Dresden: Nachlese zum 13. Februar
Es schien als hätten alle Seiten auf den Tag hingefiebert: Polizei, Dresden-Nazifrei, die Oberbürgermeisterin Frau Orosz und nicht zu vergessen die Anhänger der JLO. Alle hatten in den letzten Stunden vor dem 13. Februar noch einmal jeweils die Werbetrommel gerührt. Im Nachgang solcher Ereignisse versuchen sich alle Beteiligten in der Regel als die eigentlichen Gewinner zu gerieren. Doch zumindest für die Nazis gilt das dieses mal nicht, sie versuchen nicht einmal im Stile der Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht die Lage schön zu reden. Aber abgesehen vom Offensichtlichen, was sind denn nun die Ergebnisse des Tages?
Im Umfeld von No pasaran und Dresden-Nazifrei war die Stimmung in den Tagen zuvor mehr als gespannt. Prognosen wollte niemand so richtig abgeben. Man schien zwischen „die Polizei wird uns auseinanderprügeln“ und „das wird problemlos laufen“ hin- und hergerissen. Letztlich behielten die Optimisten recht. Die meisten Busse kamen sogar ohne jedwede Vorkontrolle in die Stadt und auch relativ problemlos zu den vorher anvisierten Blockadepunkten. Hier und da musste vielleicht eine kleinere Polizeikette durchflossen werden, im Grundsatz kamen die Blockaden jedoch recht einfach zur Stande. Neben einer guten Planung des Bündnisses "Dresden-Nazifrei" dürfte da auch die Polizei nicht ganz unschuldig gewesen sein. Sicher vom Timing her lief einiges in schier beängstigender Perfektion. Beamte die an einer Stelle gerade dabei waren Demonstranten abzudrängen, mussten im nächsten Moment abrücken, weil sich ein anderer Brennpunkt auftat. Es kann aber keinen Zweifel geben, der Aufmarsch der Neonazis war nicht gewollt und zwar nicht nur von den Leuten die blockiert haben oder sich im Umfeld der Blockaden betätigten. Es könnte schnell der Vorwurf aufkommen, "No pasarán" das bundesweite Antifabündnis hätte sich zum Lakaien machen lassen. Die Antifa als militanter Arm der Freiheitlich-Demokratischen-Grundordnung (FDGO)? Oder vielleicht noch schlimmer, hat "No pasarán" vielleicht (wirklich ungewollt?!?) die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in den nächsten Jahren wieder ein "stilles und würdiges Gedenken" stattfinden kann?
Verrückte gibt es überall, gerade und besonders in der linken Szene. Und liest man so manchen illustren Beitrag der Verbalradikalinskis, dann werden solche Vorwürfe tatsächlich erhoben. Warum man sich nach dem großen Erfolg von Dresden solchen Positionen eingehender widmen sollte? Weil es wohl aktuell kein besseres Beispiel für erfolgreiche antifaschistische und linke Intervention gibt als Dresden 2010.
Bei genauerer Betrachtung erweist sich der erste Vorhalt nicht als Vorwurf, sondern als Feststellung simpler Tatsachen. Natürlich dient jeder verhinderte Naziaufmarsch auch dem Schutz der FDGO. Die Zeiten des "revolutionären Antifaschismus" sind lange vorbei. Vorbei die Zeiten, als das umknallen von Nazis mit dem Gestus einer quasi revolutionären Tat aufgeladen wurde, oder wo das Klirren der Scheiben einer Bankfilliale - Dimitroff sei Dank - auch noch irgendwie als antifaschistisch galt. Nazis wollen Terror, darin besteht kein Zweifel. Großdemonstrationen dienen dazu, dass sie sich von dort ihre Energie für ihre unheilvolles Werk holen. Die Verhinderung von Naziaufmärschen, bedeutet die Verhinderung von Terror. Der Vorteil der Antifa - sie muss noch nicht einmal zum Schein mit der FDGO hausieren gehen. "No pasarán" - und das ist das eigentlich bemerkenswerte - auch "Dresden-Nazifrei" riefen zu Blockaden auf. Was als ziviler Ungehorsam bezeichnet wurde, ist streng genommen, ein gegen das Grundgesetz gerichtetes Handeln, hier gilt Versammlungsfreiheit. Mit dem Aktionskonsens wurde der Polizei signalisiert, dass es zumindest an dieser Stelle keinen Stress geben wird, solange die Beamten hier nicht durchdrehen. Abseits der Blockaden, als die Nazis durch das alternative Hechtviertel geleitet wurden, kam es dann zu etwas, was jemand aus einem norddeutschen Stadtstaat als die beste Schlägerei seit 20 Jahren beschrieb. Und in der Tat kam es in einigen Gebieten der Stadt zu teils stundenlanger Massenmilitanz. Ihren Niederschlag in den Medien erfuhren diese Vorfälle kaum, Hauptsache der Naziaufmarsch wurde verhindert.
Wenn Nazis beklagen, dass Presse, Staat und Antifa Hand in Hand arbeiten, dann kann man durchaus verstehen, dass dieser Eindruck erweckt wird. Soviel Randale, bei so wenig Festnahmen gab es selten. Und auch die Medien beschweren sich kaum. Nur liebe Kameraden, man kann keiner Ideologie anhängen, die für millionenfachen Mord, Terror und Krieg verantwortlich ist, und dann denken, damit Beliebtheitswettbewerbe zu gewinnen. Dass Rassismus und Antisemitismus auch ein Problem der Mitte der Gesellschaft sind, bleibt unbestritten. Gibt es so etwas wie ein antifaschistischen Konsens in der BRD? Der Blick nach Halbe, Wunsiedel, Leipzig und neuerdings Dresden scheint dies zu bestätigen, doch wer an andere Orte schaut, man denke nur an die Sächsische Schweiz oder andere Regionen, wird wohl schnell das genaue Gegenteil belegen können. Was stimmt also?
Auf der Homepage von venceremos heißt es nach wie vor: "Das Interesse an einer Blockade dieses Aufmarsches wächst, allerdings auch nur in der radikalen Linken. Zivilgesellschaft und Politik machen hingegen wenig Anstalten sich dem Aufmarsch wirklich in den Weg zu stellen." Wer die Unterstützerliste von Dresden-Nazifrei sieht und auf den Blockaden war und dort das Publikum betrachtet hat, der muss sich schon ob dieser Einschätzung wundern. Bemerkenswerter hingegen die Einschätzungen der Frau Orosz. Sie überlegt nun, wie man zukünftig das Aktionsbündnis besser einbinden kann. Zur Erinnerung: In dem Bündnis sitzt die ALB, die in keinem Verfassungsschutzbericht fehlen darf, und auch diverse andere "linksextremistische" Organisationen. Ist das noch das Dresden, dass wir kennen? Jenes reaktionäre Kaff, welches sich für eine Metropole an der Elbe hält? Ja wir sind noch in diesem Dresden. Und jede Stadt kriegt den Naziaufmarsch, den sie verdient, aber auch jede Antifa kriegt selbigen. Der Opfermythos in Dresden machte das bürgerliche Gedenken für Nazis anschlussfähig, keine Frage. Zwischenzeitlich wurde der Aufmarsch zu einen Selbstläufer. Der Dresdner Mythos wirkte jedoch fort. Weil ein "stilles und würdiges Gedenken" oberste Priorität hatte, verbot sich jeder Aufschrei, auch gegen Rechts. Hauptsache in Ruhe trauern, da wurde dann auch schnell mal ein fragwürdiges neues Versammlungsgesetz zusammengeschustert, um das stille Gedenken in der Altstadt festzuschreiben.
Nun ist der Tod von 18.000 - 25.000 Menschen durchaus ein Ereignis, was bei keinem Menschen, der irgendwie mal was von der Aufklärung gehört hat, oder vielleicht auch nur im entferntesten über sowas wie emotionale Intelligenz verfügt, Anlass zu einem Schulterzucken, hämische Freude oder gar nach einer Forderung nach einer Wiederholung sein könnte. Die Bombardierung Dresdens war kein Schicksalschlag und auch nicht Strafe für Auschwitz, sondern Normalität. Dass es ein solche Normalität zukünftig zu verhindern gilt, und dabei sei durchaus aktuell an Afghanistan gedacht, sollte ein Selbstverständlichkeit sein. Die Lehre aus Dresden kann aber nicht heißen, dass man nie wieder Krieg wolle. Sondern zunächst gilt die Maxime, dass alles zu unternehmen sei, damit Auschwitz oder etwas ähnliches sich nicht wiederhole. Ein Krieg der sich gegen einen Genozid richtet, auch wenn er nicht primär deswegen geführt, ist immer ein gerechter Krieg, auch wenn es im Krieg selbst manches gegeben hat, was mancher als Unrecht empfinden möge. Ein stilles Gedenken blendet den prinzipiell gerechten Impetus des Angriffs vom 13. Februar aus. Wer von einer Naziclique spricht, der blendet aus, dass der Nationalsozialismus eine Massenbewegung war. Die Bombardierung war ein kollektives Ereignis, dies legt auch ein kollektives Erinnern und Gedenken nahe. Geschichtsrevisionistische Tendenzen anzugreifen, ist eine Notwendigkeit. Mit der Zivilgesellschaft zur Abwehr von Nazigroßaufmärschen zusammenzuarbeiten aber auch. Dies ist erfolgreich geschehen. Zivilgesellschaft und Antifa sind Angesichts der Herausforderungen aufeinander angewiesen. Und wer konsequent mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeitet, ist im Diskurs wesentlich mächtiger als jene, die genau einmal im Jahr auftauchen Bürger und Nazis gleichsetzen, laut krakelen, und von denen man dann im Rest des Jahres über aber so gut wie nichts hört. So eine Zusammenarbeit mag Blut, Schweiß und Tränen kosten, sie führt nicht selten an die Grenzen von dem was man als Linksradikale(r) noch vertreten kann. Aber dem Gegenüber geht es nicht anders und insgesamt, kann man so eine Menge bewegen.
Nicht nur, dass es erstmals gelungen ist, den größten Naziaufmarsch zu verhindern und dies nach einer Anlaufphase von nur zwei Jahren. Es gelang auch, in die Zivilgesellschaft das Konzept des zivilen Ungehorsames zu vermitteln. Ebenso deutlich sind die Erfolge in der hiesigen Medienlandschaft nachweisbar. Die Sächsische Zeitung, welche in der etwas weiteren Vergangenheit zum Ignorieren des JLO-Aufmarsches aufrief, jenes Blatt, welches sich in den letzten Wochen vor allem darauf konzentrierte, die Menschenkette als die Veranstaltung in Dresden hervorzuheben, zu der jeder Dresdner Bürger eingeladen sei, genau diese Zeitung spricht sich in einem Artikel "Dresdens Kampf mit zivilem Ungehorsam" dezidiert für die Teilnahme an Blockaden aus. Orosz und Jesse, der die Blockaden als Niederlage für den Rechtsstaat bezeichnete, werden für ihre Haltung kritisiert.
Betrachtet man die Geschichte des JLO-Aufzuges, so kommt man nicht nur zur Feststellung, dass jede Stadt den Naziaufmarsch bekommt, den sie verdient, sondern selbiges ebenso für die lokale Antifa gilt. Wenn einem neu gegründeten Bündnis innerhalb kürzester Zeit das gelingt, wovon andere schon nicht mehr zu träumen wagten, dann muss das Anlass für eine kritische Prüfung der eigenen Aktivitäten sein. Wenn jetzt aus entsprechenden Ecken behauptet wird, "No pasaran" hätte keine inhaltliche Kritik am Gedenken geäußert, dem sei die Lektüre des Aufrufes nahgelegt, bevor man weiter unwissend schwätzt. Wenn einige jetzt eine Volksgemeinschaft gegen Rechts hallizunieren oder man sich in Freiberg daran stört, dass bei Massenblockaden ein "Wir"-Gefühl entsteht und auch gefördert wird, dann mag man dies als Abwehreflexe des eigenen Versagens nachvollziehen. D.h. nicht, dass die vermeintlich "antideutsche" Kritik an dem Opfermythos in Dresden falsch ist, im Gegenteil. Das Problem ist die politische Praxis. Aus der Annahme heraus, die Bevölkerung bestehe aus latenten Nationalsozialisten, ergibt sich freilich, dass hier keine wie auch immer gerartetete Zusammenarbeit stattfinden kann. Der JLO-Aufmarsch ist ist nur die Manifestation des deutschen Ungeistes, der das eigentliche Problem darstellt. Und so wird der Bürger jahrein jahraus beschimpft und getadelt, der Naziaufmarsch wird währenddessen immer größer und gleichzeitig reagiert die Öffentlichkeit zunehmend angewidert auf das was aus der linken Ecke kommt. Dies wurde jedoch nicht als Anzeichen eines falschen Politikansatzes gewertet, sondern im Gegenteil als durchschlagender Beweis für die Richtigkeit der eigenen Ideologie. Folgerichtig muss jetzt auch an den Massenblockaden rumgemäkelt werden, was das Zeug hält, würde man sich sonst eingestehen, dass der destruktive Politikansatz der früher in Dresden bestimmend war, gescheitert und seiner ideologischen Grundlage entzogen worden ist.
Wenn jetzt Frau Orosz über die Art und Weise einer Zusammenarbeit mit dem Blockadebündnis nachdenkt, kann als gesichert gelten, dass dies wenn es dazu kommt, nicht umsonst zu haben sein wird. Das Gedenken wird sich auch in seinen Symboliken weiter von einem stillen Gedenken entfernen müssen, wenngleich in den Reden die den Rahmen der Veranstaltungen bilden in den letzten Jahren schon erfreuliche Veränderungen zu konstatieren sind.
Mit einem pragmatischen Ansatz der auf Intervention setzt, kann man nicht nur Naziaufmärsche verhindern, man kann damit auch auf die Art des Gedenkens einwirken und schlägt so vielleicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. In diesem Sinne: Auf ein neues.
Verrückte gibt es überall, gerade und besonders in der linken Szene. Und liest man so manchen illustren Beitrag der Verbalradikalinskis, dann werden solche Vorwürfe tatsächlich erhoben. Warum man sich nach dem großen Erfolg von Dresden solchen Positionen eingehender widmen sollte? Weil es wohl aktuell kein besseres Beispiel für erfolgreiche antifaschistische und linke Intervention gibt als Dresden 2010.
Bei genauerer Betrachtung erweist sich der erste Vorhalt nicht als Vorwurf, sondern als Feststellung simpler Tatsachen. Natürlich dient jeder verhinderte Naziaufmarsch auch dem Schutz der FDGO. Die Zeiten des "revolutionären Antifaschismus" sind lange vorbei. Vorbei die Zeiten, als das umknallen von Nazis mit dem Gestus einer quasi revolutionären Tat aufgeladen wurde, oder wo das Klirren der Scheiben einer Bankfilliale - Dimitroff sei Dank - auch noch irgendwie als antifaschistisch galt. Nazis wollen Terror, darin besteht kein Zweifel. Großdemonstrationen dienen dazu, dass sie sich von dort ihre Energie für ihre unheilvolles Werk holen. Die Verhinderung von Naziaufmärschen, bedeutet die Verhinderung von Terror. Der Vorteil der Antifa - sie muss noch nicht einmal zum Schein mit der FDGO hausieren gehen. "No pasarán" - und das ist das eigentlich bemerkenswerte - auch "Dresden-Nazifrei" riefen zu Blockaden auf. Was als ziviler Ungehorsam bezeichnet wurde, ist streng genommen, ein gegen das Grundgesetz gerichtetes Handeln, hier gilt Versammlungsfreiheit. Mit dem Aktionskonsens wurde der Polizei signalisiert, dass es zumindest an dieser Stelle keinen Stress geben wird, solange die Beamten hier nicht durchdrehen. Abseits der Blockaden, als die Nazis durch das alternative Hechtviertel geleitet wurden, kam es dann zu etwas, was jemand aus einem norddeutschen Stadtstaat als die beste Schlägerei seit 20 Jahren beschrieb. Und in der Tat kam es in einigen Gebieten der Stadt zu teils stundenlanger Massenmilitanz. Ihren Niederschlag in den Medien erfuhren diese Vorfälle kaum, Hauptsache der Naziaufmarsch wurde verhindert.
Wenn Nazis beklagen, dass Presse, Staat und Antifa Hand in Hand arbeiten, dann kann man durchaus verstehen, dass dieser Eindruck erweckt wird. Soviel Randale, bei so wenig Festnahmen gab es selten. Und auch die Medien beschweren sich kaum. Nur liebe Kameraden, man kann keiner Ideologie anhängen, die für millionenfachen Mord, Terror und Krieg verantwortlich ist, und dann denken, damit Beliebtheitswettbewerbe zu gewinnen. Dass Rassismus und Antisemitismus auch ein Problem der Mitte der Gesellschaft sind, bleibt unbestritten. Gibt es so etwas wie ein antifaschistischen Konsens in der BRD? Der Blick nach Halbe, Wunsiedel, Leipzig und neuerdings Dresden scheint dies zu bestätigen, doch wer an andere Orte schaut, man denke nur an die Sächsische Schweiz oder andere Regionen, wird wohl schnell das genaue Gegenteil belegen können. Was stimmt also?
Auf der Homepage von venceremos heißt es nach wie vor: "Das Interesse an einer Blockade dieses Aufmarsches wächst, allerdings auch nur in der radikalen Linken. Zivilgesellschaft und Politik machen hingegen wenig Anstalten sich dem Aufmarsch wirklich in den Weg zu stellen." Wer die Unterstützerliste von Dresden-Nazifrei sieht und auf den Blockaden war und dort das Publikum betrachtet hat, der muss sich schon ob dieser Einschätzung wundern. Bemerkenswerter hingegen die Einschätzungen der Frau Orosz. Sie überlegt nun, wie man zukünftig das Aktionsbündnis besser einbinden kann. Zur Erinnerung: In dem Bündnis sitzt die ALB, die in keinem Verfassungsschutzbericht fehlen darf, und auch diverse andere "linksextremistische" Organisationen. Ist das noch das Dresden, dass wir kennen? Jenes reaktionäre Kaff, welches sich für eine Metropole an der Elbe hält? Ja wir sind noch in diesem Dresden. Und jede Stadt kriegt den Naziaufmarsch, den sie verdient, aber auch jede Antifa kriegt selbigen. Der Opfermythos in Dresden machte das bürgerliche Gedenken für Nazis anschlussfähig, keine Frage. Zwischenzeitlich wurde der Aufmarsch zu einen Selbstläufer. Der Dresdner Mythos wirkte jedoch fort. Weil ein "stilles und würdiges Gedenken" oberste Priorität hatte, verbot sich jeder Aufschrei, auch gegen Rechts. Hauptsache in Ruhe trauern, da wurde dann auch schnell mal ein fragwürdiges neues Versammlungsgesetz zusammengeschustert, um das stille Gedenken in der Altstadt festzuschreiben.
Nun ist der Tod von 18.000 - 25.000 Menschen durchaus ein Ereignis, was bei keinem Menschen, der irgendwie mal was von der Aufklärung gehört hat, oder vielleicht auch nur im entferntesten über sowas wie emotionale Intelligenz verfügt, Anlass zu einem Schulterzucken, hämische Freude oder gar nach einer Forderung nach einer Wiederholung sein könnte. Die Bombardierung Dresdens war kein Schicksalschlag und auch nicht Strafe für Auschwitz, sondern Normalität. Dass es ein solche Normalität zukünftig zu verhindern gilt, und dabei sei durchaus aktuell an Afghanistan gedacht, sollte ein Selbstverständlichkeit sein. Die Lehre aus Dresden kann aber nicht heißen, dass man nie wieder Krieg wolle. Sondern zunächst gilt die Maxime, dass alles zu unternehmen sei, damit Auschwitz oder etwas ähnliches sich nicht wiederhole. Ein Krieg der sich gegen einen Genozid richtet, auch wenn er nicht primär deswegen geführt, ist immer ein gerechter Krieg, auch wenn es im Krieg selbst manches gegeben hat, was mancher als Unrecht empfinden möge. Ein stilles Gedenken blendet den prinzipiell gerechten Impetus des Angriffs vom 13. Februar aus. Wer von einer Naziclique spricht, der blendet aus, dass der Nationalsozialismus eine Massenbewegung war. Die Bombardierung war ein kollektives Ereignis, dies legt auch ein kollektives Erinnern und Gedenken nahe. Geschichtsrevisionistische Tendenzen anzugreifen, ist eine Notwendigkeit. Mit der Zivilgesellschaft zur Abwehr von Nazigroßaufmärschen zusammenzuarbeiten aber auch. Dies ist erfolgreich geschehen. Zivilgesellschaft und Antifa sind Angesichts der Herausforderungen aufeinander angewiesen. Und wer konsequent mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeitet, ist im Diskurs wesentlich mächtiger als jene, die genau einmal im Jahr auftauchen Bürger und Nazis gleichsetzen, laut krakelen, und von denen man dann im Rest des Jahres über aber so gut wie nichts hört. So eine Zusammenarbeit mag Blut, Schweiß und Tränen kosten, sie führt nicht selten an die Grenzen von dem was man als Linksradikale(r) noch vertreten kann. Aber dem Gegenüber geht es nicht anders und insgesamt, kann man so eine Menge bewegen.
Nicht nur, dass es erstmals gelungen ist, den größten Naziaufmarsch zu verhindern und dies nach einer Anlaufphase von nur zwei Jahren. Es gelang auch, in die Zivilgesellschaft das Konzept des zivilen Ungehorsames zu vermitteln. Ebenso deutlich sind die Erfolge in der hiesigen Medienlandschaft nachweisbar. Die Sächsische Zeitung, welche in der etwas weiteren Vergangenheit zum Ignorieren des JLO-Aufmarsches aufrief, jenes Blatt, welches sich in den letzten Wochen vor allem darauf konzentrierte, die Menschenkette als die Veranstaltung in Dresden hervorzuheben, zu der jeder Dresdner Bürger eingeladen sei, genau diese Zeitung spricht sich in einem Artikel "Dresdens Kampf mit zivilem Ungehorsam" dezidiert für die Teilnahme an Blockaden aus. Orosz und Jesse, der die Blockaden als Niederlage für den Rechtsstaat bezeichnete, werden für ihre Haltung kritisiert.
Betrachtet man die Geschichte des JLO-Aufzuges, so kommt man nicht nur zur Feststellung, dass jede Stadt den Naziaufmarsch bekommt, den sie verdient, sondern selbiges ebenso für die lokale Antifa gilt. Wenn einem neu gegründeten Bündnis innerhalb kürzester Zeit das gelingt, wovon andere schon nicht mehr zu träumen wagten, dann muss das Anlass für eine kritische Prüfung der eigenen Aktivitäten sein. Wenn jetzt aus entsprechenden Ecken behauptet wird, "No pasaran" hätte keine inhaltliche Kritik am Gedenken geäußert, dem sei die Lektüre des Aufrufes nahgelegt, bevor man weiter unwissend schwätzt. Wenn einige jetzt eine Volksgemeinschaft gegen Rechts hallizunieren oder man sich in Freiberg daran stört, dass bei Massenblockaden ein "Wir"-Gefühl entsteht und auch gefördert wird, dann mag man dies als Abwehreflexe des eigenen Versagens nachvollziehen. D.h. nicht, dass die vermeintlich "antideutsche" Kritik an dem Opfermythos in Dresden falsch ist, im Gegenteil. Das Problem ist die politische Praxis. Aus der Annahme heraus, die Bevölkerung bestehe aus latenten Nationalsozialisten, ergibt sich freilich, dass hier keine wie auch immer gerartetete Zusammenarbeit stattfinden kann. Der JLO-Aufmarsch ist ist nur die Manifestation des deutschen Ungeistes, der das eigentliche Problem darstellt. Und so wird der Bürger jahrein jahraus beschimpft und getadelt, der Naziaufmarsch wird währenddessen immer größer und gleichzeitig reagiert die Öffentlichkeit zunehmend angewidert auf das was aus der linken Ecke kommt. Dies wurde jedoch nicht als Anzeichen eines falschen Politikansatzes gewertet, sondern im Gegenteil als durchschlagender Beweis für die Richtigkeit der eigenen Ideologie. Folgerichtig muss jetzt auch an den Massenblockaden rumgemäkelt werden, was das Zeug hält, würde man sich sonst eingestehen, dass der destruktive Politikansatz der früher in Dresden bestimmend war, gescheitert und seiner ideologischen Grundlage entzogen worden ist.
Wenn jetzt Frau Orosz über die Art und Weise einer Zusammenarbeit mit dem Blockadebündnis nachdenkt, kann als gesichert gelten, dass dies wenn es dazu kommt, nicht umsonst zu haben sein wird. Das Gedenken wird sich auch in seinen Symboliken weiter von einem stillen Gedenken entfernen müssen, wenngleich in den Reden die den Rahmen der Veranstaltungen bilden in den letzten Jahren schon erfreuliche Veränderungen zu konstatieren sind.
Mit einem pragmatischen Ansatz der auf Intervention setzt, kann man nicht nur Naziaufmärsche verhindern, man kann damit auch auf die Art des Gedenkens einwirken und schlägt so vielleicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. In diesem Sinne: Auf ein neues.
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Ergänzungen
Super Artikel...
siehe:
Auch die lokalen medien scheinen wieder zu selbstständigkeit zufinden...
Wir sehen uns nächstes Jahr - No Pasaran -in jedem jahr
Und sie bewegt sich doch...
Bilderpool vom 13.02.
Weitere interssante Texte...
Inglourious Basterds
Es gibt Szenelinke, die uns abfällig als »Sportgruppe« bezeichnen. Aber das stimmt nicht. Was wir machen, hat nichts mit Sport oder gar sportlicher Fairness zu tun. Im Gegenteil, wir greifen maskiert und ohne Vorwarnung aus dem Hinterhalt an. Allgemein wird so etwas als »unehrenhaft« oder als »feige« bezeichnet. Zugegeben, ein gewisser Pragmatismus ist uns zu eigen, aber im Unterschied zu Hooligans oder irgendwelchen Straßenschlägern arbeiten wir ergebnisorientiert. Unser Ziel ist ganz simpel: Wir wollen den Nazis weh tun.
Wichtig ist uns vor allem dabei, dass es die richtigen trifft, und nur die richtigen. Kollateralschäden nehmen wir nicht in Kauf. Zumeist lauern wir einzelnen oder kleinen Gruppen von bekannten oder deutlich erkennbaren Neonazis auf. Wir folgen ihnen unauffällig und überwältigen sie dann in einem günstigen Moment. Alles muss dann schnell gehen. Wenn die Gegner weglaufen, um Hilfe schreien oder zurückschlagen, dann haben wir etwas falsch gemacht. Manchmal nehmen wir ihnen dabei auch die Buttons ab oder reißen ihre Nazi-Shirts kaputt. Früher haben wir die einfach als Trophäen mitgenommen. Das machen wir nicht mehr, weil solche Beweisstücke für uns Serientäter gefährlich sein könnten.
Der 13. Februar ist seit Jahren ein Pflichttermin für uns. Schon auf dem Weg nach Dresden treffen wir auf einer Autobahnraststätte eine Horde Dorfnazis. Es sind zu viele, um sie direkt anzugreifen. Also begnügen wir uns damit, heimlich die Reifen ihrer Autos zu zerstechen, und fahren dann weiter.
Dresden ist an diesem Tag eigentlich nichts für notorische Leisetreter wie uns, sondern eher eine Spielwiese für autonome Hasskappen-Fetischisten, die, im Gegensatz zu uns, die offene Konfrontation mit den Bullen oder dem Nazimob suchen. Problematisch ist, dass sich Nazis und Linke nur noch schwer an der Kleidung unterscheiden lassen und man fast ausschließlich an große Gruppen gerät. Ob die Gruppe Halbvermummter, die einem da entgegenkommt, Antifas, Nazis oder gar Zivis sind, weiß man erst, wenn man sich direkt gegenüber steht. Wir begegnen mehrfach aggressiven Nazigruppen, die auf der Jagd nach Linken sind, uns aber nicht als Antifaschisten erkennen. Unser modus operandi funktioniert hier nicht, wir konzentrieren uns lieber darauf, Autos und Busse von Nazis zu beschädigen.
Später fahren wir in eine ostdeutsche Kleinstadt. Am Bahnhof lauern wir mehrere Stunden vergebens auf Nazis, die aus Dresden zurückkommen. Unsere Geduld wird nach einer Weile mit einer zufällig vorbeikommenden Gestalt belohnt, die einen Pullover der Marke Consdaple trägt. Hierbei handelt es sich um Texilien, die von Nazis für Nazis gemacht werden und die das Parteikürzel NSDAP mit dem englischen Wort »constable« verbinden. Uns ist klar, dass dem Bedürfnis, andere zu verletzen oder zu bestrafen, nichts Emanzipatorisches innewohnt. Was wir machen, wird als »politisch unbedeutend«, bestenfalls als »Gegenterror« kritisiert werden. Das wissen wir. Wir machen es trotzdem. Wenig später geht ein völlig überraschter Neonazi schwer angeschlagen zu Boden und verwandelt sich dort in ein wimmerndes Häuflein Elend. Ziel erreicht – wir fahren nach Hause.
Aldo Regen
trotz allem ein wichtiges Zeichen
>> Oder vielleicht noch schlimmer, hat "No pasarán" vielleicht (wirklich ungewollt?!?) die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in den nächsten Jahren wieder ein "stilles und würdiges Gedenken" stattfinden kann? <<
Genau das muss ja eben nicht sein. Vielleicht ist bei weniger Nazis (im besten Fall gegen null) an diesem Tag auf Dresdner Straßen endlich wieder mehr Platz und Zeit für inhaltliche Kritik am Dresdner Verständnis von Gedenken und Schuld. Und hier kann dann auch endlich wieder eine klare Abgrenzung (und nicht der kleinste gemeinsame Nenner) gesucht werden zu all denen, die doch nur "Nazis raus" haben wollen.
BBC Beitrag zu Dresden
Und von wegen politisch und deshalb polizeilich gewollt, bzw. wegen der Vorwürfe, die Polizei habe die Demonstranten zu "sanft" behandelt: Ich selbst sah mindesten 15 - 25 Verletzte durch Polizeigewalt. Meistens durch Schläge mit Knüppeln, oder treten, aber auch Pfefferspray etc. Auch ich und meine Freundin wurden Opfer von Gewalt, am frühen Morgen auf der Hansastraße, auf dem weg zum Blockadepunkt 3. Die Bullen haben Leute mit Knüppeln geschlagen, die mit erhobenen Händen "Keine Gewalt!" riefen. Später mussten wir uns und andere in einem Hauseingang vor durchdrehenden Rennbullen verschanzen...
Gewaltfrei ist was anderes. Oder es auch die provozierenden Bullen, mit reibenden Händen "Na kommt her, ich freu mich drauf!" und ähnliches. Und sehr viele direkte Anwohner können ähnliches berichten!
Vieles davon ist auf Video dokumentiert, einfach mal suchen!
Und Orosz schrieb Gestern in der DNN "die Wucht der Menschenkette habe den Aufmarsch der JLO verhindert."!
Davon ist sie "überzeugt". Da kommt mir das Würgen, ob solcher öffentlichen, dreisten Lügen!
Aber nach diesem Jahr ist alles anders, damit werden sie nicht durchkommen.
Den Aufmarsch verhindert haben nunmal die Blockierer. vielen Dank an Alle, die da waren!
Zum freuen die Ballade "Bei den Blockierern".
bestgemachter Beitrag aller Zeiten
Allianz mit Machthabenden ?
Ausgehend von der Grundanalyse, dass bis jetzt linke, emanzipatorische und soziale Bewegungen zum Machterhalt einer Elite mehr oder weniger unterdrückt wurden und eigentlich Gegenkulturen und subordinierte Gruppen darstellten - sollen diese jetzt (in Dresden) für eine Allianz mit den Machthabenden gewonnen werden. Dies ist eigentlich nichts schlechtes, sondern absolut wünschenswert. Da, wenn man ergebnisorientiert argumentiert, der Einfluss auf die gesellschaftlichen Prozesse wächst und man Gestaltungspotential bekommt, wovon man früher nur träumen konnte. Dass "wir" Potential en Mass haben zeigen unsere Aktionen. Jedoch darf meiner Meinung nach auf keinen Fall diese Allianz eingegangen werden, ohne ein deutliches eigenes Profil.
Das bürgerliche Trauern ist geprägt, durch ein Ausblenden der Realitäten, dass es bereits heute, wie auch in der Vergangenheit wieder Opfer der deutschen Mehrheitsgesellschaft gibt. Ohne einen gesammtgesellschaftlichen Diskurs läuft man in die Falle selbst Mittel zum Zweck zu werden. Wenn nun Bürger ihrer Opfer gedenken wollen, ist auch ein Diskurs über die durch die deutsche Gesellschaft entstandenen und entstehenden Opfer zu führen.
Es wäre undenkbar für mich mit Machthabern zusammen gegen Rechts zu kämpfen, während gleichzeitig kein Problembewusstsein für beispielsweise Zerstürung von Freiräumen, Waffenlieferungen, Atomkraft "Friedenstruppen", imperialistische Ausnutzung sowie deutsches Asyl(UN)recht (usw) bei diesen besteht. Man würde zur Stütze von Machtverhältnissen in einer neuen menschenverachtenden Ideologie. Es scheint mir aber schwierig dieses Problembewusstsein zu vermitteln, da in dem Werteverständnis der Normgesellschaft und gerade in dem Bewußtsein reaktionärer Politiker die Ansichten tief verwurzelt sind.
Ja diese bürgerliche Mehrheitsgesellschaft hat sich gar als "Bastion der Anständigen"(Ich weiß die Formulierung ist von Arschmedia-Schande über mich) gefeiert. Sie haben nun ein Feindbild des bösen, dummen Nazis konstruiert, ausser Acht lassend, dass menschenverachtende Ideologien wie Nationalsozialismus immer aus der Mitte und den Eliten der Gesellschaft kamen/kommen und sich danach hegemonielle Normen herausbilden -welche von der Bevölkerung verinnerlicht werden/wurden. Das bedeutet diese Normen müssen in einer Allianz zum positiven beinflussbar sein und es muss eingestanden werden, dass die deutsche Bevölkerung Schuld am Nationalsozialismus war (Individualisierung der Schuld). Erst bei einer ehrlichen Betrachtung dieser Schuld und bei der Möglichkeit diese Gesellschaft maßgeblich im positiven Sinne zu gestalten wäre für mich die Voraussetzung der Zusammenarbeit gegeben. Dies würde für Eliten allerdings bedeuten Macht abzutreten. Und ich glaube, dass dies ihnen schwer fallen wird. Aber nach diesem Wochenende glaube ich wieder an Wunder(Euphorie). Vielleicht funktioniert es ja.
Ich weiß es ist viel verlangt, andererseits sehe ich schlecht einen anderen Weg. Ich bin über diesen Diskurs sehr begeistert und freu mich auf die nächste Zeit und eventuelle Ergebnisse.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Danke! — Jakob
Wie viele Busse waren das nochmal? — (muss ausgefüllt werden)
Vorbereitung? (nächstes mal) — Du
Identität oder Revolution — ist egal
waren es nicht 2.000 busse? — blockierer
immer — wieder
Geschichtsrevisionismus — ....
asdf — chucknorris
vielen dank... — fff
@autor — egal
Wow — sad
@Geschichtsrevisionismus — tick
War doch nur kurz auf dem Klo! — Tagträumer
@fff — (A)
@(A) — kyle
Neoliberalismus und Rechtsextremismus — Emmet Grogan
@ (A) & co — b/
Zivilgesellschaftlicher Diskurs — Siebert
@wieder — McDreck
peinliche sache, das — pfui
@ mcdreck — g. nervt
@g.nervt — antifa hh
Kein Erfolg der Antifa — Alter Hase
Beschränkte Selbstzerfleischung! — veganxedge
Moderationskriterien? — Stefan K.
Na bravo @ alter Hase — Teufelsanwalt
Moderationspolitik — egal