FFM: Stud. eröffnen „Norbert-Wollheim-Uni"

Presse AK (des Protestplenums Frankfurt) 16.01.2010 16:38 Themen: Bildung Freiräume Soziale Kämpfe
Frankfurt am Main: Studierende eröffnen „Norbert-Wollheim-Universität“

Die Proteste an der Uni Frankfurt gehen weiter. Während die Vorbereitungen für die bundesweite Demo am 30. Januar (unter dem Titel "Die Uni gehört allen") auf Hochtouren laufen, eröffneten die Studierenden gestern die „Norbert-Wollheim-Universität“, in deren Rahmen ab jetzt bis mind. zu den Semesterferien jeden Freitag Workshops stattfinden sollen. Die mit der Casino-Besetzung angestoßene inhaltliche Auseinandersetzung, die durch die Unileitung mittels brutaler Räumung unterbrochen wurde, geht damit weiter.
Hintergrund ist, dass im Rahmen der Casino-Besetzung auf dem IG-Farben-Campus (der von der Universitätsleitung lediglich „Campus Westend“ genannt wird, dessen NS-Geschichte damit verschwiegen wird), die Frankfurter Uni von Studierenden in „Norbert-Wollheim-Universität“ umbenannt worden war.
Norbert Wollheim, der selbst als Zwangsarbeiter für die IG-Farben arbeiten musste und als einziger seiner Familie Auschwitz überlebte, verklagte den Konzern nach dem zweiten Weltkrieg. Die Unileitung versucht systematisch die NS-Geschichte des neuen Campus auszuklammern, und nennt den neuen Campus nicht IG-Farben-Campus, sondern „Campus Westend“ und verhinderte die Benennung des Platzes vor dem Hauptgebäude in „Norbert-Wollheim-Platz“.

Die Norbert-Wollheim-Universität wurde feierlich, mit Sektempfang, rotem Band, das von Fachschaftsvertretern durchtrennt wurde, sowie dem anbringen des neuen Namenszuges am Hauptgebäude eröffnet. An gleicher Stelle wurde im Zuge der Proteste von 1968 die Uni in „Karl-Marx-Universität“ umbenannt.

In der Eröffnungsrede hieß es, die Norbert-Wollheim-Universität „soll als kollektiver Lernprozess das sein, was jede Universität sein sollte.“

Die Studierenden werden im Rahmen der Norbert-Wollheim-Universität weiter Workshops organisieren. Das Programm kann unter www.norbertwollheimuniversitaet.blogsport.de eingesehen werden.


Die Mobilisierung für die Demonstration nimmt langsam fahrt auf, aus immer mehr Städten in Deutschland werden Busse oder Zugtreffpunkte gemeldet.

Unvollständiger(! Bitte um Ergänzung) Überblick:

Heidelberg, Zugtreffpunkt, 11.00Uhr, Hbf
Freiburg, Zugtreffpunkt, Hbf ab 09:03 Gleis 2
Offenburg, Zugtreffpunkt, ab 10:02 Gleis 6
Karlsruhe, Zugtreffpunkt, Hbf ab 11:25 Gleis 3
Mannheim, Zugtreffpunkt, Hbf ab 12:38 Gleis 7
Münster 7.00, Zugtreffpunkt, Hbf 7:00Uhr
Halle (Saale) ~ 7 Uhr (Zug)

Braunschweig: Bus, Treffpunkt 8.30 Uhr in der Pockelstraße am Naturhistorischen Museum,Tickets: beim AStA der TU Braunschweig
Göttingen: Der Bus aus Braunschweig ist ca. 9.45Uhr in Göttingen. Der Zustiegspunkt wird noch veröffentlicht.
Köln: Bus, Tickets: busffm(at)hotmail.de oder im AStA Laden (Universitätstr. 16)
Potsdam: Bus

PENNPLÄTZE:
Gibt es in Frankfurt genügend. Das Studierendenhaus bietet genügend Platz. Bringt einen Schlafsack mit! Das Studierenhaus ist schon ab Freitag abend geöffnet, sodass ihr schon einen Abend vorher anreisen könnt.


Mehr Infos zur Norbert-Wollheim-Universität, auf  http://norbertwollheimuniversitaet.blogsport.de

Mehr Infos zur Demo auf  http://unigehoertallen.tk

Allgemeine Infos zum Protest in Frankfurt:
 http://bildungsstreik-ffm.de
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Ergänzungen

Wollheim-Univerität

Zappa 16.01.2010 - 17:13
Im Artikel wird der Eindruck erweckt, die Umbenennung wure am Hauptgebäude des "Campus Westend bzw. dem IG-Farben-Haus" durchgeführt. Dem ist aber wohl nicht so, vielmehr ist es der ehemalige Hauptcampus in ca. einem Kilometer Entfernung zum Campus Westend. Hier wurden, soweit mir bekannt, keine Zwangsarbeiter eingesetzt.

Zur Aufarbeitung der Geschichte sei auf das Memorial an der Auffahrt zur Uni verwiesen, an die Gedenktafel am Eingang, an die Infotafeln im Hauptgebäude....

steht doch da

blub 16.01.2010 - 18:15
@zappa: wer lesen kann ist klar im Vorteil:
" An gleicher Stelle wurde im Zuge der Proteste von 1968 die Uni in „Karl-Marx-Universität“ umbenannt. ", unter dem Bild steht JÜGELHAUS

mehr Infos, zur "Initiative Norbert-Wollheim-Platz" hier:
 http://www.fritz-bauer-institut.de/info/norbert-wollheim-platz.htm bzw. hier:  http://www.norbert-wollheim-platz.tk/

die Umbenennung wurde seinerzeit durchs Präsidium verhindert.

In der Resolution des Komitees der Überlebenden von Buna-Monowitz vom 27. März 2004, die der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth übergeben wurde hieß es:

»An historischem Ort, im IG Farben-Haus, gedenken wir der Opfer von Auschwitz, der Tausenden unserer Kameraden, die der »Vernichtung durch Arbeit« im Werk »IG Auschwitz« zum Opfer gefallen sind. (...) Norbert Wollheim steht stellvertretend für die Opfer von Buna-Monowitz. Den Platz vor dem IG Farben-Haus nach Norbert Wollheim zu benennen wäre für uns Überlebende ein sichtbares Zeichen der Stadt Frankfurt am Main, der unvergänglichen Vergangenheit zu gedenken, der historischen Verantwortung gerecht zu werden.

Wir versammeln uns heute zum letzten Male in Frankfurt am Main. Unsere Generation, Zeugen und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung, stirbt aus.

Bevor unser Schicksal nur noch Historie ist, wollen wir dafür streiten, dass Geschichtsvergessenheit nicht Platz greift. Wir appellieren an die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt am Main, die Umbenennung des »Grüneburgplatzes« in »Norbert-Wollheim-Platz« zu veranlassen:

in Ehrfurcht vor den Opfern, in Verantwortung für die Zukunft.«


antikapitalistische Mobilisierung zur Demo

antifa 16.01.2010 - 19:37

Link zum Aufruf des sozialrevolutionären und antinationale Krisenbündnisses:

 http://krise.blogsport.de/

@Blub

Zappa 16.01.2010 - 19:58
Ob irgendwer von außerhalb weiß, dass das Jügelhaus garnichts mit dem "Norbert-Wollheim-Platz" zu tun hat?

@zappa

I_330 16.01.2010 - 21:44
Bei der Besetzung der Uni Frankfurt und hinterher fand eine Umbenennung der Uni in Norbert Wollheim Uni statt, und zwar am IG Farben-Gebäude im Westend. Die Unileitung hat mehrmals das Transpi mit der entsprechenden Aufschrift entfernen lassen. Jetzt sahen wir uns halt gezwungen, auf diesen Missstand auch mal in Bockenheim hinzuweisen. Das Jügelhaus bietet sich dafür im Besonderen an, weil dort der Name der Uni steht und es sich wie beim Casino um einen repräsentativen Prachtbau handelt, der die einseitige Geschichtsdarstellung und die Prestigegeilheit der Unileitung symbolisiert.