Kampf um die Erinnerung an Arbeitshaus
Während de AK "Marginalisierte gestern und heute" um einen Erinnerungsort im ehemaligen Berliner Arbeitshaus kämpfen, werben obskure Hoteliers damit, dass erlebnishungrige Touristen für 40 Euro in einer Zelle des Arbeitshauses übernachten können.
„Als Geheimtipp für Kenner und Liebhaber Berlins“ wirbt das „Andere Haus 8“ um Gäste.
„ Individuell eingerichtete, ehemalige Zellen, teilweise mit Wasserblick, und wohltuende Ruhe erwarten Sie abends nach Ihren Entdeckungstouren durch die lebendige Metropole“, heißt es dort. . Die Übernachtung kostet pro Bett 40 Euro.
Auch erfährt man, dass es sich bei dem Gebäude um ein „Arresthaus für männliche Corrigenden“ gehandelt habe. Erst wenn man weiterklickt, erfährt man, dass es sich bei dem Gebäude um das ehemalige Arbeitshaus Berlins gehandelt hat. Seit 1876 sind dort Tausende als asozial stigmatisierter Menschen eingeliefert wurden. In der NS-Zeit diente das Gebäude als Arbeitslager und Gefängnis für sogenannte unerwünschte Personen. Es war Teil des NS-Terrorsystems.
Dass der Kampf um eine Erinnerungsstätte im größten Berliner Arbeitshaus bisher nicht von Erfolg gekrönt ist, hat nach Ansicht von Lothar Eberhardt auch damit zu tun, dass die Stigmatisierung von sogenannten Asozialen bis heute andauert. Man braucht nur die Hetze gegen Erwerbslose und die entsprechenden Äußerungen von Sarrazin und Co. verfolgen, um auf genügend Beweise für diese These zu stoßen.
Lothar Eberhardt hat am vergangenen Mittwoch als Aktivist des „Arbeitskreises Marginalisierte gestern und heute“ auf einer Veranstaltung in Berlin-Friedrichshain noch einmal die Forderung nach einer Erinnerungsstätte im ehemaligen Arbeitshaus bekräftigt. Selbst eine Tafel ist dort nicht angebracht worden, obwohl es da schon vor mehr als einem Jahr Zusagen von BezirkspolitikerInnen der Linken gegeben hat.
Mittlerweile ist die Rummelsburger Bucht, wo das Arbeitshaus stand, ein begehrtes Wohngebiet geworden, Townhäuser für die wohlhabende Mittelklasse wurden gebaut und finden Absatz. Ein Gedenken für das Arbeitshaus passt da nicht rein, oder eben so, wie es Huberta Bettex von Schenck vom „Anderen Haus 8“ versteht. Dann soll das Arbeitshaus etwas Grusel für den Berlin-Touristen bieten.
Wäre es nicht an der Zeit, dieser Verhöhnung, der als asozial Stigmatisierten entschiedenen Widerstand entgegen zu setzen? Diese Frage stellten sich die BesucherInnen der Veranstaltung.
Dabei könnte ein Film helfen, den die Berliner Filmemacherin Andrea Behrendt über die Geschichte des Berliner Arbeitshauses gedreht hat und der zu Beginn der Veranstaltung gezeigt wurde. Der Titel lautet: „arbeitsscheu – abnormal – asozial“. In 30 Minuten werden nicht nur die wichtigsten Informationen über die Geschichte des Arbeitshauses gegeben. Es wird auch gezeigt, wie der AG Marginalisierte für die Erinnerung kämpft und wie eben solche Projekte, wie eben „Das andere Haus 8“ sich dort breit machen.
Warum sprach Glietsch auf Kundgebung?
In dem Film finde sich eine Szene, in der der Berliner Polizeipräsident Glietsch zu sehen ist, wie er auf einer Kundgebung vor dem ehemaligen Arbeitshaus eine Rede hält, auf der er sich für die Praktiken der Berliner Kriminalpolizei entschuldigt, die eine wichtige Rolle bei der Erfassung und Verhaftung der als asozial Stigmatisierten spielte. Es gab auf der Veranstaltungen kontroverse Diskussionen zu der Frage, welchen Sinn es macht, einen solchen Redner einzuladen, wenn gleichzeitig auch heute noch die Polizei gegen als Asozial Stigmatisierte vorgeht. Auch wenn es heute kein Arbeitshaus mehr gibt, so gibt es noch vielfältige Formen der Stigmatisierung sogenannter Asozialer. Lothar Eberhardt verteidigte die Teilnahme von Glietsch an der Kundgebung ausdrücklich. Es müsse gerade darum gekämpft werden, dass sich staatliche Institutionen, wie auch die Polizei von diesen Praktiken distanzieren.
Allerdings wurde auch deutlich, dass die Rede eines Polizeipräsidenten keineswegs dafür sorgt, dass die Politik sich um einen Gedenkort rund um das Arbeitshaus kümmert. Da bedarf es noch weiterer Aktionen, vielleicht auch in der Rummelsburger Bucht. Was spräche dagegen, wenn es wieder wärmer wird, dort einmal eine öffentliche Videokundgebung mit dem Film „arbeitsscheu – abnormal – asozial“ zu machen und der Forderung „Gedenkort sofort“ zu machen?
Infos zum Film: arbeitsscheu – abnormal – asozial
http://marginalisierte.de/filmtipp
Infos zum Buch: ausgegrenzt ... angeblich asozial" [von Anne Allex, Dietrich Kalkan (Hg.)]
http://marginalisierte.de/
und eine Rezension des Buches:
http://www.trend.infopartisan.net/trd1209/t031209.html
„ Individuell eingerichtete, ehemalige Zellen, teilweise mit Wasserblick, und wohltuende Ruhe erwarten Sie abends nach Ihren Entdeckungstouren durch die lebendige Metropole“, heißt es dort. . Die Übernachtung kostet pro Bett 40 Euro.
Auch erfährt man, dass es sich bei dem Gebäude um ein „Arresthaus für männliche Corrigenden“ gehandelt habe. Erst wenn man weiterklickt, erfährt man, dass es sich bei dem Gebäude um das ehemalige Arbeitshaus Berlins gehandelt hat. Seit 1876 sind dort Tausende als asozial stigmatisierter Menschen eingeliefert wurden. In der NS-Zeit diente das Gebäude als Arbeitslager und Gefängnis für sogenannte unerwünschte Personen. Es war Teil des NS-Terrorsystems.
Dass der Kampf um eine Erinnerungsstätte im größten Berliner Arbeitshaus bisher nicht von Erfolg gekrönt ist, hat nach Ansicht von Lothar Eberhardt auch damit zu tun, dass die Stigmatisierung von sogenannten Asozialen bis heute andauert. Man braucht nur die Hetze gegen Erwerbslose und die entsprechenden Äußerungen von Sarrazin und Co. verfolgen, um auf genügend Beweise für diese These zu stoßen.
Lothar Eberhardt hat am vergangenen Mittwoch als Aktivist des „Arbeitskreises Marginalisierte gestern und heute“ auf einer Veranstaltung in Berlin-Friedrichshain noch einmal die Forderung nach einer Erinnerungsstätte im ehemaligen Arbeitshaus bekräftigt. Selbst eine Tafel ist dort nicht angebracht worden, obwohl es da schon vor mehr als einem Jahr Zusagen von BezirkspolitikerInnen der Linken gegeben hat.
Mittlerweile ist die Rummelsburger Bucht, wo das Arbeitshaus stand, ein begehrtes Wohngebiet geworden, Townhäuser für die wohlhabende Mittelklasse wurden gebaut und finden Absatz. Ein Gedenken für das Arbeitshaus passt da nicht rein, oder eben so, wie es Huberta Bettex von Schenck vom „Anderen Haus 8“ versteht. Dann soll das Arbeitshaus etwas Grusel für den Berlin-Touristen bieten.
Wäre es nicht an der Zeit, dieser Verhöhnung, der als asozial Stigmatisierten entschiedenen Widerstand entgegen zu setzen? Diese Frage stellten sich die BesucherInnen der Veranstaltung.
Dabei könnte ein Film helfen, den die Berliner Filmemacherin Andrea Behrendt über die Geschichte des Berliner Arbeitshauses gedreht hat und der zu Beginn der Veranstaltung gezeigt wurde. Der Titel lautet: „arbeitsscheu – abnormal – asozial“. In 30 Minuten werden nicht nur die wichtigsten Informationen über die Geschichte des Arbeitshauses gegeben. Es wird auch gezeigt, wie der AG Marginalisierte für die Erinnerung kämpft und wie eben solche Projekte, wie eben „Das andere Haus 8“ sich dort breit machen.
Warum sprach Glietsch auf Kundgebung?
In dem Film finde sich eine Szene, in der der Berliner Polizeipräsident Glietsch zu sehen ist, wie er auf einer Kundgebung vor dem ehemaligen Arbeitshaus eine Rede hält, auf der er sich für die Praktiken der Berliner Kriminalpolizei entschuldigt, die eine wichtige Rolle bei der Erfassung und Verhaftung der als asozial Stigmatisierten spielte. Es gab auf der Veranstaltungen kontroverse Diskussionen zu der Frage, welchen Sinn es macht, einen solchen Redner einzuladen, wenn gleichzeitig auch heute noch die Polizei gegen als Asozial Stigmatisierte vorgeht. Auch wenn es heute kein Arbeitshaus mehr gibt, so gibt es noch vielfältige Formen der Stigmatisierung sogenannter Asozialer. Lothar Eberhardt verteidigte die Teilnahme von Glietsch an der Kundgebung ausdrücklich. Es müsse gerade darum gekämpft werden, dass sich staatliche Institutionen, wie auch die Polizei von diesen Praktiken distanzieren.
Allerdings wurde auch deutlich, dass die Rede eines Polizeipräsidenten keineswegs dafür sorgt, dass die Politik sich um einen Gedenkort rund um das Arbeitshaus kümmert. Da bedarf es noch weiterer Aktionen, vielleicht auch in der Rummelsburger Bucht. Was spräche dagegen, wenn es wieder wärmer wird, dort einmal eine öffentliche Videokundgebung mit dem Film „arbeitsscheu – abnormal – asozial“ zu machen und der Forderung „Gedenkort sofort“ zu machen?
Infos zum Film: arbeitsscheu – abnormal – asozial
http://marginalisierte.de/filmtipp Infos zum Buch: ausgegrenzt ... angeblich asozial" [von Anne Allex, Dietrich Kalkan (Hg.)]
http://marginalisierte.de/ und eine Rezension des Buches:
http://www.trend.infopartisan.net/trd1209/t031209.html
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Ergänzungen
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Hmm.... — naja
jo... — ...
Keine Macht — für NIEMAND
oh mann.. — ...
werbung? — anna