H: 100 Menschen bei Demo gegen Abschiebung
Am Samstag waren rund 100 Menschen auf einer Demo gegen Abschiebungen nach Syrien in Hannover und haben mit Deutschlandfahnen dafür demonstriert hier bleiben zu dürfen!
Am Samstag den 5.12.09 haben in Hannover rund 100 Menschen gegen das deutsch-syrische Rückübernahmeabkommen, unbeschränktes Bleiberecht für Alle, einer Abschaffung der „Residenzpflicht“ so wie der Lagerunterbringung demonstriert.
Organisiert und unterstützt wurde die Demo von „Jugendliche ohne Grenzen“, dem kurdischen Verein "Newroz e.V.", der „Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen“, dem „Niedersächsischen Flüchtlingsrat“ sowie der „Gesellschaft für bedrohte Völker“.
Die Demo sollte eine Fortsetzung der großen Bleiberechtsproteste gegen die Innenministerkonferenz in Bremen darstellen
(
http://imk2009.blogspot.com ,
http://de.indymedia.org/2009/12/267931.shtml,
http://de.indymedia.org/2009/12/267863.shtml ).
Nähere inhaltliche Infos zum Thema Abschiebung nach Syrien gibt es hier:
http://carava.net/2009/11/28/schluss-mit-den-abschiebungen-nach-syrien-weg-mit-dem-deutsch-syrischen-abschiebe-ruckubernahmeabkommen/#more-782
Desweiteren möchte ich hier nun nicht auf die inhaltlichen Forderungen eingehen, sondern vom, doch sehr enttäuschenden, Ablauf der Demonstration berichten.
Ich bin aus Bremen zu der Demo gereist war zunächst über die Teilnehmerzahl enttäuscht. Es haben sich nur um die 100 Menschen am Samstag Mittag dazu aufraffen können sich in die Kälte zu stellen, was vermutlich aber auch an der schlechten Mobilisierung lag.
Die Teilnehmer setzten sich fast vollständig aus Menschen mit Migrationshintergrund zusammen, die oft auch direkt von den Abschiebungen bedroht sind. Es haben leider nur sehr wenige nicht selbst betroffene, sprich in Deutschland geborene, Personen an der Demo teilgenommen. Man konnte diese an zwei Händen abzählen – 2 Familien und ein paar Linksalternative Jugendliche.
Bei der Eröffnungskundgebung am Steintor gab es, neben einigen holprigen, aber ganz guten Redebeiträgen, einen komplett auf kurdisch gehaltenen Text und kurdische Parolen, die mir als „Kurdistan, Kurdistan, wir sind Kurden etc...“ übersetzt wurde. Mal abgesehen von diesem schwierigen Umgang mit Nationen, zu dem ich gleich noch komme, finde ich es nicht geschickt für Integration und Bleiberecht zu demonstrieren, aber die Redebeiträge in einer dem Publikum fremden Sprache zu äußern.
Zynisch für eine Demo gegen geschlossene Grenzen und für globale Bewegungsfreiheit, wenn auch eher nebensächlich, empfand ich, dass die Demoleitung und die Ordner peinlichst genau darauf geachtet haben, dass man nicht aus der Reihe tanzt, sprich die Straßenbahn und Autos nicht blockiert und bei der Kundgebung nicht außerhalb des von der Polizei erlaubten Radius steht. So wurde ich von einem freundlichen Ordner mit den Worten “Hier ist die Grenze, da dürft ihr nicht drüber“ zurück gepfiffen, als ich ungefähr einen Meter zu weit vom Lautsprecherwagen weg stand, damit die Passanten das Transparent besser lesen konnten.
Überhaupt gaben sich die Anwesenden sehr viel Mühe gutbürgerlich rüber zu kommen. Dies finde ich auf Grund ihrer prekären Lage auch verständlich. Sie wollen zeigen, dass sie nicht die assozialen Ausländer sind, wie die Medien sie oft darstellen.
Es dauerte allerdings nicht lange (die Demo befand sich immer noch am Startpunkt) und die ersten Deutschlandfahnen wurden hoch gehalten. Ich habe diese Leute daraufhin auf die Fahnen angesprochen und ihnen versucht zu erklären wie ich zu Nationalsymbolen stehe. Ich meine, dass auch auf einer Demo wie dieser klar sein sollte, dass die BRD nicht gefeiert werden muss, auch nicht wenn man hier leben möchte. Auch ich bin froh hier in Deutschland leben zu können und dennoch sehe ich Deutschland als Rassistisch und Schuldig an tausenden von Morden und Folterungen an, indem sie eine Politik der Abschiebung und Diskriminierung unterstützen!
Deshalb kommt es für mich nicht in Frage durch das zeigen von Nationalsymbolen jeglicher Art die unüberwindbaren Grenzen zwischen den Ländern und Kontinenten sowie zwischen den Menschen zu akzeptieren. Gerade nicht auf einer Demo wie dieser!
Die Personen mit den Deutschlandfahnen (ca. 12) haben mich leider nicht verstanden (sie dachten ich wollte ihnen das Recht absprechen, dass sie die Fahnen tragen dürften, da sie keine Deutsche wären), bzw. haben mir deutlich gemacht, dass sie zu dem Land stehen und es lieben und ich ihnen Leid tue, wenn ich diese Liebe nicht teile.
Ich entschloss mich also der, von weitem wie ein Nazi-Aufmarsch aussehenden, Demo lieber zu zugucken, mich aber nicht selbst daran zu beteiligen. Es wurden durch den Lautsprecherwagen Parolen gerufen wie „No Border, No Nation, Stop Deportation“, was in Verbindung mit den Deutschlandfahnen extrem lächerlich aussah!
Ich habe mich schließlich komplett von der Veranstaltung entfernt und musste feststellen, dass die Demonstration hauptsächlich auf Abneigung in der Bevölkerung stieß, was vermutlich aber nicht an den Deutschlandfahnen lag.
Alles in allem ein meiner Meinung nach vergeudeter Tag und eine Demo, die keine Ahnung hatte was das Grundproblem dieser ganzen Abschiebungsproblematik ist, nämlich Rassismus! Und dieser wird durch nationales Denken gefördert und unterstützt.
Weitere Infos bei der Karawane:
http://thecaravan.org/node/2220
...Platz für Parolen...
Organisiert und unterstützt wurde die Demo von „Jugendliche ohne Grenzen“, dem kurdischen Verein "Newroz e.V.", der „Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen“, dem „Niedersächsischen Flüchtlingsrat“ sowie der „Gesellschaft für bedrohte Völker“.
Die Demo sollte eine Fortsetzung der großen Bleiberechtsproteste gegen die Innenministerkonferenz in Bremen darstellen
(
http://imk2009.blogspot.com ,
http://de.indymedia.org/2009/12/267931.shtml,
http://de.indymedia.org/2009/12/267863.shtml ). Nähere inhaltliche Infos zum Thema Abschiebung nach Syrien gibt es hier:
http://carava.net/2009/11/28/schluss-mit-den-abschiebungen-nach-syrien-weg-mit-dem-deutsch-syrischen-abschiebe-ruckubernahmeabkommen/#more-782 Desweiteren möchte ich hier nun nicht auf die inhaltlichen Forderungen eingehen, sondern vom, doch sehr enttäuschenden, Ablauf der Demonstration berichten.
Ich bin aus Bremen zu der Demo gereist war zunächst über die Teilnehmerzahl enttäuscht. Es haben sich nur um die 100 Menschen am Samstag Mittag dazu aufraffen können sich in die Kälte zu stellen, was vermutlich aber auch an der schlechten Mobilisierung lag.
Die Teilnehmer setzten sich fast vollständig aus Menschen mit Migrationshintergrund zusammen, die oft auch direkt von den Abschiebungen bedroht sind. Es haben leider nur sehr wenige nicht selbst betroffene, sprich in Deutschland geborene, Personen an der Demo teilgenommen. Man konnte diese an zwei Händen abzählen – 2 Familien und ein paar Linksalternative Jugendliche.
Bei der Eröffnungskundgebung am Steintor gab es, neben einigen holprigen, aber ganz guten Redebeiträgen, einen komplett auf kurdisch gehaltenen Text und kurdische Parolen, die mir als „Kurdistan, Kurdistan, wir sind Kurden etc...“ übersetzt wurde. Mal abgesehen von diesem schwierigen Umgang mit Nationen, zu dem ich gleich noch komme, finde ich es nicht geschickt für Integration und Bleiberecht zu demonstrieren, aber die Redebeiträge in einer dem Publikum fremden Sprache zu äußern.
Zynisch für eine Demo gegen geschlossene Grenzen und für globale Bewegungsfreiheit, wenn auch eher nebensächlich, empfand ich, dass die Demoleitung und die Ordner peinlichst genau darauf geachtet haben, dass man nicht aus der Reihe tanzt, sprich die Straßenbahn und Autos nicht blockiert und bei der Kundgebung nicht außerhalb des von der Polizei erlaubten Radius steht. So wurde ich von einem freundlichen Ordner mit den Worten “Hier ist die Grenze, da dürft ihr nicht drüber“ zurück gepfiffen, als ich ungefähr einen Meter zu weit vom Lautsprecherwagen weg stand, damit die Passanten das Transparent besser lesen konnten.
Überhaupt gaben sich die Anwesenden sehr viel Mühe gutbürgerlich rüber zu kommen. Dies finde ich auf Grund ihrer prekären Lage auch verständlich. Sie wollen zeigen, dass sie nicht die assozialen Ausländer sind, wie die Medien sie oft darstellen.
Es dauerte allerdings nicht lange (die Demo befand sich immer noch am Startpunkt) und die ersten Deutschlandfahnen wurden hoch gehalten. Ich habe diese Leute daraufhin auf die Fahnen angesprochen und ihnen versucht zu erklären wie ich zu Nationalsymbolen stehe. Ich meine, dass auch auf einer Demo wie dieser klar sein sollte, dass die BRD nicht gefeiert werden muss, auch nicht wenn man hier leben möchte. Auch ich bin froh hier in Deutschland leben zu können und dennoch sehe ich Deutschland als Rassistisch und Schuldig an tausenden von Morden und Folterungen an, indem sie eine Politik der Abschiebung und Diskriminierung unterstützen!
Deshalb kommt es für mich nicht in Frage durch das zeigen von Nationalsymbolen jeglicher Art die unüberwindbaren Grenzen zwischen den Ländern und Kontinenten sowie zwischen den Menschen zu akzeptieren. Gerade nicht auf einer Demo wie dieser!
Die Personen mit den Deutschlandfahnen (ca. 12) haben mich leider nicht verstanden (sie dachten ich wollte ihnen das Recht absprechen, dass sie die Fahnen tragen dürften, da sie keine Deutsche wären), bzw. haben mir deutlich gemacht, dass sie zu dem Land stehen und es lieben und ich ihnen Leid tue, wenn ich diese Liebe nicht teile.
Ich entschloss mich also der, von weitem wie ein Nazi-Aufmarsch aussehenden, Demo lieber zu zugucken, mich aber nicht selbst daran zu beteiligen. Es wurden durch den Lautsprecherwagen Parolen gerufen wie „No Border, No Nation, Stop Deportation“, was in Verbindung mit den Deutschlandfahnen extrem lächerlich aussah!
Ich habe mich schließlich komplett von der Veranstaltung entfernt und musste feststellen, dass die Demonstration hauptsächlich auf Abneigung in der Bevölkerung stieß, was vermutlich aber nicht an den Deutschlandfahnen lag.
Alles in allem ein meiner Meinung nach vergeudeter Tag und eine Demo, die keine Ahnung hatte was das Grundproblem dieser ganzen Abschiebungsproblematik ist, nämlich Rassismus! Und dieser wird durch nationales Denken gefördert und unterstützt.
Weitere Infos bei der Karawane:
http://thecaravan.org/node/2220 ...Platz für Parolen...
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Ergänzungen