Pößneck: Nazis laufen ins Leere

kein name 21.11.2009 01:45 Themen: Antifa
Freitag, der 20.11.2009. Innerhalb von zwei Wochen versammelten sich zum wiederholten Male Nazis in Pößneck um für die Rückgabe des Schützenhauses zu demonstrieren.
Kurzes Vorgeplänkel

Bereits am Abend des 06.11.09 fand in Pößneck eine Demonstration von Nazis durch die Innenstadt statt. Anlass war die Versieglung der Pößnecker Rieger Immobilie am 06.11.2009 durch die Stadt Pößneck. Diese Maßnahme wurde zur Eigentumssicherung für die Erben nach Riegers Tod durchgeführt.
Eine für den 14.11.2009 angemeldete Demonstration der NPD wurde verboten. Die NPD klagte nicht gegen das Verbot.
Auch der Bundesparteitag der NPD Jugendorganisation JN am 14.11.2009 konnte dank der rechtlichen Maßnahmen der Stadt Pößneck nicht stattfinden.

Ein Volk, ein Reich, eine Innenstadt?

Am Abend des 20.11.09 versammelten sich etwa 50 Nazis neben dem Arbeitsamt in Pößneck, gut abgesichert durch die Polizei, um in Form einer Demonstration mit Zwischenkundgebung an die „Schlimme“ Tat der Stadt Pößneck und ihres Bürgermeisters zu erinnern. Am Demonstrationsauftaktort der Nazis wurden kurz die Auflagen verlesen, dann ging es ziemlich leise und gemächlich voran, immer Richtung Innenstadt und Schützenhaus. Angeheizt von „Nazimucke“ wurde der Braune Zug lauter. Mit Parolen wie „Nationaler Sozialismus – Jetzt!“, „Frei, Sozial und National“ und „Bürger macht die Straße frei“ zog man die „Breite Straße“ entlang. Eigentlich hätten die Nazis sich alle Parolen sparen können, aber die zu Letzt erwähnte besonders, denn die Bürger saßen „Zur besten BRD Sendezeit“ (Quelle: Nationaler Widerstand Thüringen) vorm Fernseher, in Kneipen oder nahmen doch eher spärlich und zaghaft am Gegenprotest teil. Ein am Rande des Naziaufzugs erschienener älterer Herr, hätte am liebsten alle Nazis nach Afghanistan geschickt – eine gerechte Sache.

Zwischenkundgebung am Objekt der Begierde.

Hier wurde gehetzt und rumgeheult.
Die Antifaschisten, die Stadt Pößneck, ihr Bürgermeister (wurde persönlich angegriffen) und das Landratsamt, alle sind total böse und gemein (zensiert zwecks Veröffentlichung). Immer die gleiche Leier, der Staat gehört abgeschafft, Antifaschisten sind Häscher des Staates (wenn Die wüssten) und das Schützenhaus gehört wieder in „Deutsche“ Hand. Wär es nicht so traurig und ziemlich ernst gemeint gewesen von den Nazis, hätte man sich darüber amüsieren können. Gerüchteweise wollen die Nazis jetzt noch regelmäßiger in Pößneck vorbei schauen und nach dem „Rechten“ sehen.

Gegenprotest und geordneter Rückzug der Nazis

Nach endlos erscheinenden Minuten, am Ort der Zwischenkundgebung, zog sich der Tross aus NPD und Freien Kräften geordnet und von der Polizei begleitet, Richtung Innenstadt zurück.
Unweit des Nazizwischenkundgebungsortes begannen deren Gegner ihren Protest. Oberhalb des Schützenhauses sammelten sich mindestens genauso viele Menschen wie bei den Rechten. Leider waren viele jüngere Teilnehmer enttäuscht, klare Worte gegen die Nazis und das Schützenhaus fehlten, nur ein Redner versuchte die richtigen Worte zu finden. Denen, den die Solidarität gebührte meldeten sich nicht zu Wort.

Vielleicht gibt es ja noch öfters die Möglichkeit, um in Pößneck das Wort zu ergreifen.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Pößneck und der Osten Thüringens

Anwohner 21.11.2009 - 12:04
Erstaml ist es natürlich schön zu sehen, dass sich auch in Pößneck noch nicht alle Menschen mit dem braunen Pack abgefunden haben und bereit sind gegen die Nazis auf die Straße zu gehen.
In der Bevölkerung in der Provinz im Osten Thüringens stoßen die Nazis leider häufig auf Akzeptanz. Linke Veranstaltungen werden gemieden oder kriminalisiert.In Pößneck waren wohl die Proteste gegen das diesjährige FdV entlarvend. Außer einigen Menschen aus Jena und anderen Städten gab es ihn nämlich nicht. Menschen die sich an den Protesten beteiligten wurden statt dessen doch erschütternd oft von den "normalen Menschen in Pößneck" beschimpft. Auch die Angst vor den bösen kriminellen und gewaltbereiten Linken im Vorfeld des FdV war auffallend einseitig.
Es ist in Pößneck wohl aml an der Zeit, nicht immer nur auf die Nazis zu reagieren, sondern als aktive Linke auch selbstständig in Erscheinung zu treten.

Dennoch: Danke an alle Menschen die sich an den gestrigen Protesten beteiligt haben und soein klares Zeichen gesetzt haben, dass noch nicht alle Menschen in Pößneck den brauen Normalzustand akzeptieren!

Armutszeugnis

opium 21.11.2009 - 18:48
Zwei Gedanken dazu: Glaubt sich der/die Redakteurin selbst was sie geschrieben hat? Wenn an einem Freitag Abend 50 Menschen gegen einen Naziaufmarsch "protestieren" und in der Zeitung "Pößnecker bieten den Neonazis die Stirn" steht, ist das doch fern von jeder objektiven Realität. Bullen und kapitalistische Presse würden sogar einen Erfolg feiern, wenn die Leute in der Zeit shoppen gehen, weil sie die Nazis dabei ja bewusst ignorieren würden.
Dann kann ein CDU-Kirchenvertreter obendrein gegen die radikale Linke hetzen und ein SPD-landrat von Gelassenheit und Widerstand sprechen. Völliges demokratisches Defizit würde es genauer treffen. Nein, die Leute können echt gelassen sein, wenn Nazis Nichdeutsche jagen, aber die gibt es da ja in Thüringen zum Glück nicht so viel. Eigentlich hat noch gefehlt, dass sich der CDUler zusätzlich von der Abschaffung der Kruzifixe in Klassenräumen distanziert hätte, aber da wäre der Artikel bestimmt zu lang geworden, naja beim nächsten Mal.

Dass Parteien und Zivilgesellschaft dort gegen Nazis protestieren ist deren verdammte demokratische Verantwortung, da gibt es nix zu feiern. Gerade nicht, wenn von 13000 EinwohnerInnen nur 50 den Weg zum Protest fanden. Wenn da alle Mitglieder des Stadtrates (24), die vielleicht teilgenommen haben, und Leute von außerhalb abgezogen werden, kommen wir auf vielleicht 20 "normale" BürgerInnen - Respekt! Könnte mit die Solidarität mit einem Bürgermeister kaum besser vorstellen!

Für die Antifas dort gibt es nur den einen guten Tipp, sich nicht inmitten der kapitalistischen Zivilgesellschaft zerreiben zu lassen. Eine radikale Linke braucht zwar BündnispartnerInnen, aber es gibt Schmerzgrenzen. Also das nächste Mal den CDUler vor die Tür setzen oder das hier geben:  http://inex.blogsport.de/offener-brief-gegen-jeden-extremismusbegriff

So what: Nazis und Bullen auf's Maul! Für die soziale Revolution!

OTZ 21.November09:

Pößnecker bieten den Neonazis die Stirn

Zwei emotional aufgeladene Demonstrationen

Pößneck (OTZ/P.C.). Zwei emotional aufgeladene Demonstrationen haben gestern Abend nur wenige Hundert Meter voneinander die Straßen Pößnecks beherrscht. Etwa 80 Bürger standen auf der Kundgebung für Demokratie und Toleranz etwa ebenso vielen Teilnehmern eines Aufmarsches der rechtsextremen NPD gegenüber, schätzte Polizeieinsatzleiter Heiko Steinbiß.

Die Gegendemonstranten versammelten sich oberhalb der Bahnbrücke in der Straße des Friedens und warteten - von Polizeikräften getrennt - auf die Ankunft der Rechten zu ihrer Zwischenkundgebung nahe des Weißen Turms in Sichtweite des Schützenhauses. Die Neonazis waren von ihrem Start- und Zielort Breite Straße gekommen und hatten lautstark ihr Demonstrationsmotto "Modde macht das Häuschen zu, drumm gönnen wir ihm keine Ruh´" gerufen.

Auf einem Solidaritätsspaziergang durch die Engelsstraße, den Wernburger Weg und die Turmstraße zur Stadtkirche nahmen die Gegendemonstranten den Pößnecker Bürgermeister Michael Modde (Freie Wähler) symbolisch in Schutz. Auch der Tannaer Bürgermeister Marco Seidel war gekommen, um seinen Amtskollegen zu unterstützen. Modde hatte bereits juristisch verhindert, dass die NPD einen Aufmarsch vor seinem Wohnhaus veranstalten darf. Die Rechten greifen das Stadtoberhaupt inzwischen persönlich an, weil er das Schützenhaus des kürzlich verstorbenen NPD-Bundesvize Jürgen Rieger hat versiegeln lassen.

Auf der um 21.40 Uhr beendeten Abschlusskundgebung des Bürgerspektrums verlas CDU-Ortsvorsitzender Manfred Brückner den Aufruf der Kreissynode des Kirchenkreises an die 32 000 evangelischen Christen im Landkreis, sich deutlich vom rechtsextremen Gedankengut zu distanzieren. Als Vorsitzender des Pößnecker Gemeindekirchenrates rief Brückner auch zu Distanz gegenüber Linksextremismus auf. Landrat Frank Roßner (SPD) freute sich, dass die Pößnecker inzwischen eine "gute Mischung aus vernünftiger Gelassenheit und entschiedenem Widerstand gegen Rechts gefunden haben".

Es waren mehr als 50!!!!!

Pößnecker 22.11.2009 - 12:16
Hallo Leute,

also 50 Personen sind echt untertrieben, ich war dort und habe mir die Mühe gemacht mal durchzuzählen und ich kam auf ca. 100 - 120 Gegendemonstranten.
Klar könnten es immer noch mehr sein! Aber es ist eine Zahl auf der man aufbauen kann.

subjektiver eindruck

tut nix zur sache 22.11.2009 - 12:48
Am eigentlichen Ort der Abschlusskundgebung waren es dann aber nur noch 50 Menschen. Diese wurde ja eher sang und klanglos nach wenigen Minuten beendet. Ich glaube auch nicht das hier es um einige Menschen mehr oder weniger geht, sondern um den Inhalt von Redebeiträgen und um die Message der Demo. Es ist doch eher erschreckend, dass die, denen die Solidarität galt nix sagten. Nicht die Masse macht eine gute Demonstration aus, sondern ihre Au?enwirkung. Diese fehlte fast gänzlich und Schuld daran waren nicht die jungen Pößnecker die voller Idealismus sind - sondern die, die alles Verteufeln was nicht ins Spießbürgerliche Weltbild passt.

Beim nächsten mal besser machen

Pößneck 22.11.2009 - 15:20
Es war eigentlich angedacht das dann zur Abschlusskundgebung der Bürgermeister usw. reden sollten. Aber dadurch das sich die Antifa woanders "vergnügen" wollte, hat es die Demo in zwei Teile getrennt und somit wurde die Demo dann aufgelößt. So wie ich es mitbekommen habe. Ich gebe der Antifa nicht die Schuld, ohne diese Leute wäre die Demo recht wortlos gewesen *g*.
Wenn diese Demos jetzt öfters stattfinden sollten, muss der Bürgermeister usw. wirklich mal ans Mikro und vielleicht alles anders durchdacht werden!

,,Pößneck und der Osten Thüringens''

Saalfelder 23.11.2009 - 08:46
Die allgemeine Akzeptanz und der spezifisch rechte Zuspruch gegenüber der NDP, stellvertretend für alle anderen radikaleren Faschistenstrukturen, ist kein Problem, das sich markant räumlich eingrenzen lässt. Ich möchte mal zu bedenken geben, dass eine solche Herangehensweise nicht gerade tiefgreifend ist. Dieses Problem tritt und trat bundesweit (fürher noch reichsweit) durch alle gesellschaftlichen Schichten auf. Für Lumpenproletariat ist dieser Zuspruch Ausdruck der sozialen Perspektivlosigkeit, für Mittelständische Ausdruck gesellschaftlicher/staatlich chauvinistischer Anschauungen und wirtschaftlicher Zukunftsängste, für VertreterInnen der wirtschaftlichen und politischen Führungsebene ein willkommener, von materialistischer Kritik ablenkender Blitzableiter für den ,,Volkszorn'' (bezüglich der Xenophobie und des Antisemitismus). Die besondere Teilhabe an der Informationsgesellschaft spielt dabei nicht die Rolle. Vom thüringischen Kleinbauern bis zum berliner Unternehmer sind faschistoide Strukturen immer eine scheinbare Alternative, sei es vor dem Kapitalismus, dem Kommunismus oder einfach nur der Migration.

Anbei sollte mal erwähnt werden - das bleibt nämlich aus bei der Betrachtung - dass Pößneck über eine sehr aktive Linksjugend ['solid]-Gruppe
(,,re[d]solution'') verfügt, die bereits sehr gute Arbeit leistet...