Warum ausgerechnet "Gustloff"?

ipar 10.01.2010 22:33 Themen: Antifa Kultur Militarismus
Schwerin nennt sich gerne „Venedig des Nordens“ und hat 2009 als „Buga-Stadt“ einen touristischen Bekanntheits-Schub bekommen. Damit das so bleibt, lässt man sich zur anstehenden 850-Jahrfeier der Stadt einiges einfallen. Die SPD-Fraktion in der Stadtvertretung hat sich kürzlich mit einem Exposé für eine Ausstellung zum Jubiläum 2010 zu Wort gemeldet. Kulturgeschichtliche und andere Ereignisse über die Jahrhunderte sollen gewürdigt werden. Mager und recht seltsam in dem Exposé nimmt sich allerdings diese Passage aus: „Im 20. Jahrhundert lag Schwerin eher an der Peripherie der Ereignisse. Eine Ausnahme bildet die Ereigniskette, die sich mit dem Namen des Schweriners Wilhelm Gustloff verbindet“.
Dabei gäbe es doch – gerade von der SPD – Bedeutendes aus der damaligen Stadtgeschichte zu vermelden. Etwa über die Beseitigung der Adelsherrschaft in Folge der Novemberrevolution und den Aufbau demokratischer Strukturen gegen den Widerstand der Kapp-Putschisten. Oder über die herausragende Rolle der SPD-Landesregierungen bei der Stärkung der Demokratie, über den sozialdemokratische Ministerpräsidenten Johannes Stelling, der dann als einer der Ersten von den Nazis gefoltert und ermordet wurde. Der Widerstand von Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die Naziherrschaft wäre ebenso der Erwähnung wert wie der konservative Widerstand, mit dem sich Namen wie Ulrich Graf von Schwerin und Hans Oster verbinden.

Aber ausgerechnet Wilhelm Gustloff? Liegt es am Verfasser des SPD-Exposés, dem für diese Epoche lediglich eingefallen zu sein scheint, dass der Leiter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz und spätere „Märtyrer“ des NS-Staates in Schwerin das Licht der Welt erblickt hat? Der Exposé-Autor heißt Rudolf Conrades. Für das Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin hatte er 2006 die Ausstellung über das Werk von Hitlers Renommier-Bildhauer Arno Breker initiiert. Die Schau verzeichnete rund 50 000 Besucher; über die NS-Verstrickungen des Künstlers schwiegen sich Ausstellung und Katalog weitgehend aus.

Weshalb der auf ihr Image bedachten Hauptstadt im Norden bis heute der Ruf anhaftet, mit der Nazivergangenheit zumindest leichtfertig umzugehen.…
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Ergänzungen

darum gustloff

nix mit flüchtlingsschiff 11.01.2010 - 09:14
"Die Versenkung der Wilhelm Gustloff entsprach geltendem Kriegsvölkerrecht. Als Truppentransporter hatte die Wilhelm Gustloff den rechtlichen Status eines Kriegsschiffs, das von der sowjetischen U-Boot-Besatzung auch nur als solches wahrgenommen werden konnte: Als schwimmende Kaserne der Wehrmacht hatte sie einen grauen Tarnanstrich, sie fuhr zum Zeitpunkt der Torpedierung abgeblendet durch Kriegsgebiet und wurde von einem weiteren Kriegsschiff begleitet. Zudem war die Wilhelm Gustloff mit Flugabwehrgeschützen[17] bewaffnet und hatte kampffähige Soldaten an Bord. Jeder einzelne dieser Punkte machte sie zu einem vom damaligen Kriegsrecht gedeckten, legitimen Ziel gegnerischer Angriffe."
Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Gustloff_%28Schiff%29
Die Bezeichnung "Katastrophe" erscheint genau wie der Begriff "Flüchtlingsschiff" unangemessen. Immerhin handelte es sich um ein Schiff der deutsche Marine, welche Bestandteil derjenigen Armee war, die doch immerhin diesen Krieg angezettelt hatte. Nicht der Abschuss eines Schiffes jener Armee muss als "Katastrophe" gewertet werden, denn dann wäre der alliierte Kriegsgewinn über Nazideutschland ähnlich zu betrachten...arme kleine Deutsche......Opa war sehrwohl ein Nazi! Wer deutsche Täter mit Opfern verwechselt, sollte lieber Bücher zu lesen, oder wenigstens Wikipedia, als seine merkwürdigen Gedanken auch noch öffentlich zu vertreten!

verweis auf anderen indyartikel

antihorst 11.01.2010 - 10:24
zuerst mal, den nazihorst bitte löschen, danke.

dann, hier der verweis auf einen bereits über das nazischiff und die modernen rehabiliationsversuche bzw den heutigen geschichtsrevisionismus, wie er auch gerne im neokolonialen zweiten deutschen fernsehen kursiert, geschriebenen indymediaartikel:  http://de.indymedia.org/2008/03/209520.shtml

und:  http://de.indymedia.org/2008/04/215064.shtml

+++

"Ein sehr empfehlenswertes Buch über den Untergang des Truppentransporter W. Gustloff der mit tausenden Flüchtlingen an Bord durch Torpedos sank, ist das Buch von Günter Grass "Im Krebsgang.
Das Buch gibt es auch als vom Autor gelesenes Hörbuch Version in vielen Büchereien." (von "leser")

David Frankfurter

thomas weins 17.11.2010 - 13:22
die versenkte Gustloff ist ja nach diesem "auslandsnazi" benannt, der eine ehemalige sekretärin von hitler geheiratet hatte (die auch das schiff einweihte)und 1936 von David Frankfurter in der schweiz erschossen wurde, ein politisches attentat, dass die nazis aufgrund der beginnenden olympiade nicht so ausschlachten konnten, wie das weit bekanntere attentat von Herschel Grynszpan auf vom Rath, das zur rechtfertigung der schon lange vorher geplanten "reichspogromnacht" dienen sollte, aufgrund seiner schwulen implikationen aber nicht zu einem (vorbereiteten) schauprozess benutzt wurde, und bis heute als "privater racheakt" abgetan wird.

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