Nazianschlag in Russland?

* aka * 28.11.2009 22:19 Themen: Antifa Weltweit
Auf den Hochgeschwindigkeitszug zwischen Moskau und Petersburg - den „Newski Express“ - wurde am gestrigen Abend ein Bombenanschlag verübt. Ein Sprengsatz zündete und zerstörte die letzten drei Waggons des Zuges. Ein zweiter wurde in der Nähe gefunden. Am Abend wurde die Zahl von 39 Toten veröffentlicht. Unter den Opfern war der Chef der Föderalen Reservetruppen (Rosreserv) Boris Evstratikov und der Chef der Föderalen Verkehrsagentur (Rosavtodor) und Ex-Senator von Petersburg Sergej Tarasov. Zur Zeit läuft die Diskussion, welche „Terroristen“ für den Anschlag verantwortlich sind.
Im Laufe des Tages veröffentlichte ein Funktionär der „Bewegung gegen Illegale Einwanderung“ (DPNI) in seinem Blog eine Erklärung, in der sich die Gruppe „Combat-18“ zur Zerstörung des „Newaexpress“ bekennt. In der Online Ausgabe der russischen Newsweek – gazeta.ru – wurden Teile des Textes veröffentlicht. Darin werden weitere Anschläge angekündigt und allen „Spießbürgern“ der Krieg erklärt. Die Nazispinner bekäftigen, daß sie in Zukunft nur noch zwischen ihren Nazikumpanen und Feinden unterscheiden werden. Eine Unterscheidung zwischen Unbeteiligten und Unschuldigen wollen die Nazis nicht mehr treffen.

Inwieweit diese Nazierklärung authentisch ist, bleibt völlig unklar. Die Veröffentlichung wurde offensichtlich von der Sicherheitsbehörden forciert. Gegenüber den Medien wollten sie bis zum Abend die Meldungen nicht bestätigen. Sie behaupten immer noch, daß keine Verbindungen zu irgendeiner terroristischen Gruppierung ermittelt werden konnte. Die schnelle Veröffentlichung auf einem Blog eines Funktionärs der DPNI und die späte heftige Distanzierung der radikalnationalistischen Organisationen von dem Anschlag könnte allerdings auch für eine Beteiligung rechtsterroristischer Zellen sprechen.

Die Schutzbehauptung der DPNI, daß die Gruppe „Combat-18“ spätestens seit 2007 nicht mehr existieren würde, weil ihr einziges Mitglied Maxim „Tesak“ Marzinkevic im Januar diesen Jahres zu 3 ½ Jahren Knast verurteilt wurde, kann nur als lächerliche Ablenkung betrachtet werden. Zum einen verwechseln sie offensichtlich „Combat-18“ mit „Format-18“. Und anderserseits bleibt unerwähnt, daß es enge Verbindungen zwischen dem russischen „Blood & Honour / Combat 18“ Netzwerk, den Nazischlägern der militanten Gruppe „Ob’edinennaja Brigada – 88“ (OB-88), dem Tichonov, einer der Mörder von Markelov und Baburova, angehörte, den Nazischlägern des „Studio Format – 18“ sowie der Bewegung „Russkij Obraz“ gibt. Letztere werden in letzter Zeit oft mit Politikern der regierenden Partei „Edinja Rossija“ gesehen.

Die Verbindung zwischen diesen widerlichen militanten Nazitypen erwähnt die kritische Zeitung „Novaja Gazeta“, für die Baburova schrieb, in ihrem Artikel zu der Zuspitzung des nationalistischen Terrors am 25. November diesen Jahres. Darin wird ein rassistisches, widerwärtiges gemeinsames Papier von „OB-88“, „Combat-18“ und „Russkij Obraz“ mit dem Titel „Ethischer Kodex des russischen Nationalisten“ erwähnt. Gegenüber Interfax hat Galina Kozhevnikova vom Informations- und Analysezentrum „SOVA“ bestätigt, daß Naziskingruppen unter dem Label „Combat-18“ organisiert und aktiv sind und durchaus dies durchaus keine Konstruktionen sind.

Die rechtsterroristische Gefahr in Russland sollte nicht unterschätzt werden. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, daß Nazis den Anschlag auf den „Newskij Express“ verübt haben, relativ gering ist, so bleibt doch die Möglichkeit. Aus der kaukasischen Region sind bisher keine Verlautbarungen bekannt geworden, die Neuigkeiten oder andere Perspektiven auf den Anschlag zulassen.

Quellen
 http://www.gazeta.ru/news/lastnews/2009/11/28/n_1429487.shtml
 http://www.novayagazeta.ru/data/2009/131/15.html
 http://www.interfax-russia.ru/NorthWest/main.asp?id=58174
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Ergänzungen

Hier habe ich noch etwas zur Ergänzung

dagmar.schatz 29.11.2009 - 11:01
Wer etwas über die Vernetzung der Herrschaften von DPNI in Westeuropa lesen will, kann das hier tun:
 http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14487

Zu den Vernetzungen nach Deutschland:
 http://npd-blog.info/2008/09/22/npd-ausenpolitik-die-achse-berlin-moskau/

Die DNPI ist gut vernetzt mit Euro-Rus, das von einem ehemaligen Vlaams Belang-Mitglied geführt wird, die wiederum mit der "Nieuw Solidaristisch Alternatief", die als nächstes mit pseudo-Antikapitalismus auf die Ruhrgebiets-Demo mobilisiert haben. BTW - was liest man von da?

Wenn nicht Nazis,

wer dann? 30.11.2009 - 00:13
Das Unglück wird einem Nazi-Anschlag zugewiesen. Der erste Teil ist gut erarbeitet. Tatsächlich gibt es nach den Fotos keinen Grund, anderes als einen Anschlag zu vermuten. Die Hochgeschwindigkeitslinie ist so ziemlich die bestausgebaute Russlands und entspricht durchaus "europäischen Standards", nicht umsonst gibt es vereinbarungen zwischen R und Siemens oder so, dort eine Art ICE3 fahren zu lassen. Wenn die von einem rechten Anschlag sprechen, ist das am wahrscheinlichsten, denn lieber würde man andere dafür am Werke sehen (Tschetschenen...), und es entspricht dem Charakter großen rücksichtslosen organsierten Verbrechens im westlichen="europäischen" Teil Russlands... Was soll das mit dem Kaukasus? Die Ergänzungen können z.T. in den Müll oder nach unten verschoben werden - meine eingeschlossen...

Anschlag 2007

Siebhirn 30.11.2009 - 08:56
Vor zwei Jahren gab's ja schon mal so einen Anschlag, damals wurden zwei Anarchisten und ein Tschetschene verhaftet und es wurde offiziell dazu was von islamistisch-anarchistischen Terrorgruppen gefaselt. Die Anarchisten waren ins Visier der Fahnder geraten, weil sie sich gegen den Tschetschenien-Krieg engagiert hatten, und wurden nach einigen Wochen ohne Anklage freigelassen, der Tschetschene kam, wenn ich mich recht erinnere, einige Zeit später ebenfalls frei. Soviel zur Qualität offizieller Verlautbarungen und der Ermittlungsarbeit...

Spezialität Zugattentate

* aka * 30.11.2009 - 09:59
Der Anschlag auf den "Newski Express" im Jahr 2007 wurde wahrscheinlich ebenfalls von Nazis verübt. Damals waren es insbesondere lokale Ermittler, die von einem Nazianschlag ausgingen. Außerdem wurden damals am Anschlagsort Zünder gefunden, die in einer ähnlichen Bauweise schon 2005 bei einem Anschlag auf einen Zug von zwei Nazis benutzt wurden. Auch ein Anschlag im Jahr 2006 auf einem Markt trug eine ähnliche Handschrift.

Es bleibt abzuwarten, wann die Ermittlungsbehörden Kaukasier_innen, Anarchist_innen oder andere Nonkonformist_innen als Täter präsentieren werden. Nazis scheinen von staatlichen Seite nicht bedrängt zu werden.

Dies erinnert verdächtig an die (italienische) "Strategie der Spannung", bei der Naziterroristen, hohe Staatsbeamte, Geheimdienste und interessierte Einzelpersonen sich verschworen, Anschläge durchführten und diese "Anarchisten" in die Schuhe schoben.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Vorsichtig...

Gondon 29.11.2009 - 00:13
Also dass die Tschetschenen irgendein Wohnhaus in die Luft gesprengt haben, würde ich so nicht behaupten. Diese ganze Geschichte stinkt bis zum Himmel...

 http://de.wikipedia.org/wiki/Sprengstoffanschl%C3%A4ge_auf_Wohnh%C3%A4user_in_Russland

Mein tiefes Mitgefühl gilt den armen Opfern...

PS: Wie später ein LKW voll mit Terroristen und Waffen durch ein Gebiet im Süden Russlands nach Beslan fährt, in dem es nur so von Miliz, Omon und Blockposten wimmelt wird wohl auch ein Rätsel bleiben...

völliger

schwachsinn 29.11.2009 - 00:38
das ist ne ente. entweder von gelangweilten nazis, gelangweilten antifas, geheimdienst oder, was am warscheinlichsten ist, von der presse erfunden.