Antispezismus - eine Kritik

Rafael Sebastián Guillén Vicente 28.01.2010 12:23 Themen: Ökologie
Derzeit breitet sich, insbesondere in der linken Szene eine Ideologie namens „Antispeziesmus“ aus. Doch was hat es damit auf sich? Dies möchte Ich versuchen in diesem Artikel näher zu erläutern. Das grossartige Aufplustern der Tierrechtsbewegung zum „Antispeziesmus“, und somit zum trendigen Vegriff von einer ethischen Qualität eines Antirassismus oder Antisexismus, ist für meinen Begriff schlicht gefährlicher Unsinn.
Zurück geht dieser Begriff auf Richard D. Ryder einen britischen Psychologen der diesen Begriff in einem selbst herausgegebenen Flugblatt , welches er 1970 in Oxford herausgegeben hatte, zum ersten Mal verwendete.

Ryder, der im westentlichen von den Schriften Peter Singers beeinflusst war, verstand unter ihm eine Art „Artenagoranz“. Genauso wie die Rassisten ungerechtfertigt die Interessen ihrer eigenen Rasse bevorzugten, würden die Anhänger der Artenarroganz ungerechtfertigt die Interessen der Mitglieder ihrer eigenen Art über diejenigen aller anderen Lebewesen stellen.

Wir Menschen haben es nach Jahrhunderttausenden endlich geschafft, dass der Schutz unserer Minderheiten - Kranke, Behinderte, Alte - zum allgemein anerkannten ethischen Gebot werden konnte.
Die geforderte Gleichsetzung Mensch-Tier würde diese positive Entwicklung wieder zunichte machen.
Vor allem würde angewandter Speziesmus zu einer völlig unübersichtlich verzweigten Nischen Gesellschaft zahlloser gleichberechtigter Minderheiten führen, in der unsere menschlichen Minderheiten nur einige unter sehr vielen wären. Unsere Alten, Kranken, Behinderten und anderen Minoritäten würden sang- und klanglos untergehen zwischen den Interessen all der Orang-Utans, der Bonobos, der Delphine, Ameisen, Schildkröten….. etc. etc. Alles Gattungen, denen eine wahrhaft antispeziestische Gesellschaftsform mit keinem Argument eine ebenso bemühte und intensive Förderung wie der unseren vorenthalten könnte.

Wozu dies in der Praxis führt, hat vor Jahren schon mal der -„Philosoph“ und Euthanasie Befürworter Peter Singer angedeutet, als er laut darüber nachdachte wieso eigentlich Behinderte oder Kranke oder Säuglinge mehr Rechte haben sollten als gesunde Säugetiere wie Affen, Pferde oder Hunde. Ein konkretes Beispiel: Wieso eine Million € für ein Heim für ein oder zwei Dutzend menschlicher Behinderter ausgeben, wenn ich für die gleiche Summe hundert oder zweihundert Berggorillas ein sicheres, artgerechtes Biotop verschaffen kann? Für einen „normalen“ Menschen keine Frage, für einen praktizierenden Antispeziesisten aber ein Problem, dass er aus Antispeziesistischer Sicht nur abwägend – nur auf Kosten der Menschen lösen könnte.

Die Welt des Menschen und die des Tieres lassen sich nicht miteinander vermischen. Dies würde entweder den Untergang der Tiere bedeuten, oder aber die Übernahme „eiskalter“ evolutionärer Kriterien auf den Menschen. Eugenik, Zuchtauslese und am Ende auch Auschwitz liessen mal wieder grüssen.

Diese menschenverachtenden Denkweisen manistifzieren sich in der Praxis von Antispeziesten Tierhaltungsbetriebe mit Konzentrationslagern gleich zu setzen und somit auf unsägliche Weise den Holocaust zu relativieren.

Vollkommen unausgegoren auch die Tragweite des formulierten Gesellschafts-Ideals. Welche Tiere sollten dem Menschen rechtlich-ethisch gleich gesetzt werden? Nur höhere Säugetiere? Alle Wirbeltiere? Oder gar überhaupt alles Lebendige? Das Dilemma: Die geringste Einschränkung würde von Anfang an die Bankrotterklärung des eigenen, ach so hohen Ideals bedeuten, während keinerlei Einschränkung nur das Chaos noch unübersichtlicher machen und das Ende jedweder lebensfähigen Gesellschaft nur um so schneller und unausweichlicher mit sich bringen müsste.

Linke, die sich als „Antispeziesten begreifen machen, verstehen die klassische Triple Oppression als verkürzt und sehen den Speziesmus als in einem Atemzug Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat.

Dies bedeutet in der Praxis das ein Mensch, der auf welche Weise auch immer, antispeziestisch handelt, gleich zu setzten ist mit Nazis und Sexisten.

In der Praxis sieht man das daran, das Antispeziesten die Fahne der Antifaschistischen Aktion verwenden. Diese war ein Teilbereich des Roten Frontkämpferbundes der, 1923 erstmals in Erscheinung getreten, es sich zur Aufgabe gemacht hatten den aufstrebenden Faschismus zu bekämpfen.


Was bleibt ist eine sehr fragwürdige Idiologie, der einen Ansatz bietet die Linke Szene in Deutschland noch weiter zu spalten. Der Verfassungsschutz hätte es nicht besser erfinden können.
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Ergänzungen

zum mitdenken

Körnerfresser 30.01.2010 - 15:56
Ich stelle mir die Frage, was es bringt, tierische Produkte zu boykottieren!?! Da wir ja keine Planwirtschaft haben, wird die Überproduktion doch vernichtet. eine Steuerung der Produktion als Konsument ist nur sehr begrenzt möglich, wenn überhaupt. Bei Milchprodukten geht es überhaupt nicht, weil die Regierung die gesammte Überproduktion aufkauft und als Butter einlagert. Die Milchquotenregelung läuft noch bis mindestens 2014. Ich sehe lediglich einen symbolischen Wert, um seine Mitmenschen auf das Thema aufmerksam zu machen. Auch wird die neue "Veggie-Mode" vom Kapital integriert, d.h. sie sichern sich "Bio" als Marke, pervertieren sie (oft sind diese Produkte nämlich garnicht bio) und verdienen sich ne goldene Nase dran.

Ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit dem Thema Vegetarismus und Veganismus, kann es absolut nachvollziehen, wenn man Mitleid mit den Tieren hat (habe ich ja auch), aber ich persöhnlich bin da sehr oft an meine finanziellen Grenzen gestoßen: die Lebensmittel sind im Bio-Laden mindestens doppelt so teuer wie im Supermarkt. Da bringt es auch nix, wenn ich die ersten zwei Wochen im Monat politisch korrekt einkaufe und die letzten beiden Wochen bei der Tafel essen muß, was auf den Tisch kommt (und das ist nie vegetarisch!).

Zudem habe ich festgestellt, das Vegetarismus/Veganismus besonders unter Großstädtern weit verbreitet ist und auf dem Land eher selten ist. Ich habe die Theorie entwickelt, daß Stadtmenschen von der Natur so entfremdet sind (wer jagt und schlachtet in der Stadt schon selbst oder hat es auch nur jemals gesehen), daß sie vom ja nunmal natürlichen fressen-und-gefressen-werden geschockt sind, wenn sie damit konfrontiert sind und dann zum Boykott greifen. Viele linke vertreten eine sozialistisch-primitivistische zurück-zur-Natur-Utopie, bei der sie dann allerdings völlig ausblenden, das sie dort so wie früher selbst töten müssten, um Fleisch zu essen (Vegane Ernährung ist nicht natürlich für den Menschen, siehe z.B. Vitamin B12). Als Stadtmensch kann man ja getrost in den Supermarkt gehen und sich für ein paar Cent die Gesichtswurst kaufen, ohne sich die Hände schmutzig machen zu müssen. Angesichts der Tatsache, daß die meisten Menschen Fleisch essen aber die meißten nicht jagen und schlachten, muß es also Fabriken geben, in denen Leute den ganzen Tag nix anderes machen, als Tiere zu töten. Wenn man sich dann solch eine Fabrik ansieht, kriegt man natürlich daß kotzen.

Ich halte es jedenfalls im Moment so, daß ich esse, was ich auch selbst zu gewinnen in der Lage wäre.

Übrigens: angeblich haben Forscher herausgefunden, daß Pflanzen denken und fühlen können... irgendwas muß man ja fressen, oder!?!

Kann man auch anders sehen!

Brigade Schopenhauer 31.01.2010 - 03:25
Auch wenn ich einigen Teilen des Beitrages zustimme und es grundsätzlich für wichtig erachte, Diskurse darüber zu führen, in welche Richtung gedacht werden kann, umso eindringlicher muss ich davor warnen, eine verengte Sicht auf die Dinge einzunehmen. Zunächst muss man sich doch darüber im Klaren sein, dass ein grosser Teil der vegan lebenden Mensch (und dabei muss ein besonderes Augenmerk auf quantitative "Ordnungseinheiten" gelegt werden), soweit meine Erfahrung, überhaupt kein theoretisches Fundament haben. Es geht hierbei weder um eine explizit antikapitalistische Grundthematik, noch um Empowerment und Emanzipation oder um eine überprüfte Moraldefinition oder sonst irgendetwas. Die "Grundausstattung" der meisten Veganer die ich kenne, ist eine relativ unausgereifte moralische Ebene und mit zur Zeit nicht vorhandenen Kompetenzen, Veganismus überhaupt anders als über die moralische Schiene zu artikulieren.Das kann man jetzt gut oder schlecht finden, für mich bleibt bei der ganzen, hoch eloquent formulierten Auseinandersetzung nur festzustellen, dass mir die Ebene auf der argumentiert wird, im Prinzip ziemlich egal ist, solange der "Tierkonsum" vermieden wird. Ob da nun aufgrund eines Labelings irgendwelche Symbole übernommen werden und deshalb eine Reflexion oder Kontextualisierung konstruiert wird, spielt primär keine Rolle. Hast Du Dir das durchschnittsalter der "grün-weissen" einmal angesehen? Ausgehend von der Feststellung, dass Wissen im Kausalzusammenhang von Erfahrung gesehen werden muss, kann man festhalten: Da ist entwas am entstehen, was zur Reife noch steinige Pfade zu meistern hat. Eine undogmatische, offen-eklektische Sichtweise könnte hilfreich sein.

Und zum Thema Singer, es nützt nichts, immer und immer wieder Kritikpunkte zu nennen, die nicht haltbar sind, weil sie erstens auf der völlig falschen Ebene stattfindet, was Du als "belesener Mensch" eigentlich wissen solltest und zweitens, weil es schon ideologisch-dogmatisch zu bezeichnen ist, wenn ein gewisses Kapitel eines Buches vollkommen aus dem Kontext gerissen wird, in dem man das böse Wort "Euthanasie", aus manipulativem Interesse einbaut, ohne die Hinführung und die daraufhin stattgefundenen Diskussionen ausser Acht lässt. Würde man, anstelle von Zensur und Einreiseverbot, versuchen zu verstehen, worum es Singer und "seinem Utilitarismus" geht,....es könnten spannende Dinge dabei rauskommen. Und damit will ich nicht sagen, das seinee Thesen und "Theorien" unangreifbar seien. Insbesonere die Frage nach ökonomischem Interesse könnten hier angeführt werden.

Und am Ende würde ich es für ebenfalls hilfreich ansehen, wenn Du anstatt eines arrogant-dogmatischen Statements lieber mal darauf Hinweisen würdest, dass es helfen könnte, sich im eigenen Interesse und zur eigenen Meinungsfindung mit unterschiedlichen Theorien auseinanderzusetzen, denn im Endeffekt weisst Du selber, dass Du nichts weisst und deshalb nur Überlegungen anstellen kannst. Materialismus, Systemtheorie, radikaler Konstruktivismus, Schopenhauer, Kant, Marx etc. kann man auf verschiedene Art- und Weise lesen und interpretieren und vor allem "zusammenbauen". Das würde den Diskurs bereichern. Deine Argumentation ist langweilig, uninteressant und vollkommen engstirning. Aber man kann seine Phrasen ja auch weiterhin durch die Gegend schleudern, bis zu dem Zeitpunkt, wo man sie selbst nicht mehr hören kann. Wo geht es noch mal nach "Real-Utopie" und wie schreibt man "Veränderung" richtig?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 31 Kommentare an

@autor — egal

völliger blödsinn — tierbefreier

Veganer küssen nur Veganer — Radikal Queer

Kritik der Kritik — blubber

jo — deinhamster

AN-TI-SPE-ZIE-SIS-MUS — antispe

au backe — vegane linke

Peter Singer — M.Pathie

Menschheit Verrecke! — Bullshitdetector

völliger — schwachsinn

für den antispeziesismus — vgncmmunsm

So eine billige Hetze! — Die Fleischindustrie

so eine schrille Petze... — Anti-Ethnizist

Spezi ist spitze — Die Fleischindustrie

eben! — Anti-Etnizist

rechts schreibung — fehler is king

Antischpä — Duden

bravo, Fleischindustrie! — Anti-Ethnizist

derzeit? — max

@max — .

Vorsicht... — Sergei

Körnersenf — Gyps