cph: Klimagipfel beginnt

ak klima 07.12.2009 22:54 Themen: Globalisierung Weltweit Ökologie
In Kopenhagen begann heute die 15. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC. Nachdem Regierungschefs in den letzten Wochen Erwartungen systematisch heruntergespielt haben, wird jetzt wieder auf Hoffnung gemacht: Viele Länder haben Emissionsziele vorgelegt und Obama kommt nun doch zur entscheidenen Abschlussrunde. Doch die Bewegung für Klimagerechtigkeit misst nicht nur die (immer noch lächerlichen) Emissionsziele kritisch, sondern auch, wie sie erreicht werden sollen. Die Marktmechanismen des Kyoto-Protokolls sind aus Sicht vieler AktivistInnen eher Teil des Problems als der Lösung. Vor Ort gehen jetzt die Vorbereitungen zu vielfältigen Aktionen in die letzte Phase - Convergence Center sind eröffnet und AktivistInnen aus der ganzen Welt treffen ein.
Radikale KritikerInnen des UN-Klimagipfels erhielten in den letzten Tagen Schützenhilfe von relativ unverdächtiger Seite: Der NASA-Klimaforscher James Hansen, der auch in der amerikanischen Anti-Kohle-Bewegung aktiv ist, äußerte in einem Interview im Guardian, es sei besser, der Gipfel scheitere, als dass sein wahrscheinlicher Ausgang als Lösung verkauft werde. Emissionshandel sei nichts als ein Ablasshandel, der die notwendigen CO2-Reduktionen nicht hervorbringen werde. (deutsche Übersetzung des Interviews  http://www.freitag.de/politik/0949-un-gipfel-klima-kopenhagen-kyoto-protokoll-hansen)

Ganz so radikal formuliert es nicht einmal die Aktion "Reclaim Power" ( http://www.climate-justice-action.org/mobilization/reclaim-power-pushing-for-climate-justice/) aus dem Climate Action Network, die am 16. Dezember in einer massenhaften Aktion des zivilen Ungehorsams die Absperrungen rund um den Konferenzort, das Bella Center im Süden der Stadt, überwinden will. Ziel der Aktion ist es, die Konferenz für einen Tag zu unterbrechen, um die die Stimmen der Ausgeschlossenen der globalen Klimadeals laut zu machen und Kritik an den marktbasierten Lösungen wie Emissionshandel zu artikulieren. In den nächsten Tagen beginnen in Kopenhagen Delegiertenplena und Aktionstrainings, um diese und weitere Aktionen vorzubereiten.

So findet am Freitag der Business Day des offiziellen Gipfels statt, bei dem sich aktuelle und mögliche künftige Profiteure des Klimawandels vom Agrobuisness über Investmentbanker bis zu Energiekonzernen treffen und noch einmal offensichtlicher machen, für wen die meisten Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen verhandeln. Aus den Reihen der Klimabewegung wird der Tag dagegen unter dem Motto "our climate is not your business" angegangen. ( http://notyourbusiness.hacklab.dk/)

Am Samstag steht die internationale Großdemo ( http://12dec09.dk/) an, die vor allem von einem Bündnis größerer Umwelt-NGOs organisiert wird. Während das Climate Action Network und Climate Justice Now!, ein Zusammenschluss von Bewegungen und kritischen NGOs vor allem auf dem Globalen Süden sich dieser bunten und niedrigschwelligen Demo mit einem eigenen Block unter dem Motto "Climate Change not System Change" anschließen, bereiten sich andere auf konfrontativere Aktionen in der Kopenhagener Innenstadt vor ( http://de.indymedia.org/2009/11/266689.shtml), die ihre Ziele jenseits des Demozuges suchen sollen.

Für den Sonntag will der Aktionstag "Hit the Production"( http://www.climate-justice-action.org/mobilization/hit-the-production-of-climate-chaos/) mit dem Kopenhagener Hafen einen symbolischen Ort der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die mit ihrem Wachstumszwang auch den Klimawandel verursachen, ins Visier nehmen. Die weltweite KleinbäuerInnenorganisation Via Campesina zielt mit einem Aktionstag Landwirtschaft auf die industrialisierte Landwirtschaft, die mit Massentierhaltung und Kunstdüngung einen wesentlichen Anteil zur Treibhausgasproduktion beiträgt, während KleinbäuerInnen und FischerInnen zu den ersten Betroffenen gehören.

Infos über die Anreise nach Kopenhagen gibt es unter anderem hier:  http://klima.blogsport.de/, einige Links zu weitergehenden Materialien hier:  http://www.avanti-projekt.de/





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Ergänzungen

situation an den grenzen

borderinfo kph 08.12.2009 - 15:36
was infos über die rechtliche situation und die aktuelle situation an den grenzen betrifft , schaut vor der abreise auf den deutschen bzw. englischen blog
grenzsolicop15.blogsport.de (deutsch)
borderwatchcop15.blogsport.de(englisch)
wer sich im norden aufhält und /oder schwedisch versteht :
infocop15.wordpress.com (schwedisch)
oder motkraft.net (schwedisch)
gute reise!:)