Großrazzia bei Dresdner Hooligans
Im Laufe des Tages wurden am Dienstag in der sächsischen Landeshauptstadt die Wohnungen von mehreren Mitgliedern und Sympathisanten der Dresdner Hooligan-Szene durchsucht. Anlass waren monatelange Ermittlungen gegen die Gruppe. Insgesamt 12 Männer wurden im Anschluss an die Durchsuchungen festgenommen worden.
Am Dienstag durchsuchten insgesamt 350 Polizeibeamte mehr als 50 Wohnungen, Büros und Fahrzeuge in Dresden. Ziel der Ermittler war eine Gruppierung von Hooligans die gemeinsam mehrere Gewalt- und Straftaten begangen haben soll. Dabei wurden Computer, Handys, Bilder und Videos beschlagnahmt. Die Verdächtigen sollen nach Angaben des Sprechers der Dresdner Staatsanwaltschaft, Christian Avenarius, "militärisch durchorganisiert" gewesen sein und klare Hierarchien innerhalb der Gruppierung gehabt haben. Neben dem primären Ziel Gewalt auszuüben, soll zudem auch ein wirtschaftliches Interesse bestanden haben. Insgesamt 12 Männer wurden vorläufig festgenommen.
Der Ausgangspunkt des Verfahrens waren vermutlich die bisher ergebnislosen Ermittlungen gegen rechte Schläger, die im vergangen Jahr im Anschluss an das EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei mehrere türkische Lokale in der Neustadt angegriffen und Menschen verletzt hatten. Die Tat hatte weltweit Schlagzeilen gemacht.
Erst kürzlich war mit Tony Beger aus Dresden einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Übergriffe im Juni 2008 unter merkwürdigen Umständen in einem anderen Verfahren freigesprochen worden. Beger soll Beziehungen zum regionalen Ableger des Motorradclubs Gremium MC haben. Bisher war nur Türsteher und Dynamo Dresden Hooligan Willy Kunze vom Dresdner Landgericht zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden, die er bereits vergangene Woche nach nur wenigen Monaten in Freiheit antreten musste. Den rassistischen Hintergrund für die Tat wollten die Richter bei der Urteilsverkündung im März nicht erkennen.
In einem anderen Verfahren waren ein Jahr nach der Tat, zwei von drei Angeklagten ebenfalls aus Mangel an Beweisen ohne Strafen davongekommen. Durch die Ermittlungen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung kann jedoch nun gegen alle Mitglieder der Gruppierung mit ihren teilweise "mafiösen Verhaltensweisen", so die Staatsanwaltschaft, Anklage erhoben werden.
Der Ausgangspunkt des Verfahrens waren vermutlich die bisher ergebnislosen Ermittlungen gegen rechte Schläger, die im vergangen Jahr im Anschluss an das EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei mehrere türkische Lokale in der Neustadt angegriffen und Menschen verletzt hatten. Die Tat hatte weltweit Schlagzeilen gemacht.
Erst kürzlich war mit Tony Beger aus Dresden einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Übergriffe im Juni 2008 unter merkwürdigen Umständen in einem anderen Verfahren freigesprochen worden. Beger soll Beziehungen zum regionalen Ableger des Motorradclubs Gremium MC haben. Bisher war nur Türsteher und Dynamo Dresden Hooligan Willy Kunze vom Dresdner Landgericht zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden, die er bereits vergangene Woche nach nur wenigen Monaten in Freiheit antreten musste. Den rassistischen Hintergrund für die Tat wollten die Richter bei der Urteilsverkündung im März nicht erkennen.
In einem anderen Verfahren waren ein Jahr nach der Tat, zwei von drei Angeklagten ebenfalls aus Mangel an Beweisen ohne Strafen davongekommen. Durch die Ermittlungen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung kann jedoch nun gegen alle Mitglieder der Gruppierung mit ihren teilweise "mafiösen Verhaltensweisen", so die Staatsanwaltschaft, Anklage erhoben werden.
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& [redok] berichtet ...
Morgenpost
Razzia: Dynamo-Hools hatten frühen Besuch
Noch vorm Morgengrauen schlug die Polizei bei den Schlägern zuIn der Szene zählen sie zu den härtesten Schlägern. Die „Hooligans Elbflorenz" sind in der Prügel-Welt eine feste Größe. Seit Monaten stehen sie im Visier der Polizei. Gestern schlugen die sächsischen Fahnder zu. Sie durchsuchten Dutzende Wohnungen und nahmen zwölf der Dynamo-Hools vorläufig fest.
Polizei und Staatsanwaltschaft präsentierten gestern mit stolzgeschwellter Brust die Ergebnisse. „Heute sind wir einen entscheidenden Schritt bei der Bekämpfung der Gruppenkriminalität weitergekommen", freute sich Polizeipräsident Dieter Hanitsch. Nach dem Überfall auf die Döner-Läden in der Neustadt nach dem EM-Halbfinale, am 25. Juni 2008, wurde zunächst monatelang nach Einzeltätern gefahndet. Der Rädelsführer des Angriffs, Willy K. (22), wanderte im März für zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Während der Ermittlungen stieß die Soko „Halbfinale" aber auf die streng organisierte Hooligan-Bande. Oberstaatsanwalt Christian Avenarius: „Sie erfüllen die Voraussetzungen einer kriminellen Vereinigung." Nach verdeckten Ermittlungen im Umfeld der „Hooligans Elbflorenz" schlugen die Ermittler gestern zu: Bei 45 Verdächtigen (20 bis 33 Jahre) standen kurz vor 6 Uhr Fahnder auf der Matte, durchsuchten 58 Wohnungen, Autos und Geschäftsräume, beschlagnahmten Computer, Telefone, Videos und Fotos. Auch der schon verurteilte Willy K. bekam in seiner Zelle in Waldheim Besuch. Er ist für die Ermittler der Chef des sogenannten „Jungsturms", der Nachwuchsabteilung der Elbflorenz Hools. Sein Haftraum wurde durchsucht, danach gab's den „Ausflug" zum Haftrichter nach Dresden. Weitere elf verdächtige wurden vorläufig festgenommen. Vier von ihnen schickte der Haftrichter bis zum Abend hinter Gitter, darunter einen Familienvater.
Telefonüberwachungen, Observationen und offenbar V-Männer hatten genug Beweise zutage befördert. Demnach prügeln sich die Hooligans mit denen anderer Vereine: so am 30. Oktober auf der Autobahn in Thüringen. Bei der Prügelei mit „Gegnern" aus Frankfurt wurde einem Mann der Kopf zertrümmert -er liegt noch in der Klinik. Außerdem ging der Trupp auf Unbeteiligte los und drängt immer mehr in die Türsteherszene. Kripo-Chef Thomas Uslaub bezeichnete es als „naheliegend", dass einige Schläger bei Dynamo-Heimspielen Ordner waren. Die Ermittlungen dauern an. sts/us
Quelle: Morgenpost Dresden (16.12.09)
Ein Schwalbe....
Zur Razzia bei den "Hooligans Elbflorenz"
"Es muss leider als typisch gelten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft in ihrer offiziellen Mitteilung über die gestrige Razzia bei gewalttätigen Hooligans deren Verzahnung mit der militanten extremen Rechten zu erwähnen vergaßen. Diese Vergesslichkeit hat offenkundig System und konkrete Folgen. Einige Verfahren im fraglichen Komplex endeten aus Mangel an Beweisen mit Freisprüchen, da der Tatvorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung zu diesem Zeitpunkt nicht erhoben wurde. Bei der bisher einzigen Verurteilung zu einer Haftstrafe blendete das Gericht den rassistischen Hintergrund der Tat aus. Immerhin gesteht inzwischen Thomas Uslaub, Chef der Dresdner Kriminalpolizei ein, dass Kader der extremen Rechten in der Bande eine Führungsrolle hatten.
Wenn eine Gruppierung wie die so genannten ,Hooligans Elbflorenz' ohne sichtliche Konsequenzen seit mindestens Oktober 2007 aktiv ist und schwere Straftaten begeht, die Staatsanwalt Christian Avenarius als mafiöse Verhaltensweisen charakterisiert, haben offenkundig die Strafverfolgungsbehörden und die Justiz versagt. Diese zögerlichen Reaktionen ordnen sich nahtlos in die Unterschätzung der Problemlage ein. Es handelt sich um eine unheilige Dreifaltigkeit der Ignoranz: Die Staatsregierung sieht keine Tendenzen zur Unterwanderung von Vereinen durch Strukturen der extremen Rechten. Für den Verfassungsschutz sind selbst neonazistische Hooligangruppen wie die Blue Caps Leipzig kein Beobachtungsobjekt, das Landeskriminalamt verfügt über keine Zahlen zu Straftatbeständen mit rechtsextremem Hintergrund im Bereich des Sports. Bundesländer wie Brandenburg sind auch in diesem Zusammenhang deutlich des Problems bewusster.
Eine Wissenschaftlergruppe um den renommierten Hooliganforscher Gunter A. Pilz geht von bis zu 1.000 gewaltbereiten extremen Rechten allein in den Fußballfanszenen der ersten beiden Bundesligen aus. Nicht zuletzt deshalb wird die Fraktion DIE LINKE in einem Berichtsantrag von der Staatsregierung Aufklärung über die Problemlage im Freistaat, über Erkenntnisse zum Einfluss der extremen Rechten in den Fanszenen und zu nachhaltigen Konzepten verlangen. Einzelne Erfolgsmeldungen, wie die aktuellen aus dem Raum Dresden, können nicht über eine anhaltende Unterschätzung des Problems hinwegtäuschen.
PM MdL Kerstin Köditz, 16.12.09
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Der — Name