Anmerkung der Moderationsgruppe:
Trotz der Bitte, de.indymedia.org zum Veröffentlichen von eigenen Berichten und selbst recherchierten Reportagen zu nutzen, wurde hier ein Text aus einer anderen Quelle, ein Flugblatt, eine Presseerklärung oder eine Stellungnahme einer Gruppe reinkopiert.
Es ist nicht das Ziel von Indymedia ein umfassendes Infoportal mit Kopien möglichst vieler vermeintlich wichtiger und lesenswerter Texte anzubieten. Indymedia will eine Plattform für engagierte MedienmacherInnen und ihre eigenen Inhalte bieten. Die strategische Zweitveröffentlichung von Texten gehört nicht zu den Zielen dieses Projektes.
Bitte lest zu diesem Thema auch die Crossposting FAQ.
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Missbrauch in der Kirche
Seit Ende Januar häufen sich die Meldungen zum Mißbrauch in konfessionellen Schulen und insbesondere in katholischen Bildungseinrichtungen von Jesuiten. Im Berliner Canisius Kolleg sollen in der Gemeinschaft Christlichen Lebens, der Nachmittagsbeschäftigung für römisch-katholische Jugendliche, mehr als 20 Schüler_innen mißbraucht worden sein. Auch an anderen Schulen häufen sich die gemeldeten Fälle. In ganz Deutschland haben sich beisher mindestens 40 Mißbrauchsopfer gemeldet. Die Kirche reagiert mit einer unreflektierten und selbstmitleidigen Bitte um Verzeihung, die sich zwar an die Opfer richtet, aber weder selbst-referentiell argumentiert, noch Konsequenzen in Aussicht stellt. Außerdem bleiben Opfer, wie Täter_innen gesichtslos. Der römisch-katholische Klerus und seine Vertreter_innen beweisen erneut, daß sie unfähig sind ihre körperfeindliche Ideologie zu hinterfragen.
Der Berliner Kardinal Sterzynski stottert sich völlig ahnungslos und sichtbar hilflos durch ein Interview bei einer Sondersendung des rbb. Zu Konsequenzen gegenüber den Täter_innen bleibt er reserviert. Er kann sich lediglich einen Ämterverlust und Suspendierungen vorstellen. Die Opfer bleiben ebenfalls weitestgehend unerwähnt. Eine Entschuldigung gibt es nur marginal. Die einzige verzweifelte Reaktion ist der Aufruf an vermeintliche Mißbrauchsopfer über die Übergriffe zu reden und sie öffentlich zu machen. Sterzinsky ruft dazu auf sexuelle Übergriffe und auffälliges Verhalten zu melden.
Der jesuitische Provinzialpriester geht nicht einmal soweit. Er entschuldigt sich zwar brav und bittet um Verzeihung, die eigene Beteiligung, die Sprachlosigkeit und Vertuschung der Übergriffe reflektiert er nicht. Gänzlich unerwähnt bleibt, daß die geständigen Sünder_innen lediglich in andere Institutionen versetzt wurden und jedes Mal neu auf Wanderschaft gingen, wenn sie auffällig wurden.
Die Entschuldigung und Abbitte wirkt deshalb zynisch und egoman. Die Opfer werden konsequent ausgeblendet. Jede Reflektion über das eigene Handeln wird abgespalten und mit (Selbst-) Mitleid, ohne ein Schuldeingeständnis gewürzt, sowie mit einer schamlosen Bitte um Verzeihung verkleistert. Die Opfer des körperlichen und sexuellen Mißbrauchs sind in allen Veröffentlichungen des Klerus und der betroffenen Schulen konsequent still, geschlechtslos und auf Vertraulichkeit versessen. Dem gegenüber stehen zahlreiche Veröffentlichungen und Geschichten in Zeitungen und Blogs. Diese gab es im Übrigen auch in der Vergangenheit.
Die Berliner Zeitung berichtete, daß schon 1968 in der Schülerzeitung „Der rote Arthur“ zudringliche Patres am Canisius berichtet wurde. In den 70iger Jahren erzählen Schüler_innen über ihre Nachmittagsbeschäftigungen mit den Priestern. Anfang der 80iger empören sich einige Opfer mit einem Brief an die Schulleitung über die unhaltbaren Zustände am Canisius, die von körperlicher Züchtigung und sexuellen Übergriffen durch Priester gekennzeichnet war. Anfang der 90iger beichtet ein Täter seine „verbrecherische Vergangenheit“ mit einer „einer nichts beschönigenden Ehrlichkeit“ vor den Jesuitenoberen. Seit Jahren melden sich Opfer beim Schulleiter des Canisius und nichts passiert.
Erst jetzt tut sich was. Der Direktor des Berliner Canisius Kolleg Mertes wettert gegen eine verfehlte Sexualmoral- und -pädagogik in der Kirche. Außerdem erkennt er eine fatale Homophobie. Er glaubt offenbar, daß die Übergriffe einer verdeckten Homosexualität der Täter entspringen würden. Der Mißbrauch von Nonnen wird dabei völlig vernachlässigt. Außerdem wird die Gewalt gegen den sinnlichen oder auch verführerischen Körper hierbei lediglich sexualisiert aufgefaßt und der Kontrollfetisch sowie die aggressive Machtdimension vernachlässigt.
Völlig unpassend und entlarvend unreflektiert reagiert im Übrigen der Vatikan. Die Erklärung zu den Vorkommnissen in Deutschland geht nicht über ein Lob an die beteiligten klerikalen Institutionen hinaus, die vorbildlich reagiert haben sollen. Die Entschuldigung wird hervorgehoben. Die Opfer bleiben unerwähnt und sind wieder geschlechtslos abwesend.
Das ist nicht verwunderlich. Schließlich sind sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe, ohne den Nexus zur Fortpflanzung – ganz nach dem Gebot „Gehet hin und mehret euch“ – unchristlich, wenn nicht gar unnatürlich. Homosexuelle Handlungen und Promiskuität dagegen, also Sex als sinnliches Erlebnis und Erfahrung der körperlichen Liebe jenseits von „caritas“ – werden spätestens seit Johannes Paul II. als „Kultur des Todes“ stigmatisiert.
Das jüngste Beispiel ist die Intervention des römisch-katholischen Klerus in die Diskussion um ein Anti-Diskrimierungsgesetz in Groß Britannien. Der Papst höchstpersönlich forderte „missionarischen Eifer“ gegen die Gleichbehandlung Homosexueller und schickt seine Priester in einen heiligen Krieg gegen das Gesetz. Denn der biblische Gleichheitsgrundsatz gilt keineswegs für eine sexuelle Orientierung, sondern lehnt bestimmte Lebensformen kategorisch – gestützt durch ein absurdes Unfehlbarkeitsdogma – ab. Das Zölibat dagegen, als ebenfalls „unfruchtbare“ Lebensform wird sakralisiert.
Diese krude Vorstellung einer körperfeindlichen, moralischen und sittlichen Selbstabgrenzung und -legitimation zeigt sich auch in den Reaktionen von Sterzinsky und dem Jesuitenprovinzial auf die Enthüllungen im Berliner Canisius Kolleg. Während römisch-katholische Priester, die in einer Lebenspartnerschaft leben und sich zu ihr bekennen mit Exkommunikation bedroht sind, werden zudringlichen Patres und Nonnen lediglich mit Versetzung oder im schlimmsten Fall mit Suspendierung bestraft. Da fragt sich mensch schon, wie ein Mißbrauchsopfer sich offenbaren soll, wenn die Täter_innen weiter Teil der großen Christengemeinde bleiben und womöglich freudig erregt im Paradies warten.
Weitere Informationen
Berliner Zeitung
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0129/tagesthema/0041/index.html
Spreeblick
http://www.spreeblick.com/2010/01/28/sexueller-missbrauch-am-canisius-kolleg-berlin
Der jesuitische Provinzialpriester geht nicht einmal soweit. Er entschuldigt sich zwar brav und bittet um Verzeihung, die eigene Beteiligung, die Sprachlosigkeit und Vertuschung der Übergriffe reflektiert er nicht. Gänzlich unerwähnt bleibt, daß die geständigen Sünder_innen lediglich in andere Institutionen versetzt wurden und jedes Mal neu auf Wanderschaft gingen, wenn sie auffällig wurden.
Die Entschuldigung und Abbitte wirkt deshalb zynisch und egoman. Die Opfer werden konsequent ausgeblendet. Jede Reflektion über das eigene Handeln wird abgespalten und mit (Selbst-) Mitleid, ohne ein Schuldeingeständnis gewürzt, sowie mit einer schamlosen Bitte um Verzeihung verkleistert. Die Opfer des körperlichen und sexuellen Mißbrauchs sind in allen Veröffentlichungen des Klerus und der betroffenen Schulen konsequent still, geschlechtslos und auf Vertraulichkeit versessen. Dem gegenüber stehen zahlreiche Veröffentlichungen und Geschichten in Zeitungen und Blogs. Diese gab es im Übrigen auch in der Vergangenheit.
Die Berliner Zeitung berichtete, daß schon 1968 in der Schülerzeitung „Der rote Arthur“ zudringliche Patres am Canisius berichtet wurde. In den 70iger Jahren erzählen Schüler_innen über ihre Nachmittagsbeschäftigungen mit den Priestern. Anfang der 80iger empören sich einige Opfer mit einem Brief an die Schulleitung über die unhaltbaren Zustände am Canisius, die von körperlicher Züchtigung und sexuellen Übergriffen durch Priester gekennzeichnet war. Anfang der 90iger beichtet ein Täter seine „verbrecherische Vergangenheit“ mit einer „einer nichts beschönigenden Ehrlichkeit“ vor den Jesuitenoberen. Seit Jahren melden sich Opfer beim Schulleiter des Canisius und nichts passiert.
Erst jetzt tut sich was. Der Direktor des Berliner Canisius Kolleg Mertes wettert gegen eine verfehlte Sexualmoral- und -pädagogik in der Kirche. Außerdem erkennt er eine fatale Homophobie. Er glaubt offenbar, daß die Übergriffe einer verdeckten Homosexualität der Täter entspringen würden. Der Mißbrauch von Nonnen wird dabei völlig vernachlässigt. Außerdem wird die Gewalt gegen den sinnlichen oder auch verführerischen Körper hierbei lediglich sexualisiert aufgefaßt und der Kontrollfetisch sowie die aggressive Machtdimension vernachlässigt.
Völlig unpassend und entlarvend unreflektiert reagiert im Übrigen der Vatikan. Die Erklärung zu den Vorkommnissen in Deutschland geht nicht über ein Lob an die beteiligten klerikalen Institutionen hinaus, die vorbildlich reagiert haben sollen. Die Entschuldigung wird hervorgehoben. Die Opfer bleiben unerwähnt und sind wieder geschlechtslos abwesend.
Das ist nicht verwunderlich. Schließlich sind sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe, ohne den Nexus zur Fortpflanzung – ganz nach dem Gebot „Gehet hin und mehret euch“ – unchristlich, wenn nicht gar unnatürlich. Homosexuelle Handlungen und Promiskuität dagegen, also Sex als sinnliches Erlebnis und Erfahrung der körperlichen Liebe jenseits von „caritas“ – werden spätestens seit Johannes Paul II. als „Kultur des Todes“ stigmatisiert.
Das jüngste Beispiel ist die Intervention des römisch-katholischen Klerus in die Diskussion um ein Anti-Diskrimierungsgesetz in Groß Britannien. Der Papst höchstpersönlich forderte „missionarischen Eifer“ gegen die Gleichbehandlung Homosexueller und schickt seine Priester in einen heiligen Krieg gegen das Gesetz. Denn der biblische Gleichheitsgrundsatz gilt keineswegs für eine sexuelle Orientierung, sondern lehnt bestimmte Lebensformen kategorisch – gestützt durch ein absurdes Unfehlbarkeitsdogma – ab. Das Zölibat dagegen, als ebenfalls „unfruchtbare“ Lebensform wird sakralisiert.
Diese krude Vorstellung einer körperfeindlichen, moralischen und sittlichen Selbstabgrenzung und -legitimation zeigt sich auch in den Reaktionen von Sterzinsky und dem Jesuitenprovinzial auf die Enthüllungen im Berliner Canisius Kolleg. Während römisch-katholische Priester, die in einer Lebenspartnerschaft leben und sich zu ihr bekennen mit Exkommunikation bedroht sind, werden zudringlichen Patres und Nonnen lediglich mit Versetzung oder im schlimmsten Fall mit Suspendierung bestraft. Da fragt sich mensch schon, wie ein Mißbrauchsopfer sich offenbaren soll, wenn die Täter_innen weiter Teil der großen Christengemeinde bleiben und womöglich freudig erregt im Paradies warten.
Weitere Informationen
Berliner Zeitung
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0129/tagesthema/0041/index.html Spreeblick
http://www.spreeblick.com/2010/01/28/sexueller-missbrauch-am-canisius-kolleg-berlin
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Ergänzungen
Verleumdung der Katholischen Kirche
Das Problem aus meiner Sicht ist der Widerspruch zwischen der offiziellen Lehre und dem "Volksglauben" der Gläubigen und der Praxis des Klerus. Einerseits betrachtet die Lehre die HS NEIGUNG bei PRIESTERN als Versuchung und Prüfung und lehnt nur die PRAXIS ab, andererseits herrscht aber eine Unsicherheit wie dies gegenüber Schwulen insgesamt und speziell schwulen Katholiken gehandhabt wird. Da gehen die Meinungen weit auseinander. Einerseits wird Toleranz gegenüber Schwulen gepredigt, anderseits wird das nicht von der Basis geteilt.
Nach eigenen Angaben ist eine hohe Zahl der Priesteranwärter latent schwul. Daher auch die Lehre, dass man sagt, die Versuchung sei - als solche - vertretbar, die Praxis der HS nicht, weil sonst würde es keine Priester mehr geben. Davor hat die Kirche Angst. Es wird aber erwartet, dass man seine HS als Priesteranwärter deklariert, und dann wird man eben anderweitig eingesetzt. Da ist das Problem. Nämlich im Mißbrauch selbst.
Ehrlich gesagt erwarte ich persönlich, dass ein Priester zölibatär lebt und nicht schwul ist. Weil sonst hätte die RK Kirche keinen Sinn, sie wäre dann eine andere Kirche. Die RKK ist nun mal nicht die Anglikanische Kirche oder die Lutherische Kirche, die darüber anders denken. Eine Sonderregelung in Bezug auf das Zölibat gilt für die Römisch katholische Anglikanische Kirche. Es ist eben so.
Völlig abzulehnen ist, wenn Leute mit ihrer HS nicht umgehen können und hinter dem Deckmantel der Kirche, des priesteramtes oder des Lehramtes und des Glaubens Mißbrauch betreiben. Dafür kann man aber nicht den Glauben oder die Kirche zur Verantwortung ziehen, oder der RKK vorwerfen sie sei homophob weil sie es decke.
Es stimmt auch nicht dass der Katechismus nur Sex zur Zeugung als keusch ansieht. Die moderne Interpretation des Katechismus versteht darunter in etwa, mal ganz klar gesagt: kein Puff, keine O.N.S., keine lüsternen Blicke auf Körperteile. Sprich: Sex in Verbindung mit Liebe ist ok, aus reiner Geilheit nicht. Die zentrale Idee des RKG ist, auf den Punkt gebracht: die Liebe.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
strafbedürfnis — demobilisierung
? — ???
RKG körperfeindlich? — Ich