Jülich-Ahaus-Castoren: Atomlobby macht Druck!

SOFA Münster 20.01.2010 10:19 Themen: Atom Ökologie
Der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich nennt es einen "Strategiewechsel" - nach jahrelangem Schweigen macht das ehemalige Kernforschungszentrum nun massiv öffentlich Druck, ihre 300 000 hochverstrahlten Brennelementkugeln in 152 Castoren quer durch NRW ins Zwischenlager Ahaus zu transportieren. Grund: Das Zwischenlager sei in die Jahre gekommen, heute gäbe es andere Anforderungen. Die Öffentlichkeitsoffensive ist auch eine Reaktion auf den für Samstag angekündigten Autobahn-Aktionstag "Dem Castor entgegen" von Ahaus über Duisburg nach Jülich.
Im Februar 2009 hatte die BI "Kein Atommüll in Ahaus" Alarm geschlagen - das Forschungszentrum Jülich (FZJ) wolle 152 Castoren in Ahaus einparken. Damals wurden nur "Überlegungen" bestätigt, ansonsten große öffentliche Zurückhaltung. Das FZJ gehört zu 90% dem Bund und zu 10% dem Land NRW.

Der Versuchsreaktor AVR galt einst als Vorzeigeprojekt, um die Hochtemperaturreaktoren in alle Welt zu verscherbeln. Erst letztes Jahr scheiterte aber der Export nach Südafrika, der THTR Hamm-Uentrop ist schon seit 1989 eine milliardenschwere hochverstrahlte Atomruine.

Nun will sich das FZJ vom Atomimage befreien. Doch das ist schwerer als gedacht: Die 300 000 Brennelementkugeln wurden jahrelang mit zu hohen Temperaturen bestrahlt und gelten deshalb als besonders brisant. Deshalb will das FZJ - also Bund und Land - das Zeugs möglichst schnell loswerden. Wie praktisch, dass der Bund über das BfS und das Land über das Wirtschaftsministerium auch die Genehmigungsbehörden für die Verlagerung ist ...

Von der viel propagierten grünen Wiese wird allerdings nicht viel zu sehen sein: Der Reaktordruckbehälter ist derart verstrahlt, dass er auf absehbare Zeit nicht zerlegt werden kann. Auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag gab die Bundesregierung zu, dass auch das Erdreich unter dem Druckbehälter radioaktiv verseucht ist - wie stark, könne man derzeit nicht sagen. Deshalb soll der Reaktordruckbehälter 2011 in eine eigens dafür gebaute Zwischenlagerhalle verschoben werden - ein extrem riskantes Unterfangen!

Für die Brennelementkugeln gibt es eine Lagergenehmigung bis Mitte 2013. Warum die nicht einfach verlängern? Dazu hat das FZJ ein achtseitiges Papier erstellt:

Darin heißt es, das Jülicher Zwischenlager sei von 1993 und die Anforderungen an die Zwischenlagerung hätten sich in den letzten 20 Jahren gewandelt - mit anderen Worten: Die Halle wäre heute nicht mehr genehmigungsfähig und ein Neubau für 40 Millionen Euro müsste her!

Einziger Haken: Das Zwischenlager Ahaus wurde schon 1992 in Betrieb genommen und ist damit noch älter und heute noch weniger genehmigungsfähig. Da Ahaus aber eine Genehmigung bis über 2030 hinaus hat, stört das weder Bund noch Land. Aber erstmals gibt eine offizielle Bestätigung, dass diese alten Hallen (dazu gehört auch das Zwischenlager Gorleben!!) heute nicht mehr genehmigungsfähig wären!

Die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus sollen laut Aachener Zeitung "2011, spätestens 2012" beginnen. So sicher ist man sich aber wohl nicht, da dass FZJ eine Lagerungsverlängerung in Jülich um drei Jahre (von 2013 bis 2016) prüfen lässt.

Die Anti-Atom-Initiativen machen schon jetzt mobil gegen die Atompläne aus Jülich: Am jetzigen Samstag startet in Ahaus um 10 Uhr ein Autobahn-Aktionstag über 170 km zur GNS-Atommüllkonditionierungsanlage Duisburg und zum Forschungszentrum Jülich. Motto der mobilen Demo: "Dem Castor entgegen". Aus Duisburg soll schon in den nächsten Wochen Atommüll nach Ahaus rollen.

In Duisburg-Wanheim findet um 12 Uhr eine Demo vor der GNS statt (Friemersheimer Straße), in Jülich um 15 Uhr auf dem Marktplatz eine Kundgebung.

Die Aktion soll das Atommülldesaster in NRW öffentlich machen. Woanders säuft die ASSE ab, doch in NRW tut die Atomlobby aus EON, RWE und Landesregierung so, als sei alles paletti mit der Leichtbauhalle in Ahaus. In Gronau soll ab 2011 sogar ein neues Zwischenlager für 60 000 Tonnen Uranmüll gebaut werden - langfristige Entsorgung egal.

Deshalb sagen wir: Alle Atomanlagen sofort stilllegen - keine Atommülltransporte nach Ahaus oder sonstwohin!

Aktuelle Infos gibt es auch unter: www.kein-castor-nach-ahaus.de und www.contratom.de
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