Türkei: Tekel Kampf geht ums Ganze!
Am Montag, den 1. Februar 2010 erreichte der Sitzstreik der Tekel-ArbeiterInnen den 49. Tag. Seit Wochen warteten die ArbeiterInnen auf diesen Tag. Auf Beschluss der Gewerkschaften hatten die ArbeiterInnen ihren, am 36. Tag begonnenen Hungerstreik
vorübergehend niedergelegt. Der Grund für die Unterbrechung war ein gemeinsamer Aufruf der Türk-Is und weiterer 5 großer Gewerkschaftskonföderationen zur Warnung und Gesprächen mit der Regierung. Das erwartete Gespräch fand am vergangenen Donnerstag, den 28. Januar statt. Die Regierung sollte am vergangenen Sonntag einen Lösungsvorschlag unterbreiten. Deshalb wurde mit Spannung und Zweifel auf eine Erklärung gewartet.
Die Erklärungen des Ministerpräsidenten und des Finanzministers hatten bereits signalisiert, dass es keine akzeptable Lösung für die ArbeiterInnen geben wird. Dies wurde am Montag offiziell von den Gewerkschaften bekanntgegeben. Die Regierung unterbreitete eine Lösung im Rahmen des 4-C Gesetzes.
Am Montag Nachmittag, gab der Türk-Is Vorsitzende Mustafa Kumlu nach einem Gespräch zwischen der AKP und der Gewerkschaft eine Erklärung ab.
In der Erklärung hieß es: "Der Ministerpräsident hat davor dem Finanzminister Mehmet Simsek, dem Staatsminister Hayati Yazici sowie dem Arbeitsminister Ömer Dincer einen Befehl erteilt. Heute sind sie uns mit einem Vorschlag zur Verbesserung des 4-C Gesetzes gekommen. Wir haben unsere Forderung zur Wahrung der Arbeitnehmerrechte bei allen Gesprächen bekräftigt. Da unsere Forderung nicht erfüllt wird, gibt es im Moment keine Übereinkunft. Die Regierung schlägt das 4-C Gesetz vor, wir konnten keine Einigung erzielen. Wir haben von Beginn an erklärt, dass unsere FreundInnen aufgrund der Privatisierung, unter Rücksichtnahme der Arbeitnehmerrechte anderen Institutionen oder Einrichtungen zugewiesen werden müssen. Sie sprechen jedoch von der Auszahlung von Kündigungsentschädigungen nach 4-C und von Freistellung". Das entspricht nicht unseren Standards. Es ist zu keiner Einigung gekommen und wir verlassen deshalb die Verhandlungen. Diese Vorschläge sind für uns unakzeptabel. Wir fordern die Anwendung eines anderes Gesetzes, des 4857. Die Regierung will eine Lösung nach 4-C, das ist untragbar. Wir werden den Generalstreiksbeschluss in Erwägung ziehen. Wir sind jederzeit zum Dialog bereit".
Im Anschluss an die Erklärung kamen der Vorsitzende der Tek Gida-Is, in der die streikenden ArbeiterInnen organisiert sind, sowie der Generalsekretär der Türk-Is, Mustafa Türkel zum Streikplatz. In einer Rede vor den ArbeiterInnen erklärte Türkel, dass die Entwicklungen nicht akzeptabel seien, und dass die Aktionen mit der gleichen Entschlossenheit weitergehen werden. Er kündigte außerdem für gestern Dienstag (2. Februar) einen breit angelegten Hungerstreik an. Die ArbeiterInnen riefen unterdessen laufend die Parolen "Der Sieg wird den widerstandleistenden Werktätigen gehören, Eher sterben als umkehren, Tayyip tritt zurück, die Tekel-ArbeiterInnen wollen einen Generalstreik. Generalstreik, Generalwiderstand".
Der Hungerstreik wird erneut im Konferenzsaal geführt, der bereits vor der Verhandlung genutzt wurde. Der Saal fasst ungefähr 220 Personen. Allerdings wollen alle ArbeiterInnen am Hungerstreik teilnehmen. Es wird nicht nur im Gebäude, sondern auch in den Zelten gestreikt. Die ArbeiterInnen haben sich bereits am Montag Stirnbänder als Symbol des Hungerstreik-Widerstands angelegt.
Gestern Dienstag wurde außerdem von der Türk-Is zu einer Versammlung aufgerufen, an der sich auch die anderen Konföderationen der Aktionseinheit, KESK, DİSK, HAK-IS, MEMUR-SEN und KAMU-SEN beteiligten. Bei der Versammlung wurde über Einzelheiten der für 3. Februar geplanten Aktionen beraten. Neben einer eintägigen Warn- und Solidaritätsaktion stand auch der Generalstreik erneut auf der Tagesordnung.
ArbeiterInnen zum Ausgang des Gesprächs mit den Regierungsverantwortlichen
"Ich komme aus Istanbul. Ich bin Tekel-Arbeiter. Ich heiße Ihsan. Das heutige Urteil war natürlich sehr demotivierend. Aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen. Wir werden bis zum Schluss Widerstand leisten und unsere Rechte erkämpfen. Wir fordern schlicht unsere Rechte. Wir wollen nur unsere bestehenden Rechte verteidigen. Die Regierung setzt uns auf die Straße und versucht uns das 4-C-Gesetz aufzuzwingen. Es ist Mehmet Simsek, eine Person die ständig in Übersee unterwegs ist, die uns das aufzwingen will. Wir werden auf jeden Fall, bis zum Tod hier bleiben. Morgen werden wir mit dem Todesfasten, mit dem Hungerstreik beginnen. Wir werden unsere Rechte auf jeden Fall erringen. Daran glauben wir. Auf keinen Fall werden wir uns beugen. Bis zum Tod - entweder wir sterben, oder wir werden siegen - einen anderen Weg gibt es nicht. Am Hungestreik, wie unser Vorsitzender bereits erklärt hat, werden alle in unserem Zelt teilnehmen, ausgenommen diejenigen mit Gesundheitsproblemen. Es gibt keine Differenzierung, wir werden hier alle bis zum Tod kämpfen und alle teilnehmen."
"Mein Name ist Ramazan Geyik. Ich komme aus Malatya. Ich arbeitete in Malatya in der Tabakproduktion. Wir sind bestürzt darüber, dass die Regierung bei dem heutigen Gespräch zwischen Türk-Is und dem Ministerrat, sowie bei dem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten unsere Hartnäckigkeit nicht begriffen hat. Dabei sind wir nicht ArbeiterInnen der politischen Machthaber, sondern StaatsbeamtInnen. Wir klagen über den Entzug unserer Rechte, die uns zustehen, indem wir unsere Jugend geopfert haben. Und wir bestehen auf unsere Arbeitnehmerrechte. ... Es hat uns betroffen, dass immer noch auf das 4-C beharrt wird. ..
Wir haben unseren Kindern versprochen, dass wir nicht zurückkommen, ohne ihnen ihr Brot zu verschaffen. Unsere Kinder sind ebenso wertvoll, wie die unseres Ministerpräsidenten. Wir haben bisher nicht zugelassen, dass jemand unsereren Kindern ihre Rechte entzieht und wir werden es auch jetzt nicht zulassen. Bei der Parole "Eher sterben als umkehren" handelt es sich nicht um leere Worte. .. Wir sind energisch, entschlossen und anspruchsvoll, das soll gesagt sein. ... Wir werden unsere Kinder und deren Zukunft niemals und niemandem ausliefern. Hoffentlich werden wir unsere Rechte erringen und nach Hause zurückkehren."
"Ich heiße Hasan Yilmaz und bin aus Malatya. Die Beschlüsse, die heute vom Ministerpräsidenten bekannt gegeben wurden, waren der Punkt, an dem Worte enden und die Aktion beginnt. Wir beurteilen die Frist, die bis heute gesetzt wurde, sowohl im Namen der Regierung als auch für uns als eine Geste. Eigentlich waren wir es, von denen die Geste ausgegangen ist. Trotzdem sprachen sie von Gnade. Sie haben sozusagen die Toleranz unsererseits nicht positiv genutzt. Was von nun an geschieht, haben sie selbst zu verantworten. Sollen sie doch dem Volk antworten und sich vor Europa beweisen, wie sie wollen. Das ist inzwischen keine Sache von 150-200 Leuten. Wir sind überzeugt und haben gesagt, dass wir eher sterben als umkehren. Wir stehen hinter unserer Sache. Denn wir sind im Recht und werden siegen. Wir sind von unseren Worten niemals abgeweicht. Wir werden bis zum Schluss weitermachen. Wenn es am Ende auch den Tod bedeuten sollte, wenn es Opfer erfordert, so wird dies in Kauf genommen."
"Mustafa Asoglu. Ich komme von der Zweigstelle in Bursa. Also, wir haben diesen Beschluss ohnehin erwartet. Wir sind deshalb darauf vorbereitet. Wir werden den Anweisungen unseres Vorsitzenden Folge leisten. Wir haben heute erneut einen Meilenstein zurückgelegt. Es ist heute nicht der 49. Tag, sondern Tag 1. Genauso, wie wir an diesem Tag mit Widerstand geantwortet haben, so werden wir auch weitermachen."
Die Erklärungen des Ministerpräsidenten und des Finanzministers hatten bereits signalisiert, dass es keine akzeptable Lösung für die ArbeiterInnen geben wird. Dies wurde am Montag offiziell von den Gewerkschaften bekanntgegeben. Die Regierung unterbreitete eine Lösung im Rahmen des 4-C Gesetzes.
Am Montag Nachmittag, gab der Türk-Is Vorsitzende Mustafa Kumlu nach einem Gespräch zwischen der AKP und der Gewerkschaft eine Erklärung ab.
In der Erklärung hieß es: "Der Ministerpräsident hat davor dem Finanzminister Mehmet Simsek, dem Staatsminister Hayati Yazici sowie dem Arbeitsminister Ömer Dincer einen Befehl erteilt. Heute sind sie uns mit einem Vorschlag zur Verbesserung des 4-C Gesetzes gekommen. Wir haben unsere Forderung zur Wahrung der Arbeitnehmerrechte bei allen Gesprächen bekräftigt. Da unsere Forderung nicht erfüllt wird, gibt es im Moment keine Übereinkunft. Die Regierung schlägt das 4-C Gesetz vor, wir konnten keine Einigung erzielen. Wir haben von Beginn an erklärt, dass unsere FreundInnen aufgrund der Privatisierung, unter Rücksichtnahme der Arbeitnehmerrechte anderen Institutionen oder Einrichtungen zugewiesen werden müssen. Sie sprechen jedoch von der Auszahlung von Kündigungsentschädigungen nach 4-C und von Freistellung". Das entspricht nicht unseren Standards. Es ist zu keiner Einigung gekommen und wir verlassen deshalb die Verhandlungen. Diese Vorschläge sind für uns unakzeptabel. Wir fordern die Anwendung eines anderes Gesetzes, des 4857. Die Regierung will eine Lösung nach 4-C, das ist untragbar. Wir werden den Generalstreiksbeschluss in Erwägung ziehen. Wir sind jederzeit zum Dialog bereit".
Im Anschluss an die Erklärung kamen der Vorsitzende der Tek Gida-Is, in der die streikenden ArbeiterInnen organisiert sind, sowie der Generalsekretär der Türk-Is, Mustafa Türkel zum Streikplatz. In einer Rede vor den ArbeiterInnen erklärte Türkel, dass die Entwicklungen nicht akzeptabel seien, und dass die Aktionen mit der gleichen Entschlossenheit weitergehen werden. Er kündigte außerdem für gestern Dienstag (2. Februar) einen breit angelegten Hungerstreik an. Die ArbeiterInnen riefen unterdessen laufend die Parolen "Der Sieg wird den widerstandleistenden Werktätigen gehören, Eher sterben als umkehren, Tayyip tritt zurück, die Tekel-ArbeiterInnen wollen einen Generalstreik. Generalstreik, Generalwiderstand".
Der Hungerstreik wird erneut im Konferenzsaal geführt, der bereits vor der Verhandlung genutzt wurde. Der Saal fasst ungefähr 220 Personen. Allerdings wollen alle ArbeiterInnen am Hungerstreik teilnehmen. Es wird nicht nur im Gebäude, sondern auch in den Zelten gestreikt. Die ArbeiterInnen haben sich bereits am Montag Stirnbänder als Symbol des Hungerstreik-Widerstands angelegt.
Gestern Dienstag wurde außerdem von der Türk-Is zu einer Versammlung aufgerufen, an der sich auch die anderen Konföderationen der Aktionseinheit, KESK, DİSK, HAK-IS, MEMUR-SEN und KAMU-SEN beteiligten. Bei der Versammlung wurde über Einzelheiten der für 3. Februar geplanten Aktionen beraten. Neben einer eintägigen Warn- und Solidaritätsaktion stand auch der Generalstreik erneut auf der Tagesordnung.
ArbeiterInnen zum Ausgang des Gesprächs mit den Regierungsverantwortlichen
"Ich komme aus Istanbul. Ich bin Tekel-Arbeiter. Ich heiße Ihsan. Das heutige Urteil war natürlich sehr demotivierend. Aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen. Wir werden bis zum Schluss Widerstand leisten und unsere Rechte erkämpfen. Wir fordern schlicht unsere Rechte. Wir wollen nur unsere bestehenden Rechte verteidigen. Die Regierung setzt uns auf die Straße und versucht uns das 4-C-Gesetz aufzuzwingen. Es ist Mehmet Simsek, eine Person die ständig in Übersee unterwegs ist, die uns das aufzwingen will. Wir werden auf jeden Fall, bis zum Tod hier bleiben. Morgen werden wir mit dem Todesfasten, mit dem Hungerstreik beginnen. Wir werden unsere Rechte auf jeden Fall erringen. Daran glauben wir. Auf keinen Fall werden wir uns beugen. Bis zum Tod - entweder wir sterben, oder wir werden siegen - einen anderen Weg gibt es nicht. Am Hungestreik, wie unser Vorsitzender bereits erklärt hat, werden alle in unserem Zelt teilnehmen, ausgenommen diejenigen mit Gesundheitsproblemen. Es gibt keine Differenzierung, wir werden hier alle bis zum Tod kämpfen und alle teilnehmen."
"Mein Name ist Ramazan Geyik. Ich komme aus Malatya. Ich arbeitete in Malatya in der Tabakproduktion. Wir sind bestürzt darüber, dass die Regierung bei dem heutigen Gespräch zwischen Türk-Is und dem Ministerrat, sowie bei dem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten unsere Hartnäckigkeit nicht begriffen hat. Dabei sind wir nicht ArbeiterInnen der politischen Machthaber, sondern StaatsbeamtInnen. Wir klagen über den Entzug unserer Rechte, die uns zustehen, indem wir unsere Jugend geopfert haben. Und wir bestehen auf unsere Arbeitnehmerrechte. ... Es hat uns betroffen, dass immer noch auf das 4-C beharrt wird. ..
Wir haben unseren Kindern versprochen, dass wir nicht zurückkommen, ohne ihnen ihr Brot zu verschaffen. Unsere Kinder sind ebenso wertvoll, wie die unseres Ministerpräsidenten. Wir haben bisher nicht zugelassen, dass jemand unsereren Kindern ihre Rechte entzieht und wir werden es auch jetzt nicht zulassen. Bei der Parole "Eher sterben als umkehren" handelt es sich nicht um leere Worte. .. Wir sind energisch, entschlossen und anspruchsvoll, das soll gesagt sein. ... Wir werden unsere Kinder und deren Zukunft niemals und niemandem ausliefern. Hoffentlich werden wir unsere Rechte erringen und nach Hause zurückkehren."
"Ich heiße Hasan Yilmaz und bin aus Malatya. Die Beschlüsse, die heute vom Ministerpräsidenten bekannt gegeben wurden, waren der Punkt, an dem Worte enden und die Aktion beginnt. Wir beurteilen die Frist, die bis heute gesetzt wurde, sowohl im Namen der Regierung als auch für uns als eine Geste. Eigentlich waren wir es, von denen die Geste ausgegangen ist. Trotzdem sprachen sie von Gnade. Sie haben sozusagen die Toleranz unsererseits nicht positiv genutzt. Was von nun an geschieht, haben sie selbst zu verantworten. Sollen sie doch dem Volk antworten und sich vor Europa beweisen, wie sie wollen. Das ist inzwischen keine Sache von 150-200 Leuten. Wir sind überzeugt und haben gesagt, dass wir eher sterben als umkehren. Wir stehen hinter unserer Sache. Denn wir sind im Recht und werden siegen. Wir sind von unseren Worten niemals abgeweicht. Wir werden bis zum Schluss weitermachen. Wenn es am Ende auch den Tod bedeuten sollte, wenn es Opfer erfordert, so wird dies in Kauf genommen."
"Mustafa Asoglu. Ich komme von der Zweigstelle in Bursa. Also, wir haben diesen Beschluss ohnehin erwartet. Wir sind deshalb darauf vorbereitet. Wir werden den Anweisungen unseres Vorsitzenden Folge leisten. Wir haben heute erneut einen Meilenstein zurückgelegt. Es ist heute nicht der 49. Tag, sondern Tag 1. Genauso, wie wir an diesem Tag mit Widerstand geantwortet haben, so werden wir auch weitermachen."
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Ergänzungen
Arbeiterkampf in Videos
"Dieser Kampf ist der Kampf um unser Brot,Frieden und Freiheit! Dieser Kampf ist der Kampf um die Zukunft der Arbeiterklasse! In diesen Kampf werden diejenigen siegen die fest daran glauben und Widerstand leisten! Wir sind im Recht, Wir werden Siegen!!" wird in diesem Video protestiert:
"Faşizme karşı omuz omuz'a!" Polizeigewalt auf der Arbeiterdemo in Istanbul:
Generalstreik in der Türkei für Tekel-Solidar
Seit Mitte Dezember kämpfen 12.000 Beschäftigte des staatlichen Tabak-Monopols Tekel in der Türkei gegen ihre Entlassung. Nach dem Verkauf von Tekel an British-American-Tobacco im Jahr 2006 will die islamisch-konservative AKP-Regierung von Ministerpräsident Erdogan 2010 alle noch in staatlicher Hand befindlichen Tekel-Lagerstätten schließen. Damit droht rund 12000 Arbeitern der Verlust ihres Arbeitsplatzes oder die Überführung in eine 10-monatliche Kurzarbeit mit massiven Lohneinbußen und dem Verlust aller erworbenen sozialen Rechte. Am Mittwoch, 3. Februar 2010, 17:00, findet am Kottbusser Tor eine Solidaritätskundgebung mit den TEKEL-Arbeitern statt.
Solidaritätskundgebung | Jeden Mittwoch | 17:00 | U Kottbusser Tor
Nächste Termine für die Solikundgebungen: 10.2., 17.2.
Gemeinsam für Arbeit, Würde und ein gutes Leben - Solidarität mit den Tekel-Beschäftigten in der Türkei
Seit Mitte Dezember kämpfen die Beschäftigten der staatlichen Tabak- und Alkoholfirma Tekel gegen ihre Entlassung. Nach dem Verkauf der Zigaretten-Produktion an British American Tobacco hat die islamisch-konservative AKP-Regierung alle noch in staatlichem Besitz befindlichen Tekel-Lager schließen lassen. Für 12.000 Angestellte bedeutet dies Arbeitslosigkeit oder die Überführung in den sogenannten 4/C-Status. Dabei handelt es sich um einen 10-monatigen Kurzarbeitsstatus mit drastischen Lohneinbußen und dem Verlust sozialer Rechte. 4/C-Beschäftigte verlieren das Recht auf Gewerkschaftsmitgliedschaft, ihre tägliche Arbeitszeit kann von den Unternehmern willkürlich verlängert und die freien Sonntage gestrichen werden. Die Tekel-Arbeiter nennen 4/C ein Versklavungsgesetz, und fordern stattdessen ihre Übernahme in andere staatliche Betriebe ohne Lohnverlust.
Seit Mitte Dezember kampieren Tausende Tekel-Beschäftigte in der Innenstadt von Ankara rund um die Gewerkschaftszentrale des Dachverbandes Türk-Is. Die aus dem ganzen Land zusammengekommenen Arbeiter lassen sich nicht mehr in Türken, Kurden, Lasen und Tscherkessen, in Sunniten und Aleviten, in Laizisten, Sozialisten oder Nationalisten, in Männer und Frauen aufspalten. Gemeinsam kämpfen sie für ihre Rechte und damit die Rechte aller Werktätigen in der Türkei. Längst ist ihr beharrlicher Protest zu einem Fokus für alle Opfer der neoliberalen Regierungspolitik in der Türkei geworden. Die Bevölkerung unterstützt die Tekel-Beschäftigten, die Anfang Februar in den Hungerstreik traten, mit Lebensmitteln, Tee und warmen Decken. Selbst in den Kurven der Fußballstadien und auf der eisbedeckten Spitze des über 5000 Meter hohen Berges Ararat ertönt die Solidarität mit den Tekel-Beschäftigten.
Am 17. Januar demonstrierten rund 100.000 Menschen für die Tekel-Beschäftigten und gegen die neoliberale Regierungspolitik. Nachdem Verhandlungen mit der Regierung scheiterten, riefen fünf Gewerkschaftsdachverbände gemeinsam zu einem landesweiten Solidaritätsstreik auf, an dem sich am 4. Februar Millionen Werktätige in der ganzen Türkei beteiligten. Anstatt endlich auf die Forderungen der Tekel-Arbeiterinnen und Arbeiter einzugehen, werden die Proteste von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan als illegal bezeichnet und die Tekel-Arbeiter und ihre Unterstützer mit kriminellen Banden verglichen. Offen droht der Ministerpräsident mit Repressionsmaßnahmen, sollten die Proteste Ende Februar nicht beendet werden. Dass dies keine nicht bloß Sprüche sind, hatte Erdogan bereits im Dezember bewiesen, als die Polizei die Tekel-Arbeiter mit Knüppeln und Tränengas angriff und trotz Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt in einen kleinen See trieb.
Die Tekel-Arbeiterinnen und Arbeiter brauchen unsere Solidarität. Privatisierungen und Massenentlassungen in der Türkei sind auch eine Folge der von der Europäischen Union im Zuge des Anpassungsprozesses geforderten neoliberalen Wirtschaftspolitik. Der Tekel-Streik ist ein Teil unseres gemeinsamen Europa- und weltweiten Kampfes für ein gutes und würdiges Leben.
ARBEITSKÄMPFE
PETITION: Unterzeichnen Sie unseren Appell für gerechte Krankenversicherungen!
SozialeNews vom 7.2.