Naziaufmarsch in Königswusterhausen

Timur und sein Trupp 06.12.2009 18:24 Themen: Antifa
Naziaufmarsch in Königswusterhausen (bei Berlin), von einem massiven Polizeiaufgebot durchgesetzt.

Am 5. Dezember fand ein Naziaufmarsch in Königswusterhausen (bei Berlin) statt. Wie schon seit 2003, forderten die Nazis ein sogenanntes „Nationales Jugendzentrum“. Ursprünglich von der, mittlerweile verbotene, Berliner Kameradschaft BASO organisiert, fand der Aufmarsch im letzten Jahr in Berlin-Lichtenberg statt. In diesem Jahr also in Königswusterhausen.
Etwa 300 Nazis, mehrheitlich Freie Kameradschaften und einige Lokale NPDler, versammelten sich am Bahnhof von KW. Ursprünglicher Beginn war 13 Uhr. Letztendlich stellten sich die Nazis um 13.45 Uhr zum loslaufen auf. Ein starkes Polizeiaufgebot schirmte die Nazis weiträumig ab. Zitat des Pressesprechers der Polizei: "... Unter 1000 aber mehrere 100 Beamte sind im Einsatz ...“ Mehrere Anti-Antifa-Fotografen knipsten alles, was nicht nach Rechts und Polizei aussah. Personen die versuchten in die Nähe der Demo zu gelangen um lauthals Ihren Protest zu artikulieren, wurden von der Polizei sofort abgedrängt.

Gegen 14.30 Uhr geriet der Naziaufmarsch an der Ecke Erich-Weinertstraße/ Goethestraße ins stocken. Teilnehmer der antifaschistischen Gegendemo (Bericht auf Indymedia:  http://de.indymedia.org/2009/12/268019.shtml) blockierten die Erich-Weinert-Straße, auf Höher der Herderstraße. Nach kurzem Halt führte die Polizei die Nazis zur Straßenkreuzung Erich-Weinert-Straße/Heinrich-Heine Straße, wo diese eine Zwischenkundgebung einlegten. Dann wurden die Nazis bis auf etwa 100 Meter an die Blockade herangeführt. Die Polizei vollzog ihr übliches Vorgehen. Die blockierenden Personen wurden dreimal aufgefordert die Straße zu verlassen: Zitat: ”… Ich möchte noch mal betonen, dass uns das auch keinen Spaß macht …”, “… Wir wollen das hier so stressfrei wie möglich hinter uns bringen …”. (Quelle des Zitats:  http://www.classless.org/2009/12/05/eine-kurze-blockade-in-konigs-wusterhausen/ ).

Um 15 Uhr begann die Polizei die, dann noch einhundert blockierende Personen abzuräumen. Um 15.10 Uhr war die Straße für die Nazis frei. Dass die Räumung noch halbwegs glimpflich ablief, hat wohl mit der Anwesenheit des Bürgermeisters zu tun und dem Zustand, dass die Einsatzleitung beim zuständigen Schutzbereich lag und von dem nicht an fremde Polizeieinheiten abgegeben wurde.

Der Nazimarsch zog unbehelligt weiter. Die meisten Gegendemonstranten versammelten sich auf dem Fontaneplatz, wo das Bürgerbündnis, bei Bockwurst und besinnlich-weihnachtlicher Schlagermusik, ein sogenanntes Gegenfest abhielt. Doch dort verhinderte ein massives Polizeiaufgebot die Möglichkeit einer neuerlichen Blockade und die Nazis konnten unbehelligt am Fest vorbeiziehen.

An dieser Stelle muss der Bericht enden, denn die Berichterstatter waren durchgefroren und konnten das Nazisgesocks nicht mehr ertragen. Sie machten sich deshalb auf den Heimweg.
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Ergänzungen

300 Nazis ...

Timur und sein Trupp 06.12.2009 - 19:18
... auf einem Blick

Weitere Bilder hier...

AIR MAX 06.12.2009 - 20:15

Bürgermeister und die Stadt KW

Pelztier 06.12.2009 - 20:32
Das der Bürgermeister Herr Franzke für den "glimpflich" verlaufenen Polizeieinsatz verantwortlich sein könnte, halte ich für unwahrscheinlich. Seine Aussagen im Aufruf: „Die Stadt darf nicht zu einem Tummelplatz für rechte Kräfte und Demonstrationstouristen aus nah und fern werden“ (wen meint er wohl alles mit Demonstrationstouristen?) und seine Äußerungen im Tagesspiegel danach: „Die Befürchtungen sind eingetreten, dass Königs Wusterhausen als Platz genutzt wird, um Militanz auszuüben und Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften zu suchen.“ lassen diesen Schluß wohl kaum zu. Warum ein SPD-Politiker mit seiner Aussage noch die Einschätzung der Polizei über einen insgesamt friedlichen Verlauf überflügeln muss und eine friedliche Sitzblockade als Militanz kriminalisiert, sollte mal hinterfragt werden. Ein Dank an die vielen UnterstützerInnen aus dem Umland und Berlin von seiner Seite läßt sich dagegen in der Presse nicht finden. Rechnet man von den ca. 600 Gegendemonstrantinnen etwa 300 sogenannte Autonome und etwa 150-200 sonstige GegendemonstrantInnen die extra nach KW gekommen sind ab, bleibt ein überschaubarer Rest antifaschistischen Engagements der Stadt KW übrig. Hochachtung gilt gerade deshalb den Menschen, die aus KW den Weg zu dieser Demonstration gefunden haben. Leider war auch das "multikulturelle" Weihnachtsfest (die Bezeichnung verursacht schon ein mehr als unangenehmes Gefühl in meiner Magengegend)nur recht spärlich besucht. Wieviele zuvor bei dem Gottesdienst waren, ist mir nicht bekannt.

Noch ein Wort zu der zweiten Blockade. Ob der Abzug von 60-70 Prozent der Blockierenden in Richtung Fontaneplatz den Ausschlag für die dann erfolgte Räumung der Sitzblockade war, mag Spekulation sein, erscheint aber im Nachhinein als wahrscheinlich. Zumindest befanden sich die Nazis zu diesem Zeitpunkt schon teilweise auf der Ausweichroute. Letztendlich erleichterte es zumindest die Räumung durch die Polizei um ein Vielfaches und lies die Koordinierung und den Zusammenhalt der Blockierer ziemlich chaotisch erscheinen. Eine taktische Glanzleistung war es jedenfalls ganz gewiss nicht.

@ Pelztier 2. Räumung

Autonomi 06.12.2009 - 20:55
Mein Hauptproblem mit der 2. Räumung war, daß es im Nachgang noch ca 3 Verhaftungen gab, die sich wohl um diese Räumung drehten, glaubt mensch der Polizei.

Nazis teilweise auf Ausweichroute

@pelztier 06.12.2009 - 21:39
da must du wohl auf einer anderen veranstaltung gewesen sein. ich war die gesammte zeit bei den rechten. die sind nicht mel einen meter von ihrer route abgewichen. wo soll das den deiner meinung nach gewesen sein? es gab da wohl beider blokade so eine info oder gerücht. aber das war absoluter quark. wer auch immer das verbreitet hat hat müll verbreitet.

3 festnahmen

demonstrationsteilnehmer nr.187 06.12.2009 - 22:42
mindestens zwei festnahmen fanden am fontaneplatz statt

Nazis in der Heinrich-Heine-Str.

Pelztier 07.12.2009 - 09:59
Es mag ja getäuscht haben. Jedenfalls befanden sich die Nazis zum Teil schon in der Heinrich-Heine-Str.(s. Bilder). So war es von der Blockade aus wahrnehmbar. Auch, dass diese wieder auf die Hauptroute zurück kamen, als sich ein Großteil der Blockierer zum Fontaneplatz begab. Unstrittig dürfte aber sein, dass der Weggang eines Teils der Blockierer, die Position der Verbliebenen entscheidend geschwächt hat. Wenn die Einsatzkräfte vor Ort die Verhätnismäßigkeit der Durchsetzung des Demonstrationsrechtes der Nazis zu einer Räumung der Blockade geprüft haben, dürfte die personelle Schwächung der Blockade in diesem Moment den Ausschlag zu Gunsten einer Räumung gegeben haben.

@Nazis in der Heinrich-Heine-Str.

@pelztier 07.12.2009 - 16:47
was du da gesehen hast (fotos) war folgendes: die nazis haben an der stelle einen großen kreis gebildet und eine zwischenkundgebung abgehalten. das sah zum anfang aus als ob sie abbiegen wollen.

Geänderte Route der Anti-Nazi-Demo

WolfangS 08.12.2009 - 16:45
An der Kreuzung Goethe-/R.-Becher-Str. wurde die Route abgeändert, so dass die Demo nicht wie vorgesehen durch die Goethestraße geführt wurde. Ein Dokument bei Wikileaks zeigt, dass die Bundespolizei diese Abweichung bereits am 04.12.2009 vorgesehen hatte. Veranstaltungslage Königs Wusterhausen

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