Gerichtsprozess wegen Containern in Ahrensbur
Am 27.11. findet um 9:00 Uhr im Amtsgericht Ahrensburg ein Gerichtsprozess gegen zwei Menschen statt, die versuchen, ihren täglichen Bedarf von dem zu nehmen, was im Kapitalismus ohnehin weggeworfen wird. Einer Technik, derer sie sich dabei bedienen, nennen die beiden "containern".
Sie gehen nachts zu Supermärkten, und suchen aus den Müllcontainern die Gegenstände heraus, die noch brauchbar oder genießbar sind. "Die Dinge im Müll haben keinen Marktwert mehr, da niemand damit mehr Geld machen kann. Einen Nutzwert haben sie aber immer noch. Dadurch, dass wir von den Krümmeln dieses verschwenderischen Wirtschaftssystems leben, vergrößern wir die zusatzliche umwelt- und menschenschädliche Produktion nur minimal im Vergleich zu anderen," sagte Johannes, einer der beiden Angeklagten.
Die Zeit, die sie damit gewinnen, stecken sie in "Politik" wie sie sagen. Beide versuchen, soweit es eben geht, Alternativen zum herrschaftsförmigen Kapitalismus zu entwickeln, um möglichst vielen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen" sagt Johannes. Klaus fügt hinzu: "Wir versuchen, eine Wirtschaftsweise zu entwickeln, die möglichst abgekoppelt vom Kapitalismus funktioniert. Wir stehen dabei aber leider noch ganz am Anfang". Doch sie beteiligen sich auch an politischen Aktionen. Johannes engagiert sich gegen Atomkraft und Gentechnik, und besetzte z.B. im Frühling ein Genfeld in Braunschweig. "Wir haben dort Holztürme errichtet, um die Aussaat des gentechnisch manipulierten Saatgutes zu verhindern!" sagt Johannes. Klaus, der andere Angeklagte, engagiert sich viel für Antifaschismus. Er besucht Demonstrationen, organisiert Veranstaltungen, die versuchen, über Faschismus aufzuklären. Außerdem arbeitet er in einer antisexistischen Gruppe in Bad Oldesloe.
Im letzten Dezember wurden beide auf einer ihre Touren von der Polizei verhaftet. Sie waren damals zu viert. Eine Freundin und der achtjährige Sohn eines Freundes, die nicht glauben wollten, was all abendlich im Müll landet, hätten ausnahmsweise mitgedurft. "Die Polizei behauptet, wir seien über einen Zaun gestiegen, und hätten einen schweren Rollstuhl und zwei weitere Gegenstände über den Zaun gereicht." Nun wird den beiden "Schwerer Diebstahl" vorgeworfen. Die Gegenstände sollen laut der betroffenen Firma noch einen Wert von ca. 177 Euro gehabt haben.
Zu diesem Vorwurf sagt Klaus: "Wir waren containern. Was dann passierte, würde ich im Nachhinein am ehesten als vielstufiges Missverständnis zwischen allen Beteiligten bezeichnen." Mehr mag auch Johannes öffentlich zu den konkreten Umständen bisher nicht sagen, da er fürchtet, der "Gegenseite" sonst Hinweise auf seine Verteidigungsstrategie zu geben.
Auf die Frage, welches Interesse die Polizei an den Verfahren hätte, behauptet Johannes: "Wir sind hier polizeibekannt, denn kritische Menschen stehen schnell unter Beobachtung der Polizei. Erst recht, wenn sie sich politisch für Veränderungen im Land einsetzen, so wie wir." Der für Diebstahl zuständige Kripo-Beamte Wackerow sei in Personalunion auch als Staatsschutzer für die Kontrolle des politischen Umfeldes von Johannes und Klaus zuständig. "Gerade erst im Juni haben die selben Polizisten versucht, zwei Freunde von uns mit erfundenen Behauptungen zu verknacken!" Die damaligen Vorwürfe der Beleidigung, des Widerstandes und der falschen Personalienangabe seien damals jedoch nach insgesamt fünf Prozesstagen eingestellt worden. "Die Verfahren stützten sich auf Behauptungen von Polizisten, die jetzt auch wieder als angebliche Zeugen oder Sachbearbeiter beteiligt sind". In einem der Verfahren habe einer der Angeklagten sogar anhand der Akten und der Polizeiausagen nachweisen können, dass der Staatsschutz eine interne Dienstbesprechung veranstaltet habe, in der laut der Staatsschützerin Wolters "die Namen des Angeklagten gefallen sind", und anschließend erst Anzeigen geschrieben wurden, die Vorfälle betrafen, die sich zwei Wochen vorher erreignet hätten. "Vor diesem Hintergrund der Repression gegen politische Oppositionelle muss man auch unseren Prozess sehen." lautet das Fazit der beiden Betroffenen.
Die Verhandlung gegen Johannes und Klaus findet am Freitag, den 27.11.09 im Amtsgericht Ahrendsburg (Saal 001) um 9:00 Uhr statt und ist öffentlich.
Link zur Verhaftung wegen Containern im Dezember 08:
http://de.indymedia.org/2008/12/235432.shtml
Link zur Demo gegen Repression im Dezember 08:
http://de.indymedia.org/2008/12/235890.shtml
Link zum "Widerstandsverfahren" im Juni 09:
http://de.indymedia.org/2009/04/247636.shtml
Link zum Prozess wegen "falscher Namensangabe" im Juni 09:
http://de.indymedia.org/2009/06/253143.shtml
http://de.indymedia.org/2009/06/253427.shtml
Die Zeit, die sie damit gewinnen, stecken sie in "Politik" wie sie sagen. Beide versuchen, soweit es eben geht, Alternativen zum herrschaftsförmigen Kapitalismus zu entwickeln, um möglichst vielen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen" sagt Johannes. Klaus fügt hinzu: "Wir versuchen, eine Wirtschaftsweise zu entwickeln, die möglichst abgekoppelt vom Kapitalismus funktioniert. Wir stehen dabei aber leider noch ganz am Anfang". Doch sie beteiligen sich auch an politischen Aktionen. Johannes engagiert sich gegen Atomkraft und Gentechnik, und besetzte z.B. im Frühling ein Genfeld in Braunschweig. "Wir haben dort Holztürme errichtet, um die Aussaat des gentechnisch manipulierten Saatgutes zu verhindern!" sagt Johannes. Klaus, der andere Angeklagte, engagiert sich viel für Antifaschismus. Er besucht Demonstrationen, organisiert Veranstaltungen, die versuchen, über Faschismus aufzuklären. Außerdem arbeitet er in einer antisexistischen Gruppe in Bad Oldesloe.
Im letzten Dezember wurden beide auf einer ihre Touren von der Polizei verhaftet. Sie waren damals zu viert. Eine Freundin und der achtjährige Sohn eines Freundes, die nicht glauben wollten, was all abendlich im Müll landet, hätten ausnahmsweise mitgedurft. "Die Polizei behauptet, wir seien über einen Zaun gestiegen, und hätten einen schweren Rollstuhl und zwei weitere Gegenstände über den Zaun gereicht." Nun wird den beiden "Schwerer Diebstahl" vorgeworfen. Die Gegenstände sollen laut der betroffenen Firma noch einen Wert von ca. 177 Euro gehabt haben.
Zu diesem Vorwurf sagt Klaus: "Wir waren containern. Was dann passierte, würde ich im Nachhinein am ehesten als vielstufiges Missverständnis zwischen allen Beteiligten bezeichnen." Mehr mag auch Johannes öffentlich zu den konkreten Umständen bisher nicht sagen, da er fürchtet, der "Gegenseite" sonst Hinweise auf seine Verteidigungsstrategie zu geben.
Auf die Frage, welches Interesse die Polizei an den Verfahren hätte, behauptet Johannes: "Wir sind hier polizeibekannt, denn kritische Menschen stehen schnell unter Beobachtung der Polizei. Erst recht, wenn sie sich politisch für Veränderungen im Land einsetzen, so wie wir." Der für Diebstahl zuständige Kripo-Beamte Wackerow sei in Personalunion auch als Staatsschutzer für die Kontrolle des politischen Umfeldes von Johannes und Klaus zuständig. "Gerade erst im Juni haben die selben Polizisten versucht, zwei Freunde von uns mit erfundenen Behauptungen zu verknacken!" Die damaligen Vorwürfe der Beleidigung, des Widerstandes und der falschen Personalienangabe seien damals jedoch nach insgesamt fünf Prozesstagen eingestellt worden. "Die Verfahren stützten sich auf Behauptungen von Polizisten, die jetzt auch wieder als angebliche Zeugen oder Sachbearbeiter beteiligt sind". In einem der Verfahren habe einer der Angeklagten sogar anhand der Akten und der Polizeiausagen nachweisen können, dass der Staatsschutz eine interne Dienstbesprechung veranstaltet habe, in der laut der Staatsschützerin Wolters "die Namen des Angeklagten gefallen sind", und anschließend erst Anzeigen geschrieben wurden, die Vorfälle betrafen, die sich zwei Wochen vorher erreignet hätten. "Vor diesem Hintergrund der Repression gegen politische Oppositionelle muss man auch unseren Prozess sehen." lautet das Fazit der beiden Betroffenen.
Die Verhandlung gegen Johannes und Klaus findet am Freitag, den 27.11.09 im Amtsgericht Ahrendsburg (Saal 001) um 9:00 Uhr statt und ist öffentlich.
Link zur Verhaftung wegen Containern im Dezember 08:
http://de.indymedia.org/2008/12/235432.shtml Link zur Demo gegen Repression im Dezember 08:
http://de.indymedia.org/2008/12/235890.shtml Link zum "Widerstandsverfahren" im Juni 09:
http://de.indymedia.org/2009/04/247636.shtml Link zum Prozess wegen "falscher Namensangabe" im Juni 09:
http://de.indymedia.org/2009/06/253143.shtml
http://de.indymedia.org/2009/06/253427.shtml
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Prozessbeobachtung
Würdet ihr bitte weiter über das Verfahren berichten und uns auf dem laufenden halten, da gerade die Entwicklung zur Dumpster-Diving-Repression, um politisch aktiven Menschen auf die Nerven zu gehen, in Belgien und anderen Ländern das ganze recht spannend machen.
(z.B.
Vertagt auf 11.12. um 8 Uhr 30
nach einer Stunde wurde der Prozess wegen
-Polizeizeugen nicht da
- Befangenheitsanträge
unterbrochen und auf den 11.12. um 8:30 Uhr vertagt.
Engesteltt