Neue Aktenfunde:"Gorleben wurde durchgezockt"

Wolfgang Ehmke 05.02.2010 04:04 Themen: Atom
Neue Aktenfunde in Sachen Gorleben
BI Umweltschutz: "Gorleben wurde durchgezockt: Das Jahr 1981 - ein
Missing Link"

Noch vier Jahre nach der Standortbenennung Gorlebens im Februar 1977
forderte die Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) eine Erkundung
mehrerer Standorte als nukleares Endlager. Das berichtet die Frankfurter
Rundschau unter Berufung auf eine Kabinettsvorlage. Gegen den Willen der
SPD/FDP-Koalition hatte der niedersächsische Ministerpräsident Ernst
Albrecht nur einen einzigen Standort für ein Nukleares Endlager (NEZ)
gesetzt: Gorleben.

Der CDU-Politiker ignorierte die Bonner Wünsche und die Warnungen von
Geologen. Geologische Kriterien bei der Auswahl machten lediglich 12,8% in
einem Kriterienkatalog aus. Aus der Kabinettsvorlage vom 12.06.1981 geht
hervor, dass die Auswertung der ersten Tiefbohrungen die Zweifel an
Gorleben wachsen ließen. Die Fachminister Dr. Andreas von Bülow
(Forschung) und Gerhart Baum (Inneres) - dem Innenministerium oblag die
Federführung - forderten mit Nachdruck die "Untersuchung zusätzlicher
Standorte". Bekanntlich wurden die negativen Befunde 1983 auf Weisung
der Kohl-Regierung im Zwischenbericht der zuständigen Fachbehörde
geschönt. Die (PTB) musste die Empfehlung, alternative Standorte zu
untersuchen, aus ihrem Bericht streichen.

Als "Missing Link" bezeichnet die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-
Dannenberg (BI) diese Enthüllung. Jetzt läge ein weiteres Beweisstück vor,
das die Zweifel an der Eignung Gorlebens nährt. "Eine vergleichende
Endlagersuche ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern ein
wissenschaftliches und gesellschaftspolitisches Muss. Das Kohl-Kabinett
wollte unbedingt Gorleben durch zocken und scheute sich bekanntlich nicht,
die Negativbefunde zu schönen und die Warnungen von Fachleuten in den
Wind zu schlagen. Die Endlagersuche muss neu gestartet werden. Wer
angesichts des Atommülldilemmas noch auf verlängerte Laufzeiten der
Atomkraftwerke setzt, handelt verantwortungslos."

Ein Anti-Atom-Treck startet aus dem Wendland Ende April nach Krümmel,
dort findet am 24. April eine Kundgebung für den sofortigen Atomausstieg
statt. "Das Endlagerdesaster wird immer bedrückender, die
Atommüllproduktion muss endlich gestoppt werden", fordert die BI. Am 4.
und 5. Juni wollen die Gorleben-Gegner, 30 Jahre nach der Räumung des
Hüttendorfes 1004 in Gorleben mit einer Umzingelung des "Schwarzbaus"
für den endgültigen Verzicht auf Gorleben als Atommüllendlager
demonstrieren.

Wolfgang Ehmke 0170 510 56 06
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow - Dannenberg e.V.
Rosenstr. 20 29439 Lüchow

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