesichts der Erschoepfung, Angespanntheit und des Hungers.



Die alten Strukturen des Kapitals ... fallen nicht von selbst!


Infos auf Spanisch:

 http://www.hommodolars.org/web
 http://www.hommodolars.org/web/spip.php?article3005
 http://liberaciontotal.entodaspartes.net/
 http://liberaciontotal.entodaspartes.net/archives/8852
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Ergänzungen