Das deutsche Jugendamt - ein Stück "Behemoth"

G. 04.01.2010 00:06 Themen: Antirassismus Blogwire Soziale Kämpfe
Dieser Beitrag will die, in seiner Beschaffenheit weltweit einmalige, Institution des deutschen Jugendamtes beleuchten und dabei insbesondere seine rassistische Funktionsweise auf's Korn nehmen. Damit ist die Tatsache angesprochen, daß, innerhalb seiner grundsätzlichen Ausrichtung gegen die Arbeiterklasse, überdurchschnittlich häufig Menschen nicht-deutscher Herkunft von seinen Maßnahmen betroffen sind. Während eine immanente Analyse eine Vielzahl von sozialen "Faktoren" identifizieren kann, die hierauf einen Einfluß hätten, soll diese Kritik aufzeigen, daß diese Wirkungsweise in "der Natur der Sache" - der Institution des Jugendamtes an sich nämlich - begründet ist.

Für seine ersatzlose Abschaffung!
Das Jugendamt ist als staatliche Kontrollinstanz über die Erziehungstätigkeit der Eltern eine Schöpfung der NSDAP. Per Gesetz vvon 1939 diente es der "Erziehung zur Volksgemeinschaft" ( http://de.wikipedia.org/wiki/Jugendamt). Trotz einiger Reformen des Jugendamtes seitdem hat sich an dem in seiner Praxis begründeten Prinzip nicht geändert.

Es besitzt heute als Institution ein Doppelgesicht. Es untersteht in den meisten Bundesländern dem Innenministerium, das die "Rechtsaufsicht" wahrnimmt, sowie dem Landrats- bzw. Bürgermeisteramt, dem die "Dienstaufsicht" obliegt. Eine "Fachaufsicht" über die Behörde wird nach übereinstimmender Auffassung nicht ausgeübt.

Das Jugendamt ist eine institutionelle Kreation die sich außerhalb des Rechts bewegt, da seine Praxis wesentlichen Rechtsgrundsätzen zuwiderläuft. Daran ändert auch die gesetzliche Fixierung seiner Verfahrensweise und Verwicklung von Gerichten darin nichts. Es ist befugt, ohne einen Gerichtsbeschluß "Inobhutnahmen" von Kindern vorzunehmen, ausreichend dafür ist die Machtvollkommenheit von Angestellten des Jugendamtes, die behaupten, es bestehe eine "Gefährdung" des "Kindeswohles" (vergleichbar den polizeilichen "Ingewahrsamnahmen" und Sonderrechten bei diversen "Gefahrenlagen"). Selbst ein Zuwiderhandeln gegen bindendes Recht bleibt für Jugendamtsmitarbeiter ohne Konsequenzen ( http://www.readers-edition.de/2008/08/23/jugendamt-wuppertal-eine-mutter-tritt-in-hungerstreik). Angestellte des Jugendamtes sind für die von ihnen eingesetzen Maßnahmen und daraus erwachsende Konsequenzen nicht zur Rechenschaft zu ziehen.

In der Praxis bilden eine Vielzahl, zumeist anonym bleibender Hinweise aus der Bevölkerung bezüglich der Sekundärtugenden von Eltern (Ordnung, Sauberkeit der Wohnung, Pünktlichkeit im Kindergarten, Gehorsam gegen Autoritäten etc.), die sich am Erziehungsstil der Eltern festmachen, den Hintergrund für das Jugendamt, aktiv zu werden. Diese Fülle von Hinweisen, wenn Angestellte des Jugendamtes sie sich zu eigen machen, ersetzt dann - sogar vor Gericht - konkrete Belege für eine "Gefährdung" des "Kindeswohls" (psychische Depravationen, Verletzungen, Mangelernährung etc.). Das Kind wird buchstäblich seinen Eltern entrissen und in einem Kinderheim über Wochen, oft sogar Monate von diesen isoliert festgehalten und mit einer Kontaktsperre gegenüber allen seinen Angehörigen belegt. Schlimmstenfalls wird in dieser Zeit vom Jugendamt eine Psychiatrisierung der Sorgeberechtigten eingeleitet ( http://www.blogspan.net/presse/willkr-deutscher-jugendmter-erregt-kritik-vor-eu-und-un/mitteilung/18271/), um das Kind in Obhut einer bisher kinderlos gebliebenen Pflegefamilie zu geben, die viel Geld dafür zu zahlen bereit ist und in der das Leiden des Kindes unter den in Deutschland herrschenden Erziehungsmitteln von Verprügeln, Treppe runterwerfen, Liebesentzug, Vernachlässigung und Demütigung, exzessiver, d.h. maßloser Gewalt eben, wie sie durch die Institution des Jugendamtes auf die Spitze getrieben wird, hinter dicken Wänden niemals einer Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangen wird. Gegen dieses ganze Verfahren besteht für die Betroffenen so gut wie keine Handhabe.

Die Machtfülle des Jugendamtes zeigt die Grundlosigkeit der Verallgemeinerung von Normen, die Erziehungs- und Lebensstile betreffend. Sein Tätigwerden bedeutet Disriminierung, die Qualifizierung individueller als abweichender Lebensstile. Seinem Wesen nach steht es außerhalb des Rechts, da es sich anmaßt, Handlungen zu beurteilen, auf die keine juristische Kodifikation zutrifft. Auf die Verhandlung der Erziehungstätigkeit und ihren Vergleich mit einer an bestimmten Werten ausgerichteten, postulierten Norm gründet es einschneidende und das Leben vieler Menschen in ungünstigster Weise prägende Maßnahmen.

Der der Tätigkeit des Jugendamtes immanente Rassismus wird durch die Vertreter der Institution selbst glatt in Abrede gestellt und umgelogen, obwohl die Zahlen von Inobhutnahmen von Kindern nicht-deutscher Herkunft mindestens drei- bis viermal höher als ihr Bevölkerungsanteil liegt ( http://www.wuppertal.de/rathaus/onlinedienste/ris/www/pdf/00067667.pdf). Insbesonere die Privatisierung der bisher "freien", öffentlich geförderten, Jugendarbeit birgt weitere Gefahren.
Keine Staatsanwaltschaft würde jemals Ermittlungen aufgrund der Diskriminierung eines Kindes durch das Jugendamt einleiten, kein Angestellter des Jugendamtes, keiner seiner Zuträger jemals haftbar gemacht werden. Schadensersatzansprüche bestehen keine.

Obwohl das Problem bereits verschiedentlich Thema des EU-Parlamentes und des EU-Gerichtshof für Menschenrechte gewesen ist, sind bisher noch keine Konsequenzen gezogen worden ( http://presseblog.blogger.de/stories/819483). Festzuhalten bleibt, der untote Körper der "Volksgemeinschaft" ist nicht mit einer Reform des Jugendamtes, sondern nur mit seiner Abschaffung in's Jenseits zu befördern ( http://www.jugendamt-wesel.com/PETITION/Petition_de.pdf).

Die hier herangezogenen Fallbeispiele bilden nach unserer Auffassung nicht unzulässig verallgemeinerte "Ausnahmen" sonder lediglich die Spitze eines Eisbergs an institutionellem Rassismus.
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Ergänzungen

...etwas über das Ziel hinausgeschossen ...

RZJ 04.01.2010 - 03:25
Ich finde deinen Beitrag sehr lobenswert, da sich heutzutage viele Linke nicht mehr mit dem Thema Erziehung beschäftigen bzw dieses überhaupt hinterfragen.
Allerdings finde ich, dass du ein bisschen zu weit über das Ziel hinausgeschossen bist.
Fakt ist, die Institution "Jugendamt" wurde nicht von den Nazis erfunden geschweige denn wurde von den Nazis kein Konzept erfunden, was es bis heute in dieser Form noch gibt. Zur Zeit des deutschen Faschismus wurde alles, was mit Erziehung zu tun hatte, auf einen völkisch-rassistischen Kurs gebracht, so war es auch an Schulen, Universitäten usw, d.h. der Vorwurf, dass Jugendamt würde eine Schöpfung der NSDAP sein ist falsch.

Ich habe selbst im Jugendamt gearbeitet und einen Blick hinter die Kulissen bekommen dürfen.
Klar ist, dass es überall in jedem Beruf, in jeder Institution und auch in jeder Organisationen Arschlöcher gibt, also auch beim Jugendamt. Auch in meiner Umgebung leben sehr viele MigrantInnen mit ihren Kindern, die oftmals auch vom Jugendamt betreut werden. Rassistische Ausgrenzung oder Drohungen gab es allerdings hier nie (ich möchte damit nicht ausschließen, das das überall so ist). Vielmehr waren es Mütter und Väter, die mit der Situation überhaupt nicht mehr zurecht kamen, und Hilfe bei uns, dem Jugendamt suchten. Überfordert waren sie mit dem kapitalistischen Leistungsdruck und der Ausbeutung die sie tagtäglich zu spüren bekamen. Die Eltern waren oftmals verzweifelt, weil sie nicht so für das Kind da sein konnten, wie sie es wollten, da sie um ihre Miete und ihren Lebensunterhalt zahlen zu können, tagsüber arbeiten müssen. Die Geschichten aus der Systempresse "Jugendamt schläft! Schon wieder ein Kind verwahrlost" (o.ä.) sind wohl allen bekannt. Allerdings sind die Stellen wie fast üpberall chronisch unterbesetzt und viele MitarbeiterInnen nahmen ihre Arbeit mit nach Hause um allen gerecht zu werden und die Flut an Akten bewältigen zu können.
Dann habe ich Kinder erlebt, die angerufen haben, weil sie von ihren Eltern misshandelt werden oder diese Alkohol und/oder drogenkrank sind. In diesen Verhältnissen dürfen Kinder nicht aufwachsen, das muss leider verhindert werden. Und wenn selbst Kinder anrufen bzw zum Jugendamt weitergeleitet werden, dann ist der Punkt gekommen, an dem man handeln muss.
Das ist der negativste, aber auch der geringste Anteil der Arbeit der Jugendämter. Kinder aus den Familien in Obhut nehmen. Natürlich ist das für alle beteiligten eine unangenehme Situation, und Pflegefamilien und Kinderheime können keine biologische Familie ersetzten, aber in manchen Fälle ist das eben notwenig, zum Schutze des Kindes. Ein Fall von dem ich hörte war, dass eine Mutter ihre Kinder verwahrlosen hat lassen, da ihre kinder für sie nur Mittel zum Zweck waren. Der Zweck war das Kindergeld...

Allgemein möchte ich sagen, finde ich es wichtiger, die Wurzel der verheerenden Verhältnisse in der Erziehung zu erkennen und zu überwinden. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung zwingt Menschen dazu sich ausbeuten zu lassen und ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Die Billiglöhne und verheerenden Unterbezahlungen sind der Ursprung für die Überlastung der Menschen. Wie soll in solchen Verhältnissen ein Kind sich frei entfalten können?
Du forderst eine ersatzlose Abschaffung des Jugendamtes? Die ist sinnvoll und notwendig, allerdings ist das nur mit einer Überwindung der herrschenden Verhältnisse zu schaffen, denn der Kapitalismus ist nicht reformierbar!

muss ausgefüllt werden

muss ausgefüllt werden 04.01.2010 - 10:39
www.politikmitkindern.tk

Aufgaben und Arbeitsweise desJugendamtes

Sabine 06.01.2010 - 16:03
Aus meiner Erfahrung mit dem Jugendamt als alleinerziehende Mutter dreier Kinder, kenne ich das Jugerndamt in erster Linie aus dieser Warte - als Entscheider für Sorgerechtsfragen, inkompetente Mitarbeit die willkürlich Partei ergreifen, auf einem hohen Amtsroß sitzend, allmächtig.
Nach Fehlentscheidungen wurden meine Kinder ( sie wollten nur Pubertätskonflikten ausweichen) alle nach und nach ein Fall für die öffentliche Jugendhilfe, sprich Wohngemeinschaften, bis zur Psychatrie und haben seitdem bestimmt mehr als Zenhntausende an Steuergeldern verschluckt, die für Institutionen freudig in Unsummen verteilt werden.

Jetzt werden sie langsam erwachsen und sehen die verheerenden Folgen des Eingriffs in unser Familienleben und würden sicher alle drei für die Abschaffung des Jugendamtes plädieren.

Natürlich möchten sich Jugendamtsmitarbeiter gerne positiv sehen. Und vielleicht gibt es ja auch positive Fälle.
Doch nur allzuoft dienen die bearbeiteten Fälle eher als willkommene Egopolierer. Die Folgen danach sieht man ja nu in den seltensten Fällen, vor allem weil die zuständigen Mitarbeiter ständig wechseln.
Nur ein einziges mal hab ich sehr positive Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht, und zwar in Berlin. In Bayern dagegen waren über Jahre nur unengagierte, machthungrige, wahrscheinlich kinderlose Bürohengste und Dämchen am Werk.
Jugendhilfe könnte man sicher ohne Amtsallüren und Bevormundung wesentlich bessser organisieren. Auch die mIllionen an Geldern könnte man wesentlich sinnvoller einsetzen, wenn man bedingt dass ein Platz in einer Jugend-WG ca. 3000€ kosten ( zumindest in Bayern)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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@ s.l. — RZJ