[Hamburg] Altersfeststellung am UKE

muss ausgefüllt werden 25.02.2010 11:54 Themen: Antirassismus Repression
Prof. Klaus Püschel ist in den letzten Tagen wieder in den Medien präsent. Diesmal nicht als Verfechter von Brechmitteleinsätzen oder als entlastender Experte für Bullen nach Todesschüssen im Dienst, sondern als Quinzy von Hamburg bei der Suche nach der Herkunft des Totenschädels welcher jüngst in der Redaktionseinfahrt der Mopo abgelegt wurde.
Dieser Artikel soll aber über eine ganz andere Rolle Püschels informieren.
Professor Klaus Püschel, schon vor Jahren forderte er die DNA aller Ausländer bei Grenzübertritt zu speichern. Auch bei den Brechmitteleinsätzen in Hamburg stand Püschel in vorderster Reihe. So war er ,als Chef der Rechtsmedizin, einer der Hauptverantwortlichen des gewaltsamen Todes von Michael Nwabuisi (lebte in Hamburg unter dem Namen Achidi John) der während eines Brechmitteleinsatzes im UKE starb.
Jüngst inszenierte sich Püschel in der Hamburger Morgenpost als Detektiv, welcher die Herkunft eines in der Redaktionseinfahrt abgelegten Totenkopfes festzustellen versucht.
Doch über eine andere Tätigkeit die Prof. Püschel ausübt wird in letzter Zeit wenig berichtet.
Seit einigen Jahren schon beschäftigt er sich als Handlanger der Ausländerbehörde Hamburg. Genauer der ZEA (Zentralenerstaufnahmestelle).

Früher bekannt für die Brechmitteleinsätze übernimmt er seit dem Wahlsieg von Schill und FDP im Jahre 2001 in der Rechtsmedizin ebenfalls die „wissenschaftliche“ Altersfestsetzung von jugendlichen Flüchtlingen. Das er hierbei auf höchst fragwürdige, erniedrigende und rassistische Methoden zurückgreift scheint bislang keine Konsequenzen nach sich zuziehen.

Übliche Vorgehensweise ist hierbei das Begutachten der Weißheitszähne, des Haarwuchses, sowohl im Brust- als auch im Intimbereich, das Röntgen des Handwurzelknochens und das Vermessen der Körpergröße.
Diese Praxis ist in Fachkreisen hoch umstritten und im historischen Kontext undenkbar.

Es ist davon auszugehen das Prof. Püschel im vollem Bewustsein der Folgen seines Tuns handelt. Mit der Festsetzung des Alters auf mindestens 16 Jahre gelten die Flüchtlinge und MigrantInnen als voll Handlungsfähig im Sinne des Gesetztes, bei „Deutschen Jugendlichen“ wäre dies erst mit 18 Jahren der Fall. Bei einer Altersfeststellung von über 18 Jahren verlieren Sie zusätzlich noch sämtliche Rechte die Ihnen als Jugendliche eigendlich zustehen würden. Dazu gehören die Unterbringung in einer Jugendeinrichtung, Schutz vor Umverteilung und Anrecht auf Schulbesuch.

War es vor einigen Jahren den jungen Flüchtlingen und MigrantInnen immerhin noch freigestellt ob und welche ÄrztInnen sie mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragten (um gegen eine Fiktivsetzung seitens der Behörde vorzugehen) wurde durch politischen Druck diese Praxsis immer weiter eingeschrängt und gipfelt dieser Tage schliesslich in ein perfekt funktionierendes Repressionssystem.

Bereits unter Rot/Grün (1997) einigte sich der Vorstand der Ärztekammer, unter Protest von Flüchtlingsorganisationen sowie ÄrztInnenorganisationen, mit der Ausländerbehörde auf Sechs niedergelassene Ärzte welche die Untersuchungen durchführen durften. Koordiniert wurde diese schon damals von Prof. Klaus Püschel.

Im Jahr 2000 musste die Ausländerbehörde allerdings feststellen das über 50% der von Ihnen Ältergemachten Jugendlichen von den Ärzten wieder für unter 16 Jahre erklärt wurden.
Da dies natürlich nicht im Interesse der Behörde war wurde, seitens der Ausländerbehörde, massiv Druck auf die Ärzte ausgeübt. Es folgten Hausdurchsuchungen in einigen Praxen und gegen mindestens Zwei Ärzte wurden Verfahren wegen der angeblichen Ausstellung von Falschattestaten eingeleitet.

Unter Schill wurde es den niedergelassenen ÄrztInnen schließlich gänzlich untersagt diese Gutachten auszustellen.
Seit dieser Zeit finden die Altersfeststellungen ausschließlich im UKE unter Prof. Klaus Püschel statt.
Von den, seit April 2009, 172 angeordneten Altersfeststellungen wurde in 9 Fällen die Fiktivsetzungen der Ausländerbehörde rückgängig gemacht (vgl. Schriftliche kleine Anfrage vom 05.02.2010).
Diese Zahlen spiegeln sowohl den politischen Willen der Stadt Hamburg, als auch die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen der Abteilung der Rechtsmedizin des UKE und der Ausländerbehörde wieder. Es geht offensichtlich darum in möglichst vielen Fällen die Rechte von jugendlichen Flüchtlingen und MigrantInnen zu beschneiden.


Püschel scheint ein ganz eigenes Verständnis von seiner Tätigkeit als Arzt zu besitzen. Wir hoffen für die Zukunft das er wieder mehr Gegenwind erfährt!
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Ergänzungen

quelle

1312 25.02.2010 - 21:16
die kleine Anfrage zum nachlesen gibts z.B. hier:

püschel

puschel 27.02.2010 - 21:14
Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand:

Ich gelobe feierlich mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen;

Ich werde meinen Lehrern die Achtung und Dankbarkeit erweisen, die ihnen gebührt;

Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben;

Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein;

Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren;

Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten;

Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein;

Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung;

Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden;

Dies alles verspreche ich feierlich, frei und auf meine Ehre.

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