Hafen der Hoffnung - Hit the production

Katharina Schipkowski 24.12.2009 23:20 Themen: Biopolitik Weltweit Ökologie
Tag 7 der Klima-Konferenz in Kopenhagen: Der Protest steht unter dem Motto "Hit the production". Eine Aktion, die nicht so ganz ohne zu sein scheint. Kinder, Omas und Kranke zu Hause lassen, war die Ansage. Eine Black-Block-Aktion, mit dem Ziel, den Hafen zu besetzen.
Unentspannt. Die Menschen sitzen in kleinen Gruppen zusammen, überlegen, diskutieren, planen, laufen herum, tauschen sich aus. Keiner weiß so recht, viele sind verwirrt. Die Stimmung ist angespannt im größten Klima-Aktivisten-Camp in Kopenhagen. Seit 7 Tagen verhandeln Regierungs- und Interessenvertreter von 192 Staaten im Bella Center über die Zukunft unseres Planeten. Herausgekommen ist dabei noch nichts. Aber es bewegt sich was, und zwar bei 3000 jungen Menschen aus verschiedenen Ländern, die nach Dänemark gereist sind um Druck auszuüben auf die, die Entscheidungen über die Erderwärmung treffen. Um Öffentlichkeit zu schaffen, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen, Alternativen zu diskutieren, Zeichen zu setzen. Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Um zusammen laut „Halt!“ zu rufen.
Für morgen ist eine Aktion geplant, die nicht so ganz ohne zu sein scheint. Kinder, Omas und Kranke zu Hause lassen, war die Ansage. Eine Black-Block-Aktion, mit dem Ziel, den Hafen zu besetzen. Allerdings muss man erstmal in den Hafen reinkommen, und das an sich ist schon strafbar. Zäune müssen zerschnitten werden, ein Team aus mehreren Runnern soll vorgeschickt werden um den besten Weg für die Masse zu finden. Und wenn wir drinnen sind, was machen wir dann? Und wie kommen wir wieder raus? Worin liegt überhaupt der Sinn der Aktion? Ob das keiner so richtig weiß, oder ob das keiner so richtig wissen darf, ist schwer zu beantworten. Informationen werden zögerlich weitergegeben, aus Angst vor Zivilbullen. Sicher weiß die Polizei Bescheid - seit Monaten wird die Aktion geplant, Plakate hängen und Flyer liegen aus. Da kann man doch gleich in den Knast gehen, das kommt aufs Selbe raus. Ob sich das Risiko lohnt, ist die Frage. Oder ob wir schnell genug rennen können. Fest steht, dass, je weniger Menschen zur Aktion gehen, desto geringer die Erfolgschancen der Aktion sind und desto höher das Risiko für diejenigen, die hingehen. Könnte man nicht noch mal jemanden fragen, ob es einen Notfallplan gibt und was im schlimmsten Fall passieren kann? Ratlosigkeit in unserer Bezugsgruppe, es gibt keinen Notfallplan. Neben uns sitzt eine Gruppe über einer Hafen-Skizze. Die wissen auf jeden Fall, was sie machen, wenn sie im Hafen sind.
Am nächsten Tag schwebt ein Polizeihubschrauber über den Köpfen der Menschen, die sich am Treffpunkt versammelt haben. Kinder, Omas und Kranke sind nicht da. Aber doch eine relativ große Masse Kapuzenpullitragender Hafenbesetzer. Ein Lautsprecherwagen ist da und Karten werden verteilt: Kopien, auf denen der Hafen in Sektoren unterteilt ist, mögliche Ein- und Ausgänge eingezeichnet und die im Hafen ansässigen Unternehmen lokalisiert und beschrieben werden. „Headquarters of Maersk a/s at esplanaden 50: Maersk is a big Danish Shipping Company, with special tax regulations, which they have earned by always threatening to leave the country. They have earned a lot on sending war materials fort he Americans to use in Iraq. The owner of the company is clearly the biggest capitalist (but not the biggest tax payer) in Denmark, moreover he ist he dictator of Denmarks war politics in Iraq.“ Ganz unten auf der Karte steht: „The mass will cut off the tax identificationes of the containers.“ Dann mal los. Die Masse bewegt sich schnell, die Polizei auch. Viele Leute sollen neben dem Lautsprecherwagen gehen um diesen zu schützen. Taschen mit Material sind im Wagen: Gasmasken, Kneifzangen, Heckenscheren. Drei Kilometer sind es bis zum Hafen. Ein bisschen lang für eine illegale Demo. Nach einem Kilometer ist Schluss – die Polizei lässt uns nicht weiter. Da stehen wir nun in einer Kurve, vor uns eine Polizeisperre, hinter uns plötzlich auch. Bis jetzt haben wir nichts getan, vom Hafen sind wir weit entfernt. Die Polizei drückt die Menge zusammen. Es entsteht Gerangel. Die Menge schiebt nach vorne, die Polizei nach hinten, Knüppel treffen Demonstranten. Einige Polizisten stürmen den Lautsprecherwagen, prügeln und zerren die Menschen herunter und beschlagnahmen den Wagen. „We are peacefull – what are you?“ fragen die eingekesselten Demonstranten die dänischen Polizisten. Raus kommt man jetzt nicht mehr. Presse drängt sich am Rand, blitzende Kameras halten Szenen fest. Dann werden die Journalisten von einer Polizeikette abgedrängt. Die Situation wird zusehends unangenehmer und der Kreis immer kleiner. Auf der anderen Seite sammeln sich verhaftete Demonstranten auf dem Boden, die Hände auf die Rücken gebunden. „Is this what democracy looks like?“ fragt die Menge.

In den Hafen der Hoffnung hat es an diesem Tag keiner geschafft. Immerhin wurden die meisten Demonstranten schließlich freigelassen. Die dänischen Polizisten hatten keine Sturmmasken und keine Helme auf. Weder Tränengas noch Pfefferspray wurde eingesetzt, kein Wasserwerfer zielte auf uns und kein Hund knurrte uns an. Eine positive Bilanz? Für die 250 Verhafteten sicher nicht. Für die, die die Aktion lange im Voraus geplant hatten, sicher auch nicht. Für alle, die etwas vom Klimagipfel erwartet haben, sowieso nicht. Ergebnisse aus Kopenhagen gibt es nicht. So einfach ist das. Schleichend stellt sich die Gewissheit ein, dass Interessenvertreter über den ganzen Globus gereist sind, um im Bella Center nichts zu machen. Für das Klima wäre es besser gewesen, sie wären zu Hause geblieben. Für das Bewusstsein einer Generation ist es gut, dass sie da waren. Diese junge Generation nimmt ein Problem ernst, dass von den Mächtigen hinter verschlossenen Türen belächelt wird. Der Mann mit der Zigarre und dem Zylinder lacht schallend. Ein Gletscher weint stumm. Eine Generation schreit laut.
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Ergänzungen

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hmz — hmz

@@ — @

@ HMF — Der da sein tut

Was — jaja

KEINE illegale demo — ergänzerIn

bidde??? — generationsloser

aha — ...

@ bidde?? — Autorin