NF: Finn verweigert Kriegsdienst

Jan Hansen 11.01.2010 23:28 Themen: Militarismus Repression
Zum 4.1.2010 wurde Finn Ingwersen aus Bredstedt (Nordfriesland) zum Wehrdienst im 7.Bataillon Elektronische Kampfführung 912 in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg/Weser eingezogen. „Ich bin zur Bundeswehr gegangen, weil ich wissen wollte, was an den Gerüchten dran ist.“ kommentiert Finn seine damalige Entscheidung. „Ich dachte: Das sind doch auch nur Menschen. Das kann doch nicht so schlimm sein.“ Mittlerweile sieht Finn das anders: „Erst hier beim Bund sieht man Waffen in Wirklichkeit. Das ist ganz anders als im Fernsehen. Erst hier habe ich verstanden, dass diese Dinger nur zum Töten da sind!“ Außerdem verstünde er nicht, wie sich Menschen ernstlich einbilden könnten, dass sie ausgerüstet mit diesen Tötungsinstrumenten Schulen bauen oder Brunnen bohren könnten. Zudem seien ihm seit seinem Einrücken ernsthafte Zweifel an der Legitimität eines bewaffneten Zwangsapparates wie der Bundeswehr gekommen. „Mittlerweile lehne ich den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen ab“.
Heute (Montag, 11.1.10) hat Finn seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung abgegeben. Damit kann er eigentlich nicht mehr zum Bedienen von Waffen gezwungen werden. Allerdings ist unklar, wie lange die Bearbeitung des Antrages in der Militärbürokratie braucht. Eine ungewissen Zeit für Finn: „Da ich aus meinen Zweifeln keinen Hehl gemacht habe, wurde mir bereits mit Arrest gedroht.“ Besonderes Streitthema mit seinen Vorgesetzten seien bisher Finns lange rote Dreadlocks gewesen. Da er sich weigerte, diese abzuschneiden, wurde ihm eine Frist bis Sonntag abend gesetzt, diese zu entfernen. Für den Fall, dass er am Morgen die Haare noch habe, wurde ihm direkt mit 28 Tagen Arrest gedroht. Er hat die Haare zwar noch, doch die latenter Drohung des Arrestes schwebt immer noch über ihm.

Doch Finn hat Unterstützer: „Wir werden Finn nicht im Stich lassen. Für den Fall, dass der KDV-Antrag verschleppt, oder Finn im Arrest landet, werden wir Druck auf die Bundeswehr aussüben!“ sagte Jan Hansen vom der Husumer Initiative www.militarismus-jetzt-stoppen.de.vu Es bereits jetzt wichtig, an Finn zu schreiben, da damit zum einen den Militärs gezeigt werde, dass es eine kritische Öffentlichkeit zu Finns Fall gebe, und außerdem würde dies den Verweigerer in seinem Beschluss bestärken, fügte Hansen hinzu. „Schreibt bitte an

Finn Ingwersen,
Clausewitz-Kaserne,
7. Bataillon elektronische Kampfführung,
Am Rehhagen 10,
31573 Nienburg/Weser!“

Infos zur Kriegsdienstverweigerung von SoldatInnen:

 http://www.zentralstelle-kdv.de/z.php?ID=5
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Ergänzungen

Sehr schöner Entschluß

Auch nachträglicher Verweigerer 12.01.2010 - 11:59
Der Entschluß, spät, hier nachträglich zu verweigern ist sehr löblich und aufs schärfste zu begrüßen.
In der aktuellen Zeit, in der die Armee prakisch keinerlei Personalprobleme hat, wird sie mit "so einem Fall" kaum Probleme haben.
Wie weit die vorhandenen Repressions und Sanktionsmöglichkeiten genutzt werden, z.b. um ein Haareschneiden zu erzwingen, ist natürlich interessant und läßt möglicherweise auf eine Grundstimmung schließen.
Im allgemeinen, wird sowas möglichst unspektakulär, ruhig und routinemäßig abgewickelt, in dem der Veweigerer z.b. Krank geschrieben wird, Sonderurlaub erhält, oder aus besonderem Anlaß von allen Diensten befreit wird.
Ein Renitenter Soldat stört ja ganz mächtig vor allem wärend der Ausbildung. Auch eine offenkundig unverhältnissmäßige Disziplinarmaßnahme -hier wegen der Haare- untergräbt die Disziplin der Truppe und die "Gefahr" von Solidar-Mahnwachen vor dem Kasernentor und vielen Solidar-Briefen an einen Gefangenen wird die Truppe vermeiden.

Aussitzen ist nicht!

STUFZ 12.01.2010 - 15:04
@na und

Die Arresttage werden auf die Dienstzeit aufgeschlagen.

@ STUFZ

Arrest 12.01.2010 - 15:44
Werden sie definitiv nicht, ich saß selber im Arrest, meine Dienstzeit hat sich nicht verlängert...

Dienstzeitverlängerung

is nich 12.01.2010 - 17:31
Die Dienstzeit verlängert sich nicht durch Arrest, sondern nur durch unerlaubte Abwesenheit. Wenn Finn also tagelang gefehlt hätte und irgendwann von Feldjägern angeschleppt worden wäre, hätte er evtl. nachdienen müssen (bzw.: wäre die Nachdien-Pflicht auf seine Zivi-Zeit aufgeschlagen worden, wenn er denn mal anerkannt ist) Aber er ist ja in der Kaserne, nur dass er dort nicht so spurt, wie die wollen. Und Arrest ist halt irgendwie auch Dienst.

Jedenfalls: Sehr schön, dass Finn die Militärbürokratie ein bisschen stresst, und Hut ab vor dem Mut. Sich gegenüber Hunderten überwiegend feindlich gesinnter Uniformträger als Individuum zu behaupten, ist ja nicht ohne!

@Nachträglicher Verweigerer

Zappa 12.01.2010 - 19:27
Die Bundeswehr hat sehr wohl Personalengpässe, besonders bei den Medizinern.

Mich wundert es immer wieder mit welcher Naivität Leute hier auftreten. Beziehen die Jugendlichen von heute ihr Halbwissen nur noch aus dem Fernsehen?

Personalengpässe

x 12.01.2010 - 22:18
Tatsächlich hat die Bundeswehr in einigen Offizierslaufbahnen Personalengpässe. Wer hier ansetzen möchte erreicht aber wenig mit den bekannten "Soldaten sind Mörder" Kampagnen oder einem linken Bauchgefühl Pazifismus, nach dem jeder Krieg gleich böse ist. OffizieranwärterInnen und BewerberInnen sind meistens recht überzeugt davon, in eine grundsätzlich gute Sache inzusteigen, die Ideologie vom mobilen Hilfstrupp Armee hat sich dort bereits gesetzt. Als den gebildeten Schichten entstammend treibt sie seltener der finanzielle Druck zur Armee, oft aber die relative Jobsicherheit und die aussicht auf eine "abwechslungsreiche" Arbeit. Wer diese leute agitieren will muss sie zuerst bei ihrem Individualismus packen (etwa mittels eines als Erfahrungsbericht gehaltenem Flyer), die realen Einschränkungen und Zwänge denen Soldaten ausgesetzt sind, sind diesen Bewerbern oft überraschend wenig präsent...
Wer dahingehend aktiv werden möchte macht das am besten zu den Stoßzeiten (Frühling Herbst --> Daten googlen) vor der Genral Mudra Kaserne in Köln, da müssen alle Bewerber mal hin.

Haare sind noch dran

egal 13.01.2010 - 00:43
hey,
Dienstag Abend:
-Die Haare sind noch dran.
-Finn ist immer noch nicht im Arrest.
-Für morgen haben sie mit Einleitung eines Strafverfahrens gedroht.

Schreibt ihm!

lange rote Dreadlocks

selber bund geschädigt 13.01.2010 - 08:34
mhhh war selbst beim bund, bei den sanis, deswegen hab ich das mit den waffen wohl nich si schlimm gesehen da wir die auch nur sletenst "benutzt" haben, eher waren sie nur lästig, da wir sie rumschleppen mustten....

aber zu den haaren
meines wissens giebt es nur zwei arten von friesuren die beim bund verboten sind:
1 absulute glatze---- die haare mussen min 3mm lang sein
2.der iro---- egal ob ohne farben oder wie lang er is (ich habe alle meine damaligen vorgesetzten gefragt mir diese dumme regelung zu erklären aber keiner hatte ne antwort darauf es hieß immer nur "steht in der ZDV (zentrale Dienst verordnung)" auf die frage "warum" wusste keiner na antwort

ergo sind alle anderen frisuren beim bund erlaubt!!!!

Information tut Not

Ich 13.01.2010 - 09:02
Also mal ein paar Kleinigkeiten zur Richtigstellung:
Arresttage werden nur dann nachgedient (also hinten draufgeschlagen), wenn der Arrest "ohne Teilnahme am Dienst" verhängt wurde. Üblicherweise nimmt man aber am Dienst teil (ggf. ohne Dienst an der Waffe, aber mit allem anderen) und verbringt "nur" seine Freizeit und die Nächte im Arrest. Da man ja am Dienst teilgenommen hat, braucht man es nicht nachzudienen.
Die Androhung von Disziplinarmaßnahmen ist nur dann rechtens, wenn der Drohende die Strafe auch verhängen dürfte und die Strafe überhaupt angemessen wäre. Arrest über 7 Tage hinaus wird von höheren Vorgesetzten verhängt - Battallionskommandeur oder so - unwahrscheinlich, dass Finn die Drohung von ihm erhalten hat. Alles unter den Ebene des Kompaniechefs ist hohles und nicht rechtmäßiges Gelaber!
Es gibt wohl immer noch den sog. "Haar- und Barterlass". Verboten waren "in Form oder Farbe auffällige Frisuren" - ein unbestimmter Rechtsbegriff, mithin also Auslegungssache der Vorgesetzten. Allerdings gibts für einen Verstoß nicht automatisch Knast! Nur bei EA gibts eine Art Automatismus, ansonsten sollen Sanktionen gesteigert werden, also vom Anschiss über einen Aufsatz über Geldbuße und Ausgangsbeschränkung zum Arrest, damit der Delinquent die Chance hat, sein Verhalten anzupassen.

Generell ist es aber so, dass man beim Trachtenverein mit der Einschränkung von Grundrechten leben muss, da man entweder freiwillig da ist oder verpflichtet ist. Ohne Grundrechtsbeschneidung funktionierte keine Armee der Welt.

Tipps für Finn:
Schon mit Arzt und Militärpfarrer geredet? Ich könnte mir vorstellen, dass die permanente Konfrontation mit dem Kriegsgerät dich emotional und psychisch ziemlich stark belastet und du daher vielleicht gar nicht dienstfähig (also krank) bist, bis über deinen KDV-Antrag entschieden ist...
Es ist überall etwas unterschiedlich, aber wie schon jemand geschrieben hat, ist ein KDV-Antrag nach Dienstantritt so ungewöhnlich nicht und die meisten Truppenteile haben damit Erfahrung. Meist wird das einigermaßen schnell (ist halt nen Verwaltungsakt mit etlichen Beteiligten - deine Truppe, die vorgesetzten Dienststellen, das KWEA, ggf. das Bundesamt für Zivildienst, ggf. Truppenarzt, usw) und vor allem halbwegs diskret geregelt, eben um nicht den Rest der Truppe unruhig zu machen oder gar auf "dumme" Gedanken zu bringen.
Lass dich nicht von Zwischenvorgesetzten kirre machen. Die Leos haben nicht viel zu sagen, tun das aber gerne sehr laut. Wenn dir das mal zuviel wird - schreib ne Beschwerde! Da müssen (!) dann die Chefs der Brüllheinis ermitteln, ob diese sich daneben benommen haben und dann bekommen sie ggf. ihrerseits Stress.

Update, do, 13.1.10

egal 15.01.2010 - 02:46
Haare noch dran,
Finn ok,
bekommt Post,
hat ab Samstag Ausgangssperre,
immer noch kein Arrest.

Bitte schreibt ihm weiter!

Danke

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selbst schuld — warumgibtsdasfeldeigntlich?